{"id":17533,"date":"2021-12-24T04:00:00","date_gmt":"2021-12-24T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=17533"},"modified":"2021-12-23T12:35:36","modified_gmt":"2021-12-23T11:35:36","slug":"dechiffrieren-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/firmas\/descifrando-la-navidad\/","title":{"rendered":"Weihnachten entschl\u00fcsseln"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weihnachtsmorgen brach etwas k\u00fchl, aber sonnig an. Don Enrique hat sich wie immer dick eingepackt, mehr als sonst, um nach unten zu gehen und die Zeitung und das Brot f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck zu holen: Weste, mikrogeschnittenes Hemd, Wollpulli, dicker Stoffmantel, Handschuhe und Schal. Mehr als genug, auch wenn es an der Mittelmeerk\u00fcste noch so winterlich ist. Als er das Haus verlassen wollte, hallte die Stimme seiner verstorbenen Frau Carmelina in ihm wider:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die M\u00fctze, Enrique, denn die ganze W\u00e4rme deines K\u00f6rpers geht durch deinen Kopf!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl ihm nicht kalt war und er immer verschwitzt nach Hause kam, zuckte Don Enrique mit den Schultern, ging zur\u00fcck zum Kleiderst\u00e4nder, an dem seine grau-karierte englische M\u00fctze hing, zog sie auf und schloss die T\u00fcr hinter sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Don Enrique ist seit letztem Sommer Witwer. Das Coronavirus beendete das Leben von Carmelina, die herzkrank war, nach 43 Jahren gl\u00fccklichen Zusammenlebens. Ihren Rat zu befolgen, war eine M\u00f6glichkeit, sich ihr weiterhin nahe zu f\u00fchlen und ihr Andenken zu ehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sie sehr kalt war, drehte Enrique die Heizung immer eine Stufe h\u00f6her, als es sein K\u00f6rper verlangte, und wagte es nicht, ohne seine Schaffellpantoffeln einen Fu\u00df auf den Boden zu setzen. Diese Verpflichtung hatte ihm mehr als einmal \u00c4rger eingebracht, wenn die Pantoffeln, geplagt von seinen Prostataproblemen, in der Dunkelheit der Nacht aus ihrem \u00fcblichen Aktionsradius verschwanden. Solange er sie nicht mit den Fingerspitzen gefunden und angezogen hatte, w\u00fcrde er nicht aufstehen, egal wie dringend die Angelegenheit war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abwesenheit seiner Frau hatte seinen Charakter schwer belastet. Fr\u00fcher war er ein freundlicher und aufmerksamer Mensch, aber seit ihrem Ungl\u00fcck war er m\u00fcrrisch und manchmal sogar unh\u00f6flich geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg zum Kiosk, wo er jeden Morgen seine Zeitung kaufte, dachte Don Enrique \u00fcber das gestrige Abendessen nach. Es stimmt, dass alle seine Kinder und Enkelkinder da waren, es stimmt, dass das Essen gut war, aber ihm war in diesem Jahr nicht nach Feiern zumute, und er fand die Witze seiner Schwiegers\u00f6hne weniger lustig als alle anderen. Zu allem \u00dcberfluss \u00fcbergab sich die kleine Aitana auf seine Jacke, als ihre Mutter sie in seine Arme nahm, um ein Foto mit ihrem Gro\u00dfvater zu machen und es auf Facebook hochzuladen. Der Geruch von saurer Milch wollte nicht aus seiner Hirnanhangsdr\u00fcse weichen! Ihn tr\u00f6stete die Tatsache, dass die Weihnachtsfeierlichkeiten nach Heiligabend allm\u00e4hlich an Intensit\u00e4t verlieren, bis die Menschen Anfang Januar wieder zur Besinnung kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Hallo Juan, guten Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Guten Morgen, Don Enrique, frohe Weihnachten!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Ja, ja, frohe Weihnachten wieder, das hast du mir gestern schon gesagt. Komm schon, lass den Mist und gib mir das Papier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Aber welche Zeitung, Don Enrique, habe ich Sie nicht gestern daran erinnert, dass es am ersten Weihnachtstag keine gedruckten Zeitungen gibt? Sie m\u00fcssen sie online lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Internet f\u00fcr dich und deine verdammten... Ich halte jetzt die Klappe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Okay, okay, Don Enrique, werden Sie nicht w\u00fctend. Nehmen Sie heute eine Zeitschrift mit, wenn Sie m\u00f6chten. Ich habe hier einige sehr gute: Sehen Sie sich dieses \u00fcber Geschichte an, dieses \u00fcber Wissenschaft, dieses \u00fcber Ber\u00fchmtheiten, dieses...