{"id":2067,"date":"2016-12-30T13:20:52","date_gmt":"2016-12-30T12:20:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.omnesmag.com\/?p=2067"},"modified":"2023-01-31T14:10:14","modified_gmt":"2023-01-31T13:10:14","slug":"la-etica-las-instituciones-politicas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/la-etica-las-instituciones-politicas\/","title":{"rendered":"Die Ethik der politischen Institutionen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ich erneut eingeladen wurde, \u00fcber die Herausforderungen zu schreiben, vor denen die Moraltheologie heute steht, m\u00f6chte ich einige allgemeine \u00dcberlegungen zur politischen Ethik anstellen, einem Zweig der Moral, der eher vernachl\u00e4ssigt wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Pers\u00f6nliche Ethik und politische Ethik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir im allgemeinen Sprachgebrauch von Ethik sprechen, denken wir gew\u00f6hnlich an eine \u00dcberlegung, die die Lebensweise einzelner Personen als gut oder schlecht bewertet, je nachdem, ob sie dem allgemeinen Wohl des menschlichen Lebens entspricht oder entgegensteht. In Wirklichkeit ist diese Denkweise eine Verwechslung von Teilen mit dem Ganzen. Die Lebensweise des Einzelnen wird in der pers\u00f6nlichen Ethik behandelt, aber die Ethik hat auch andere Bereiche, wie die Wirtschaftsethik, die medizinische Ethik, die Sozialethik oder die politische Ethik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die politische Ethik befasst sich mit den Handlungen, durch die die Individuen in einem politisch organisierten Gemeinwesen (Staat, Gemeinde usw.) ihr Zusammenleben in verfassungsrechtlicher, rechtlicher, administrativer, wirtschaftlicher, erzieherischer, gesundheitlicher usw. Hinsicht gestalten. Diese Handlungen gehen von gesetzgebenden oder regierenden Organen oder von Einzelpersonen aus, die eine regierende Funktion aus\u00fcben, aber sie sind genau genommen Handlungen der politischen Gemeinschaft, die sich durch ihre gew\u00e4hlten Vertreter die eine oder andere Form gibt. So sind z.B. die Gesetze zur Regelung des Hochschulwesens, des Gesundheitswesens, des Steuerwesens usw. Gesetze des Staates und nicht der Abgeordneten Johannes und Paul, auch wenn sie deren Bef\u00fcrworter waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kriterium, nach dem die politische Ethik diese Handlungen der Gemeinschaft bewertet, ist ihre mehr oder weniger gro\u00dfe \u00dcbereinstimmung mit dem Ziel, f\u00fcr das die Einzelnen in einer organisierten Gesellschaft zusammenleben wollten und wollen. Dieses Ziel wird als <em>politisches Gemeinwohl<\/em> (einfacher, aber viel ungenauer, k\u00f6nnte man es auch als <em>allgemeines Wohlergehen<\/em>). Kurz gesagt, die politische Ethik h\u00e4lt diejenigen Handlungen des \u00f6ffentlichen Apparats (Staat, Autonomie, Gemeinde usw.) f\u00fcr moralisch gut, die mit dem politischen Gemeinwohl \u00fcbereinstimmen und dieses f\u00f6rdern, w\u00e4hrend sie diejenigen f\u00fcr moralisch schlecht h\u00e4lt, die diesem Wohl schaden oder entgegenstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich sprechen wir jetzt von politischer Moral, die sich nicht genau mit der Moral deckt, mit der sich die pers\u00f6nliche Ethik befasst, obwohl sie mit ihr verwandt ist, manchmal sogar sehr eng. In der Tat sind politisch unmoralische Handlungen manchmal auf pers\u00f6nliche Unehrlichkeit zur\u00fcckzuf\u00fchren... aber nicht immer. Sie k\u00f6nnen auch aus schlichter Inkompetenz, aus ideologischen Kategorien oder aus unsoliden wirtschaftlichen Vorstellungen resultieren, die manche Menschen in gutem Glauben vertreten. F\u00fcr die politische Ethik ist nicht so sehr der gute (oder schlechte) Glaube entscheidend, sondern vielmehr die Konformit\u00e4t und die F\u00f6rderung des Allgemeinwohls.