{"id":13913,"date":"2021-07-24T05:20:00","date_gmt":"2021-07-24T04:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=13913"},"modified":"2021-07-25T09:53:22","modified_gmt":"2021-07-25T08:53:22","slug":"die-wege-von-europa-nach-santiago-von-kompostela","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/los-caminos-de-europa-hacia-santiago-de-compostela\/","title":{"rendered":"Europas Wege nach Santiago de Compostela"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Frankreich: Die Via Podiensis von Le Puy en Velay<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">-Text von Jos\u00e9 Luis Domingo, Aix-en-Provence<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Via Podiensis, auch bekannt als \"Route du Puy\", ist eine der vier Hauptstra\u00dfen, die Frankreich durchqueren und nach Spanien und dann nach Santiago de Compostela f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie beginnt in Le Puy en Velay und \u00fcberquert die Pyren\u00e4en \u00fcber den Roncesvalles-Pass. Wenn er der bei weitem \"popul\u00e4rste\" der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Jakobswege ist, so liegt das zweifellos an diesem ersten Abschnitt: von Le Puy nach Conques, der fast schon zu einer \"Pilgerreise\" geworden ist. Ein Teil der Strecke, mit dem viele zufrieden sind. Mit einer L\u00e4nge von etwa 300 Kilometern, was f\u00fcr den \"klassischen\" Wanderer etwa f\u00fcnfzehn Wandertagen entspricht, kann diese Route in der Tat eine sehr sch\u00f6ne Reise an sich sein. In der Tat kann sie mit ihren au\u00dfergew\u00f6hnlichen Standorten, der Sch\u00f6nheit und Vielfalt der Landschaften viele Erwartungen erf\u00fcllen. Und dann, zwischen wilden Weiten, Flussufern und bukolischen Orten, taucht sie uns vielleicht mehr als jede andere in ein \"s\u00fc\u00dfes Frankreich\" ein, das ertr\u00e4umt, aber sehr real ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Via Podiensis geht auf den Namen der Stadt Le Puy-en-Velay zur\u00fcck, von der aus sich Bischof Godescalc 950 n. Chr. auf den Weg nach Compostela machte, begleitet von einer gro\u00dfen Gruppe von Leuten wie Troubadoure, Spielleute, Pagen, Barone, Seneschalle und nat\u00fcrlich Bogensch\u00fctzen und Speerk\u00e4mpfer zu ihrem Schutz. Der Bischof war damals der erste nichtspanische Pilger, der nach Compostela pilgerte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strecke von Le Puy en Velay nach Conques durchquert 4 Regionen, die reich an Flora, Fauna und geologischer Vielfalt sind: den vulkanischen Velay, die Hochebene von Margeride, die H\u00f6hen von Aubrac und das Lot-Tal. Atemberaubend sch\u00f6ne Landschaften, wie der Blick auf die Allier-Schluchten oder die wilde Hochebene des Aubrac.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Conques angekommen, ist f\u00fcr viele die Reise zu Ende. Es wird Zeit, wieder in den Bus zu steigen und in ihr Berufsleben, in ihren Alltag zur\u00fcckzukehren. Es ist wahr, dass diese fast perfekte Route, obwohl sie sicherlich frequentiert wird, aber ohne die Vielzahl von Menschen zu erreichen, die den Camino in Spanien gehen, wirklich eine Reise f\u00fcr sich sein kann. Aber es lohnt sich auch, weiterzugehen oder sp\u00e4ter zur\u00fcckzukehren, um weiterzugehen. Zum einen, weil man ein paar Etappen sp\u00e4ter durch das sch\u00f6ne Tal des C\u00e9l\u00e9 wandern kann, und zum anderen, weil der Weg nach Compostela einfach durch sehr sch\u00f6ne Gegenden und weniger bequeme Ecken f\u00fchrt, aber auch das geh\u00f6rt zum Weg! Le Puy-Conques ist sicherlich sehr sch\u00f6n, angenehm und voller \u00dcberraschungen. Aber es ist fast zu perfekt, um den kontrastreichen Charakter der Pilgerreise nach Santiago voll zu w\u00fcrdigen, die den Pilger manchmal in eine monotone Umgebung eintauchen l\u00e4sst, vielleicht um ihm die Auseinandersetzung mit sich selbst zu erleichtern. Der Nomade macht sich nicht auf den Weg, wenn er nicht von einem gelobten Land tr\u00e4umt, das oft in einer gro\u00dfen oder kleinen Bekehrung des Pilgerherzens endet, das sich selbst zum Herold seiner eigenen Verwandlung erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie der Held der griechischen Mythologie verl\u00e4sst der Pilger die Welt des gew\u00f6hnlichen Lebens und begibt sich an einen Ort mit \u00fcbernat\u00fcrlichen Wundern; dort stellt er sich fabelhaften M\u00e4chten und erringt einen entscheidenden Sieg; der Held kehrt von diesem geheimnisvollen Abenteuer