{"id":12040,"date":"2021-05-04T06:00:00","date_gmt":"2021-05-04T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=12040"},"modified":"2021-05-02T09:58:21","modified_gmt":"2021-05-02T08:58:21","slug":"calvino-und-die-welt-ideen-schlussel-und-diffusion-der-zweiten-reform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/calvino-y-el-mundo-ideas-clave-y-difusion-de-la-segunda-reforma\/","title":{"rendered":"Calvin und die Welt: Schl\u00fcsselideen und die Verbreitung der \"zweiten Reformation\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor etwas mehr als einem Jahr fand in der Genfer Kathedrale die erste Eucharistiefeier statt, nachdem es f\u00fcnf Jahrhunderte lang keine katholische Zeremonie gegeben hatte. Eine Feier, die die Ideen der reformierten Theologie wieder auf den Tisch brachte. In diesem Artikel beziehen wir uns auf die Gemeinschaften, die Teil einer protestantischen \"zweiten Reformation\" waren, die in der Schweiz von Zwingli und Calvin gef\u00f6rdert wurde. Von dort aus verbreitete sie sich \u00fcber die ganze Welt zu den 75 Millionen Christen, die dem weltweiten Reformierten Bund angeh\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Einfluss in der Welt der Ideen und in der Gesellschaft ist sogar noch gr\u00f6\u00dfer. Sie werden manchmal auch Puritaner, Presbyterianer und Kongregationalisten genannt. Diese Gemeinschaften entstanden nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Frankreich, den Niederlanden, Schottland, den USA, Lateinamerika und Korea. Der Calvinismus ist somit zu einem weltweiten Ph\u00e4nomen geworden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schweizer Urspr\u00fcnge<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der deutschsprachigen Schweiz predigte Ulrich Zwingli (1484-1531) einen Radikalismus, der Luther selbst missfiel. Auf der Marburger Disputation von 1529 geriet er mit dem Schweizer Reformator aneinander, der nur die symbolische Dimension der Eucharistie verteidigte. Zwingli geh\u00f6rte zur selben Generation wie Luther und wollte daher nie als Lutheraner bezeichnet werden, obwohl er die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben akzeptierte. Au\u00dferdem sah Zwingli in Christus den Lehrer und das Vorbild, w\u00e4hrend f\u00fcr Luther Christus der Retter war, der aus reiner Barmherzigkeit vergibt und ewiges Leben schenkt. Luthers Mentalit\u00e4t war immer von der Theologie des Kreuzes gepr\u00e4gt, Zwinglis von der humanistischen Philosophie mit ihren Methoden, ihrer Logik und ihren intellektualistischen Anspr\u00fcchen. Die spiritistischen und intellektualistischen Tendenzen des Humanismus wurden \u00fcbertrieben.<em>:<\/em> keine Bilder oder Sakramente, sondern vor allem die Liturgie des Wortes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Johannes Calvin <\/strong>(1509-1564) betrat im Protestantismus Neuland. Er hatte eine juristische Ausbildung erhalten, die sich auf die Darlegung der Lehre und die zivilrechtliche und kirchliche Organisation auswirkte. Als unerm\u00fcdlicher Arbeiter versuchte er, in Genf die Lebensbedingungen der fr\u00fchen Kirche herzustellen. So wurden alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens reglementiert: nicht nur Predigt und religi\u00f6se Ges\u00e4nge, sondern auch die Todesstrafe f\u00fcr Gottesl\u00e4sterung, Ehebruch oder Beleidigung der eigenen Eltern. Diese strenge Organisation, der er die Stadt unterwarf, hatte einige positive Folgen, wie die Verbesserung der Heizungsanlage, der Textilindustrie und des Gesundheitswesens. Noch am Tag seines Todes versammelte er seine Freunde an seinem Bett, um ihnen eine Predigt zu halten. Als er am 27. Mai 1564 starb, weinte ganz Genf an seinem Sarg. So erreichte er eine wahre Theokratie unter der direkten Herrschaft des Wortes Gottes.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>Calvin hat dieselbe Vorstellung von der Rechtfertigung wie Luther und versch\u00e4rft sie sogar noch durch die \"Lehre von der Pr\u00e4destination\".