{"id":15038,"date":"2017-12-02T09:59:00","date_gmt":"2017-12-02T08:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=15038"},"modified":"2025-05-14T12:27:43","modified_gmt":"2025-05-14T10:27:43","slug":"uber-die-funktion-des-kanonischen-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/sobre-la-funcion-del-derecho-canonico\/","title":{"rendered":"Zur Rolle des kanonischen Rechts"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Gro\u00dfteil des letzten Jahrhunderts haben die Kanonisten damit verbracht, die Legitimit\u00e4t ihrer Aufgabe zu rechtfertigen. Nicht wenige hielten das Kirchenrecht f\u00fcr einen Widerspruch zu den Lehren des Evangeliums, zu der von Jesus gewollten und vom Heiligen Geist geleiteten Kirche. Letztendlich wurde sie als eminenter Ausdruck der Weltlichkeit angesehen, in die sie verfallen war. Ihr Untergang wurde als Voraussetzung f\u00fcr eine tiefgreifende Erneuerung der Kirche postuliert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Zweifel, der noch immer anh\u00e4lt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stimmt, dass die Einw\u00e4nde in dem Ma\u00dfe, in dem die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils gelassener aufgenommen wurden, und vor allem nach der Verk\u00fcndung des neuen Gesetzbuchs im Jahr 1983, abnahmen und das Kirchenrecht eine neue Staatsb\u00fcrgerschaft und eine gewisse Legitimit\u00e4t zu erhalten schien. Dar\u00fcber hinaus haben viele prominente Kanonisten \u00fcber die Grundlagen ihrer Wissenschaft nachgedacht und eine sehr viel tiefgr\u00fcndigere und besser begr\u00fcndete Vision von der Rolle des Kirchenrechts in der Geschichte des kanonischen Rechts entwickelt. <em>Wesentlich<\/em> im Leben der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch weder das neue Gesetzbuch noch der Beitrag der Kanonisten haben die Zweifel endg\u00fcltig ausger\u00e4umt. Der Gegensatz zwischen Gesetz und Barmherzigkeit, zwischen Starrheit und Flexibilit\u00e4t, ist ein legitimes Mittel, um die Neuheit des Evangeliums zu erkl\u00e4ren, und ein starker Schock f\u00fcr die Kirche, damit sie wei\u00df, wie sie dem Menschen, jedem Menschen, stets zu Diensten sein kann. Aber nur umgangssprachlich kann man sagen, dass das kanonische Recht der Verteidiger des Rechts und der Starrheit im Sinne der genannten Gegens\u00e4tze ist. Wenden wir uns n\u00e4mlich den Klassikern zu, so erscheint das Recht als das, was allen geh\u00f6rt, als das, was jedem an Gerechtigkeit zusteht; und wenden wir uns den gro\u00dfen Ereignissen zu, die unsere Kultur in ihrer j\u00fcngsten Form gepr\u00e4gt haben, so erscheint das Recht als das, was die Gleichheit aller Menschen garantiert und sie vor den Exzessen der M\u00e4chtigen sch\u00fctzt. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr ihre Rolle in der Kirche, aber nicht nur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2017 fielen mehrere historische Gedenktage zusammen, die uns die M\u00f6glichkeit geben, \u00fcber einige Aspekte der Rolle des Kirchenrechts in der kirchlichen Gemeinschaft nachzudenken. Vor diesem Hintergrund hofft sie, die Zweifel an ihrer Legitimit\u00e4t und N\u00fctzlichkeit zumindest teilweise ausr\u00e4umen zu k\u00f6nnen und die Bedeutung der j\u00fcngsten von Papst Franziskus eingef\u00fchrten \u00c4nderungen in der kirchlichen Disziplin zu erhellen. Wie man sieht, geht es einmal mehr um den R\u00fcckgriff auf die Geschichte als <em>Magistra Vitae<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwei wichtige Episoden aus dem 16. Jahrhundert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2017 j\u00e4hren sich sowohl der Tod von Kardinal Cisneros als auch der Beginn der Reformation durch Martin Luther zum 500. In beiden F\u00e4llen geht es um die Reform der Kirche, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. In beiden F\u00e4llen war die Rolle des kanonischen Rechts relevant und