zur\u00fcck, ausgestattet mit der Macht, den Menschen, seinen Mitmenschen, Nutzen zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Jakobsweg, auf dem Weg zu einem heiligen Ort, empfinden die Pilger jede Kirche, an der sie vorbeikommen, als ihr eigenes Zuhause, und Atheisten z\u00fcnden Kerzen an und empfangen Segen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Deutschland: Die Germanenstra\u00dfen<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">-Text Jos\u00e9 M. Garc\u00eda Pelegr\u00edn, Berlin<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste bekannte Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela aus deutschem Gebiet geht auf die zweite H\u00e4lfte des 11. Jahrhunderts zur\u00fcck: Einer urkundlichen Quelle zufolge pilgerte Graf Eberhard VI. von Nellenburg - n\u00f6rdlich des Bodensees - mit seiner Frau Ita im Jahr 1070 nach seiner zweiten Pilgerfahrt nach Rom nach Santiago. Nach seiner R\u00fcckkehr aus Santiago trat Eberhard VI. \"der Selige\" als Laienbruder in das von ihm selbst gegr\u00fcndete Kloster Allerheiligen ein, w\u00e4hrend Ita sich mit einer Gruppe frommer Frauen nach Schaffhausen zur\u00fcckzog.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelalter gelangten die mitteleurop\u00e4ischen Pilger \u00fcber Handels- und Milit\u00e4rstra\u00dfen an die spanisch-franz\u00f6sische Grenze, insbesondere \u00fcber die \"Via Regia\" (K\u00f6nigsstra\u00dfe), die im 8. und 9. Jahrhundert das gesamte Heilige R\u00f6misch-Germanische Reich durchquerte. Mit der Reformation gingen die Wallfahrten zur\u00fcck, vor allem in Norddeutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Wiederbelebung der Jakobswege ab den 1980er Jahren wurden auch in Deutschland verschiedene Routen ausgeschildert - derzeit sind es insgesamt etwa 30 - mit der Besonderheit, dass ausgerechnet ein evangelischer Pfarrer, Paul Geissend\u00f6rfer, 1992 einen Jakobsweg von N\u00fcrnberg nach Rothenburg ob der Tauber markierte, der zur Keimzelle des \"Fr\u00e4nkischen Jakobsweges\" (1995) werden sollte. Neu hinzugekommen sind 2005 die \"Jakobswege in Norddeutschland\" mit zwei Abzweigungen, der Via Baltica und der Via Jutlandica, die das Ergebnis einer deutsch-d\u00e4nischen Kooperation sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bekannte Komiker Hape (Hans-Peter) Kerkeling trug mit seiner 2006 erschienenen autobiografischen Erz\u00e4hlung Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg wesentlich zur Verbreitung des Jakobsweges in Deutschland bei; mit einer Auflage von mehr als sieben Millionen Exemplaren f\u00fchrte es 103 Wochen lang (von 2006 bis 2008) die prestigetr\u00e4chtige deutsche Bestsellerliste des Wochenmagazins Der Spiegel an; eine Verfilmung wurde 2015 ebenfalls gedreht. Kerkeling begibt sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens, meidet dabei aber die \"klassischen\" christlichen Pilger (\"Sie werden die Reise so beenden, wie sie sie begonnen haben\") und sucht das \"Seltene und Exotische\". Der Erfolg dieses Buches zeigt, dass die meisten Deutschen den Camino nicht aus der Motivation einer traditionellen Pilgerreise heraus gehen. Dennoch trug sie dazu bei, dass die Zahl der Deutschen, die den Camino im Jahr 2007 wanderten, um 74 Prozent stieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits spiegelt sich die gro\u00dfe Beliebtheit des Camino, unabh\u00e4ngig von der Konfession, in seiner Verbreitung gerade in traditionell protestantischen Regionen wider; so wurde beispielsweise 2011 die Jakobusgesellschaft der Region Brandenburg-Oder gegr\u00fcndet, die sich - laut eigener Website - um \"die Belange der Pilger und Jakobspilger in Berlin, Brandenburg und angrenzenden Regionen\" k\u00fcmmert. Und sie f\u00fcgt hinzu: \"Die vielf\u00e4ltige Zusammensetzung der Mitglieder spiegelt das wider, was der Anlass f\u00fcr die Gr\u00fcndung und die Ziele des Vereins war: das Interesse und die Freude am Reisen auf den Wegen nach Santiago de Compostela\". Wie andere regionale Vereinigungen wollen sie insbesondere die Wege ausschildern, Informationstafeln aufstellen und sie mit dem europ\u00e4ischen Netz des Camino verbinden, \"um zur europ\u00e4ischen Zusammenarbeit und zur internationalen Verst\u00e4ndigung beizutragen\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schweden: Der skandinavische Weg<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">-Text Andres Bernar, Stockholm<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Christentum war in Schweden bis weit in das zweite Jahrtausend hinein verbreitet. Der heilige K\u00f6nig Erik starb im Jahr 1160 und hinterlie\u00df ein christliches Land. Die Traditionen der Wallfahrten zu heiligen St\u00e4tten haben sich offenbar auch hierher verlagert: Heiliges Land, Rom und auch Santiago.