{"id":15618,"date":"2020-06-17T12:32:00","date_gmt":"2020-06-17T11:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=15618"},"modified":"2021-09-17T12:37:55","modified_gmt":"2021-09-17T11:37:55","slug":"von-nord-nach-sud-mittelalterliche-christliche-wurzeln-von-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/cultura\/del-norte-al-sur-las-raices-medievales-cristianas-de-europa\/","title":{"rendered":"Von Nord nach S\u00fcd. Die christlichen Wurzeln Europas im Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bisch\u00f6fliche Museum von Vic (<em>Bisch\u00f6fliches Museum von Vic<\/em>MEV) wurde 1889 von Bischof Josep Morgades im Geiste des Pontifikats von Leo XIII. gegr\u00fcndet, um die Zeugnisse der Vergangenheit zu sammeln und in der Sprache der damaligen Zeit die Wahrheiten des Glaubens und seine kulturelle Verk\u00f6rperung in den katalanischen L\u00e4ndern zu verteidigen. Hundertdrei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter und fast zwanzig Jahre nach dem Beginn eines neuen Vorhabens sind die Fr\u00fcchte der Zusammenarbeit zwischen dem Bistum, der <em>Generalitat<\/em> Kataloniens und der Stadtverwaltung von Vic ist das Museum, das an die heutige Zeit angepasst wurde, unter dem Vorsitz des Bischofs von Vic weiterhin ein gro\u00dfartiges Instrument, um uns an unsere Herkunft zu erinnern, \u00fcber unseren Alltagshorizont hinauszuschauen und uns f\u00fcr das neue Panorama zu \u00f6ffnen, das sich vor uns auftut.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein konkretes Beispiel daf\u00fcr ist die Ausstellungsreihe zur mittelalterlichen Welt, die das MEV in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren auf der Grundlage seri\u00f6ser Forschung und der Vernetzung mit \u00e4hnlichen Einrichtungen auf dem ganzen Kontinent (wie dem <em>Netzwerk der Museen f\u00fcr mittelalterliche Kunst in Europa<\/em>) und einer beharrlichen Vermittlungsarbeit st\u00fctzt es sich auf seine eigene Sammlung, die haupts\u00e4chlich aus liturgischen Kunstgegenst\u00e4nden besteht und zu den bedeutendsten ihrer Art in der Welt geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die j\u00fcngste Ausstellung in dieser Reihe mit dem Titel <em>Norden und S\u00fcden. Mittelalterliche Kunst aus Norwegen und Katalonien 1100-1350<\/em>wurde am 15. Februar dieses Jahres eingeweiht und ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts der MEV und der <em>Museum Catharijneconvent<\/em> von Utrecht (Niederlande), in Zusammenarbeit mit relevanten norwegischen Museen wie Bergen, Oslo und Trondheim, um nur einige zu nennen. Die Ausstellung bringt zum ersten Mal herausragende Beispiele mittelalterlicher Altardekoration aus diesen beiden Regionen am \u00e4u\u00dfersten Ende des europ\u00e4ischen Kontinents zusammen, mit dem Ziel, eine Botschaft zu vermitteln, die \u00fcber ihre Sch\u00f6nheit und ihr wissenschaftliches Interesse hinausgeht: das Bewusstsein einer tiefen europ\u00e4ischen Einheit, die auf dem gemeinsamen christlichen Glauben und der gemeinsamen Kultur beruht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hauptthema der Ausstellung dreht sich um eine besondere Art von mittelalterlichem Erbe, n\u00e4mlich um die Altarausstattung, die zumeist aus Holz gefertigt und sehr ungleichm\u00e4\u00dfig erhalten ist. In den zentralen Regionen des lateinischen Europas f\u00fchrte der Wandel der Mode oder die Zerst\u00f6rung durch Kriege oder den Ikonoklasmus bestimmter protestantischer Konfessionen wie des Calvinismus zum Verschwinden eines gro\u00dfen Teils dieser Art von M\u00f6beln. Andererseits beg\u00fcnstigten sowohl in Norwegen als auch in Katalonien mehrere Faktoren die Erhaltung dieser Objekte: eine gewisse geografische Abgeschiedenheit (im Norden unter dem Schutz der Fjorde, im S\u00fcden unter dem Schutz der Pyren\u00e4en und der zentralen Regionen Kataloniens), eine nachmittelalterliche kulturelle und