anschaulich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis seiner Funktion in der kirchlichen Gemeinschaft und ihrer Gr\u00fcndung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>a) Cisneros, Paradigma der spanischen Reform<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kardinal Cisneros (1436-1517) ist einer der gro\u00dfen Reformer der Kirche in Spanien und einer derjenigen, die den bedeutenden Beitrag unseres Landes zum Konzil von Trient erm\u00f6glicht haben. Als aufmerksamer Franziskaner verstand er auch, dass jede Reform im Wesentlichen in einer R\u00fcckkehr zu den Urspr\u00fcngen besteht, die im Laufe der Zeit entstellt wurden und so das Gesicht der Kirche entstellten. Auf diesem Weg sahen sowohl Cisneros als auch die \u00fcbrigen spanischen Reformer im Kirchenrecht eine doppelte Funktion und zugleich eine Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Funktion ist gnoseologisch, da das urspr\u00fcngliche Charisma, zumindest in den Orden, in der Grundregel verk\u00f6rpert ist. Hierauf m\u00fcssen wir zur\u00fcckkommen. Indirekt wird davon ausgegangen, dass das Gesetz die Charismen nicht ausb\u00fcrgerte, sondern sie gegen den Lauf der Zeit bewahrte und festigte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite ist disziplinarischer Natur. Man kann sagen, dass das Gesetz in der Kirche die Existenz eines <em>potestas<\/em>Sie ist mit ausreichenden Mitteln ausgestattet, um sie vor jeder Abweichung von dem zu bewahren, was sie als eine vom Geist empfangene Gabe versteht, und um den Kurs zu korrigieren, wenn solche Abweichungen eingetreten sind. Das kanonische Recht erscheint daher nicht als Gegensatz zum Wirken des Geistes, sondern als ein Instrument zum Schutz und, wenn n\u00f6tig, zur R\u00fcckkehr zu diesem g\u00f6ttlichen Plan. Diese Befugnis, die in den H\u00e4nden der rechtm\u00e4\u00dfig bestellten Hirten (Papst und Bisch\u00f6fe) liegt, muss als wesentlicher Teil des Auftrags, den sie von Christus erhalten haben, ausge\u00fcbt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenze ergibt sich aus der Erkenntnis der Unwirksamkeit von Gesetzen, wenn es keine Menschen gibt, die sie anwenden und leben wollen, und kann nur durch eine angemessene Ausbildung \u00fcberwunden werden; in erster Linie der Pfarrerinnen und Pfarrer. Die Gr\u00fcndung der Universit\u00e4t von Alcal\u00e1 - die nicht auf das Recht spezialisiert ist - ist bezeichnend f\u00fcr die Genialit\u00e4t der spanischen Reform, die auf der Ausbildung von Menschen und nicht auf der Verk\u00fcndung von Gesetzen oder der Schaffung von Institutionen beruht: eine st\u00e4ndige Herausforderung und Lehre, damit das Kirchenrecht seine Rolle wirklich spielen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>b) Martin Luther und sein \"Gleichnis\" im kanonischen Recht<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend das Kirchenrecht f\u00fcr Cisneros eine Quelle der Erkenntnis \u00fcber die Richtung der Reform und ein (wenn auch begrenztes) Instrument zu ihrer Verwirklichung war, war es f\u00fcr Luther (1483-1546) das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wie der Beginn der protestantischen Reformation mit einem Ereignis von enormer optischer Wucht verbunden ist (dem Anschlag der 95 Thesen an die T\u00fcr der Wittenberger Schlosskirche), so ist ihre Bewertung des Kirchenrechts von einem anderen Ereignis von nicht minderer Wucht gepr\u00e4gt: der Verbrennung der Theologen auf dem Scheiterhaufen <em>corpus iuris canonici <\/em>10. Dezember 1520. Das Kirchenrecht wurde als ein Instrument des Papstes angesehen, mit dem er die Freiheiten der Kirchen und Christen sowie das Evangelium selbst in Schach hielt: <em>\"Wenn ihre Gesetze und Riten nicht abgeschafft und ihre Freiheiten den Kirchen Christi wiedergegeben und unter ihnen verbreitet werden, werden sie an allen Seelen schuldig sein, die unter dieser elenden Gefangenschaft umkommen, und das Papsttum ist wahrhaftig das Reich Babylons und des wahren Antichristen.