<\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Pablo Blanco<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Calvin erl\u00e4uterte seine Lehre in dem Traktat \"Die <em>Christliche Einrichtung<\/em>eines der einflussreichsten Werke der Weltliteratur, zusammen mit dem <em>Kleiner Katechismus <\/em>von Luther. Calvin hat dieselbe Vorstellung von der Rechtfertigung wie Luther und verst\u00e4rkt sie sogar noch durch die \"Lehre von der Pr\u00e4destination\". Er schreibt: \"Das Edelste und Lobenswerteste in unseren Seelen ist nicht nur verwundet und besch\u00e4digt, sondern v\u00f6llig verdorben\". Calvin identifiziert die Erbs\u00fcnde mit der Konkupiszenz, verstanden als Gegensatz zwischen Mensch und Gott, zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen, wie Karl Barth sp\u00e4ter sagen wird. Der Mensch wird s\u00fcndig geboren und bleibt es auch nach der Taufe: \"Der Mensch ist in sich selbst nichts als Konkupiszenz\". Daher a) ist der Mensch nicht frei, sondern dem B\u00f6sen v\u00f6llig unterworfen; b) sind alle geistigen Werke des Menschen S\u00fcnde; c) sind auch die Werke der Gerechten S\u00fcnde, obwohl Christus sie kennt und verbirgt; d) ist die Rechtfertigung die blo\u00dfe Nichtanrechnung der S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2. Calvinistische Theologie<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Calvin war ein brillanter Allrounder\", schrieb Lortz. Die von ihm gelehrte Lehre ist, auch wenn sie von Luther beeinflusst ist, ein Originalprodukt. Er hatte auch einen systematischen Kopf, typisch f\u00fcr jemanden, der in der Rechtswissenschaft ausgebildet worden war, aber er hatte auch ein zartes und feines Herz. Au\u00dferdem\", schreibt G\u00f3mez Heras, \"konnte Calvin seinem Protestantismus einen universalistischeren Charakter verleihen als Luther\", woraus die missionarische Dynamik der Calvinisten, ihre Risiko- und Abenteuerlust und sogar ihre \u00f6kumenische Gesinnung resultierten. Theologen wie Zwingli, Bucer, Bullinger, Laski und Knox haben einen Beitrag <em>proprium<\/em> zum reformierten Glauben, der in jeder kirchlichen Gemeinschaft eine andere Auspr\u00e4gung erf\u00e4hrt. Nichtsdestotrotz gibt es einige gemeinsame Elemente, von denen wir im Sinne einer Synthese der oben genannten Punkte die folgenden hervorheben k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>a) <\/strong>Im reformierten Bereich wird das Prinzip der <em><strong>Sola Scriptura<\/strong><\/em>und neigt zu einer w\u00f6rtlichen Auslegung der Bibel. Daneben sind Glaubensbekenntnisse zeitgebundene Zeugnisse, in denen sich die Gemeinschaft zu ihren \u00dcberzeugungen bekennt. Die reformierte Tradition hat zahlreiche Glaubensbekenntnisse hervorgebracht, wie etwa die Theologische Erkl\u00e4rung von Barmen (1934), die <em>Grundlagen aus der Sicht des Credo<\/em> der Niederl\u00e4ndischen Reformierten Kirche (1949) und das Glaubensbekenntnis der Vereinigten Presbyterianischen Kirche in den Vereinigten Staaten (1967). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl diese nicht die Autorit\u00e4t der lutherischen Bekenntnisschriften genie\u00dfen (insbesondere die <em>Augsburger Bekenntnis <\/em>und die Katechismen Luthers). Es gibt also keine Bekenntnisschrift, die f\u00fcr alle reformierten Gemeinschaften verbindlich ist. Das kongregationalistische Prinzip der Autonomie jeder Gemeinschaft sieht sogar das Recht vor, die Grundlagen des eigenen Glaubens festzulegen.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>Der Calvinismus ist mehr als das Luthertum mit dem Konzept der pers\u00f6nlichen Heiligung befasst, die zur Erf\u00fcllung des Gesetzes und der Aufgabe der Heiligung der Welt f\u00fchrt.<\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Pablo Blanco<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>b) <\/strong>Das Konzept der Erw\u00e4hlung des Menschen in Christus ist von zentraler Bedeutung: Das Heil des Menschen h\u00e4ngt nicht vom guten Willen oder den eigenen Anlagen ab, sondern allein vom Glauben: Wer glaubt, ist vorherbestimmt. Bei Calvin findet man jedoch - im Gegensatz zu Luther - eine gewisse Unterordnung der Gottheit Christi, mit einer gewissen nestorianischen Tendenz. Die klassische reformierte Lehre von der \"doppelten Pr\u00e4destination\" (zum Heil oder zur Verdammnis) hat heute wenig Bedeutung. Aber auch die Themen Glaube und Heiligkeit, Bu\u00dfe und Umkehr sind nach wie vor zentral f\u00fcr die reformierte Theologie. Der Calvinismus ist mehr als das Luthertum mit dem Konzept der pers\u00f6nlichen Heiligung befasst, die zur Erf\u00fcllung des Gesetzes und der Aufgabe der Heiligung