{"id":1844,"date":"2016-04-03T16:55:55","date_gmt":"2016-04-03T15:55:55","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=1844"},"modified":"2022-09-06T15:37:05","modified_gmt":"2022-09-06T14:37:05","slug":"la-misericordia-viga-maestra-de-la-iglesia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/la-misericordia-viga-maestra-de-la-iglesia\/","title":{"rendered":"Barmherzigkeit, der Haupttr\u00e4ger der Kirche"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte bei diesen Worten verweilen, mit denen der Heilige Vater auf den wesentlichen Zusammenhang zwischen der Barmherzigkeit und dem Leben der Kirche hingewiesen hat: <i>\"Die Barmherzigkeit ist der Haupttr\u00e4ger, der das Leben der Kirche tr\u00e4gt\". <\/i>(Nr. 10 der Bulle der Einberufung zum Heiligen Jahr).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haupttr\u00e4ger ist neben anderen architektonischen Elementen ein absolut \"wesentliches\" Element eines jeden Geb\u00e4udes, ohne das es keine Existenzberechtigung h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal setzt sie in sich selbst die Existenz eines Geb\u00e4udes voraus und l\u00e4dt uns ein, die Kirche, die wir als katholisch und apostolisch bekennen und die daher missionarisch und strukturell \"hinausgehend\" ist, auch in ihren Dimensionen der Einheit und Heiligkeit zu betrachten: Sie erscheint als die \"...\".<i>Domus aurea<\/i>\"Das goldene Haus, der geistliche Bau, bei dessen Errichtung wir als lebendige Steine verwendet werden (vgl. 1Pt 2,5) und der Christus selbst als einziges Fundament hat (vgl. 1Kor 3,11).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden in der Lage sein, die Struktur des Haupttr\u00e4gers in dem Ma\u00dfe aufmerksam zu betrachten, wie wir daran interessiert sind, die Schwelle dieses Geb\u00e4udes zu \u00fcberschreiten und es als unser endg\u00fcltiges Haus zu bewohnen. Dies ist der von Menschen zerst\u00f6rte und am dritten Tag wieder aufgebaute Tempel (Joh 2,19), der nicht von Menschenhand gemacht ist. Sie ist uns in der Taufe durch das Wirken des Heiligen Geistes er\u00f6ffnet worden. In diesem Haus erlangt die menschliche Existenz ihren eigenen Sinn und umarmt ihn auf ganzheitliche Weise, indem sie auf dem Altar die <i>oblatio rationabilis<\/i>der geistliche Gottesdienst, der in der Gemeinschaft mit Christus, dem Herrn, das lebendige, heilige und Gott wohlgef\u00e4llige Opfer darbringt (vgl. R\u00f6mer 2,1).<i> <\/i>12,1).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image size-full wp-image-1846\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"710\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2.jpg\" alt=\"Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit, vom Meister von Marradi.\" class=\"wp-image-1846\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2.jpg 800w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2-600x533.jpg 600w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2-700x621.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2-300x266.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier2-768x682.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit, vom Meister von Marradi.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von diesem \"<i>Domus aurea<\/i>\"In diesem geistlichen und geschichtlichen Bauwerk, das die Kirche ist, ist Christus selbst die T\u00fcr, der Weg. In ihm wird das Leben st\u00e4ndig vom Licht der \"Christus-Wahrheit\" erhellt, das ungehindert eintritt und alles durch die ununterbrochene Lehre der Apostel und ihrer Nachfolger in Gemeinschaft mit Petrus erleuchtet. In ihr wird das Leben Christi der Vielzahl der Br\u00fcder mitgeteilt, die aus der einen Quelle, dem Scho\u00df der Heiligen Mutter Kirche, wiedergeboren werden. Sie sind Bewohner des <i>Domus<\/i>sondern auch lebende Steine, die f\u00fcr den Bau des Geb\u00e4udes verwendet wurden. Dieses Leben wird in hervorragender Weise im Gastmahl und im eucharistisch-sakramentalen Opfer mitgeteilt, dem