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus ergeben sich einige Grunds\u00e4tze zur Unterscheidung zwischen pers\u00f6nlicher Ethik und politischer Ethik. Die offensichtlichste ist, dass sich jeder dieser Zweige der Ethik im Allgemeinen mit verschiedenen Arten von Handlungen befasst: mit denen des Einzelnen und mit denen der politisch organisierten Gemeinschaft (gesetzgebende und regierende Institutionen). Wenn das eine und das andere scheinbar dieselbe Art von Handlungen betrifft, so handelt es sich in Wirklichkeit um zwei formal unterschiedliche Dimensionen der Moral. Nehmen wir zum Beispiel an, dass die Abgeordneten, die im Parlament f\u00fcr ein Gesetz stimmen, aufrichtig davon \u00fcberzeugt sind, dass das neue Gesetz im allgemeinen Interesse ihres Landes ist. Nach eineinhalb Jahren zeigt die Erfahrung, dass das neue Gesetz ein \u00dcbel war. Kann man sagen, dass die Verabschiedung dieses Gesetzes ein moralisches \u00dcbel war? Nun, <em>h\u00e4ngt<\/em>. Aus der Sicht des <em>pers\u00f6nliche Moral<\/em>Diejenigen, die, nachdem sie informiert wurden, in gutem Glauben abgestimmt haben, sind nicht pers\u00f6nlich schuldig und k\u00f6nnen nicht als moralisch falsches Verhalten bezeichnet werden. Andererseits ist aus der Sicht der politischen Ethik ein ethisches \u00dcbel entstanden: Was auch immer im Gewissen derjenigen vorging, die f\u00fcr dieses Gesetz gestimmt haben, sein Widerspruch zum Gemeinwohl ist eine Tatsache (und wird es auch bleiben, wenn im Laufe der Jahre alle Abgeordneten, die daf\u00fcr gestimmt haben, verstorben sein werden). Die positive oder negative moralische Qualit\u00e4t der Gestaltung unseres gemeinsamen Lebens und unserer Zusammenarbeit - die sich formal von pers\u00f6nlichem Verdienst und moralischer Schuld unterscheidet - ist der spezifische Gegenstand der politischen Ethik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das pers\u00f6nliche Wohl und das politische Gemeinwohl<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel der pers\u00f6nlichen Ethik ist es, den Menschen beizubringen, wie sie gut leben k\u00f6nnen, d. h. jedem Menschen zu helfen, ein gutes Leben zu planen und zu f\u00fchren. Das wirft sofort einige Fragen auf: Mit welcher Berechtigung kann die \"Ethik\" in meine Existenz eindringen, um mir vorzuschreiben, wie ich zu leben habe; kann mir eine Stelle, die mir fremd ist, eine Lebensweise aufzwingen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wirklichkeit ist die Ethik keine \u00e4u\u00dfere Instanz, die uns etwas aufzwingen will, sondern sie steckt in jedem von uns. Schauen wir uns einen Moment lang unsere eigenen Erfahrungen an. Wir denken st\u00e4ndig dar\u00fcber nach, was wir tun und was wir vermeiden sollten; wir machen unsere Pl\u00e4ne, wir planen unser Leben, wir entscheiden, welchen Beruf wir aus\u00fcben wollen, und so weiter. Manchmal stellt man kurze oder lange Zeit nach einer Entscheidung fest, dass man einen Fehler gemacht hat, bereut ihn und sagt sich, dass man sein Leben in eine ganz andere Richtung lenken w\u00fcrde, wenn man zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte. Die Erfahrung des Bedauerns f\u00fchrt uns vor Augen, wie w\u00fcnschenswert es ist, \u00fcber die inneren \u00dcberlegungen nachzudenken, die unseren Entscheidungen vorausgehen und sie vorbereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und diese \u00dcberlegung ist die Ethik. Ethik ist in der Tat nichts anderes als eine Reflexion, die darauf abzielt, unsere inneren \u00dcberlegungen zu objektivieren, sie so objektiv wie m\u00f6glich zu pr\u00fcfen, unsere Schlussfolgerungen kritisch zu kontrollieren, fr\u00fchere Erfahrungen zu bewerten und zu versuchen, die Folgen, die