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den nordischen L\u00e4ndern gab es auch eine Tradition von Pilgerfahrten nach Nidaros (dem heutigen Trondheim im Nordwesten Norwegens). Die mittelalterliche Tradition des Pilgerns fand in den nordischen L\u00e4ndern gro\u00dfen Anklang, auch wegen ihres abenteuerlichen Charakters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heilige Bridget, die schwedische Nationalheilige und Schutzpatronin Europas, gab ihnen Auftrieb, als sie selbst und ihr Mann 1343 nach Santiago de Compostela pilgerten. Sie legten den gesamten Weg \u00fcber mehrere Monate zu Fu\u00df zur\u00fcck. Heute betr\u00e4gt die Entfernung 3200 km auf dem k\u00fcrzesten Weg.  Wir wissen nicht genau, wie lang die Reise des Heiligen war, aber vielleicht war sie sogar noch l\u00e4nger. Auf dem R\u00fcckweg - in Arras in Frankreich - erkrankte ihr Mann Ulf. Der Heilige Dionysius erschien der Heiligen und sagte ihr, dass ihr Mann bei dieser Gelegenheit nicht sterben w\u00fcrde. Dies geschah kurz nach seiner R\u00fcckkehr nach Schweden, und damit begann die T\u00e4tigkeit der heiligen Bridget als Gr\u00fcnderin des neuen Ordens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pilgerfahrt des Heiligen weckte die Begeisterung des Volkes, und nach und nach wurden die Pilgerfahrten sowohl nach Rom als auch nach Santiago h\u00e4ufiger. In Stockholm wurde die Jakobskirche (St. Jakobs Kyrka) Anfang des 14. Jahrhunderts im heutigen Kugstr\u00e4dg\u00e5rden-Park, damals n\u00f6rdlich der Altstadt, errichtet. Diese einfache Holzkirche wurde 1430 durch eine gr\u00f6\u00dfere, dreischiffige Backsteinkirche ersetzt. Von hier aus machten sich die Pilger mit dem Segen und dem Schutz des Heiligen auf ihre lange Reise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Protestantismus hat im 16. und 17. Jahrhundert den Katholizismus und seine Br\u00e4uche, einschlie\u00dflich der Pilgerfahrten, buchst\u00e4blich ausgel\u00f6scht. Ab dem 18. Jahrhundert zeichnete sich eine neue Offenheit ab, die jedoch erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts vollendet werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Jakobsweg wurde 1999 offiziell wieder aufgenommen, als in Stockholm unter der Schirmherrschaft des Di\u00f6zesanbischofs die Jakobusvereinigung gegr\u00fcndet wurde, deren Pr\u00e4sident der St\u00e4ndige Diakon Manuel Pizarro war. Die urspr\u00fcngliche Idee war, die Spiritualit\u00e4t des Pilgerns unter den Katholiken in Skandinavien wiederzuentdecken, und es wurden Pilgerreisen zu den klassischen St\u00e4tten des Christentums angeregt: das Heilige Land, Rom, Santiago, aber auch Lourdes und Fatima. Im Jahr 1999 wurde eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela als \"erste skandinavische Pilgerfahrt\" seit der Reformation organisiert. Dies wurde vom Erzbischof von Santiago anerkannt, als die Pilger an ihrem Ziel ankamen und von dem Pr\u00e4laten empfangen wurden, wie Manuel erz\u00e4hlt. Einige Jahre sp\u00e4ter begleitete derselbe Stockholmer Bischof sie auf einer weiteren Pilgerreise. Von Anfang an schlossen sich viele protestantische Schweden diesen Pilgerreisen an, da sie darin eine wunderbare Gelegenheit sahen, etwas anderes zu entdecken als das, was ihre Kirche ihnen erz\u00e4hlte. Sie waren auf der Suche nach ihrem pers\u00f6nlichen Weg und ihrer eigenen Berufung. In den zwanzig Jahren, in denen diese Initiative besteht, haben sich immer mehr Lutheraner daf\u00fcr interessiert. Die Tatsache, dass es sich um einen Verein handelt, erm\u00f6glicht auch die Bezuschussung der Pilgerreise f\u00fcr Menschen, denen es schwer f\u00e4llt, die Kosten f\u00fcr eine lange Reise zu tragen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Francia: La Via Podiensis de Le Puy en Velay \u2014texto &nbsp;Jos\u00e9 Luis Domingo, Aix-en-Provence La V\u00eda Podiensis, tambi\u00e9n llamada \u201cruta del Puy\u201d, es uno de los 4 caminos principales que atraviesan Francia y convergen hacia Espa\u00f1a y luego hacia Santiago de Compostela. 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