{"id":30757,"date":"2023-05-07T06:00:00","date_gmt":"2023-05-07T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=30757"},"modified":"2023-05-04T15:40:10","modified_gmt":"2023-05-04T14:40:10","slug":"franceschi-ehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/foco\/franceschi-matrimonio\/","title":{"rendered":"<b>Hector Franceschi:<\/b> \"Es ist das eheliche Einverst\u00e4ndnis der Ehegatten, das die Familie schafft\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e9ctor Franceschi wurde am 4. Juni 1962 in Caracas (Venezuela) geboren und ist Priester in der Pr\u00e4latur des Opus Dei. Er ist Professor f\u00fcr Eherecht an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kirchenrecht der P\u00e4pstlichen Universit\u00e4t vom Heiligen Kreuz, wo er Direktor des Zentrums f\u00fcr Rechtsstudien \u00fcber die Familie ist. Au\u00dferdem ist er Richter am Kirchengericht des Vikariats Rom und am Kirchengericht des Staates Vatikanstadt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Herr Prof. H\u00e9ctor Franceschi, was verbirgt sich hinter dem Begriff \"Rechtsanthropologie der Ehe\", der seit Ende der 1980er Jahre eines der zentralen Themen Ihrer akademischen T\u00e4tigkeit und wissenschaftlichen Produktion ist?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die Rechtsanthropologie von Ehe und Familie zielt darauf ab, jede der zwischenmenschlichen Beziehungen, die ihr Gef\u00fcge ausmachen, zu untersuchen und zu verstehen, wobei die inh\u00e4rente rechtliche Dimension dieser Beziehungen betont wird. Aus einer Perspektive, die man als \"Rechtsrealismus\" bezeichnen k\u00f6nnte, wonach diese Realit\u00e4ten nicht nur kulturelle Konstruktionen oder das Ergebnis der positiven Rechtssysteme der Staaten oder der Kirche sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehe und Familie sind origin\u00e4re und urspr\u00fcngliche Wirklichkeiten mit einer eigenen juristischen Dimension, die anerkannt werden muss, damit die Gesellschaft, die Kirche und die Staaten wahrhaft gerechte normative Systeme entwickeln k\u00f6nnen, die die W\u00fcrde der menschlichen Person sch\u00fctzen und f\u00f6rdern, die nicht als isoliertes Individuum, sondern als \"Wesen in Beziehung\" verstanden wird, das seine Erf\u00fcllung nur in der Achtung vor der Wahrheit, vor dem, was \"ist\", und in der Suche nach den inneren und objektiven G\u00fctern der famili\u00e4ren Beziehungen finden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Ausdruck, der ein Kind der Heiligen Schrift ist und der sogar in einigen p\u00e4pstlichen Verlautbarungen ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wird: Ist das so?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Benedikt XVI. hat den Ausdruck \"juristische Anthropologie der Ehe\" in seiner Ansprache an die r\u00f6mische Rota im Jahr 2007 aufgegriffen und erkl\u00e4rt, dass \"die anthropologische und heilbringende Wahrheit der Ehe - auch in ihrer juristischen Dimension - bereits in der Heiligen Schrift dargestellt wird. Die Antwort Jesu an die Pharis\u00e4er, die ihn nach seiner Meinung \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit der Absto\u00dfung fragten, ist bekannt: \"Habt ihr nicht gelesen, dass der Sch\u00f6pfer sie von Anfang an als Mann und Frau geschaffen hat und gesagt hat: 'Darum wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein'? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengef\u00fcgt hat, das soll der Mensch nicht trennen\" (Mt 19,4-6). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zitate aus der Genesis (1,27; 2,24) stellen die eheliche Wahrheit des \"Anfangs\" wieder in den Vordergrund, jene Wahrheit, deren F\u00fclle im Zusammenhang mit der Vereinigung Christi mit der Kirche zu finden ist (vgl. Eph 5,30-31) und \u00fcber die Papst Johannes Paul II. in seinen katechetischen Zyklen \u00fcber die \"menschliche Liebe im g\u00f6ttlichen Plan\" so ausf\u00fchrlich und tiefgr\u00fcndig nachgedacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benedikt XVI. nimmt dann ausdr\u00fccklich Bezug auf die juridische Anthropologie, wenn er feststellt: \"Ausgehend von dieser doppelten Einheit des menschlichen