{"id":15282,"date":"2020-05-08T11:56:00","date_gmt":"2020-05-08T10:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=15282"},"modified":"2025-11-04T13:53:21","modified_gmt":"2025-11-04T11:53:21","slug":"gegenseitigkeit-zwischen-ehe-und-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/foco\/reciprocidad-entre-fe-y-matrimonio\/","title":{"rendered":"Reziprozit\u00e4t zwischen Glaube und Ehe"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der allgemeinen Darstellung des Dokuments durch Professor Pellitero wenden wir uns nun dem vierten Punkt zu, in dem es um die Gegenseitigkeit von Glaube und Ehesakrament geht. Diese besondere Aufmerksamkeit ist auf den gro\u00dfen Einfluss zur\u00fcckzuf\u00fchren, den das Verst\u00e4ndnis dieser Gegenseitigkeit derzeit im pastoralen und kirchlichen Bereich hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Theologie hat die Aufgabe, die T\u00e4tigkeit der Seelsorger und der kirchlichen Gerichte bei der Kl\u00e4rung der Beziehung zwischen dem Glauben und dem Ehesakrament zu leiten. Die theologische Reflexion ist noch nicht zu einem einheitlichen Verst\u00e4ndnis dieser Frage gelangt, und die Kommission hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag zur Debatte zu leisten, indem sie sich mit dem Problem der Feier von nicht gl\u00e4ubigen Getauften befasst, die sie definiert als <em>\"jene Personen, bei denen es keinen Hinweis auf den dialogischen Charakter des Glaubens gibt, der der pers\u00f6nlichen Antwort des Gl\u00e4ubigen auf das sakramentale Gespr\u00e4ch mit dem trinitarischen Gott eigen ist\".<\/em> (n. 144).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommission weist auf zwei Lehrgrunds\u00e4tze hin, die die derzeitige kanonische Praxis pr\u00e4gen. W\u00fcrden sie unterschiedslos auf diese Kategorie von getauften Nichtgl\u00e4ubigen angewandt, so w\u00fcrde dies nach Ansicht der Kommission zu einer <em>\"sakramentaler Automatismus<\/em> (vgl. Nr. 132). Von diesen beiden Grunds\u00e4tzen ist der erste, da\u00df die Absicht, ein Sakrament zu feiern, f\u00fcr die g\u00fcltige Feier des Ehesakramentes nicht erforderlich ist, sondern nur die Absicht, eine nat\u00fcrliche Ehe einzugehen (vgl. Nr. 132). Der zweite Grundsatz, der in can. 1055 \u00a7 2 des Codex des kanonischen Rechts verankert ist, besagt, da\u00df jeder g\u00fcltige Ehevertrag zwischen Getauften gerade deshalb ein Sakrament ist, d.h. es ist nicht m\u00f6glich, da\u00df zwei Getaufte eine wahre Ehe schlie\u00dfen, die kein Sakrament ist (vgl. Nr. 143).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade dieser zweite Grundsatz - gemeinhin als \"Untrennbarkeit von Vertrag und Sakrament\" bezeichnet - ist Gegenstand der aktuellen theologischen Debatte. Um den Vorschlag der Kommission zu kontextualisieren, stellen wir kurz die beiden g\u00e4ngigsten theologischen Positionen vor. Zum einen die Verfechter des Untrennbarkeitsprinzips, die es mit dem Hinweis auf die Taufe als Grund f\u00fcr die Sakramentalit\u00e4t rechtfertigen: Eine Ehe ist ein Sakrament, weil die Eheleute getauft sind. Zweitens: Diejenigen, die den Grundsatz der Untrennbarkeit mit dem Argument ablehnen, dass zwei getaufte Ungl\u00e4ubige zwar eine echte Ehe eingehen k\u00f6nnen, diese aber nicht sakramental sei. Sie begr\u00fcnden dies damit, dass der Glaube ein konstitutives Element der Sakramentalit\u00e4t der Ehe ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das Dokument die wichtigsten Interventionen des gegenw\u00e4rtigen Lehramtes und anderer offizieller Gremien vorgestellt hat, schlie\u00dft es mit einem theologischen Vorschlag, der als kongruent mit der Gegenseitigkeit von Glaube und Sakramenten dargestellt wird, ohne die gegenw\u00e4rtige Theologie der Ehe zu leugnen (vgl. Nr. 134). Der Vorschlag wird wie folgt formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommission h\u00e4lt fest, dass der Glaube der Ehegatten f\u00fcr die g\u00fcltige Feier des Ehesakraments notwendig ist. In Bezug auf die Taufe weist sie ausdr\u00fccklich darauf hin, dass es ein Irrtum w\u00e4re, die Sakramentalit\u00e4t der Ehe allein mit der Taufe zu begr\u00fcnden (vgl. Nr. 41-e und 78-e). Akzeptiert sie also, dass zwei getaufte Ungl\u00e4ubige eine echte Ehe feiern k\u00f6nnen, ohne dass diese aufgrund des fehlenden Glaubens ein Sakrament ist? Die Antwort ist negativ. Das Dokument bekr\u00e4ftigt, dass <em>\"In Anbetracht des gegenw\u00e4rtigen Stands der katholischen Lehre scheint es angebracht, an der heute am weitesten verbreiteten Auffassung von der Untrennbarkeit von Vertrag und Sakrament festzuhalten\".