{"id":25309,"date":"2022-10-24T06:00:00","date_gmt":"2022-10-24T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=25309"},"modified":"2022-10-06T12:16:35","modified_gmt":"2022-10-06T11:16:35","slug":"tradition-und-brauchtum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/argumentos\/teologia-siglo-xx\/tradicion-y-tradiciones\/","title":{"rendered":"Tradition und Traditionen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Tradition\" ist ein sehr wichtiges Wort im christlichen Wortschatz. In einem sehr weiten, aber sehr authentischen und umfassenden Sinne kann man sagen, dass f\u00fcr den christlichen Glauben Tradition gleichbedeutend mit Kirche ist. Die Kirche ist hier jedoch nicht mit der kirchlichen Soziologie, den Menschen und Vertretern der Kirche zu identifizieren, sondern mit der Kirche als Gottes Glaubens- und Heilsgeheimnis, das die Geschichte bis zu seiner Vollendung im Himmel durchzieht. Die Kirche, verstanden als der Leib Christi, <em>\"le Christ repandu<\/em>Der erweiterte Christus, wie Bossuet ihn gerne nannte. Und belebt, gestern und heute, durch den Heiligen Geist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist der umfassendste Begriff von Tradition, wie Joseph Ratzinger von seiner Arbeit auf dem Konzil bis zu seinen Ansprachen als Papst deutlich gemacht hat. Aus dem brillanten Vortrag <em>Aufsatz \u00fcber den Begriff der Tradition <\/em>(1963), ver\u00f6ffentlicht zusammen mit einer anderen Schrift Rahners in der Brosch\u00fcre <em>Offenbarung und Tradition<\/em>zu seiner kurzen und sch\u00f6nen allgemeinen Anh\u00f6rung am <em>Tradition als Gemeinschaft in der Zeit <\/em>(26. APRIL 2006). Neben vielen anderen Beitr\u00e4gen zur Fundamentaltheologie, seinem ersten Spezialgebiet, die in Band IX seiner Gesammelten Werke zusammengefasst sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die \"Denkm\u00e4ler\" oder Zeugnisse der Tradition&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Herr hat seiner Kirche jedoch kein einfaches System hinterlassen, um ihn \u00fcber den Glauben oder das, was er von uns will, zu befragen. Im Gegensatz zu einigen aktuellen Kulten, wie dem Buddhismus, haben wir keine \"Orakel\", die in Trance oder in direkte Kommunikation treten und im Namen Gottes sprechen k\u00f6nnen. Das liegt daran, dass die Offenbarung in Christus bereits vollst\u00e4ndig offenbart worden ist, so dass es keine Propheten oder wesentliche neue Offenbarungen mehr geben wird, obwohl es neue Lichter geben wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir wissen wollen, was wir glauben oder tun sollen, steht uns das gesamte historische Zeugnis der Kirche zur Verf\u00fcgung, in ihrer Liturgie, ihrer Lehre, ihrem Recht und im Leben der Heiligen. Und die Heilige Schrift. Dort finden wir, was die Kirche glaubt und lebt. Sie sind die \"Denkm\u00e4ler\" oder Zeugnisse der Tradition oder des Lebens der Kirche. Nat\u00fcrlich hat in diesem unermesslichen Schatz und Erbe nicht alles denselben Platz oder dieselbe Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Traditionen im menschlichen Leben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mensch ist sterblich, aber Gesellschaften sind weniger sterblich als Einzelpersonen. Sie \u00fcberleben, indem sie ihre Identit\u00e4t und Funktionen bewahren und weitergeben (Tradition). Das macht die \"Tradition\" zu einem lebendigen und tief verwurzelten menschlichen Ph\u00e4nomen, das wir hier nur erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, weil es auch einflussreich ist. Menschliche Gesellschaften und Unternehmen geben ihre besondere Kultur weiter: ihre effektiven Organisations- und Arbeitsweisen, aber auch andere zus\u00e4tzliche Br\u00e4uche und Gewohnheiten, die als Schmuck und Zeichen der Identit\u00e4t dienen. St\u00e4dte und Familien feiern gleicherma\u00dfen Feste und wiederholen regelm\u00e4\u00dfig Br\u00e4uche, die dem Leben Farbe und Profil verleihen. Und sie sch\u00e4tzen sie als Teil ihrer Identit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit und oft auch als Teil der Verbundenheit und Dankbarkeit, die sie gegen\u00fcber ihren Vorfahren empfinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Traditionen im Leben der Kirche<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Kirche, die eine so gro\u00dfe und uralte Ausdehnung hat, gibt und gab es viele Br\u00e4uche und Sitten, die von den Gl\u00e4ubigen geliebt werden und wurden, die ihre Anh\u00e4nglichkeit f\u00f6rdern und ihre Identit\u00e4t unterstreichen: Feste, Prozessionen, Lieder, Gew\u00e4nder, traditionelle Speisen... Br\u00e4uche wie das Bekreuzigen zu bestimmten Anl\u00e4ssen oder das Besprengen mit Weihwasser. Und viele andere.