Paares kann eine authentische juridische Anthropologie der Ehe entwickelt werden (...) Die Vertragsparteien m\u00fcssen eine endg\u00fcltige Verpflichtung eingehen, gerade weil die Ehe eine solche im Sch\u00f6pfungs- und Erl\u00f6sungsentwurf ist. Und der wesentliche rechtliche Charakter der Ehe liegt gerade in dieser Bindung, die f\u00fcr Mann und Frau ein Gebot der Gerechtigkeit und der Liebe darstellt, dem sie sich um ihrer selbst willen und um aller willen nicht entziehen k\u00f6nnen, ohne dem zu widersprechen, was Gott selbst in ihnen getan hat\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Haltung sollten wir also gegen\u00fcber dem Rechtspositivismus und einer relativistischen und rein existentiellen Sicht der menschlichen Person, der Ehe und der Familie einnehmen, um einen echten und fruchtbaren Dialog mit der heutigen Gesellschaft zu erm\u00f6glichen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Im Hinblick auf den Rechtspositivismus bekr\u00e4ftigt Benedikt XVI.: \"F\u00fcr den Positivismus w\u00e4re die Rechtsnatur der ehelichen Beziehung allein das Ergebnis der Anwendung einer formal g\u00fcltigen und wirksamen menschlichen Norm. Auf diese Weise bleibt die menschliche Realit\u00e4t des Ehelebens und der Liebe au\u00dferhalb der \"juristischen\" Institution der Ehe. Es entsteht eine L\u00fccke zwischen dem Recht und der menschlichen Existenz, die die M\u00f6glichkeit einer anthropologischen Fundierung des Rechts radikal verneint\". <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hinblick auf eine relativistische Sicht der famili\u00e4ren Beziehungen stellt er fest: \"Im Gegensatz zur subjektivistischen und libert\u00e4ren Relativierung der sexuellen Erfahrung bekr\u00e4ftigt die kirchliche Tradition eindeutig die nat\u00fcrliche Rechtsnatur der Ehe, d. h. ihre nat\u00fcrliche Zugeh\u00f6rigkeit zur Sph\u00e4re der Gerechtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Aus dieser Perspektive ist das Recht wirklich mit dem Leben und der Liebe verwoben, da es eine eigene Aufgabe darstellt. Deshalb, so schrieb ich in meiner ersten Enzyklika, \"f\u00fchrt der Eros in einer auf die Sch\u00f6pfung gegr\u00fcndeten Orientierung den Menschen zur Ehe zur\u00fcck, zu einer Bindung, die durch Einzigartigkeit und Bestimmtheit gekennzeichnet ist; so und nur so erf\u00fcllt sich seine intime Bestimmung\". <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/es\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-caritas-est.html\">(<em>Deus caritas est<\/em><\/a>, 11). Liebe und Gesetz lassen sich also insofern vereinen, als Mann und Frau einander die Liebe schulden, die sie spontan w\u00fcnschen: Die Liebe ist in ihnen die Frucht ihres freien Willens zum Wohl des anderen und ihrer Kinder, die andererseits auch ein Erfordernis der Liebe zu ihrem eigenen wahren Wohl ist\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gerade weil Ehe und Familie Institutionen sind, die zur Ordnung der Wirklichkeit, des Seins geh\u00f6ren, manifestiert sich ihr rechtlicher Charakter in drei wesentlichen Dimensionen: der zwischenmenschlichen, der sozialen und - im Falle der Getauften - der kirchlichen. Welche dieser Dimensionen ist Ihrer Meinung nach die wichtigste und warum?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Von den drei Dimensionen ist die erste - die zwischenmenschliche - die wichtigste, da die Zustimmung der Vertragsparteien das Gr\u00fcndungsmoment der Familiengemeinschaft ist. Ohne die Zustimmung der Eheleute w\u00e4re die Anerkennung durch die Gesellschaft und die Kirche in der Tat sinnlos. Diese Anerkennung hat keinen konstitutiven Charakter, sondern ist vielmehr die Anerkennung einer Realit\u00e4t, die zwar in sich selbst eine soziale Dimension hat, die aber vor allem eine Realit\u00e4t ist, die nur zwei Personen, Mann und Frau, durch ihre ganz pers\u00f6nliche Zustimmung begr\u00fcnden k\u00f6nnen, die keine menschliche Macht ersetzen kann (vgl. can. 1057 \u00a7 1 CIC). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zivilbeh\u00f6rde und die Kirche sind befugt, die Aus\u00fcbung des Rechts auf Eheschlie\u00dfung zu regeln, und zwar nicht so sehr, um es willk\u00fcrlich zu definieren oder einzuschr\u00e4nken, sondern vielmehr, um den B\u00fcrgern und den Gl\u00e4ubigen die M\u00f6glichkeit zu geben, die wesentlichen Elemente der Ehe und der famili\u00e4ren Gemeinschaft zu erkennen und somit durch die Regeln der jeweiligen Rechtsordnung die Familie anzuerkennen und sie von dem zu unterscheiden, was die Familie nicht ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In vielen westlichen L\u00e4ndern haben wir kein Familienmodell mehr. Die Familie wird von den staatlichen Rechtssystemen nicht mehr \"anerkannt\", sondern eher \"ignoriert\". Wie reagiert die Kirche auf diesen Verlust der Orientierung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die Kirche hat gro\u00dfe Anstrengungen unternommen, um unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sch\u00f6nheit und Gr\u00f6\u00dfe der Wirklichkeit von Ehe und Familie zu vertiefen, eine Anstrengung, die durch die Einberufung von zwei Synoden \u00fcber die Familie durch Papst Franziskus und in j\u00fcngster Zeit durch den neuen Weg der Ehevorbereitung, den der Heilige Stuhl den Bischofskonferenzen und den einzelnen Bisch\u00f6fen vorgeschlagen hat, einen gro\u00dfen Auftrieb erhalten hat. Die Kirche m\u00f6chte eine neue Wiederentdeckung des <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/vatikan\/force-evangelising-family\/\">Familie<\/a>die innere Wahrheit von Ehe und Familie, auch im Licht der Offenbarung in Christus, sowohl gegen\u00fcber den eigenen Gl\u00e4ubigen als auch gegen\u00fcber der gesamten Gesellschaft zu verdeutlichen, im Bewu\u00dftsein ihrer Sendung als H\u00fcterin einer Wahrheit, die sie als Geschenk und als Auftrag erhalten hat und bei der die W\u00fcrde der Person selbst auf dem Spiel steht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hunderte, wenn nicht Tausende von Seiten des kirchlichen Lehramtes sind der Kl\u00e4rung der verschiedenen Aspekte der Konstitution und Entwicklung der Familie gewidmet. Unter den kirchlichen Juristen ist jedoch die Vorstellung weit verbreitet, dass die Kirche - rein rechtlich gesehen - ihre Jurisdiktion zwar auf die Ehe, nicht aber auf die Familie ausdehnen w\u00fcrde. W\u00e4hrend die Ehe ein zum Sakrament erhobener \"Vertrag\" w\u00e4re - was die Jurisdiktion der Kirche \u00fcber sie rechtfertigen w\u00fcrde -, w\u00e4re die Familie dagegen eine Realit\u00e4t, die eine juristische, aber keine \"kanonische\" Dimension h\u00e4tte. Die Familie w\u00e4re nat\u00fcrlich Gegenstand und Begriff des pastoralen Handelns und des Lehramtes der Kirche, aber rein rechtlich gesehen h\u00e4tte sie wenig mit der Rechtsordnung der Kirche zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits scheint mir, dass dieses \"Familienrecht\" die Grundlage jedes Rechtssystems f\u00fcr die Familie und die Ehe sein muss, d.h. ein \"Familienrecht\", das weder kanonisch noch zivilrechtlich ist, sondern auf der \"famili\u00e4ren Realit\u00e4t\" und auf der Anerkennung der W\u00fcrde der geschlechtlichen menschlichen Person beruht, und darauf zielt die Rechtsanthropologie der Ehe und der Familie ab. Mit anderen Worten: Das \"Familienrecht\" kann sich nicht auf die Untersuchung der positiven Normen einer bestimmten Rechtsordnung beschr\u00e4nken, sondern muss dar\u00fcber hinausgehen, zur Wahrheit der Dinge, indem es die Existenz eines Reflexionsbereichs anerkennt, der die intrinsische Rechtsnatur der Familie zum Gegenstand hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ist es richtig zu sagen, dass Ehe und Familie eine rechtliche Dimension haben, die nicht nur inh\u00e4rent, sondern auch beiden nat\u00fcrlichen Institutionen gemeinsam ist?