<\/em> (n. 166-e).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Dokument versucht, die Thesen von der Notwendigkeit des Glaubens f\u00fcr die g\u00fcltige Feier des Ehesakraments und der Untrennbarkeit von Vertrag und Sakrament auf der Grundlage der Beziehung zwischen dem Glauben und der Absicht, eine Ehe zu schlie\u00dfen, gem\u00e4\u00df der nat\u00fcrlichen Realit\u00e4t der Ehe zu harmonisieren. Die Kommission weist zun\u00e4chst darauf hin, dass die Vorstellung eines Christen von der Ehe stark vom Glauben und von der Kultur, in der er oder sie lebt, gepr\u00e4gt ist und dass die heutige, stark s\u00e4kularisierte Gesellschaft ein Ehemodell pr\u00e4sentiert, das in krassem Gegensatz zur Lehre der Kirche \u00fcber die Realit\u00e4t der nat\u00fcrlichen Ehe steht. Die Schlussfolgerung ist, dass heute nicht garantiert werden kann, dass getaufte Ungl\u00e4ubige aufgrund ihres fehlenden Glaubens die Absicht haben, eine nat\u00fcrliche Ehe einzugehen, obwohl dies nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann (vgl. Nr. 179). Die praktische Konsequenz ist, da\u00df - in \u00dcbereinstimmung mit der gegenw\u00e4rtigen Praxis - die getauften Ungl\u00e4ubigen nicht zur Feier des Ehesakramentes zugelassen werden sollen, wenn wegen ihres fehlenden Glaubens ernsthafte Zweifel an einer Absicht bestehen, die die G\u00fcter der nat\u00fcrlichen Ehe, wie sie von der Kirche verstanden wird, einschlie\u00dft (vgl. Nr. 181).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Kommission zeigen diese Tatsachen, dass ein absoluter sakramentaler Automatismus nicht zugelassen werden kann, da der Glaube der Ehegatten die Absicht pr\u00e4gt, das zu tun, was die Kirche tut. Andererseits haben getaufte Ungl\u00e4ubige nicht die M\u00f6glichkeit, zu heiraten, ohne dass ihre Ehe sakramental ist, denn sie werden nur dann nicht zur Feier des Ehesakraments zugelassen, wenn sie nicht gem\u00e4\u00df der nat\u00fcrlichen Realit\u00e4t der Ehe heiraten wollen. Getaufte Nichtgl\u00e4ubige heiraten entweder, und die Ehe ist ein Sakrament, oder sie heiraten nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme, dass eine g\u00fcltige Zustimmung den Glauben voraussetzt, ist die Argumentation der Kommission, dass der Glaube konstitutiv f\u00fcr das Ehesakrament ist, meiner Meinung nach nicht \u00fcberzeugend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens, weil sich gezeigt hat, dass der Glaube ebenso wie die Kultur einen Einfluss auf die Gestaltung des christlichen Eheideals hat. Der Schritt von dieser Pr\u00e4misse zu der Schlussfolgerung, dass der Glaube f\u00fcr die Ehe notwendig ist, scheint nicht nachgewiesen worden zu sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens wegen der Begr\u00fcndung, die er f\u00fcr die Notwendigkeit des Glaubens f\u00fcr die Feier der Sakramente im zweiten Kapitel gibt. In diesem Kapitel wird einger\u00e4umt, dass mit der G\u00fcltigkeit der Feier des <em>\"wird in einer Fachsprache \u00fcbertragen, die man als <\/em>res et sacramentum<em>\"<\/em>Die Kirche hat eine andere Wirkung als die der Gnade (z.B. der Charakter in der Taufe). Er warnt jedoch, dass <em>\"Eine kirchliche Praxis, die sich nur um die G\u00fcltigkeit k\u00fcmmert, schadet dem sakramentalen Organismus der Kirche, da sie ihn auf einen seiner wesentlichen Aspekte reduziert\".<\/em>indem es nicht ber\u00fccksichtigt, dass <em>\"Die Sakramente zielen darauf ab und erhalten ihre volle Bedeutung durch die Weitergabe des <\/em>bzw.<em>der dem Sakrament eigenen Gnade\".<\/em> (vgl. Nr. 66). Die Kommission geht noch einen Schritt weiter: Die Sakramente sind n\u00e4mlich auf das Heil - auf die Gabe der heiligmachenden Gnade - ausgerichtet, die durch den Glauben erlangt wird, <em>\"Die sakramentale Logik beinhaltet als wesentlichen Bestandteil die freie Antwort, die Annahme der Gabe Gottes, mit einem Wort: den Glauben\".