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den vielen Zeitschriften, die dort auslagen, fiel Don Enrique eine mit einer \u00e4gyptischen Hieroglyphe auf dem Cover auf. Arch\u00e4ologie hatte ihm schon immer gefallen, und es schien die am wenigsten schlechte Alternative zu sein, um seine traditionelle Morgenlekt\u00fcre zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Vielen Dank, mein Freund, und frohe Weihnachten! -w\u00fcnschte ihm der Zeitungsverk\u00e4ufer, als er ihm sein Wechselgeld zur\u00fcckgab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Und Weihnachten! Es ist schon... es ist schon vorbei. W\u00fcnschen Sie mir ein frohes neues Jahr, wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun, Don Enrique, heute ist Weihnachten, also k\u00f6nnen wir es immer noch sagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-OK, OK, du bist eine Nervens\u00e4ge! Bitte sehr\", verabschiedete er sich mit demselben unfreundlichen Gesicht, mit dem er die nahe gelegene B\u00e4ckerei betrat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Frohe Weihnachten, Nachbarin, was f\u00fcr ein b\u00f6ses Gesicht du heute machst. War der Truthahn gestern Abend schlecht f\u00fcr dich? -sagte Puri, der Verk\u00e4ufer, scherzhaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Was f\u00fcr eine Manie, nach Heiligabend frohe Weihnachten zu w\u00fcnschen! -erwiderte der Rentner. Ja, es ist schon Weihnachten, wir haben schon Schinken und Nougat gegessen, wir haben schon Weihnachtslieder gesungen, wir waren schon zusammen, die, die noch am Leben sind - was will man mehr?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun, sie sagen \"Frohe Weihnachten\", ich bin mir nicht sicher, warum. Mein Chef sagt mir, ich solle die Kunden in dieser Jahreszeit gut behandeln, weil er dann am meisten Geld verdiene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Komm schon, gib mir bald mein Brot, sonst gibt es eine Warteschlange, und dann wird dein Chef schimpfen, weil du Kunden unterh\u00e4ltst.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-1024x677.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17535\" width=\"311\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-1024x677.jpg 1024w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-700x463.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-768x508.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay-600x397.jpg 600w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Pixabay.jpg 1420w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Hause, bei seinem Morgenkaffee und Toast mit \u00d6l und Knoblauch, schlug Don Enrique die Zeitschrift mit dem Bericht \u00fcber Hieroglyphen auf. Es stellte sich heraus, dass es nichts mit Arch\u00e4ologie zu tun hatte, sondern eine dieser Zeitschriften \u00fcber Parapsychologie und Mysterien war und erkl\u00e4rte, wie die alten \u00c4gypter Gedanken entschl\u00fcsselten. Laut einer angeblichen Studie einer israelischen Universit\u00e4t waren sie in der Lage, Gedanken anhand der Musikalit\u00e4t der S\u00e4tze ihrer Gespr\u00e4chspartner zu lesen. Es wird angenommen, dass unser Gehirn darauf vorbereitet ist, durch gesprochene Sprache viel mehr Informationen auszusenden und zu empfangen, als uns im Prinzip bewusst ist. Verschl\u00fcsselt, unter den Worten, je nach Intonation des Sprechers, ist jeder von uns in der Lage, eine Reihe von Wellen au\u00dferhalb des h\u00f6rbaren Spektrums auszusenden, die viel mehr Informationen enthalten, als wir teilen m\u00f6chten. Mit anderen Worten: Der Mensch kann urspr\u00fcnglich nicht l\u00fcgen, und die Sprache, wie wir sie heute kennen, w\u00e4re eine Art der Manipulation der Kommunikation, die mit lauten T\u00f6nen verschleiert wird, damit andere nicht wissen, was wir wirklich denken. Die Wissenschaftler waren der Ansicht, dass es sich hierbei um den gro\u00dfen