{"id":21353,"date":"2022-06-08T09:49:16","date_gmt":"2022-06-08T08:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=21353"},"modified":"2025-10-30T10:40:27","modified_gmt":"2025-10-30T08:40:27","slug":"litauischer-kreuzberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/colina-de-las-cruces-de-lituania\/","title":{"rendered":"Der Berg der Kreuze. Ein Zeugnis f\u00fcr den Glauben und den Widerstand des litauischen Volkes."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Berg der Kreuze wird erstmals in Schriften aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erw\u00e4hnt. Maurikis Hri\u0161kevicius, Schatzmeister von \u0160iauliai, schrieb 1850: \"Die Menschen schreiben dem Jurgaiciai-H\u00fcgel immer noch Heiligkeit zu.  Der lokalen Forschung zufolge soll es sich so zugetragen haben, dass einer der Einwohner von Jurgaiciai Gott versprach, als er schwer krank war, ein Kreuz auf dem H\u00fcgel zu errichten, wenn er seine Krankheit \u00fcberleben w\u00fcrde. So kam es, dass er geheilt wurde, w\u00e4hrend er dort das Kreuz errichtete. Sobald sich die Nachricht unter den Menschen verbreitete, wurden innerhalb weniger Jahre so viele Kreuze aus weit entfernten D\u00f6rfern herbeigeschafft und weitere dort aufgestellt, dass wir heute ihre F\u00fclle sehen k\u00f6nnen.\"<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geschichten \u00fcber den Berg der Kreuze<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4teren Berichten zufolge wurden die Kreuze \u00fcber den Gr\u00e4bern der Teilnehmer an den Aufst\u00e4nden der ehemaligen Zwei-Nationen-Republik gegen das Russische Reich 1831 und 1863 errichtet, die als \"Novemberaufstand\" bzw. \"Januaraufstand\" bekannt sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verstorbenen wurden auf dem Grabh\u00fcgel begraben. Diese Version der Errichtung der Kreuze war vor allem in den Jahrzehnten der sowjetischen Besatzung weit verbreitet, um die religi\u00f6se Bedeutung des Kreuzberges herunterzuspielen und ihn in ein Denkmal f\u00fcr den Widerstand des Volkes gegen die Ausbeuter zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus den ersten Zeugnissen geht jedoch hervor, dass die ersten Kreuze auf dem H\u00fcgel als Zeichen aufrichtiger Volksfr\u00f6mmigkeit und Dankbarkeit gegen\u00fcber Gott erschienen, zu denen noch weitere Motive hinzukamen: der Wunsch, die hier begrabenen Rebellen zu ehren und sich gleichzeitig den zaristischen Beh\u00f6rden zu widersetzen, die das Aufstellen von Kreuzen verboten und behinderten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">W\u00e4hrend des Zarenreichs<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende des 18. Jahrhunderts war Litauen in das Russische Reich eingegliedert worden. Zu dieser Zeit war der Brauch, Holzkreuze an Stra\u00dfenr\u00e4ndern in der N\u00e4he von H\u00e4usern aufzustellen, bereits in ganz Litauen verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herstellung von Holzkreuzen und Kruzifixen in Litauen ist seit 2008 Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Eingliederung in das Russische Reich wurden diese Kreuzer auch zu einem Symbol der nationalen und religi\u00f6sen Identit\u00e4t Litauens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1845 verbot die russische Regierung das Aufstellen von Kreuzen, au\u00dfer in Kirchen und auf Friedh\u00f6fen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Menschen widersetzten sich diesem Erlass, ignorierten ihn und bauten ihre Kreuze weiter, wobei es ihnen sogar gelang, die \u00f6rtlichen Beamten auf ihre Seite zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Aufstand von 1863 wurde das Verbot jedoch erneuert, und nur noch Kreuze auf Gr\u00e4bern waren erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1878 hob Zar Alexander II. das Verbot auf, aber der Beamte des Zentrums, der das Schreiben abgeschickt hatte, ordnete an, dass es nicht ver\u00f6ffentlicht werden durfte. So wurde der Berg der Kreuze, der als Zeichen des aufrichtigen Glaubens entstand, zu einem Zeichen f\u00fcr die St\u00e4rke und Ausdauer des Glaubens trotz Leiden und Pr\u00fcfungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende des 19. Jahrhunderts war der Berg der Kreuze bereits recht bekannt, vor allem in der lokalen Umgebung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies zeigt sich in seinem Erscheinen auf einigen Karten oder beispielsweise in