ein bestimmtes Verhalten f\u00fcr uns und unsere Mitmenschen haben kann, vorherzusehen. Die pers\u00f6nliche Ethik ist also eine Reflexion, die in einem freien Gewissen entsteht, und ihre Ergebnisse sind <em>vorschlagen<\/em> f\u00fcr andere, ebenso freie Gewissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um auf die Frage zur\u00fcckzukommen, um die es hier geht, wirft dies eine schwierige Frage f\u00fcr die politische Ethik auf. Wenn ihr grundlegender Bezugspunkt, wie gesagt, das politische Gemeinwohl ist, in welchem Verh\u00e4ltnis steht es dann zu dem guten Leben, das die pers\u00f6nliche Ethik anstrebt? Wir werden jetzt nicht auf die verschiedenen Antworten eingehen, die im Laufe der Geschichte gegeben wurden. Wir werden lediglich eine Art Antinomie hervorheben, die diese Beziehung aufwirft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn einerseits das gute Leben das Ziel ist, das die Ethik der Freiheit vorschl\u00e4gt und das nur verwirklicht werden kann, wenn es frei gewollt ist, wie kann es dann gleichzeitig das regulierende Prinzip einer Reihe von Institutionen sein, wie z. B. der politischen Institutionen, die sich des Zwangs bedienen und das Zwangsmonopol haben? Wenn das gute Leben der B\u00fcrger auch das Ziel der politischen Institutionen w\u00e4re, w\u00e4re es dann nicht m\u00f6glich, dass der Staat alles, was gut ist, als verpflichtend und alles, was schlecht ist, als verboten ansieht? Und wenn es unter den B\u00fcrgern unterschiedliche Vorstellungen vom guten Leben g\u00e4be, w\u00e4re es dann Aufgabe des Staates, zu bestimmen, welche davon wahr und damit verpflichtend ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits, wenn man bedenkt, dass wir zusammenleben, um durch soziale Zusammenarbeit unser Leben und unser gutes Leben zu erm\u00f6glichen, und nicht etwa unser schlechtes Leben, k\u00f6nnen dann die politischen Institutionen nicht \u00fcberlegen, was \u00fcberhaupt gut f\u00fcr uns ist? Wenn unser Wohl au\u00dfer Acht gelassen wird, welche anderen Kriterien k\u00f6nnten dann das Leben der politisch organisierten Gesellschaft inspirieren? Dar\u00fcber hinaus erscheint die Idee eines \"ethisch neutralen\" Staates unrealistisch und unsolide, weil sie einfach nicht m\u00f6glich ist. Die Rechtssysteme der zivilisierten Staaten verbieten Mord, Betrug, Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religion usw. Sie haben also einen ethischen Inhalt. Eine andere Sache ist es, wenn es als nicht rechtm\u00e4\u00dfig angesehen wird, dass politischer Zwang in das Gewissen und die intimen \u00dcberzeugungen eingreift, aber das ist eine wesentliche ethische Anforderung, die mit der Freiheit verbunden ist, die f\u00fcr die conditio humana charakteristisch ist, und nicht ein Fehlen von Ethik. Aus diesem Grund w\u00fcrde sich ein politisches Umfeld, aus dem alle ethischen \u00dcberlegungen im Namen der Freiheit verdr\u00e4ngt wurden, gegen die Freiheit selbst wenden, denn das \"ethische Vakuum\" w\u00fcrde bei den B\u00fcrgern eine Reihe von unsozialen und unsolidarischen Gewohnheiten hervorrufen, die es schlie\u00dflich unm\u00f6glich machen w\u00fcrden, die Freiheit der anderen zu respektieren und sich an die Regeln der Gerechtigkeit zu halten, die es erm\u00f6glichen, die Konflikte, die unweigerlich zwischen freien Menschen entstehen, auf zivilisierte Weise zu l\u00f6sen. Am Ende w\u00fcrde sich der St\u00e4rkere durchsetzen. An historischen Beispielen mangelt es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie also ist das Verh\u00e4ltnis zwischen dem guten Leben und dem politischen Gemeinwohl zu verstehen? Wir haben hier nicht den Platz, um eine vollst\u00e4ndige Antwort zu geben. Es ist jedoch m\u00f6glich, zwei \u00dcberlegungen anzustellen. Erstens deckt