Bruch der Menschheit handelte, der seit Jahrtausenden m\u00fcndlich \u00fcberliefert wurde und der sich sp\u00e4ter in der Geschichte von Adam und Eva in der Genesis herauskristallisierte. Die erste S\u00fcnde war nichts anderes als die L\u00fcge, die fehlende Kommunikation des Menschen mit seinen Mitmenschen, die Barriere, die die Menschheit trennte und die urspr\u00fcngliche Harmonie, in der wir geschaffen wurden, zerbrach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Aneinanderreihung von pseudowissenschaftlichen Geschichten und die Tatsache, dass er die ganze Nacht wach gewesen war, versetzten den alten Mann in eine Benommenheit, aus der er erst wieder erwachte, als das Telefon klingelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Mmm. Hallo\", antwortete er schl\u00e4frig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Papa, frohe Weihnachten, wie geht es dir? (wenn er mir sagt, dass er nicht bei den Kindern bleibt, wird er die Waschmaschine anstellen und b\u00fcgeln, wer wei\u00df).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gef\u00fchl der Antwort war das seltsamste. Neben der Stimme seiner Tochter, die ihn fragte, wie es ihm gehe, h\u00f6rte Don Enrique nicht, sondern \"f\u00fchlte\" einen weiteren \u00fcberlagerten Satz, in dem sie ihm drohte, seine W\u00e4sche nicht zu waschen, wenn er sich nicht um seine Enkelkinder k\u00fcmmere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Guten Morgen, mein Kind. Ja, ich bleibe bei den Kindern, aber sei nicht so!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Was meinst du mit: \"Stell mich nicht so hin, Papa? Und woher wei\u00dft du, dass ich dich anrufe, um dich zu bitten, als Babysitter zu bleiben (Gott sei Dank hat sie ja gesagt, denn die Option meiner Schwiegermutter macht mich wirklich w\u00fctend).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was sagt man \u00fcber seine Schwiegermutter, wenn sie ein Schatz ist? Na los, bring sie her, ich kann es kaum erwarten, sie zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist sie ein Schatz, Dad, was soll das? Wer hat etwas anderes behauptet (ich habe doch nichts \u00fcber meine Schwiegermutter gesagt, oder? Gestern Abend habe ich mehr Wein getrunken, als ich sollte, und meine Zunge ist lose...) Bleibst du dann bei den Kindern? Bist du sicher, dass es dir gut geht? Du bist seltsam...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Komm schon, komm schon, ja, mir geht's gut. Ich warte auf dich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide legten den H\u00f6rer auf und hatten das Gef\u00fchl, einen der seltsamsten Anrufe ihres Lebens erlebt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine halbe Stunde sp\u00e4ter erschien seine Tochter Carmeli mit ihren beiden Kindern, Pablito, 10, und Aitana, 2. Der \u00c4lteste sprang ihr sofort an den Hals:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-(Ich komme gerne zu dir, weil du uns alles essen l\u00e4sst, was meine Mutter uns verbietet, und weil ich die M\u00fcnzen klaue, die dir aus der Hose fallen und unter dem Kissen deines Sessels liegen bleiben).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Hallo Pablo, das ist gro\u00dfartig\", sagte der Gro\u00dfvater liebevoll und \u00fcberrascht \u00fcber den Anflug von Aufrichtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Es tut mir leid, Papa\", entschuldigt sich Carmeli, \"es ist ein Termin bei der Arbeit meines Mannes und das Kinderm\u00e4dchen hat uns heute Morgen angerufen, um uns mitzuteilen, dass seine Eltern positiv getestet wurden und er nicht kommen kann. (Es ist besser so, denn so spare ich ein wenig Geld und, um ehrlich zu sein, werde ich mit ihm entspannter sein als mit dem kleinen M\u00e4dchen. \u00dcbrigens, was f\u00fcr ein Knoblauchgeruch, wie soll ich es sagen, ohne ihn zu beleidigen?