dem Artikel, den die litauisch-amerikanische Zeitung 1888 <em>Lietuvi\u0161kas<\/em> <em>Fl\u00f6\u00dfe<\/em> schrieb \u00fcber den H\u00fcgel unter dem Titel <em>Auf den kleinen H\u00fcgeln Litauens<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die spontane Verehrung der Gl\u00e4ubigen wurde von den Priestern der Region, aber auch von denen der weiter entfernten Gemeinden unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert. Bis 1888 wurde auf dem H\u00fcgel ein Kreuzweg mit 14 Stationen errichtet, und bis 1914 gab es 200 Kreuze und eine kleine Kapelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Litauen erkl\u00e4rte seine Unabh\u00e4ngigkeit im Jahr 1918. W\u00e4hrend der Zeit der Unabh\u00e4ngigkeit wurden auf dem H\u00fcgel weiterhin Kreuze errichtet. Die Menschen konnten sich zu Gebeten, Gottesdiensten, Wallfahrten und Pilgerfahrten versammeln, ohne von irgendjemandem gest\u00f6rt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Jahren wird von Pilgerfahrten mit bis zu 10.000 Menschen berichtet. Die Zahl der Kreuze auf dem H\u00fcgel nahm weiter zu, bis 1923 waren es etwa 400.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sowjet\u00e4ra<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sowjetische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg markierte den Beginn einer schwierigen Periode im Leben Litauens. W\u00e4hrend der Sowjetzeit wurde der Berg der Kreuze zu einem bekannten Symbol f\u00fcr den Kampf um Religionsfreiheit, auch im Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr die Besatzungsmacht versuchte, den H\u00fcgel zu zerst\u00f6ren, ihn sogar zu vernichten, desto mehr bl\u00fchte er auf. Je mehr man sich bem\u00fchte, das Aufstellen von Kreuzen zu unterbinden, desto mehr Kreuze wurden aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den schwierigen Jahrzehnten der Besatzung wurde die Bedeutung des Kreuzes als Quelle der Kraft und Hoffnung besonders deutlich. Der Berg der Kreuze erhielt den Spitznamen \"litauisches Golgatha\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber den Berg der Kreuze w\u00e4hrend der Stalinzeit, als Unterdr\u00fcckung und Verfolgung besonders brutal waren, ist wenig bekannt. Es hei\u00dft, dass viele Kreuze bei Einbruch der Dunkelheit von den Angeh\u00f6rigen der gefallenen Partisanen (K\u00e4mpfer f\u00fcr die litauische Unabh\u00e4ngigkeit) aufgestellt wurden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/colonia-cruces-lituania.jpg\" alt=\"H\u00fcgelkreuze in Litauen\" class=\"wp-image-21357\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/colonia-cruces-lituania.jpg 400w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/colonia-cruces-lituania-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/colonia-cruces-lituania-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption>Eine Frau stellt ein Kreuz auf den H\u00fcgel der Kreuze. \u00a9CNS\/Kalnins, Reuters<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Stalins Tod nahm die Verfolgung von Gl\u00e4ubigen ab, und die Beh\u00f6rden gingen mit der Aufstellung von Kreuzen lockerer um. Allein zwischen 1956 und 1959 wurden dort rund 1.000 Kreuze gepflanzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1959 begann die Verfolgung der Christen in Litauen erneut mit der Unterdr\u00fcckung aller Formen des religi\u00f6sen Lebens, der Schlie\u00dfung von Kirchen und der Zerst\u00f6rung heiliger St\u00e4tten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Litauens verabschiedete die Entschlie\u00dfung \"\u00dcber Ma\u00dfnahmen zur Unterbindung von Massenbesuchen an heiligen St\u00e4tten\". Auf der Grundlage dieses Beschlusses wurde eine Reihe von Ma\u00dfnahmen eingeleitet, um die auf dem H\u00fcgel errichteten Kreuze zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1961 stellte die Untersuchungskommission fest, dass der H\u00fcgel und die angrenzende Quelle eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die Verbreitung von Infektionskrankheiten darstellten und dass nach Ansicht der Kommission \"die Situation nicht l\u00e4nger toleriert werden konnte\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 5. April 1961 wurden die Kreuze mit Hilfe von Bulldozern und Planierraupen aus einer nahe gelegenen Kolchose auf Befehl der kommunistischen Beh\u00f6rden von Teams aus H\u00e4ftlingen und Soldaten vom H\u00fcgel ger\u00e4umt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Holzkreuze