sich das politische Gemeinwohl weder vollst\u00e4ndig mit dem guten Leben, noch ist es in Bezug auf dieses v\u00f6llig heterogen. Die zweite ist, dass die politischen Institutionen (der Staat) im Dienst der sozialen Zusammenarbeit (der Gesellschaft) stehen, und letztere existiert, damit die Menschen ihr Wohl frei erreichen k\u00f6nnen (ich sage nicht, dass sie es tats\u00e4chlich erreichen, sondern dass <em>kann<\/em> frei, um es zu erreichen). Wir w\u00fcrden nicht die Hilfe anderer suchen, um ein schlechtes Leben zu f\u00fchren und uns selbst ungl\u00fccklich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen beiden \u00dcberlegungen ergeben sich wichtige Konsequenzen. Erstens erm\u00f6glichen sie es zu verstehen, dass bestimmte Anforderungen des pers\u00f6nlichen Wohls f\u00fcr die politische Ethik absolut verbindlich sind. So w\u00e4re es zum Beispiel niemals politisch zul\u00e4ssig, ein Gesetz zu erlassen, in dem erkl\u00e4rt wird, dass <em>positiv im Einklang mit dem Gesetz<\/em> eine Handlung, die von der Mehrheit der Gesellschaft als ethisch negativ angesehen wird (etwas ganz anderes ist die \"faktische Duldung\" oder das \"rechtliche Schweigen\", das unter bestimmten Umst\u00e4nden bequem sein kann). Noch weniger w\u00e4re ein Gesetz zul\u00e4ssig, das ausdr\u00fccklich ein pers\u00f6nliches Verhalten verbietet, das allgemein als ethisch verpflichtend angesehen wird, oder das ein Verhalten f\u00fcr verpflichtend erkl\u00e4rt, das nach Ansicht der Allgemeinheit der B\u00fcrger nicht ausgef\u00fchrt werden kann, ohne einen moralischen Fehler zu begehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tatsache, dass das gute Leben und das politische Gemeinwohl nicht vollst\u00e4ndig \u00fcbereinstimmen, bedeutet gleichzeitig, dass es, wenn man argumentieren will, dass eine bestimmte Handlung verboten und gesetzlich bestraft werden sollte, wenig hilfreich ist, zu zeigen, dass sie ein moralisches Unrecht darstellt. Es ist n\u00e4mlich allgemein anerkannt, dass nicht alles, was f\u00fcr den Einzelnen moralisch falsch ist, vom Staat verboten werden sollte. Kurz gesagt, nicht jede S\u00fcnde ist ein Verbrechen - und sollte es auch nicht sein. Nur Verhaltensweisen, die erhebliche negative Auswirkungen auf das Gemeinwohl haben, sollten vom Staat verboten werden. Dies muss nachgewiesen werden, wenn man argumentieren will, dass ein solches Vorgehen verboten werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens sind eine gute Organisation und das ordnungsgem\u00e4\u00dfe Funktionieren des Staatsapparats notwendig, aber nicht ausreichend. Gute Politik schafft Kontrollinstanzen und -instrumente, verteilt die Macht auf verschiedene Organe, so dass die Machtaus\u00fcbung stets begrenzt ist. Diese Ma\u00dfnahmen, die wir als strukturell bezeichnen k\u00f6nnten, m\u00fcssen jedoch durch pers\u00f6nliche Tugenden erg\u00e4nzt werden. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum: Egal, wie viele Systeme der Kontrolle und Machtverteilung eingerichtet werden, wenn Korruption auf allen Ebenen einer politischen Struktur massiv eingef\u00fchrt wird, herrscht Korruption vor, und in einem solchen Fall w\u00e4re es, wie der heilige Augustinus sagte, unm\u00f6glich, den Staat von einer Diebesbande zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Bedeutung des politischen Standpunkts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erfahrung lehrt, dass manchmal politische Probleme aufgeworfen und zu l\u00f6sen versucht werden, ohne dass es gelungen ist, sie unter dem spezifischen Gesichtspunkt der politischen Ethik richtig zu formulieren. Oft wird die eine oder andere L\u00f6sung auf der Grundlage einer Argumentation vorgeschlagen, die zwar der pers\u00f6nlichen Ethik angemessen sein mag, aber