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Guten Morgen, mein Kind, ich bin nicht beleidigt. Ich bin allein zu Hause und st\u00f6re niemanden mit meinem Knoblauch, mit dem ich das Brot einreibe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Oh... ich wollte dir gerade sagen, wie gut dein Haus nach mediterraner Ern\u00e4hrung riecht (Mensch, habe ich das laut gesagt? Ich werde nicht noch einmal den Wein von gestern Abend probieren). Wir sind bald wieder da. Aitana hat ihr Potito in der Tasche (ich wei\u00df, es ist ein mieses Industrieessen, ich w\u00fcrde es nicht essen; aber woher soll ich die Zeit nehmen, ihr einen selbstgemachten Eintopf zu kochen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Geh, geh leise\", verabschiedete sie sich und schob den Kinderwagen, in dem die kleine Aitana schlief, ins Haus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er die esoterische Zeitschrift auf dem Tisch sah, begann er, eine Verbindung zwischen dem Ursprung dieser Stimmen und der angeblichen menschlichen F\u00e4higkeit, die Gedanken anderer zu entschl\u00fcsseln, herzustellen, und beschloss, dies weiter zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun, Pablito, was willst du heute tun? Willst du spazieren gehen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nat\u00fcrlich, Gro\u00dfvater, was immer du sagst\", f\u00fcgte der Enkel h\u00f6rbar hinzu, obwohl der Satz verschl\u00fcsselt war: \"Wie langweilig, mit Gro\u00dfvater und Schwester rauszugehen, um die Enten zu beobachten, ich will nur auf dem Sofa liegen und die Zeichentrickfilme sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der mehr als aufrichtigen Antwort des Enkels weiteten sich Don Enriques Augen enorm und er l\u00e4chelte, als er best\u00e4tigte, dass er immer noch die primitive Gabe besa\u00df, von der im Bericht die Rede war, die Wahrheit zu \"h\u00f6ren\", die andere verbergen. Also beschloss er, ohne zu z\u00f6gern, auf die Stra\u00dfe zu gehen, um weiter zu untersuchen, inwieweit er in der Lage war, Gedanken zu erraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun komm schon, Pablo, zieh deinen Mantel nicht aus, wir gehen, und keine Sorge, es ist nur f\u00fcr eine Weile, und ich werde es wieder gutmachen, indem ich dir S\u00fc\u00dfigkeiten kaufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Das ist nicht n\u00f6tig, Opa, ich habe gestern Abend schon viel gegessen (wenn ich so tue, als w\u00fcrde mich das nicht interessieren, kaufen sie mir die teuersten S\u00fc\u00dfigkeiten). Es funktioniert immer).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der alte Mann unterdr\u00fcckte sein Lachen \u00fcber die verschl\u00fcsselte Antwort seines Enkels, w\u00e4hrend er den Wagen mit dem kleinen M\u00e4dchen nahm und die T\u00fcr hinter sich schloss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er die T\u00fcr erreichte, ging er an Paco, dem Zimmernachbarn, vorbei, der ihn herzlich begr\u00fc\u00dfte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Frohe Weihnachten, Enrique (ich werde nett zu ihm und seinen Enkelkindern sein, um zu sehen, ob er vergisst, dass ich ihm immer noch die Lotterie schulde, die wir zur H\u00e4lfte gekauft und nicht gewonnen haben). Was f\u00fcr zwei h\u00fcbsche Kinder Sie bei sich haben, wie gut begleitet Sie sind!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Oh, Paco, Paco. Ich dachte, du w\u00e4rst geistesabwesend, aber mir scheint, du bist ein bisschen anh\u00e4nglich und ein bisschen verknallt\", antwortete er, w\u00e4hrend er sich in die Wangen seines erstaunten Gesichts kniff. Mal sehen, wann du mir die 10 Euro bezahlst, die du mir schuldest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pablito sah seinen Gro\u00dfvater mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an, als dieser mit einem L\u00e4cheln, das er in letzter Zeit nicht gewohnt war, auf die Stra\u00dfe ging und sich nach Leuten umsah, mit denen er sich unterhalten konnte. Auf dem Weg zum Park gr\u00fc\u00dfte ihn der Kastanienverk\u00e4ufer schon von weitem:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-(Mal sehen, ob der alte Mann mit den Enkelkindern etwas bei mir kauft, ich hatte den ganzen Morgen noch keinen einzigen Kunden).