der Welt f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>c) <\/strong>Grundlegend ist auch die Realit\u00e4t des lebendigen Gottes, die in der Heiligen Schrift offenbart wird. Die souver\u00e4ne und unentgeltliche Offenbarung Gottes in Jesus Christus wurde von dem bedeutendsten reformierten Theologen der Neuzeit, Karl Barth, pr\u00e4gnant erl\u00e4utert. Er zeigt gut, was mit dem Begriff <em>soli Deo gloria, <\/em>Denn dem Schweizer Reformator ging es nur um die Herrlichkeit Gottes und nicht so sehr um sein eigenes Heil wie Luther. Dies l\u00e4sst sich an der Lehre von der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes erkennen: Gott vollzieht seinen Willen in der Welt nur auf eine Weise, n\u00e4mlich durch die in Jesus Christus begr\u00fcndete und durch ihn ausge\u00fcbte Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>d)<\/strong> Die <strong>\"Theologie des B\u00fcndnisses<\/strong> Das reformierte Christentum entwickelt den Gedanken der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes in heilsgeschichtlicher Perspektive und betrachtet das Alte und das Neue Testament als eine Einheit: Der \"Bund der Werke\" und der \"Bund der Gnade\" sind aufeinander bezogen. Der Wert des Alten Testaments im reformierten Christentum findet hier seine Grundlage. Die Verpflichtung des Christen auf den mit Gott geschlossenen Bund ist die Grundlage der christlichen Ethik (\"Bundesethik\") als Folge der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes in der Welt. Aus dieser positiven Perspektive findet das reformierte Christentum die Kraft, in der Welt zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>e)<\/strong> Die <em><strong>Sakramente<\/strong><\/em> -Taufe und Abendmahl sind mit dem Wort verbunden; sie sind Zeichen und Siegel der Verk\u00fcndigung der Gnade. Die Taufe ist nicht notwendig f\u00fcr die Erl\u00f6sung, aber sie ist ein ernsthaftes Gebot Christi, weshalb sie nach dem Vorschlag der T\u00e4ufer manchmal bis zum Erwachsenenalter aufgeschoben wird. Die Lehre vom Abendmahl - das viermal im Jahr gefeiert wird - liegt zwischen der von Luther und Zwingli. Die Formen der klassischen Lehre (Calvins geistliche Pr\u00e4senz und Luthers Kon-Substantiation) werden als Versuche verstanden, denselben eucharistischen Glauben zu verstehen, so dass er nicht mehr als Quelle der Spaltung angesehen wird. Deshalb praktizieren sie die Interkommunion oder die so genannte \"eucharistische Gastfreundschaft\" untereinander. Wenn im lutherischen Verst\u00e4ndnis der Eucharistie <em>ist <\/em>der Leib Christi; bei Calvin <em>ist<\/em>und bei Zwingli nur die <em>bedeutet<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>f)<\/strong> Im Gegensatz zu einem gewissen anthropologischen Pessimismus, der f\u00fcr das Luthertum charakteristisch ist, finden wir einen calvinistischen Optimismus, der die Welt als Aufgabe versteht. Im Calvinismus findet man eine <strong>Ethik des Handelns und des Erfolgs<\/strong>Die calvinistische Ethik, die ihm gro\u00dfen Erfolg in seiner Missionst\u00e4tigkeit bringen wird. Nicht umsonst formulierte der Soziologe Max Weber die Theorie der calvinistischen Ethik als Grundlage des kapitalistischen Geistes, obwohl diese Theorie sehr umstritten ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend f\u00fcr Luther Religion etwas grundlegend Innerliches ist, hat sie bei Calvin eine ausgepr\u00e4gt soziale Dimension. Im Gegensatz zu einem gewissen lutherischen Quietismus steht ein calvinistischer Aktivismus, der die demokratische Struktur bevorzugt: \"Der Calvinist\", so Algermissen, \"der erfolgreich zur Ehre Gottes handelt, f\u00fchlt sich als auserw\u00e4hlt, als pr\u00e4destiniert\". Dieses Prinzip w\u00fcrde die wirtschaftliche Entwicklung in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern erkl\u00e4ren, in denen der Calvinismus schnell triumphierte. Auch hier gibt es Unterschiede zur katholischen Sichtweise, die versucht, den pers\u00f6nlichen Erfolg mit dem Prinzip der Solidarit\u00e4t zu verbinden.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>W\u00e4hrend f\u00fcr Luther Religion etwas grunds\u00e4tzlich Inneres ist, hat sie f\u00fcr Calvin eine ausgesprochen soziale Dimension.