die politische Substanz des untersuchten Problems nicht einmal ber\u00fchrt. Noch h\u00e4ufiger wird die Notwendigkeit, bestimmte Ziele zu erreichen, betont und als Banner einer ideologischen Position pr\u00e4sentiert, ohne zu erkennen, dass es kein Problem mit ihnen gibt. Und es gibt kein Problem, weil wir uns in den meisten Zielen, die in den \u00f6ffentlichen Debatten auftauchen, einig sind: Wir alle wollen, dass die Arbeitslosigkeit verschwindet, wir alle wollen, dass kein B\u00fcrger ohne eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bleibt, wir alle wollen Wirtschaftswachstum, wir alle wollen, dass sich der Lebensstandard der wirtschaftlich schw\u00e4cheren Schichten verbessert, wir alle wollen, dass sich das durchschnittliche Bildungsniveau verbessert, ganz zu schweigen von dem Wunsch nach Frieden in den unruhigsten Regionen der Welt, nach einer L\u00f6sung f\u00fcr das Problem der Migranten und Fl\u00fcchtlinge aus kriegsgeplagten L\u00e4ndern usw. Worin wir nicht so sehr \u00fcbereinstimmen, ist die <em>Modus<\/em> um diese Ziele zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzum, das eigentliche Problem, das die Politik l\u00f6sen muss, ist nicht das des zu erreichenden Ziels, sondern das der <em>Medien<\/em> Die EU hat sich au\u00dferdem verpflichtet, im Rahmen der verf\u00fcgbaren Ressourcen und unter Ber\u00fccksichtigung der tats\u00e4chlichen Bedingungen, in denen wir uns befinden, konkrete L\u00f6sungen f\u00fcr diese heiklen Fragen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange also keine vern\u00fcnftigen konkreten L\u00f6sungen f\u00fcr das Medienproblem vorgeschlagen werden, werden sowohl die Entscheidungstr\u00e4ger als auch die B\u00fcrger, die ihre Stimme abgeben oder verweigern m\u00fcssen, im Moment der Wahrheit nicht wissen, was sie tun sollen. Es ist, als w\u00fcsste der Pilot eines Flugzeugs nicht, wohin er die Passagiere bringen soll, oder, schlimmer noch, als w\u00fcssten selbst die Passagiere nicht, wohin sie zu fliegen haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Politische Ethik und soziale Prozesse<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben bereits gesagt, dass sich die politische Ethik mit der T\u00e4tigkeit der politischen Institutionen auf verschiedenen Ebenen (Staat, Gemeinschaft, Gemeinde) befasst. Diese Einrichtungen weisen die typischen Merkmale von Organisationen auf: Sie haben eine hierarchische Struktur und werden durch eine Reihe pr\u00e4ziser Regeln entsprechend den von ihnen verfolgten Zielen geregelt. Letztere m\u00fcssen jedoch genau definiert werden, und es ist wichtig, nicht aus den Augen zu verlieren, dass sie letztlich der Gesellschaft und den B\u00fcrgern dienen. Andernfalls wird das, was ein Mittel (die Organisation) war, selbst wichtig. Dies geschieht, wenn die politischen Institutionen, anstatt die soziale Zusammenarbeit zu f\u00f6rdern, der Versuchung des St\u00e4rkeren nachgeben. <em>Selbstreferenzialit\u00e4t<\/em>Die Tendenz, sich selbst zu ern\u00e4hren und zu vergr\u00f6\u00dfern, Unn\u00fctzes in Notwendiges zu verwandeln und soziale Prozesse b\u00fcrokratisch zu behindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Politische Prozesse und soziale Prozesse sind sehr unterschiedlich. Im ersten Fall gibt es einen Verstand (oder sogar eine Gruppe von Experten), der sie im Sinne des gew\u00fcnschten Ziels lenkt: Es wird eine Ordnung konzipiert und Zwang ausge\u00fcbt, um sie durchzusetzen. Soziale Prozesse hingegen entstehen aus der freien Zusammenarbeit zwischen Menschen und reagieren im Allgemeinen nicht auf eine absichtliche Gestaltung. Im Gegensatz zum Zwang und der millimetergenauen Voraussicht, die f\u00fcr politische Prozesse typisch sind, zeichnen sich soziale Prozesse durch ihre