{"id":16460,"date":"2021-10-28T12:12:29","date_gmt":"2021-10-28T11:12:29","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=16460"},"modified":"2025-10-17T13:52:42","modified_gmt":"2025-10-17T11:52:42","slug":"die-prophezeiung-von-solschenizyn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/firmas\/la-profecia-de-solzhenitsyn\/","title":{"rendered":"Solschenizyns Prophezeiung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Mut und dem moralischen Ansehen, das ihm sein Status als Dissident und Opfer der Sowjetunion einbrachte, beschrieb er die Merkmale der so genannten freien Welt, die korrigiert werden m\u00fcssen, wenn sie nicht in einen unaufhaltsamen Verfall geraten soll. Mehr als vierzig Jahre nach diesen Worten ist die Klarheit und Genauigkeit seiner Analyse verbl\u00fcffend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Verleihung des Nobelpreises f\u00fcr Literatur im Jahr 1970 lud die Harvard-Universit\u00e4t den russischen Dissidenten Aleksander Solschenizyn ein, am 8. Juni 1978 die Antrittsvorlesung an der altehrw\u00fcrdigen amerikanischen Universit\u00e4t zu halten. Unter Ausnutzung des Mottos von Harvard (\"Veritas\") erlaubte sich der ber\u00fchmte Schriftsteller, vor diesem ausgew\u00e4hlten Publikum einige Wahrheiten auszusprechen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Alexander_Solzhenitsyn_in_Moscow_December_1998.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16461\" width=\"350\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Alexander_Solzhenitsyn_in_Moscow_December_1998.jpg 350w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Alexander_Solzhenitsyn_in_Moscow_December_1998-287x300.jpg 287w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption>Alexander Solschenizyn<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er begann damit, dass er \u00fcber die damalige Aufteilung der Welt in Teile sprach. Zu den beiden sich bekriegenden Welten des Kalten Krieges, die um die Vereinigten Staaten von Amerika und die UdSSR polarisiert waren, kamen die L\u00e4nder der so genannten Dritten Welt und wahrscheinlich noch weitere Welten hinzu. Und er zitierte die Bibel, die besagt, dass ein Reich, das mit sich selbst uneins ist, nicht bestehen kann, und warnte vor dem Glauben an die angeborene \u00dcberlegenheit des Westens gegen\u00fcber anderen Zivilisationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solschenizyn nutzte die Tatsache, dass er sich an ein westliches Publikum wandte, um bestimmte Aspekte des damaligen Westens aufzuschl\u00fcsseln, die sich meines Erachtens zu dem heutigen Zustand der Dekadenz verschlimmert haben. Die erste w\u00e4re die <strong>Verfall des Mutes<\/strong> die sich in einer allgemeinen Feigheit in der Gesellschaft manifestiert, die Unnachgiebigkeit gegen\u00fcber schwachen Regierungen oder diskreditierten Str\u00f6mungen, die nicht in der Lage sind, Widerstand zu leisten, mit Schweigen und L\u00e4hmung gegen\u00fcber m\u00e4chtigen Regierungen und bedrohlichen oder terroristischen Kr\u00e4ften vereinbar macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Aspekt w\u00e4re die <strong>\u00dcber-Wohlf\u00fchlen <\/strong>und der Wunsch, immer mehr Dinge zu besitzen und einen h\u00f6heren Lebensstandard zu haben, was paradoxerweise bei vielen Menschen im Westen zu Angst und Depression f\u00fchrt. Das Klima des angespannten und aktiven Wettbewerbs beherrscht das gesamte menschliche Denken und er\u00f6ffnet keinen Weg zur freien geistigen Entwicklung. Wer w\u00fcrde in einem solchen Umfeld sein bequemes Leben zur Verteidigung des Gemeinwohls riskieren, wenn die Sicherheit der eigenen Nation verteidigt werden muss?