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraufhin stellte sich Don Enrique vor sie hin, musterte sie von oben bis unten und sagte: \"Ich bin alt? Du bist alt, und die Kastanien, die du verkaufst, sind alt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er an der Pfarrkirche vorbeikam, sah er Andrew, den jungen Priester, den er seit der Beerdigung seiner Frau nicht mehr gesehen hatte. Also wandte er sich an ihn, um seine neuen Kr\u00e4fte weiter zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Frohe Weihnachten, Don Enrique\", gr\u00fc\u00dfte der Pfarrer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbl\u00fcfft dar\u00fcber, dass er nicht mehr als diese vier Worte geh\u00f6rt hatte, antwortete der alte Mann:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Frohe Weihnachten ... und was noch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Frohe Weihnachten und das ist alles, reicht das nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun, die Leute sagen. <meta charset=\"utf-8\"><em>Frohe Weihnachten,<\/em> aber in Wirklichkeit sagen sie es nur, um es zu sagen. Manche wollen einfach nur nett sein, andere wollen die kommerzielle Anziehungskraft von Weihnachten, von guten Gef\u00fchlen ausnutzen... Was bringt es Ihnen, mir zu gratulieren, weil Heiligabend vorbei ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Hahaha. Es stimmt zwar, dass Weihnachten h\u00e4ufig dazu benutzt wird, Scheinheiliges zu verkaufen, und viele Menschen halten es deshalb f\u00fcr ein leeres Fest, aber seine Bedeutung ist sehr tief. Wenn ich sage <meta charset=\"utf-8\"><em>Frohe Weihnachten<\/em>Ich meine <meta charset=\"utf-8\"><em>Frohe Weihnachten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er diese Worte zum zweiten Mal sagte, versp\u00fcrte Don Enrique ein gro\u00dfes Gef\u00fchl, wie einen angenehmen Schauer, der ihm \u00fcber den R\u00fccken lief, und ein Kribbeln, das seine Schl\u00e4fen kitzelte. Eine Flut von Ideen aus dem Kopf des Priesters \u00fcberschwemmte dann sein Herz:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Sprich <em>Frohe Weihnachten,<\/em> Don Enrique, ist alles Gute zu w\u00fcnschen. Ich wei\u00df. Ich wei\u00df, dass es schwer ist, zu lernen, ohne den zu leben, der alles in unserem Leben war, ich wei\u00df, dass der Verstand gegen Gott rebelliert, den wir daf\u00fcr verantwortlich machen, dass er uns die Menschen nimmt, die wir lieben. Aber Weihnachten ist die Antwort auf diese Verdrossenheit, denn Gott ist nicht nur nicht grausam, weil er den Tod zul\u00e4sst, sondern er hat beschlossen, pers\u00f6nlich zu kommen, um ihn zu besiegen und uns von ihm zu befreien. Indem er an Weihnachten ein Kind wird, versetzt er sich in unsere Lage, nimmt unseren Schmerz und unser Leid auf sich... und \u00f6ffnet uns den Himmel, damit wir uns alle eines Tages mit ihm, der ganz Liebe ist, und mit all unseren Lieben wiedersehen k\u00f6nnen. Und deshalb sagen wir das nicht nur an Heiligabend, sondern von heute an bis weit in den Januar hinein, weil Weihnachten so gro\u00dfartig ist, dass wir es wochenlang feiern und uns dazu begl\u00fcckw\u00fcnschen m\u00fcssen. Ich wei\u00df, dass es schwierig ist, all dies hier, mitten auf der Stra\u00dfe und in nur zwei Worten zu sagen, Don Enrique, aber ich m\u00f6chte, dass Sie verstehen, was es bedeutet, zu sagen <meta charset=\"utf-8\"><em>Frohe Weihnachten,<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Don Enrique nahm die Botschaft des Priesters entgegen und war \u00fcberw\u00e4ltigt von ihrer Tragweite. Es ist wahr\", \u00fcberlegte er, \"dass der Tod seiner Frau seine Existenz verbittert hatte und dass er dachte, dass Gott, wenn es ihn g\u00e4be, ein Monster w\u00e4re, weil er sie ihm weggenommen hatte. Und es stimmt, wenn Weihnachten nur ein Fest des Konsums und des Zusammenseins ist, verliert es seinen Reiz, wenn wir kein Geld oder keine Gesundheit haben oder wenn uns die Menschen fehlen, die wir lieben. Aber wenn wir ihn in seiner wahren Bedeutung betrachten, wenn wir ihn aufrichtig feiern, ist er ein Grund zur Freude, nicht nur f\u00fcr einen Tag, sondern f\u00fcr viele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gespr\u00e4ch hatte die kleine Aitana geweckt, die in ihrem Overall aufgewacht war. Als sie merkte, dass sie neben ihrem Gro\u00dfvater stand und die Weihnachtsdekoration vor der Kirche sah, schenkte sie ihm ein strahlendes L\u00e4cheln und rief ihm mit halber Zunge ein liebevolles \"Frohe Weihnachten\" zu, das der Gro\u00dfvater entzifferte, ohne es auszusprechen: (Ich mag es, dich anzusehen und dir zuzuh\u00f6ren, ich mag es, bei dir zu sein und dass du mir Geschichten erz\u00e4hlst und mich zu den Enten f\u00fchrst. Ich vermisse Oma, aber wenn ich bei dir bin, vergesse ich, dass sie nicht da ist. Ich liebe dich mehr, Opa).