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber am zentralsten f\u00fcr die Tradition der Kirche ist das, was wir vom Herrn empfangen haben: das Evangelium. Eine Botschaft des Heils, die auch eine Lebensweise ist. Er hat uns eine Lehre, eine Moral und eine Liturgie mit der Feier der Eucharistie und der Sakramente gegeben, um es in vertrauten Worten zu sagen. In der Tat hat sich der Herr selbst in den Mittelpunkt gestellt und sich uns hingegeben. <em>\"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab\". <\/em>(Joh 3,16). Weil wir an ihn glauben, leben wir in ihm und bieten das, was er selbst bietet, seinen Tod und seine Auferstehung. Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens, der Moral und des Gottesdienstes steht Christus. Was wir wissen, haben wir in erster Linie ihm zu verdanken, was wir leben, ist in ihm und mit ihm. Das \"traditionellste\", was es in der Kirche geben kann, ist daher, mit Christus verbunden zu sein und \"sein Wort\" oder seine Botschaft zu bewahren (vgl. Joh 14,23).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Herr gab seiner Kirche seinen Geist und seine Mutter<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Herr hat sich f\u00fcr seine Kirche hingegeben, er hat ihr sein Wort, sein Evangelium gegeben, aber er hat ihr auch seinen Geist gegeben. Dadurch entsteht eine interessante Beziehung zwischen Wort und Geist. Die christliche Botschaft wird im Geist interpretiert, gelebt und entwickelt. Und das war von Anfang an so, nach dem Willen des Herrn, der nur drei Jahre mit seinen J\u00fcngern lebte. <em>\"Der Paraklet, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.<\/em> (Joh 14,26). Der Heilige Geist hat die fr\u00fche Kirche geformt, seit sie als neue Eva aus der Seite des am Kreuz gestorbenen Herrn hervorging, wie die Kirchenv\u00e4ter zu sagen pflegen. Diese Gegenwart des Herrn in seiner Kirche, mit seinem Wort und seinem Geist, bedeutet, dass die Tradition nicht als blo\u00dfe Sammlung von Br\u00e4uchen oder als Erinnerung an die Vergangenheit betrachtet werden kann. Sie ist in der Gegenwart lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und unter diesen Gaben des Herrn hat er uns vom Kreuz her auch seine Mutter, F\u00fcrsprecherin und Vorbild, geschenkt, die in der ersten christlichen Gemeinschaft und sp\u00e4ter in der Gemeinschaft der Heiligen einen so wichtigen Platz einnimmt. Und sie gibt den angemessenen Stil und Ton des christlichen Lebens wieder, das mit dem Blick auf Gott und einer Mischung aus Einfachheit, Fr\u00f6mmigkeit, Dankbarkeit, Hingabe und Freude gef\u00fchrt wird, wie man in der <em>Magnificat<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fr\u00fche Stadien der Tradition<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1960 ver\u00f6ffentlichte Yves Congar eine wichtige historische Studie \u00fcber die <em>Tradition und Traditionen. Historischer Essay<\/em>Es folgten ein zweiter theologischer Teil (1963) und eine Zusammenfassung, <em>Tradition und das Leben der Kirche <\/em>(1964), alle drei ins Spanische \u00fcbersetzt. Im ersten Teil untersucht er die gro\u00dfen historischen Etappen der Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den ersten Schritten der Kirche, in apostolischer Zeit, wurde mit Hilfe des Geistes die Feier der Eucharistie organisiert, woraus die fr\u00fchen, vielf\u00e4ltigen und legitimen liturgischen Traditionen in der Welt, im Osten wie im Westen, entstanden sind. Die Evangelien wurden geschrieben. Und es entwickelte sich die kirchliche Struktur: Bisch\u00f6fe, Priester und Diakone. <em>\"Es schien dem Heiligen Geist und uns\".<\/em> erkl\u00e4rten die Apostel, als sie die ersten Entscheidungen trafen (Apostelgeschichte 15, 28-30). Die fr\u00fche Kirche ist sich bewusst, dass sie eine \"Hinterlegung\" von Lehre und Leben erhalten hat. \u00dcbrigens ist diese erste Tradition \u00e4lter als das Neue Testament, das eine seiner ersten Fr\u00fcchte ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgte eine patristische Periode, in der sich die verschiedenen Kirchen angesichts von Zweifeln am Kanon der Heiligen Schrift, an der Art und Weise des christlichen Lebens oder an den durch Irrwege und H\u00e4resien verursachten Lehrproblemen \u00fcber die \u00fcberlieferten Traditionen berieten. Das lehrhafte Kriterium, das der heilige Vinzenz von Lerins in seiner <em>Konmonitorium<\/em>: <em>\"Was schon immer, \u00fcberall und von allen geglaubt wurde\".