\"<\/em>w\u00fcrde er zu einer Best\u00e4tigung kommen. Die anf\u00e4ngliche Abschaffung aller kanonischen Disziplinen f\u00fchrte die reformierten Gemeinschaften jedoch in ein organisatorisches Chaos und eine inhaltliche Unordnung, die auch die \u00f6ffentliche Moral beeintr\u00e4chtigte. So wurden bald einige Bestimmungen, die f\u00fcr die Ordnung in den neuen Gemeinschaften unerl\u00e4sslich waren, aus den verbrannten B\u00fcchern \"gerettet\". Luther selbst unterst\u00fctzte diese Versuche enthusiastisch: <em>\"Es gibt viele Dinge in der <\/em>Decretum<em> von Gratian..., die von au\u00dfergew\u00f6hnlichem Wert sind..., weil wir in ihnen den Zustand der Kirche in der Antike, in ihren Urspr\u00fcngen, erkennen k\u00f6nnen\".<\/em>. Luthers Denken \u00fcber das kanonische Recht zeichnet somit ein Gleichnis nach, das von seiner absoluten Ablehnung bis zur Anerkennung eines doppelten Nutzens reicht: als Quelle der Kenntnis des Altertums und als Disziplin, die die Ordnung garantiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Anerkennung bezieht sich nicht auf die <em>potestas <\/em>die an seinem Ursprung liegen w\u00fcrde. Luther blieb dabei und \u00fcbertrug die kirchliche Gesetzgebung der weltlichen Obrigkeit: Seine Reformation konnte daher nicht als \"wahr\" (um Congars Terminologie zu verwenden) angesehen werden, da sie de facto die Gemeinschaft brach. Was jedoch die Grundlagen des Kirchenrechts betrifft, so haben die protestantischen Reformatoren eine \u00dcberzeugung aufgegriffen und verbreitet, die in der kanonischen Tradition immer pr\u00e4sent war, n\u00e4mlich dass es im Kirchenrecht Bestimmungen gibt, die nicht von der p\u00e4pstlichen Autorit\u00e4t, sondern vom g\u00f6ttlichen Recht abgeleitet sind, dem auch der Papst unterworfen sein muss. Diese g\u00f6ttlichen Bestimmungen wurden von den Reformatoren aufgegriffen, die sie wie die Katholiken nicht nur f\u00fcr die Kirche, sondern auch f\u00fcr das Zivilrecht als verbindlich ansahen. Das neue moderne Recht, das sich in jenen Jahren herauszubilden begann, sollte also letztlich auf einem Naturrecht beruhen, dessen \u00dcberlieferungsquelle das kanonische Recht gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Lehren aus den letzten hundert Jahren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Ziel des Kirchenrechts, wie es im 16. Jahrhundert verstanden wird, darin besteht, die urspr\u00fcngliche Realit\u00e4t zu bewahren, sie wiederherzustellen und die kirchliche Ordnung zu garantieren, weil man wei\u00df, dass sie auf der Autorit\u00e4t Gottes selbst und auf der Macht beruht, die er den Hirten der Kirche anvertraut hat, dann lautet die st\u00e4ndige Frage <em>wie <\/em>um sicherzustellen, dass sie mit <em>in der Tat<\/em> diese Funktion. Sowohl das Gedenken an den ersten hundertsten Jahrestag der ersten kanonischen Kodifizierung als auch die aufeinander folgenden Reformen, die das 20. und bisher auch das 21.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>a) Ein bekanntes und durchsetzbares Gesetz: das Gesetzbuch von 1917<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870) war f\u00fcr viele Bisch\u00f6fe der Anlass, den Papst um eine Synthese des damals geltenden Kirchenrechts zu bitten, das angesichts der Aufsplitterung der Gesetze in Sammlungen unterschiedlicher Art und ihrer Anh\u00e4ufung kaum anwendbar war, ohne dass die j\u00fcngsten Gesetze die \u00e4lteren zwangsl\u00e4ufig au\u00dfer Kraft setzten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Papst war f\u00fcr die Umsetzung dieses Vorschlags zust\u00e4ndig <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/P%C3%ADo_X\">St. Pius X.