realen Unterpfand des eschatologischen Opfers, das alle vereint und sie kraft des einen Kreuzes Christi in die Gegenwart des Vaters erhebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist also die eine Kirche, die Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, hervorgebracht hat und seit mehr als zweitausend Jahren hervorbringt; der Ort des wahren, neuen und ewigen Lebens, das wir empfangen haben, der heilbringenden Gemeinschaft mit dem menschgewordenen Gottessohn; eine heilbringende Gemeinschaft, die das einzige und wahre Ziel der gesamten Sendung der Kirche darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachten wir die Wirklichkeit der Kirche in theologisch-sakramentaler Perspektive, so k\u00f6nnen wir den Reichtum des vom Heiligen Vater verwendeten Bildes in dreifacher Hinsicht betrachten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sichtbarkeit und Pracht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst wird der Haupttr\u00e4ger als ein architektonisches Strukturelement vorgestellt, das f\u00fcr das gesamte Geb\u00e4ude und alle seine Teile von wesentlicher Bedeutung ist. Innerhalb der Grenzen jeder Analogie k\u00f6nnen wir behaupten, dass die Barmherzigkeit in der Geschichte der Kirche immer als Haupttr\u00e4ger \"sichtbar\" war und ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgesehen von dieser Metapher gab es nie eine Zeit, in der die Kirche nicht mit \u00dcberzeugung das Evangelium der Barmherzigkeit verk\u00fcndet hat, und zwar seit dem Pfingsttag, als der heilige Petrus aus dem Abendmahlssaal kam und der Menge antwortete, die mit aufgew\u00fchltem Herzen fragte, was sie tun sollte: <i>\"Tut Bu\u00dfe und lasst euch alle taufen auf den Namen Jesu, des Messias, zur Vergebung eurer S\u00fcnden, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn die Verhei\u00dfung gilt euch und euren Kindern und denen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, zu sich rufen wird\".<\/i> (Apostelgeschichte 2, 38-39).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verk\u00fcndigung der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit braucht im Gegensatz zu den Balken dieser Welt, die dem Betrachter gefallen sollen, keine Verzierungen, denn sie hat ihren ganzen Glanz in sich selbst. Wie der Apostel bekr\u00e4ftigt: <i>\"Ich selbst, Br\u00fcder, als ich zu euch kam, um euch das Geheimnis Gottes zu verk\u00fcnden, tat ich es nicht mit hochtrabender Beredsamkeit oder Weisheit; denn ich r\u00fchmte mich nie bei euch, etwas anderes zu kennen als Jesus Christus, diesen Gekreuzigten\".<\/i> (<i>1Kor <\/i>2,1-2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es stimmt, dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehrmals mit der immerw\u00e4hrenden Versuchung des Menschen, sich selbst zu retten, konfrontiert wurde, so hat sie doch immer reagiert, die absolute Unentgeltlichkeit der Barmherzigkeit verteidigt und vor allen bekr\u00e4ftigt, die zwar aufrichtige Reue erfordert, aber unendlich viel gr\u00f6\u00dfer ist als jede menschliche H\u00e4sslichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat die Kirche dem Donatismus des 4. Jahrhunderts, der den Ausschluss der <i>lapsi <\/i>des Abendmahls, reagierte er mit der Wiederzulassung reuiger Br\u00fcder und mit der grundlegenden Lehrwahrheit der <i>ex opere operato. <\/i>Auf den Pelagianismus des 5. Jahrhunderts antwortete er mit der augustinischen Vertiefung der Gnadenlehre. Auf die katharisch-albigensische H\u00e4resie des 12. und 13. Jahrhunderts antwortete sie in den Predigten der Bettelorden mit der G\u00fcte und Einheit der Sch\u00f6pfung, die von Christus ganzheitlich angenommen und gerettet wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone size-full wp-image-1847\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"616\" height=\"936\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier3.jpg\" alt=\"Franziskus empf\u00e4ngt das Sakrament der Beichte, 13. M\u00e4rz 2015.