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Merkmal der westlichen Lebensweise w\u00e4re das, was der russische Denker als <strong>das \"legalistische\" Leben<\/strong>. Die Grenzen des Anstands und der Menschenrechte sind in einem System von Gesetzen mit sehr weiten Grenzen festgelegt. Das Recht wird mit gro\u00dfem Geschick angewendet, ausgelegt und manipuliert. Das Wichtigste ist, dass man rechtlich abgesichert ist, und es ist zweitrangig, ob man wirklich im Recht ist oder ob das, was man tut, gut oder gerecht ist. Solschenizyn stellt fest, dass das Leben unter einem kommunistischen Regime ohne objektiven Rechtsrahmen schrecklich ist, aber auch das Leben in einer Gesellschaft, in der es keinen anderen Ma\u00dfstab als den des Rechts gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Orientierung an der Freiheit in den westlichen L\u00e4ndern hat sich wiederum als Irrweg erwiesen. Unsere Gesellschaften haben nur noch wenige M\u00f6glichkeiten, sich gegen den Abgrund der menschlichen Dekadenz zu wehren. Alle moralischen Verfehlungen werden als integraler Bestandteil der Freiheit betrachtet. Die Freiheit hat sich dem B\u00f6sen zugewandt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An anderer Stelle seiner Rede sprach Solschenizyn auch klar und deutlich \u00fcber die Ausrichtung der Presse und der Medien im Allgemeinen: Welche Verantwortung hat ein Zeitungsjournalist gegen\u00fcber seinen Lesern und der Geschichte? Vorschnelligkeit und Oberfl\u00e4chlichkeit sind die psychischen Krankheiten des 20. Jahrhunderts, die eine tiefgreifende Analyse der Probleme verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Zensur im Westen werden modische Denkstr\u00f6mungen und Ideen von unmodischen getrennt, wobei letztere kaum eine Chance haben, in Zeitungen oder B\u00fcchern zu erscheinen oder gar an unseren Universit\u00e4ten geh\u00f6rt zu werden. Diese Aspekte haben einen gro\u00dfen Einfluss auf wichtige Aspekte des Lebens einer Nation, wie z. B. die Bildung, sowohl die Grundschulbildung als auch die fortgeschrittene Bildung in den K\u00fcnsten und Geisteswissenschaften.<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n\t<p><p>Wir m\u00fcssen eine neue Vision, einen neuen Lebensstandard entwickeln. Es geht um nichts Geringeres als den Aufstieg zur n\u00e4chsten anthropologischen Stufe. Auf der ganzen Welt gibt es nur einen Ausweg: den Weg nach oben.<\/p>\n<\/p>\n\t<cite>Santiago Leyra Curi\u00e1<span><\/span><\/cite>\n<\/blockquote>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig sind viele Menschen im Westen unzufrieden mit ihrer eigenen Gesellschaft und neigen zum Sozialismus, der eine falsche und gef\u00e4hrliche Alternative darstellt. Denn der Sozialismus, so argumentiert Solschenizyn, f\u00fchrt zur totalen Zerst\u00f6rung des menschlichen Geistes und zur Nivellierung der Menschheit im Tod. Aber auch die heutige westliche Gesellschaft ist f\u00fcr niemanden ein gutes Vorbild. Die menschliche Pers\u00f6nlichkeit im Westen ist stark geschw\u00e4cht, w\u00e4hrend die im Osten erlittenen H\u00e4rten st\u00e4rkere Pers\u00f6nlichkeiten hervorgebracht haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gr\u00f6\u00dfte Problem des Westens ist der Verlust des Willens, ein Symptom f\u00fcr eine Gesellschaft, die am Ende ihrer Entwicklung angelangt ist. Der Ursprung dieser Dekadenz liegt im Anthropozentrismus, im Vergessen des Menschen als Gesch\u00f6pf Gottes, der Grundlage aller Menschenrechte. Dies ist die gemeinsame Verwandtschaft zwischen dem marxistischen Materialismus und dem westlichen Materialismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem unheilvollen Hintergrund, der sich mehr als vierzig Jahre sp\u00e4ter als au\u00dferordentlich klar und zutreffend erwiesen hat, bietet das Ende von Solschenizyns Rede an der Harvard-Universit\u00e4t die L\u00f6sung f\u00fcr unsere Probleme, um unser geistiges Feuer neu zu entfachen. Wir m\u00fcssen uns zu einer neuen Vision, einer neuen Ebene des Lebens erheben, in der unsere physische Natur nicht wie im Mittelalter ge\u00e4chtet und unser geistiges Wesen nicht wie in der Moderne mit F\u00fc\u00dfen getreten wird. Sie ist nichts weniger als ein Sprungbrett zur n\u00e4chsten anthropologischen Stufe. In der ganzen Welt gibt es keinen anderen Ausweg als den nach oben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Con la valent\u00eda y prestigio moral que le daban su condici\u00f3n de disidente y v\u00edctima de la Uni\u00f3n Sovi\u00e9tica, fue describiendo los rasgos del llamado mundo libre que deb\u00edan rectificarse para no caer en una imparable decadencia. M\u00e1s de cuarenta a\u00f1os despu\u00e9s de pronunciadas aquellas palabras, asombra la lucidez y el acierto de su an\u00e1lisis. 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