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Sehr gut, Kleines, du scheinst es verstanden zu haben\", antwortete der junge Pfarrer und umarmte das kleine M\u00e4dchen, \"Frohe Weihnachten! Siehst du, was f\u00fcr zwei sch\u00f6ne Worte, Opa?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Zwei Worte, ja\", antwortete der alte Mann, \"aber was f\u00fcr zwei dichte Worte. Ich danke Ihnen, dass Sie sie ein wenig besser erkl\u00e4rt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Danke, ich habe kaum ein Wort gesagt....<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Heimweg vom Spaziergang f\u00fctterte Don Enrique seine Enkelkinder und schickte sie zum Schlafen auf das Sofa. W\u00e4hrend er die Nachrichten im Fernsehen verfolgte und immer noch \u00fcber die Worte des Priesters nachdachte, schlief er ein und das Telefon klingelte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Hm, hallo\", antwortete der alte Mann schl\u00e4frig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Papa, guten Morgen. Wie geht es dir?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nun, hier bin ich ein wenig schockiert. Aber was meinen Sie mit \"Guten Morgen\", \"Guten Tag\"?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nein, Papa, es ist 11 Uhr morgens, hast du wegen des Abendessens nicht gut geschlafen? Wie auch immer, ich rufe dich an, um zu fragen, ob du bei den Kindern bleiben kannst, weil ich ein Mittagessen mit der Arbeit meines Mannes habe...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Don Enrique schaute auf das Sofa, das leer war, keine Spur vom Besuch seiner Enkelkinder, und auf dem Tisch lagen die Reste des Fr\u00fchst\u00fccks, das er beim Lesen der Zeitschrift gegessen hatte. Seine Tochter rief ihn jetzt an, um ihn zu bitten, bei den Kindern zu bleiben, weil sie in Wirklichkeit nie dort gewesen waren. Er begriff, dass seine letzten Stunden, seine F\u00e4higkeit, Gedanken zu entschl\u00fcsseln, sein Gespr\u00e4ch mit der Nachbarin, mit dem Kastanienm\u00e4dchen, mit dem Priester... all das war nur ein am\u00fcsanter Traum gewesen, wenn auch ein sehr aufschlussreicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Ja, Tochter, ja, bring sie her, ich freue mich darauf, sie zu sehen. Und hier sind sie besser aufgehoben als bei jedem Kinderm\u00e4dchen, oder? Und besser als bei deiner Schwiegermutter! hahaha<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Nat\u00fcrlich, Papa, wie bei dir, bei niemandem. Danke, ich werde bald wieder hier sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Und frohe Weihnachten!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Das stimmt, Papa\", antwortete die Tochter seltsam, \"Frohe Weihnachten!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er den H\u00f6rer auflegte, stand Don Enrique auf und ging, ohne seine Pantoffeln anzuziehen, zur Heizung und drehte sie eine Stufe herunter. Dann nahm er das Portr\u00e4t seiner Frau, dessen Rahmen \u00fcber der Anrichte thronte, in die Hand, k\u00fcsste es und fl\u00fcsterte liebevoll: \"Frohe Weihnachten, Carmelina!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sofort ert\u00f6nte die Antwort seiner Frau in ihm: \"Frohe Weihnachten auch f\u00fcr dich, Enrique (aber du musst wissen, dass dir kalt sein wird!)\".<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La ma\u00f1ana de Navidad amaneci\u00f3 algo fr\u00eda, aunque soleada. Don Enrique se abrig\u00f3, como de costumbre, m\u00e1s de la cuenta para bajar a por el peri\u00f3dico y el pan del desayuno: camiseta interior, camisa de micropana, jersey de lana, abrigo de pa\u00f1o grueso, guantes y bufanda. 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