<\/em> (n. 67).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser letzte Schritt scheint etwas zu fehlen. Wenn die Feier eines Sakraments g\u00fcltig, aber nicht fruchtbar sein kann, und niemals fruchtbar, aber nicht g\u00fcltig ist, ergeben sich folgende Schlu\u00dffolgerungen: a) da\u00df die f\u00fcr die G\u00fcltigkeit notwendigen Bedingungen auch f\u00fcr die Fruchtbarkeit notwendig sind; b) da\u00df die f\u00fcr die Fruchtbarkeit notwendigen Bedingungen nicht immer f\u00fcr die G\u00fcltigkeit notwendig sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Kommission die Notwendigkeit des Glaubens f\u00fcr die Fruchtbarkeit hervorhebt, rechtfertigt dies allein noch nicht, dass er f\u00fcr die G\u00fcltigkeit notwendig ist. Und genau daran erinnert uns der heilige Johannes Paul II, <em>\"die prim\u00e4re und unmittelbare Wirkung der Ehe <\/em>(res et sacramentum)<em> ist nicht die \u00fcbernat\u00fcrliche Gnade selbst, sondern der christliche Ehebund, eine typisch christliche Zweiergemeinschaft, weil sie das Geheimnis der Menschwerdung Christi und sein Geheimnis des Bundes darstellt\".<\/em> (Ex. Ap. <em>Familiaris consortio<\/em>, n. 13).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Behauptung, der Glaube sei f\u00fcr das Ehesakrament konstitutiv, f\u00fchrt zu folgendem Paradoxon. Erinnern wir uns daran, dass die Ehe formell eine Verbindung ist, die zum Sakrament erhoben wurde. Das Sakrament der Ehe beschr\u00e4nkt sich nicht auf den Moment der Feier, sondern ist ein dauerhaftes Sakrament. Wenn wir die Sakramentalit\u00e4t der Ehe auf den Glauben der Eheleute st\u00fctzen, h\u00e4tten wir es mit einem zeitweiligen und nicht mit einem dauerhaften Sakrament zu tun: Wenn zwei christliche Eheleute ihren Glauben aufgeben, zu einer anderen Religion konvertieren und schlie\u00dflich die Lehre der Kirche \u00fcber die nat\u00fcrliche Realit\u00e4t der Ehe ablehnen, dann w\u00fcrde ihrer Ehe die Grundlage f\u00fcr die Sakramentalit\u00e4t fehlen und sie w\u00e4re nicht mehr von einer heidnischen Ehe zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein angemessener Weg, sich diesem Thema zu n\u00e4hern, besteht darin, von der Ehe als einer dauerhaften Realit\u00e4t auszugehen und ihren Heilswert in der gesamten Heilsgeschichte zu verstehen. Auf diese Weise gelangt man zu den folgenden \u00dcberlegungen, die das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Glauben und dem Ehesakrament beleuchten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) da\u00df in der einen Heilsgeschichte, so wie Adam ein Typ oder eine Gestalt von Christus ist, der Bund zwischen Adam und Eva ein Typ oder eine Gestalt des Bundes zwischen Christus und der Kirche ist; und so wie jeder Mensch eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Christus hat - ob bewu\u00dft oder unbewu\u00dft -, weil Gott ihn in Christus ins Dasein und ins Heil ruft, so hat jede Ehe eine Beziehung zu dem Bund zwischen Christus und der Kirche, weil sie ihren Ursprung in Gott hat, um in der Menschheit seinen Plan der sch\u00f6pferischen und erl\u00f6senden Liebe zu verwirklichen;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) dass die Ehe - wie die Arten der unmittelbaren Einsetzung im Alten Testament - von Gott als \"Sakrament\" des Alten Gesetzes eingesetzt wurde, das die Gnade nicht aus sich selbst heraus, sondern durch den impliziten Glauben an das Geheimnis der Menschwerdung Christi in der Ehe verleiht;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) und dass dieser Heilswert der Ehe bei den Heiden nach der Menschwerdung des Gottessohnes erhalten bleibt und bei den Getauften die W\u00fcrde eines Sakraments des neuen Gesetzes erlangt, weil die Sch\u00f6pfungsehe selbst zum Sakrament erhoben wird. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tras la presentaci\u00f3n general del Documento realizada por el profesor Pellitero, nos detenemos en el punto cuarto que trata de la reciprocidad entre fe y sacramento del matrimonio. 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