<\/em>: <em>quod semper, quod ubique, quod ab omnibus<\/em>. Das Mittelalter wird dieses Erbe sammeln und untersuchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tradition und Protestantismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Luther war ein gro\u00dfer Durchbruch. Skandalisiert durch bestimmte kirchliche Missbr\u00e4uche, lehnte er die \"Tradition\" pauschal als suspekt ab. Er w\u00e4hlte die Heilige Schrift als einziges Kriterium f\u00fcr die christliche Wahrheit: <em>Sola Scriptura<\/em>. Was dort nicht steht, ist eine menschliche Erfindung, die vielleicht legitim ist, aber sie ist nicht Gottes Offenbarung und hat weder ihren Wert noch ihre Autorit\u00e4t. Dabei nahm er eine enorme \"Beschneidung\" vor, die sowohl sekund\u00e4re als auch zentrale Fragen betraf: den Opferwert der Messe, das Fegefeuer, das Ordenssakrament, das monastische Leben....<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzil von Trient wollte mit einer echten Reform der Kirche und auch mit einer gr\u00f6\u00dferen Pr\u00e4zision der Lehre antworten. Sie verteidigt die Idee, dass die christlichen Lehren sowohl auf der Schrift als auch auf der Tradition beruhen. Daraus ergibt sich der Gedanke, dass es zwei Quellen der Offenbarung gibt, oder zwei Orte, an denen man nachschauen kann, wie sie aussieht. Innerhalb der Tradition nimmt das Lehramt der Kirche einen wichtigen Platz ein, das im Laufe der Jahrhunderte die christliche Lehre autoritativ definiert und Irrt\u00fcmer korrigiert hat, angefangen bei den ersten Glaubensbekenntnissen von Niz\u00e4a und Konstantinopel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinen \u00dcberlegungen zur theologischen Methode postuliert Melchior Cano, dass die Glaubenswahrheiten durch den R\u00fcckgriff auf theologische Orte oder \"Monumente\" der Tradition argumentiert werden. Die manualistische Theologie machte sich diese Methode zu eigen und begr\u00fcndete bis ins 20. Jahrhundert theologische Thesen mit Zitaten aus der Heiligen Schrift, aus der Tradition der V\u00e4ter und aus dem Lehramt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sp\u00e4tere Beitr\u00e4ge<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die protestantische Krise macht die Tradition zu einem gro\u00dfen \"katholischen\" Thema, das vertieft und gut verteidigt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe katholische Theologe aus T\u00fcbingen, Johann Adam M\u00f6hler, widmet sich intensiv dem Vergleich von Katholizismus und Protestantismus und verbreitet die Idee einer \"lebendigen Tradition\", gerade wegen des st\u00e4ndigen und geheimnisvollen Wirkens des Heiligen Geistes in der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der anglikanische Oxford-Theologe John Henry Newman untersuchte seinerseits, ob es eine legitime Entwicklung der christlichen Lehre in der Geschichte gab, um zu sehen, ob die Punkte, die Luther aus dem Dogma entfernt hatte, gerechtfertigt werden konnten. Und als er zu dem Schluss kommt, dass sie es k\u00f6nnen, wird er katholisch und ver\u00f6ffentlicht seine <em>Essay \u00fcber die Entwicklung der christlichen Doktrin<\/em> (1845).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Franzelin f\u00fcgte mit der R\u00f6mischen Schule einige zweckm\u00e4\u00dfige Unterscheidungen zwischen dem objektiven Sinn (der Hinterlegung von Lehren) und dem aktiven Sinn der Tradition (dem Leben im Geist) sowie zwischen der g\u00f6ttlichen, der apostolischen und der kirchlichen Tradition, je nach ihrem Ursprung, hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Mitte des 20. Jahrhunderts widmete das Zweite Vatikanische Konzil sein erstes Dokument (<em>Dei Verbum<\/em>) zu den gro\u00dfen Themen der Offenbarung und erl\u00e4uterte, kurz gesagt, auf sch\u00f6ne und nuancierte Weise die tiefe Beziehung zwischen Schrift, Lehramt und Tradition.