<\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Pablo Blanco<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das calvinistische Ideal zeichnet sich einerseits durch Einfachheit und N\u00fcchternheit der Sitten und des Verhaltens und andererseits durch ein lebhaftes Interesse an sozialen und politischen Fragen, an Wissenschaft und Kunst aus. Es ist die so genannte \"puritanische Moral\", die die Entwicklung einiger L\u00e4nder - im Guten wie im Schlechten - so sehr gepr\u00e4gt hat. Ethik wird als Gehorsam und als Verwirklichung einer kirchlichen Ordnung neben der sozialen und politischen Ordnung verstanden. Wie wir gesehen haben, bef\u00fcrwortete Calvin die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat: Es handelt sich um zwei verschiedene M\u00e4chte, die jedoch der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes untergeordnet sind und zum Wohl der einen und einzigen menschlichen Gesellschaft zusammenarbeiten m\u00fcssen. Der lutherische Dualismus, der zwischen weltlicher und geistlicher Macht unterscheidet, ist dem reformierten Denken fremd. Zeitliche Macht wird fast mit religi\u00f6ser Macht gleichgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1010\" height=\"653\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12041\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla.jpeg 1010w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla-700x453.jpeg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla-300x194.jpeg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla-768x497.jpeg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/iconocla-600x388.jpeg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1010px) 100vw, 1010px\" \/><figcaption>Frans Hogenberg. Der calvinistische Ikonoklastische Aufstand vom 20. August 1566<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3. Kirche und \u00d6kumene<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Calvin ist die Kirche die unsichtbare Gemeinschaft der Vorherbestimmten, aber sie wird sichtbar in ihrer Sendung, alle zu f\u00fchren. Die Herrschaft Christi soll durch die \u00c4mter der Kirche manifestiert und durchgesetzt werden, weshalb die Struktur der Kirche von entscheidender Bedeutung ist. Glaube und Disziplin haben in der Gemeinschaft Vorrang, und der Staat muss die Kirche unterst\u00fctzen. Dies stellt in der Regel<strong> Nationale Kirchen<\/strong>. W\u00e4hrend im Luthertum die weltliche Macht Vorrang vor der geistlichen hatte, ist es im Calvinismus genau umgekehrt, so dass Andersdenkenden in religi\u00f6sen Fragen die <em>Privigelium emigrandi<\/em>.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>F\u00fcr Calvin haben Glaube und Disziplin in der Gemeinschaft Vorrang, und der Staat muss der Kirche helfen.<\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Pablo Blanco<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die Ekklesiologie anbelangt, so war Calvin mehr als Luther an der sichtbaren Kirche, ihrer Lehre, Gesetzgebung und Ordnung interessiert. In seinen sp\u00e4teren Ausf\u00fchrungen betonte er die Bedeutung der unsichtbaren Kirche, aber er tat dies, um sich von Rom abzugrenzen: Auch f\u00fcr ihn gilt die Vorstellung, dass es eine unsichtbare Kirche gibt, die die Auserw\u00e4hlten aller Zeiten versammelt. Aber nur die Glieder der sichtbaren Kirche k\u00f6nnen der unsichtbaren Kirche angeh\u00f6ren, auch wenn nicht alle ihre sichtbaren Glieder der unsichtbaren Kirche angeh\u00f6ren. Christus baut seine Kirche mit Wort und Sakrament auf, und die Ausbildung der Gl\u00e4ubigen zur Heiligkeit spielt eine grundlegende Rolle, so dass die kirchliche Ordnung in seiner Ekklesiologie sehr wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ekklesiologie ist das Thema von fast der H\u00e4lfte seiner <em>Institutio<\/em> 1559, und in Bezug auf das Amt h\u00e4lt er das aufrecht, was er als neutestamentliches Zeugnis versteht, n\u00e4mlich ein vierstufiges Amt: Pastoren-\u00c4rzte, \u00c4lteste und Diakone. Das bisch\u00f6fliche Amt ist jedoch f\u00fcr die Kirche nicht notwendig, daher die sp\u00e4tere Entwicklung zum \"Presbyterianer\" im Gegensatz zum \"Episkopalen\" oder Anglikaner. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Lehre Calvins wurde in der reformierten Kirchenordnung auf verschiedene Weise umgesetzt, und die Zahl der Amtstr\u00e4ger wurde auf drei ge\u00e4ndert: den Pastor oder Diener des Wortes, den Presbyter (\u00c4ltester oder Diener des Tisches) und den Diakon oder Diener der Armen. Diese drei \u00c4mter leiten die Gemeinde im Presbyterium oder Kirchenvorstand; das eine Haupt der Kirche bleibt jedoch Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die christologisch-pneumatologische Ekklesiologie der Reformierten beansprucht jedoch, die hierarchische Struktur aufzugeben, da die verschiedenen \u00c4mter als sich gegenseitig integrierende Elemente der Herrschaft Christi verstanden werden. Kein Amt ist den anderen untergeordnet, und keine Gemeinschaft hat Vorrang vor anderen. Dies erm\u00f6glicht eine \"offene Ekklesiologie\" und eine eher kongregationalistische oder presbyter-synodale Struktur mit ausgepr\u00e4gter Partizipation. Es handelt sich jedoch nicht um ein System der demokratischen Vertretung der Gl\u00e4ubigen, sondern um einen Ausdruck der geistlichen Gemeinschaft der von Christus im Geist gegr\u00fcndeten Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>Keines der \u00c4mter ist den anderen untergeordnet, und keine Gemeinschaft hat Vorrang vor den anderen. Dies erm\u00f6glicht eine \"offene Ekklesiologie\" und eine eher kongregationalistische Struktur. <\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Pablo Blanco<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Synoden, urspr\u00fcnglich Zusammenk\u00fcnfte von Geistlichen zur Er\u00f6rterung gemeinsamer Fragen, r\u00e4umen den \"Laien\" (Nichttheologen) und den \u00f6rtlichen Presbyterien der Ortskirchen gro\u00dfes Gewicht ein. <em>\u00c4lteste<\/em>. Sie sind nicht nur Berater, sondern haben die gleichen Rechte und Pflichten in der Zentral- oder Gemeinschaftsregierung. Mit dieser Organisation haben die reformierten Gemeinden ihre urspr\u00fcngliche Identit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit bewahrt, insbesondere dort, wo es - wie in den Niederlanden - keine regionale Kirchenregierung gab. So sind wie in Schottland, Frankreich, England und am Niederrhein Bewegungen entstanden, die sich gegen die staatliche Regulierung oder die konfessionelle Mehrheit wenden. Dasselbe gilt f\u00fcr ein verbindliches Lehramt wie in lutherischen Gemeinschaften: Synoden spielen eine besondere Rolle, und der offene Charakter der reformierten Ekklesiologie hat zu den ersten Unionen des reformierten Christentums gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die reformierte \u00f6kumenische Theologie ist in erster Linie eine f\u00f6deralistische Theologie, die versucht, die verschiedenen getrennten Gemeinschaften zu vereinen, indem sie sie zusammenf\u00fchrt. Die \"vereinigten Kirchen <em>(unierte Kirchen)<\/em> in Deutschland waren die staatlich gef\u00f6rderten Unionen zwischen Reformierten und Lutheranern im 19. Jahrhundert in gemischtkonfessionellen Gebieten. Sie unterscheiden sich von den \"Unionskirchen\" durch ihren Ursprung von oben nach unten. <em>(Unionskirchen)<\/em> die als Folge der im 20. Jahrhundert an der Basis entstandenen \u00f6kumenischen Bewegung entstanden ist. Diese B\u00fcndnisse, die gegen den Widerstand der Bev\u00f6lkerung entstanden und von den lutherischen Gemeinschaften getrennt sind, sind Verwaltungszusammenschl\u00fcsse, die die eucharistische Interkommunion zwischen den verschiedenen protestantischen Konfessionen erm\u00f6glicht haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So haben die reformierten Kirchen in Europa mit der Leuenberger Konkordie von 1973 einen wesentlichen Schritt getan, zwischen denen eine lehrm\u00e4\u00dfige und eucharistische Gemeinschaft besteht. So kann ein Calvinist das Abendmahl in einer lutherischen Gemeinde empfangen und umgekehrt. Der lutherische Theologe Oscar Cullmann (1902-1999) hingegen schlug die Formel der \"vers\u00f6hnten Verschiedenheit\" vor, die in \u00f6kumenischen Kreisen weithin akzeptiert wird. Dieser Vorschlag f\u00f6rdert die Einheit, ohne die eigene Identit\u00e4t zu gef\u00e4hrden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hace algo m\u00e1s de un a\u00f1o, la catedral de Ginebra, acogi\u00f3 la primera celebraci\u00f3n eucar\u00edstica despu\u00e9s de cinco siglos ninguna ceremonia cat\u00f3lica. Una celebraci\u00f3n que volvi\u00f3 a poner sobre la mesa las ideas sobre la teolog\u00eda reformada. 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