<\/a> (1903-1914), der die Ausarbeitung des ersten Kodex des kanonischen Rechts, der vor hundert Jahren von seinem Nachfolger Papst Benedikt XV. verk\u00fcndet wurde, begonnen und praktisch abgeschlossen hat. Es handelte sich um die Anpassung einer Technik, die das kontinentale Recht praktisch erobert hatte, sowohl an die Lehre als auch an die Bed\u00fcrfnisse der Kirche, was vor allem deshalb notwendig war, weil der kanonische Codex im Gegensatz zu den weltlichen Gesetzb\u00fcchern die \u00dcberlegenheit des g\u00f6ttlichen Rechts anerkannte, im Lichte der vorangegangenen Tradition ausgelegt wurde und das Leben seiner Mitglieder unter Ber\u00fccksichtigung der Unterschiede regelte, die der Empfang des Weihesakraments oder der Ordensprofession in den Bereich der Rechte und Pflichten innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft einf\u00fchrte. Die \u00dcbernahme der Kodifizierungstechnik erfolgte also nicht ohne eine angemessene Abw\u00e4gung dessen, was mit der Besonderheit des kirchlichen Rechts unvereinbar sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gedenken an sein hundertj\u00e4hriges Bestehen hat es uns erm\u00f6glicht, \u00fcber die Vor- und Nachteile nachzudenken, die diese Entscheidung f\u00fcr das Kirchenrecht und seinen spezifischen Dienst an der Kirche hatte. Ich m\u00f6chte hier nur auf zwei Vorteile hinweisen, die der Entscheidung, das Kirchenrecht zu kodifizieren, zugrunde lagen: Das kanonische Recht wurde von nun an zu einem leicht verst\u00e4ndlichen und anwendbaren Recht; zwei wesentliche Merkmale einer Realit\u00e4t, die einen \u00e4u\u00dferst praktischen Zweck verfolgt (um das zu verwirklichen, was <em>ist<\/em> zu dem <em>muss man sein<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>b) Kirchenrecht: das Zweite Vatikanische Konzil und der Kodex von 1983<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Besonderheit des kanonischen Rechts im Vergleich zu jeder anderen Rechtsordnung hat mit der Besonderheit der kirchlichen Gesellschaft zu tun. Es handelt sich um eine dauerhafte \u00dcberzeugung, die sich in der engen Beziehung zwischen dem Selbstverst\u00e4ndnis der Kirche (das in der Ekklesiologie und in den lehramtlichen \u00c4u\u00dferungen ekklesiologischen Charakters zum Ausdruck kommt) und dem Kirchenrecht in jeder geschichtlichen Epoche nachweisen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird davon ausgegangen, dass die Abhaltung der Ratstagung <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/ressourcen\/theologie-vatikan-konzil-vatikan-ii-2\/\">Zweites Vatikanum<\/a> (1962-1965) mit seiner tiefgreifenden ekklesiologischen Erneuerung forderte eine ebenso tiefgreifende Erneuerung des Kirchenrechts. Der selige Paul VI. ging sogar so weit, von einer <em>novus habitus mentis<\/em>als eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung der konziliaren Erneuerung in Recht. Der heilige Johannes Paul II. bezeichnete das Ergebnis dieser Bem\u00fchungen - den Kodex von 1983 - als eine <em>\u00dcbersetzung<\/em> der juristischen Sprache der Lehre des Konzils \u00fcber die Kirche, die sich sowohl in der neuen Ordnung als auch in Wortlaut und Inhalt der Kanones zeigt. Der Rechtscharakter (due) der gro\u00dfen spezifisch kirchlichen G\u00fcter, wie das Wort Gottes, die Sakramente und die kirchliche Gemeinschaft selbst, kommt sehr deutlich zum Ausdruck, und die eher \"praktischen\" Elemente, wie Prozesse oder Strafen, sind auf den Schutz und die Gew\u00e4hrleistung dieser G\u00fcter ausgerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diese Weise unterstreicht der neue Kodex eine weitere unabdingbare Voraussetzung daf\u00fcr, dass das Kirchenrecht seine Aufgabe erf\u00fcllen kann: Es muss auch zutiefst kirchlich und in seinem Mysterium verwurzelt sein; andernfalls w\u00e4re es kein wahres Recht, sondern eine kr\u00e4nkende Struktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>c) Ein wirksames Gesetz: Die Reformen von Papst Franziskus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre sind seit der Verabschiedung des Gesetzbuchs von 1983 vergangen. Dies ist mehr als genug Zeit, um zu pr\u00fcfen, ob ein weiteres wesentliches Merkmal des