wirtschaftliche Dynamik, die nicht immer den Austausch des liturgischen Mobiliars erzwang, und religi\u00f6se Str\u00f6mungen, die zwar unterschiedlich waren (Luthertum in Norwegen, Katholizismus in Katalonien), aber auch nicht zu ihrer Zerst\u00f6rung f\u00fchrten. Schlie\u00dflich sind in beiden Orten seit dem 19. Jahrhundert Museen f\u00fcr die Sammlung und den Schutz dieses Erbes zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung zeigt uns, dass der christliche Altar im lateinischen Europa im Gro\u00dfen und Ganzen auf die gleiche Weise geschm\u00fcckt wurde, und zwar mit Gegenst\u00e4nden, die auf dem ganzen Kontinent viel zahlreicher gewesen sein m\u00fcssen, als es heute den Anschein haben mag. Ein Beispiel macht dies sofort deutlich: Von den 105 in Europa erhaltenen bemalten h\u00f6lzernen Antikaminen aus der Zeit von 1100 bis 1350 stammen 55 aus Katalonien und 32 aus Norwegen: mehr als 80 % Exemplare dieses Typs sind also in den mittelalterlichen Sammlungen von Norwegen und Katalonien erhalten. Bei anderen Arten von liturgischem Mobiliar, wie Kruzifixen oder Marienbildern, ist der Anteil der in anderen mitteleurop\u00e4ischen L\u00e4ndern erhaltenen Exemplare gr\u00f6\u00dfer. Der Vergleich zwischen dem katalanischen und dem norwegischen Beispiel, die mehr als 3.000 Kilometer voneinander entfernt sind, legt jedoch ein eindeutiges Zeugnis f\u00fcr eine wesentliche Realit\u00e4t ab: Alle diese Bilder verk\u00f6rpern denselben k\u00fcnstlerischen, kulturellen und geistigen Horizont.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund daf\u00fcr, dass es in ganz Europa die gleichen Arten von Gegenst\u00e4nden und ikonografischen Themen gab, ist in erster Linie in der Vereinheitlichung der Liturgie zu suchen. In ganz Westeuropa wurde vor allem ab dem 13. Jahrhundert die gleiche Messe in lateinischer Sprache gefeiert, es wurden die gleichen Ges\u00e4nge gesungen, und das liturgische Jahr folgte dem gleichen Ablauf; die Unterschiede beschr\u00e4nkten sich haupts\u00e4chlich auf die Verehrung lokaler oder regionaler Heiliger. Die Rituale wurden von derselben Theologie abgeleitet, die in jeder Kirche gepredigt und in jeder Schule und Universit\u00e4t des Kontinents gelehrt wurde. Ein norwegischer Reisender, der eine katalanische Kirche betritt, kann dem Ritus der Messe ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten folgen und die Gegenst\u00e4nde und Bilder um ihn herum erkennen; dasselbe gilt f\u00fcr einen Portugiesen in Polen oder einen Engl\u00e4nder in Sizilien. Die F\u00fclle der in Norwegen und Katalonien aufbewahrten Artefakte - dieselben Artefakte, die die Kleriker in den H\u00e4nden hielten und die die Gl\u00e4ubigen mit ehrf\u00fcrchtiger Ehrfurcht betrachteten - bietet daher wahrscheinlich den bestm\u00f6glichen Zugang zur Erfahrung der Messe, wie sie zwischen dem 12. und 14.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mittelalterliche kirchliche Kunst, die an diesen Orten an der Peripherie des Kontinents erhalten ist, bietet somit ein einzigartiges Bild von der Einheit des europ\u00e4ischen Erbes. Eine Einheit in der Vielfalt, die unter der Schirmherrschaft der katholischen Kirche und letztlich des christlichen Glaubens um die Betrachtung und Feier des fleischgewordenen Geheimnisses geschmiedet wurde. Dies wird auch durch die zahlreichen architektonischen \u00dcberreste best\u00e4tigt, die auf dem gesamten Kontinent erhalten sind, auch wenn die nationalen Schulen im 19. Jahrhundert bei ihrer Analyse vorzugsweise die Unterschiede zwischen beispielsweise der franz\u00f6sischen Strahlengotik und der englischen Senkrechtgotik betonten. Die Tatsache, dass die 10-Euro- und die 20-Euro-Banknote mit dem Bild eines romanischen Portals bzw. eines gotischen Fensters verziert sind, muss auch auf ein gewisses Bewusstsein f\u00fcr die europ\u00e4ische Einheit hinweisen, die sich in der religi\u00f6sen Kunst