Spontaneit\u00e4t aus. Sowohl die Sph\u00e4ren als auch die Instrumente dieser Prozesse - wie der Markt, das Geld und die Sprache selbst - sind entstanden, ohne auf die von einem richtungsweisenden Geist auferlegte Ordnung zu reagieren. In \u00e4hnlicher Weise wird das Wissen, das sie reguliert, in den K\u00f6pfen von Millionen von Menschen gebildet, w\u00e4hrend sie miteinander interagieren. Aus diesem Grund handelt es sich um ein verstreutes Wissen, das schwer zu formalisieren ist. Diese Prozesse bringen Menschen zusammen, die sich nicht kennen und unterschiedliche Interessen haben, die aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gegenseitig voneinander profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der politischen Ethik ist es sehr wichtig, diesen Unterschied zwischen politischen Prozessen und sozialen Prozessen nicht nur zu kennen, sondern vor allem zu respektieren. Es ist nicht w\u00fcnschenswert, letztere politisch zu kontrollieren. Und sie ist nicht w\u00fcnschenswert, vor allem, weil sie nicht m\u00f6glich ist. Kein Experte oder keine Gruppe von Experten kann \u00fcber das daf\u00fcr erforderliche Wissen verf\u00fcgen. Versuche, die <em>Social Engineering<\/em> enden in einem v\u00f6lligen Scheitern, schaden der Freiheit, hemmen die Kreativit\u00e4t und verschwenden menschliche und materielle Ressourcen. Die Idee der sozialen Ordnung als spontane Ordnung, die von F.A. Hayek in brillanter Weise vorgeschlagen wurde, scheint mir nach wie vor uneingeschr\u00e4nkt g\u00fcltig zu sein, auch wenn sie vielleicht noch etwas verfeinert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst in der rein politischen Sph\u00e4re, die wir bereits als eher organisations\u00e4hnlich betrachtet haben, weckt die Idee eines technischen Projekts Zweifel und \u00c4ngste. Die s\u00e4kularen Institutionen ver\u00e4ndern zu wollen, ohne dar\u00fcber nachzudenken, ohne eine ruhige, besonnene und tiefgreifende gesellschaftliche Debatte vorausgehen zu lassen, ohne die Empfindlichkeiten und \u00dcberzeugungen eines Gro\u00dfteils der B\u00fcrger sowie die spontane Dynamik der Freiheit zu ber\u00fccksichtigen, nur weil man die parlamentarische Mehrheit daf\u00fcr hat, ist ein Zeichen f\u00fcr die Anma\u00dfung, die gew\u00f6hnlich mit geringer Intelligenz und ideologischer Blindheit einhergeht. Zwei Ph\u00e4nomene, die leider fast immer Hand in Hand gehen. Die Politik muss die freie gesellschaftliche Zusammenarbeit respektieren und f\u00f6rdern, ohne sie in ein Korsett zu zw\u00e4ngen oder sie den Intuitionen des \"Experten\" an der Macht anzupassen. Die Unterwerfung des kollektiven und s\u00e4kularen Wissens unter die Ideen eines Herrschers oder einer Gruppe von Herrschern bedeutet immer zumindest eine gro\u00dfe Verarmung des gesellschaftlichen Lebens und oft auch eine respektlose und ungerechte Zertrampelung, was auch immer die Absicht dahinter sein mag. \u00dcberfahren und verarmen ist genau das, was gute Politik niemals tut.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Sicht der politischen Ethik ist es sehr wichtig, diesen Unterschied zwischen politischen Prozessen und sozialen Prozessen nicht nur zu kennen, sondern vor allem zu respektieren.<\/p>","protected":false},"author":23,"featured_media":6898,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[537],"tags":[],"class_list":["post-2067","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-recursos"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>La \u00e9tica de las instituciones pol\u00edticas | Razones | Revista Palabra<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"El art\u00edculo subraya la especificidad de la \u00e9tica pol\u00edtica respecto de la \u00e9tica personal. 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