Rechts erf\u00fcllt ist: seine Wirksamkeit, die das Merkmal jeder praktischen Wissenschaft ist, die dazu berufen ist, die Wirklichkeit zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es scheint unbestreitbar, dass neben der Bedeutung der Synodalit\u00e4t als Inspirationskategorie (vgl. die Ausf\u00fchrungen in <em>Wort, <\/em>November 2016), gehen die Reformen von Papst Franziskus auch in Richtung eines effektiveren Kirchenrechts. Dies scheint mir in der Tat eine der Priorit\u00e4ten der Reform der Verfahren zur Erkl\u00e4rung der Nichtigkeit der Ehe zu sein, aber auch der Anpassung einiger Kanones des lateinischen Gesetzbuches an die der Ostkirchen (vgl. <em>De concordia inter Codices, <\/em>31-V-2016) und schlie\u00dflich die j\u00fcngste \u00c4nderung der Zust\u00e4ndigkeiten des Heiligen Stuhls in Bezug auf liturgische \u00dcbersetzungen (vgl. M.p. <em>Magnum principium<\/em>, 3-IX-2017).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit all diesen Reformen und mit der seit langem angek\u00fcndigten Reform des Strafrechts werden \u00c4nderungen am Gesetzbuch von 1983 vorgenommen, damit es seinen Zweck des Schutzes der gro\u00dfen kirchlichen G\u00fcter erf\u00fcllen und vor allem wirksamer zu seiner letzten Mission beitragen kann, die keine andere ist als die Rettung der Seelen, jeder Seele.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Rekapitulation<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kirchenrecht, das in den Augen von Nichtfachleuten immer noch verd\u00e4chtig oder sogar dem Wesen der Kirche fremd und ein Hindernis f\u00fcr ihre Mission zu sein scheint, erscheint in einem ganz anderen Licht, wenn es im Lichte der Lehren der Geschichte betrachtet wird, selbst wenn diese so parteiisch sind wie die, die durch das gl\u00fcckliche Zusammentreffen von bedeutenden Gedenktagen angeboten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wird in Luthers Fall sogar sein <em>absolut<\/em> praktische Notwendigkeit. Sie zeigt aber auch, dass sie letztlich auf einer anderen Grundlage als einer irdischen Macht beruht und eng mit einem g\u00f6ttlichen Recht verbunden ist, das garantiert und niemals verletzt werden darf. Die spanische Reform, f\u00fcr die Cisneros als Paradigma gelten kann, offenbart ihren Wert f\u00fcr die Kenntnis des urspr\u00fcnglichen Augenblicks und f\u00fcr die Bewahrung der Treue der Kirche zu diesem Augenblick (oder ihre R\u00fcckkehr zu ihm). Auch das Vorhandensein einer durch Christus gewollten <em>potestas<\/em> das kirchliche Recht, das es erm\u00f6glicht, die kirchliche Gemeinschaft in einem Zustand der Erneuerung zu halten. Schlie\u00dflich verdeutlichen die Erfahrungen des letzten Jahrhunderts und der Gegenwart die grundlegenden Merkmale, die das Kirchenrecht aufweisen muss, um seine Aufgabe zu erf\u00fcllen: seine Verwurzelung im Geheimnis der Kirche, seine Wissbarkeit und Anwendbarkeit und schlie\u00dflich seine Wirksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie erscheint also als eine konstitutive Dimension der Kirche auf ihrem geschichtlichen Weg und als ein unverzichtbares Instrument f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihrer Sendung. So kann man den bleibenden Wert der Intuition der spanischen Reformatoren verstehen: die Notwendigkeit gelehrter Seelsorger mit einem tiefen Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit und Billigkeit, die es verstehen, die gro\u00dfen G\u00fcter, mit denen Gott seine Kirche f\u00fcr das Heil der Seelen ausgestattet hat, angemessen zu bewahren. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buena parte del siglo pasado se lo pasaron los canonistas intentando justificar la legitimidad de su tarea. No eran pocos quienes consideraban que el derecho can\u00f3nico era contrapuesto a las ense\u00f1anzas del Evangelio, a la Iglesia querida por Jes\u00fas y guiada por el Esp\u00edritu Santo. 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