manifestiert. Auch wenn es aufgrund politischer Kompromisse manchmal schwierig war, die christlichen Wurzeln Europas anzuerkennen, so bekr\u00e4ftigt das religi\u00f6se k\u00fcnstlerische Erbe - und noch mehr die in der Ausstellung gezeigten mittelalterlichen Altarausstattungen, die es geschafft haben, vielleicht unterschiedlichen architektonischen Interieurs das gleiche Aussehen zu verleihen - diese mit ebenso viel Gelassenheit wie Eindringlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dieser spezifischen Botschaft gibt es jedoch noch eine weitere, elementarere, die vielleicht deshalb unbemerkt bleibt, die sich jedoch als absolut grundlegend erweist. Es ist eine Tatsache, dass das europ\u00e4ische historisch-k\u00fcnstlerische Erbe und die mittelalterliche Vergangenheit, die es repr\u00e4sentiert, ohne eine grundlegende Kenntnis der christlichen Prinzipien (Theologie, Liturgie, Spiritualit\u00e4t) unverst\u00e4ndlich sind, insbesondere in den heutigen westlichen Gesellschaften, die sich immer mehr von ihren christlichen Wurzeln entfernt haben. Die Ausstellung <em>Norden und S\u00fcden. Mittelalterliche Kunst aus Norwegen und Katalonien 1100-1350<\/em> hat Vic einen Schl\u00fcssel f\u00fcr eine gr\u00fcndliche Lekt\u00fcre des reichhaltigen Erbes, das das Museum bewahrt, an die Hand gegeben. Und als die Ausstellung in Utrecht (Oktober 2019-Januar 2020) stattfand, diente sie dazu, in dieser Stadt im Zentrum Europas all das bekannt zu machen, was verschwunden ist, aber dieselben christlichen Wurzeln aufweist und es erm\u00f6glicht, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das noch \u00dcberlebende zu vervollst\u00e4ndigen, als w\u00e4re es das fehlende Teil eines Puzzles.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus all diesen Gr\u00fcnden war es eine gro\u00dfe Genugtuung, diese Ausstellung nach jahrelanger Arbeit in Vic er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen. Und aus denselben Gr\u00fcnden war es besonders schmerzhaft, dass es nur einen Monat sp\u00e4ter, am 13. M\u00e4rz, als die aktuelle Gesundheitskrise ausbrach, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit geschlossen werden musste. Als Reaktion darauf hat das Museumsteam die Pr\u00e4senz der Ausstellung im Internet intensiviert - ein Weg, der bereits fr\u00fcher eingeschlagen wurde - indem es zahlreiche Inhalte auf unserem Blog ver\u00f6ffentlicht hat (<a href=\"https:\/\/museuepiscopalvic.com\/blog125\">https:\/\/museuepiscopalvic.com\/blog125<\/a>), sowie durch verschiedene andere Aktionen in sozialen Netzwerken oder die Teilnahme an Veranstaltungen, die in einer digitalen Version neu formuliert wurden, wie der Internationale Museumstag.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Bewusstsein, dass keine dieser Ressourcen einen pers\u00f6nlichen Besuch ersetzen kann, wurde die Ausstellung dank der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der ausleihenden Museen bis zum 15. September verl\u00e4ngert, mit dem Plan, die T\u00fcren in naher Zukunft wieder f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zu \u00f6ffnen und so die M\u00f6glichkeit zu bieten, die Ausstellung w\u00e4hrend des Sommers zu besuchen. Die MEV hat somit die Freude, an einem Projekt teilzunehmen, mit dem sie die Verbreitung des gemeinsamen europ\u00e4ischen mittelalterlichen Erbes und damit auch dessen Botschaft der Einheit in der Vielfalt, die in den Werten des Evangeliums verwurzelt ist, weiter vorantreiben will. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>El Museo Episcopal de Vic (Museu Episcopal de Vic, MEV) fue fundado en 1889 por el obispo Josep Morgades bajo el esp\u00edritu del pontificado de Le\u00f3n XIII, para recoger los testimonios del pasado y, en el lenguaje de la \u00e9poca, defender las verdades de la fe y de su encarnaci\u00f3n cultural en tierras catalanas. 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