wurden gef\u00e4llt und verbrannt, die Beton- und Steinkreuze wurden zertr\u00fcmmert oder im Wasser vergraben, und die Eisenkreuze wurden als Schrott abtransportiert. Alle Kreuze auf dem H\u00fcgel - 2.179 Kreuze aus verschiedenen Materialien - wurden an einem Tag zerst\u00f6rt. Obwohl der H\u00fcgel v\u00f6llig verw\u00fcstet war, hatten die Menschen keine Angst, wieder Kreuze aufzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kreuze kehrten auf den H\u00fcgel zur\u00fcck und entgingen so der Wachsamkeit der KGB-Kr\u00e4fte. Es wurden so viele Kreuze aufgestellt, dass die sowjetischen Beh\u00f6rden den H\u00fcgel zwischen 1973 und 1985 viermal abrei\u00dfen mussten. Es gab sogar Pl\u00e4ne, den H\u00fcgel zu fluten, um dem Problem ein Ende zu bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1980er und 1990er Jahren erfreute sich der Berg der Kreuze in Litauen erneut gro\u00dfer Beliebtheit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der mit diesem Ort verbundenen Glaubenszeugnisse wurden in der Chronik der katholischen Kirche in Litauen beschrieben und gelangten so in den Westen, so dass der Kampf um das \u00dcberleben des Kreuzberges sowohl im Ausland als auch in ganz Litauen weithin bekannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der heilige Johannes Paul II. auf dem Berg der Kreuze<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz nach der Wiederherstellung der Unabh\u00e4ngigkeit im Jahr 1990 fand das wichtigste Ereignis in der Geschichte des Kreuzbergs statt: der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 7. September 1993.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Heilige Vater zelebrierte zusammen mit den Bisch\u00f6fen Litauens die Messe in der zu diesem Anlass errichteten Kapelle in Anwesenheit einer gro\u00dfen Menschenmenge (etwa 100.000).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Predigt erinnerte Papst Johannes Paul II. an die Litauer, die ins Gef\u00e4ngnis oder in Konzentrationslager kamen, nach Sibirien deportiert oder zum Tode verurteilt wurden. Vor und nach der Messe ging er auf den H\u00fcgel, um in dem beeindruckenden Wald von Kreuzen zu beten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Heilige Vater war besonders bewegt von der Tatsache, dass nach dem Bombenanschlag von 1981 ein Kreuz errichtet wurde, um f\u00fcr seine Gesundheit zu beten. \"So wie dieses Kreuz hier bleibt, so bleibt das Gebet des Papstes bei euch. Euer Gebet f\u00fcr den Papst, der heute mit dem Besuch dieses heiligen Ortes eine gro\u00dfe Gnade erfahren hat, bleibt mit ihm\", sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute steht in der Mitte des H\u00fcgels der Kreuze ein gro\u00dfes Kruzifix, das von Johannes Paul II. pers\u00f6nlich gesandt wurde, und ist Ausgangs- und Endpunkt vieler Pilgerfahrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner R\u00fcckkehr aus den baltischen L\u00e4ndern ermutigte Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Franziskanerkloster La Verna die Franziskaner zum Bau einer Einsiedelei auf dem Berg der Kreuze. Das Kloster, das nur 300 Meter vom H\u00fcgel entfernt ist, wurde am 8. Juli 2000 eingeweiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1997 wurde die Di\u00f6zese \u0160iauliai gegr\u00fcndet und am 20. Juli desselben Jahres wurde auf Beschluss des Bischofs die Wallfahrt zum Berg der Kreuze, die am letzten Sonntag im Juli stattfindet, wiederbelebt. Seitdem versammeln sich jedes Jahr viele Menschen aus ganz Litauen und auch aus anderen L\u00e4ndern, um die Wallfahrt zu feiern, an der in der Regel der Apostolische Nuntius und alle litauischen Bisch\u00f6fe teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem stellen jedes Jahr viele Menschen als Einzelpersonen oder Gruppen ihre Kreuze zum Gedenken an verschiedene Ereignisse auf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem H\u00fcgel sind sowohl kleine, einfache Holzkreuze als auch gro\u00dfe, kunstvolle Kreuze aufgestellt. Im Jahr 2007 wurden auf dem H\u00fcgel mehr als 200.000 Kreuze gez\u00e4hlt. Ein Ort, der f\u00fcr Besucher Litauens zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr Andacht und Tourismus geworden ist. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Colina de las Cruces aparece mencionada por primera vez en escritos de mediados del siglo XIX. 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