\" class=\"wp-image-1847\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier3.jpg 616w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier3-600x912.jpg 600w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier3-461x700.jpg 461w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/ABR16-dossier3-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><figcaption>Franziskus empf\u00e4ngt das Sakrament der Beichte, 13. M\u00e4rz 2015.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf das Luthertum des 16. Jahrhunderts reagierte er, indem er die reale Wirksamkeit der Rechtfertigung aus Gnade, die Wahrheit der Sakramente - vor allem der Eucharistie und der Vers\u00f6hnung und, in offensichtlicher Konsequenz, des Weihesakraments - und die G\u00fcte und Gen\u00fcgsamkeit der Bu\u00dfe zur Erlangung der Vergebung der S\u00fcnden bekr\u00e4ftigte. Dar\u00fcber hinaus wurde durch einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen himmlischen Segen die <i>Domus Aurea<\/i> Die sch\u00f6nsten Fr\u00fcchte ihres Wirkens sind in den heiligen Laien, Ordensleuten, Mystikern, Seelsorgern und Missionaren jener Zeit zu sehen: man denke zum Beispiel an den heiligen Philipp Neri, den heiligen Ignatius von Loyola, den heiligen Karl Borrom\u00e4us, den heiligen Franz von Sales, den heiligen Kamillus von Lelis, die heilige Teresa von Jesus..., und die Liste lie\u00dfe sich zu einem W\u00f6rterbuch erweitern!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 17. und 18. Jahrhundert antwortete die Kirche auf den jansenistischen Legalismus und Rigorismus mit der Morallehre vom vorbeugenden, gleichzeitigen und aufeinanderfolgenden Wirken der Gnade, die ihre wertvollsten Fr\u00fcchte im heiligen Alfons Liguori und in den heiligen Hirten des 19. Der Modernismus des letzten Jahrhunderts, der f\u00fcr sich in Anspruch nahm, der einzige wirkliche Interpret des Menschen zu sein, wurde durch die Texte des Zweiten Vatikanischen \u00d6kumenischen Konzils beantwortet, das Christus-Gott als die einzige wirkliche F\u00fclle eines jeden Menschen und die Kirche als g\u00f6ttliche und menschliche Wirklichkeit zugleich in ihrer nicht reduzierbaren sakramentalen, liturgischen und missionarischen Dimension bekr\u00e4ftigte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Diktatur des philosophischen und religi\u00f6sen Relativismus der heutigen Zeit antwortet die Kirche, indem sie die universale, heilbringende Einzigartigkeit Christi und seine kosmische Wahrheit bekr\u00e4ftigt, in die die Geschichte, die gesamte Sch\u00f6pfung, das Wesen und die W\u00fcrde des Menschen und schlie\u00dflich seine unverzichtbare Freiheit vor dem Angebot des Heils eingeschrieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re daher kurzsichtig, die Verk\u00fcndigung der Liebe und Barmherzigkeit Gottes in der j\u00fcngsten Epoche der Kirche (vielleicht in den letzten f\u00fcnfzig Jahren) verankern zu wollen, vielleicht im Gegensatz zu den gespenstisch langen Jahrhunderten des \"klerikalen Terrors\", in denen zu viel von Gottes Gericht und den Strafen der H\u00f6lle die Rede war. Gewiss muss jede gef\u00e4hrliche Einseitigkeit vermieden werden; au\u00dferdem darf man, um \u00dcbertreibungen zu korrigieren, nicht zu anderen \u00dcbertreibungen greifen. Ich glaube, dass eine echte Aufmerksamkeit auch in der Predigt f\u00fcr die g\u00f6ttlichen Vorrechte der Allmacht und des Urteils der Verk\u00fcndigung der Barmherzigkeit nur helfen kann. Die freie Wahl der Liebe und der Barmherzigkeit, die Gott in seiner Allmacht trifft, ist in der Tat viel interessanter als die Vorstellung eines Gottes, der \"gezwungen\" ist, barmherzig zu sein, ohne sich immer daf\u00fcr zu entscheiden, angesichts jedes Menschen, jedes Umstands, jeder konkreten S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Haushalt und Struktur<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem wir den Haupttr\u00e4ger der Barmherzigkeit als deutlich sichtbares architektonisches