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber den gegenw\u00e4rtigen Moment&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts hat die katholische Kirche einige traditionelle oder traditionalistische Reaktionen erlebt, die Aufmerksamkeit verdienen. Einerseits geht die Trennung von Kirche und Staat in den ehemals katholischen L\u00e4ndern Europas (und Amerikas) weiter, so dass die traditionellen Christen darunter leiden, dass christliche Br\u00e4uche und Praktiken aus ihrer Mitte verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesem Prozess gesellte sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts die starke nachkonziliare Krise, die weder vom Konzil selbst gewollt noch verursacht wurde, sondern durch eine Art anarchische Anwendung, wo die Winde des Augenblicks wehten. Auf der einen Seite dr\u00e4ngt der marxistische Druck die Kirche zu revolution\u00e4rem Engagement. Zum anderen der Zeitgeist, der die Beseitigung von allem \"Fremden\", \"L\u00e4stigen\" oder \"Altmodischen\" forderte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die traditionelleren Christen litten vor allem unter der liturgischen Beliebigkeit, die oft eher das Ergebnis improvisierter klerikaler Moden war als des Geistes des Konzils, der vor allem eine tiefere Teilhabe der Gl\u00e4ubigen am Ostergeheimnis Christi anstrebte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da diese Krise so komplex und schwer zu beurteilen ist, stellt die traditionalistische Reaktion alle Faktoren unter Generalverdacht: die Theologie, das Konzil, die P\u00e4pste, die Liturgiereform..., wobei die Verantwortung auf den einen oder anderen (Modernisten, Freimaurer...) geschoben wird. Er versteht, dass die katholische Tradition auf die eine oder andere Weise gebrochen wurde. Und er versucht, zu der Art und Weise zur\u00fcckzukehren, wie die Kirche in den f\u00fcnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts lebte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Prozess nahm Monsignore Lefebvre insofern eine Sonderstellung ein, als er das Konzil wegen der \u00c4nderung der Kriterien f\u00fcr die Religionsfreiheit als h\u00e4retisch beurteilte (<em>Dignitatis humanae<\/em>). Diese Frage ist wichtig, hat aber wenig Wirkung, weil sie f\u00fcr die Mehrheit unverst\u00e4ndlich ist, die im \u00dcbrigen unbewusst mit der konziliaren Lehre, dem Grundrecht auf Gewissensfreiheit und der Nichtdiskriminierung aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden \u00fcbereinstimmen w\u00fcrde. In der Praxis schlie\u00dfen sich seine Nachfolger also der gleichen Kritik, dem gleichen Mittel und der gleichen \u00c4sthetik an: die letzten Jahrzehnte auszul\u00f6schen und das Leben der Kirche in die 1950er Jahre zur\u00fcckzubringen. Aber in einer ziemlich unhaltbaren schismatischen Position (mehr Kirche als Kirche zu sein), die sich, wie die Geschichte zeigt, kaum gut entwickeln wird, wenn sie beibehalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Prozess scheint viel Einsicht zu erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist notwendig, die Ursachen der nachkonziliaren Krise zu verstehen, um daraus zu lernen, keine falschen Zuschreibungen zu machen, die richtigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen und den Prozess einer authentischen Rezeption der Konzilslehre und insbesondere der liturgischen Erneuerung fortzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Es ist notwendig, den wahren Begriff der Tradition in der Kirche zu verteidigen und dabei zu unterscheiden zwischen dem, was nuklear ist (was Christus selbst uns mit dem Heiligen Geist gegeben hat), und dem, was sekund\u00e4re oder sogar akzessorische Sitten und Gebr\u00e4uche sind, die vielf\u00e4ltig und reich an Geschichte sind. Denn es ist nicht dasselbe, sich auf eine Sache zu verlassen wie auf eine andere. Ein solcher Fehler w\u00fcrde nicht zu einer Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung der Lage beitragen. Wir Christen lieben vielleicht einige Feste, einige Gew\u00e4nder, einige Riten, einige Br\u00e4uche, einige Geschichte, aber vor allem lieben wir den Herrn, der in seiner Kirche gegenw\u00e4rtig ist.<br>-Es gibt einen legitimen Pluralismus im Leben der Kirche, der respektiert werden muss und der leider in vielen F\u00e4llen bei der Umsetzung des Konzils nicht respektiert wurde, wodurch unn\u00f6tige Wunden verursacht und ein Erbe traditioneller Fr\u00f6mmigkeit naiv zerst\u00f6rt wurde, das zwar nicht immer perfekt (nichts ist perfekt au\u00dfer Gott), aber dennoch authentisch war. Aber gerade weil die Tradition lebendig ist und vom Heiligen Geist beseelt wird, ist sie heute in der Lage, neue, legitime, sch\u00f6ne und befriedigende Formen des christlichen Lebens hervorzubringen, die nicht mit anderen in Streit geraten, sondern sich in ein gro\u00dfartiges multis\u00e4kulares Erbe einf\u00fcgen. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cTradici\u00f3n\u201d es una palabra muy importante del vocabulario cristiano. En un sentido muy amplio, pero muy aut\u00e9ntico y pleno, se puede decir que, para la fe cristiana, tradici\u00f3n es lo mismo que Iglesia. 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