Element des Kirchenbaus identifiziert haben, k\u00f6nnen wir seine Voraussetzungen und seine Funktion analysieren. Lassen Sie uns zun\u00e4chst \u00fcber die Annahmen sprechen, denn jeder Haupttr\u00e4ger ist architektonisch gesehen kein \"Schubtr\u00e4ger\", sondern ein \"Tragbalken\". Es handelt sich um ein horizontales Element, das einen oberen Teil tr\u00e4gt, aber sein Gewicht auf zwei vertikale Arme verteilt, die auch das Gewicht der oberen Strukturen verteilen. Was sind die beiden Voraussetzungen, die beiden \"tragenden S\u00e4ulen\" des Architravs der Barmherzigkeit? Was sind die St\u00fctzen, ohne die er nicht getragen werden k\u00f6nnte? Viele m\u00f6gen erstaunt sein, aber wir m\u00fcssen zun\u00e4chst einmal feststellen, dass die \"Barmherzigkeit\" theologisch gesehen kein \"urspr\u00fcngliches\" Attribut Gottes ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lassen Sie mich das erkl\u00e4ren. Mit dem Apostel Johannes m\u00fcssen wir vor allem bekennen, dass \"<i>Deus Caritas est <\/i>- Gott ist Liebe\". Wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen bekr\u00e4ftigen, dass Gott, indem er seinen menschgewordenen Sohn in Jesus von Nazareth, Herrn und Christus, gestorben und auferstanden, gesandt hat, uns wissen l\u00e4sst, dass er in sich selbst Liebe ist: die Liebe der drei Personen. Diese innertrinitarische Liebe kann jedoch nicht in sich selbst als Barmherzigkeit konfiguriert werden, weil sie keine \"ontologische Hierarchie\" unter den drei g\u00f6ttlichen Personen kennt, die in ein und derselben Natur gleich sind. Die Vorstellung, dass der Vater sich des Logos oder des Heiligen Geistes \"erbarmen\" sollte, w\u00e4re \u00fcberhaupt nicht akzeptabel!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann k\u00f6nnen wir dann mit dem Psalm sagen, dass <i>\"Seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt ewig\".<\/i>(Ps 135). Wenn Gott erschafft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Gott den geistigen und den materiellen Kosmos und vor allem den Menschen erschafft, hat er an beidem teil. Gott, der eine Gemeinschaft von Personen ist, kann in sich selbst in Beziehung zu einem anderen als sich selbst auch etwas erschaffen, konzipieren, das \"ganz anders\" ist als er selbst. Indem er den intelligenten und freien Menschen geschaffen hat, liebt er au\u00dferhalb seiner selbst. Er liebt den freien Menschen und ruft den Menschen zur Liebe auf. Diese Liebe Gottes, die an uns gerichtet ist und von uns erkannt wird, ist auf der Ebene der Sch\u00f6pfung sozusagen \"Barmherzigkeit\". Eine Liebe, die absolut unentgeltlich ist, weil sie g\u00f6ttlich frei ist, die sich auf das \"Elend\" st\u00fctzt, weil es unendlich weit von der g\u00f6ttlichen Vollkommenheit entfernt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Barmherzigkeit setzt also in zweifacher Hinsicht die g\u00f6ttliche Freiheit, die den Menschen erschafft, und die Existenz des erschaffenen Menschen voraus. Nach dem Willen Gottes ist sie unwiderruflich, so dass Gott nicht einmal in der ewigen Verdammnis, die sich der Mensch durch seine S\u00fcnde und endg\u00fcltige Unbu\u00dffertigkeit selbst zuf\u00fcgt, den verdammten Seelen das barmherzige Geschenk des Seins und der Existenz entzieht. Die Allerheiligste Dreifaltigkeit, gesegnet und vollkommen in sich selbst, hat gewollt, das menschliche Dasein f\u00fcr immer an sich zu binden, und dann werden wir wahrhaftig mit den Engeln singen k\u00f6nnen: \"Die Heilige Dreifaltigkeit, gesegnet und vollkommen in sich selbst, hat gewollt, das menschliche Dasein f\u00fcr immer an sich zu binden!<i>\"Seine Gnade w\u00e4hrt ewig\"!<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bild, das ich gew\u00e4hlt habe, hat in diesem Punkt seine Grenzen, denn die ungeschaffene und ewige Freiheit Gottes und die geschaffene und zeitliche Freiheit des Menschen k\u00f6nnen nicht in gleicher Weise gedacht werden und sind ontologisch nicht gleichwertig. Die g\u00f6ttliche Freiheit ist in einem absoluten Sinn subsistent und bedarf nichts; die Freiheit des Menschen hingegen ist geschaffen und h\u00e4ngt wesentlich von der g\u00f6ttlichen Freiheit ab; sie ist f\u00fcr das Geheimnis der Barmherzigkeit nur deshalb unentbehrlich, weil Gott sie geschaffen hat und sie will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gibt noch eine weitere Ebene der Barmherzigkeit, die den Menschen nicht nur ins Leben ruft, sondern auch mit dem geschaffenen Menschen in Beziehung tritt. Der Mensch, obwohl von Gott und f\u00fcr Gott geschaffen, entscheidet sich n\u00e4mlich zu s\u00fcndigen, das hei\u00dft, seine Freiheit gegen den Sch\u00f6pfer zu richten, und befleckt sich so mit einer unendlich schweren Schuld, von der er sich mit seinen schwachen Kr\u00e4ften nicht erholen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier entfaltet sich also durch den g\u00f6ttlichen Willen die neue und gro\u00dfe Initiative der Ewigen Liebe im Raum der Sch\u00f6pfung: <i>\"Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galil\u00e4a gesandt, die Nazareth hei\u00dft, zu einer Jungfrau, die mit einem Mann verlobt war, der Josef hie\u00df und aus dem Hause David stammte; die Jungfrau hie\u00df Maria\".<\/i> (Lk 1, 26-27). Nachdem er das Volk Israel geformt, ihm das Gesetz offenbart und damit seine S\u00fcnde aufgezeigt hat, wendet sich Gott an Maria, um uns zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Begegnung zwischen der ungeschaffenen g\u00f6ttlichen Freiheit und der geschaffenen und unbefleckten Freiheit der heiligsten Maria, die die Ank\u00fcndigung des Engels aufnimmt, entsteht eine neue und endg\u00fcltige Gnade: die Menschwerdung des Wortes. Der Sohn des ewigen Vaters nimmt in ihr unser Fleisch an und bindet sich so auf neue und unaufl\u00f6sliche Weise an die menschliche Natur und wird im Geheimnis seiner Menschwerdung, seines Todes und seiner Auferstehung f\u00fcr immer \"die\" Barmherzigkeit. In Christus wird uns die g\u00f6ttliche Intimit\u00e4t endg\u00fcltig er\u00f6ffnet: Er opfert sich am Kreuz f\u00fcr unsere S\u00fcnde, bietet uns die Erl\u00f6sung an und macht uns pers\u00f6nlich zu Teilhabern an seinem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit des g\u00f6ttlich-menschlichen Herzens Christi gr\u00fcndet sich die Kirche, das universale Heilssakrament und die Dienerin der Barmherzigkeit, als Fortsetzung der lebendigen Gegenwart und des Heilswerks Christi in Raum und Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Leben der Kirche wird dann durch das apostolische Amt, als Teilhaber des einen, ewigen und hohen Priestertums Christi, der Hauptstrahl der Barmherzigkeit in gewissem Sinne \"verl\u00e4ngert\", da die geschaffene Freiheit des Menschen durch die Gnade der Berufung auf das Geschenk des Rufes Christi antwortet und sich in dem faszinierenden Abenteuer des Amtspriestertums in seinen Dienst stellt. Die ganze Kirche ist dann gleichsam aus dieser Barmherzigkeit \"gewoben\", und auf ihr entwickelt sie ihr ganzes Leben. Das Petrusamt selbst entspringt der Barmherzigkeit Christi, der nach dem dreifachen Liebesbekenntnis, das auf den dreifachen Verrat folgte, seine eigene Herde dem Petrus anvertraut: <i>\"Ihr\".<\/i> -St. Johannes Paul II. hat es uns wiederholt. <i>\"ist ein Dienst der Barmherzigkeit, der aus einem Akt der Barmherzigkeit Christi hervorgegangen ist\".<\/i> (<i><a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/la-enciclica-ut-unum-sint-en-sus-25-anos\/\">Ut Unum Sint<\/a><\/i>, n. 93).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine unersetzliche und unverzichtbare Rolle<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleibt uns, die Funktion des Architravs zu beschreiben. Getragen vom Geheimnis der g\u00f6ttlichen Freiheit und der Antwort der menschlichen Freiheit, die das Heil empf\u00e4ngt, tr\u00e4gt die Barmherzigkeit ihrerseits das ganze Leben der Kirche; man k\u00f6nnte sagen, dass sie in einem doppelten Sinn am Anfang\" des kirchlichen Lebens steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben der Kirche entfaltet sich in erster Linie durch einen immer neuen Akt der Barmherzigkeit Christi, der durch das kirchliche Amt die Getauften weiht und ihnen sein eigenes Leben mitteilt. Zweitens besteht ein solches Prinzip nicht in einem \"chronologischen Anfang\", den man dann hinter sich lassen kann, sondern in einem \"ontologischen Prinzip\": Das Leben der Kirche wird von der Gnade Christi getragen und geleitet, im H\u00f6ren auf die apostolische Lehre und das Gebet aufgenommen, durch die heiligste Eucharistie gen\u00e4hrt und vervollkommnet, durch die sakramentale Vers\u00f6hnung wiederhergestellt und gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir die Vers\u00f6hnung genau betrachten, sehen wir, wie die Barmherzigkeit nur in der Begegnung zweier miteinander verbundener Freiheiten - der g\u00f6ttlichen und der menschlichen - sakramental \"geschehen\" kann. Die g\u00f6ttliche Freiheit ist gegeben, endg\u00fcltig und unwiderruflich, und wenn ein Amtstr\u00e4ger bereit ist, sie anzubieten, wird sie sakramental zug\u00e4nglich. Die menschliche Freiheit hingegen dr\u00fcckt sich in der Reue aus, im Schmerz \u00fcber die begangene S\u00fcnde, verbunden mit dem Vorsatz, sie in Zukunft nicht mehr zu begehen, und in der Anklage, die das Herz des S\u00fcnders f\u00fcr die rettende Wahrheit Christi \u00f6ffnet. In der Zeit dieser Pilgerreise bewahrt die menschliche Freiheit immer die Kraft <i>tremendum<\/i> das Geheimnis der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit anzunehmen und sich von ihr innerlich erneuern zu lassen oder sie abzulehnen, was zeigt, wie die Allmacht Gottes gerade unsere Freiheit \u00fcber alles liebt, bis hin zu dem Punkt, dass er den ganzen Reichtum seines Herzens in sie hineinsch\u00fcttet, sobald sie versucht, sich zu \u00f6ffnen; und er respektiert die menschliche Wahl, die sich auf tragische Weise entscheidet, sich nicht lieben zu lassen oder, mit anderen Worten, sich \u00fcberhaupt nicht zu entscheiden. Gott tut niemals jemandem Gewalt an!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Barmherzigkeit, die in der sakramentalen Beichte wirkt, wird nur die Gnade des Sakraments der Taufe freisetzen und verbreiten, die die erste Quelle und das immerw\u00e4hrende Prinzip der Barmherzigkeit ist, die die Kirche aufbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass nur dieser ganzheitliche Realismus in Bezug auf die g\u00f6ttliche Barmherzigkeit die lang ersehnte Neuevangelisierung herbeif\u00fchren und aufrechterhalten kann, die ohne Angst und Komplexe die Wahrheit von Christus, dem Erl\u00f6ser, verk\u00fcndet. Heute ist es notwendiger denn je, die Freiheit des Menschen zu \"provozieren\", der sich so endlich vor dem gr\u00f6\u00dften und beispiellosesten Ereignis der Geschichte wiederfindet: Gott ist Mensch geworden, tot und auferstanden, und lebt mitten unter uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Werk der Evangelisierung m\u00f6ge uns die Unbefleckte Jungfrau Maria, das vollkommene Werk und der reinste Abglanz der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit, unterst\u00fctzen! <i>ante praevisa merita<\/i>! M\u00f6ge sie uns lehren, uns dem Willen Christi ganz und gar und immer wieder neu zur Verf\u00fcgung zu stellen; so wird die Wahrheit, die Maria, die Heiligste, in seliger Ewigkeit betrachtet, immer mehr vor den Augen unseres Herzens erscheinen: Gott, in der Sch\u00f6pfung und in der Erl\u00f6sung, ist Barmherzigkeit, ist alles Barmherzigkeit, ist nur Barmherzigkeit! n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deseo detenerme en estas palabras con las que el Santo Padre ha se\u00f1alado el nexo esencial entre la Misericordia y la vida de la Iglesia: \u201cLa misericordia es la viga maestra que sostiene la vida de la Iglesia\u201d (n. 10 de la Bula de convocaci\u00f3n del A\u00f1o Santo). 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