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Johannes Paul II. erkl\u00e4rte: \"Was erwartet die Familie als Institution von der Gesellschaft? Zun\u00e4chst einmal, dass sie in ihrer Identit\u00e4t anerkannt und in ihrer sozialen Subjektivit\u00e4t akzeptiert wird. Diese Subjektivit\u00e4t ist mit der der Ehe und der Familie eigenen Identit\u00e4t verbunden\". Ebenso wichtig wie die Anerkennung der intrinsischen rechtlichen Dimension von Ehe und Familie ist die Erkenntnis, dass beide denselben rechtlichen Charakter haben. In Anlehnung an die soeben zitierten Worte von Johannes Paul II. k\u00f6nnte man argumentieren, dass die Identit\u00e4t der Familie mit der der Ehe verbunden ist und umgekehrt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Worten: Die Familie wird durch den Ehebund, d.h. die Ehe, gegr\u00fcndet. <em>in flagranti<\/em>und ein Bund, der die notwendige lebenswichtige Offenheit f\u00fcr die Familie besitzt, wird wirklich ehelich sein. Diese Offenheit verwirklicht sich im traditionellen Wohl der Nachkommenschaft oder, um die Terminologie des Codex des kanonischen Rechts zu verwenden, im wesentlichen Zweck der Zeugung und Erziehung der Nachkommenschaft (vgl. can. 1055 \u00a7 1 CIC). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Worten: Es kann keine echte Ehe geben, wenn es nicht gleichzeitig eine Familie gibt. Im Augenblick der Eheschlie\u00dfung wird nicht nur die erste famili\u00e4re Beziehung - die eheliche - begr\u00fcndet, sondern auch die Familie geboren. Nicht das Vorhandensein von Kindern an sich konstituiert die Familie, sondern die Offenheit und die Weihe zur Fruchtbarkeit, die Teil der Gabe und der Annahme als Eheleute selbst ist. In der Tat ist es das eheliche Einverst\u00e4ndnis der Eheleute, das die Familie schafft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ehe erhellt also den Weg zum Rechtscharakter der Familie, gerade weil die wirksame Ursache beider Institutionen dieselbe ist: die eheliche Zustimmung. Dieser Weg zum Verst\u00e4ndnis der untrennbaren Beziehung zwischen Ehe und Familie bereichert beide Institutionen, weil wir verstehen, warum die Familie auf der Ehe gr\u00fcndet, und gleichzeitig den famili\u00e4ren Charakter der ersten \"famili\u00e4ren Beziehung\", n\u00e4mlich der ehelichen, leichter erfassen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kurzum, Recht und Anthropologie k\u00f6nnen nur aufeinander h\u00f6ren, wenn sie versuchen, die Pflicht zum Sein und die Dimension der Gerechtigkeit zu definieren, die den verschiedenen Bereichen der menschlichen Sexualit\u00e4t und somit auch der Ehe und der Familie innewohnen. Wie?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sich die antiken Verwandtschaftssysteme um die Figur des \"Vaters\" drehten, wurde das Verwandtschaftssystem des christlichen Abendlandes um die Vorstellung eines geliebten Menschen aufgebaut. Die Ehepartner bilden in diesem biblischen Ausdruck die Einheit, und im Stammbaum der Familie nehmen sie den Platz eines einzigen sozialen Subjekts ein: Mann und Frau sind nicht mehr zwei, sondern eins (f\u00fcr elterliche Zwecke, versteht sich). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutigen Systeme sind von dieser Rechtstradition nach und nach abger\u00fcckt, da die Ehescheidung mit der Anerkennung des Rechts auf Ehescheidung gleichgesetzt wird. <em>ius connubii<\/em> (Recht auf Eheschlie\u00dfung). Die modernen Rechtssysteme versuchen, auf einer falschen \"spiritualistischen\" Vision der menschlichen Person aufzubauen, die als \"selbstgestaltete Freiheit\" verstanden wird, eine Freiheit, die in dem Ma\u00dfe unbegrenzt w\u00e4re, wie Technologie und wissenschaftlicher Fortschritt es ihr erlauben, sich nach Belieben zu gestalten. Dies geschieht in vielen westlichen Familienrechtssystemen, die der Tatsache, m\u00e4nnlich oder weiblich zu sein, jegliche Objektivit\u00e4t absprechen und beispielsweise das \"Recht auf Geschlechtswechsel\" anerkennen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gleiche Dynamik l\u00e4sst sich auch im Bereich der Zeugung beobachten, wie die meisten k\u00fcnstlichen Befruchtungstechniken, das m\u00f6gliche Klonen von Embryonen, das Ph\u00e4nomen der \"Leihmutterschaft\" usw. zeigen. Nach dieser anthropologischen Vision w\u00e4ren die famili\u00e4ren Beziehungen nichts weiter als sozial bedeutsame vertragliche Beziehungen, die nicht existieren w\u00fcrden, solange der Staat sie nicht anerkennt, jedoch ohne Grenzen f\u00fcr diese \"Anerkennungsmacht\", die stattdessen eine absolute Sch\u00f6pfungsmacht w\u00e4re, die keine Grundlage in der Wahrheit der Person und der individuellen famili\u00e4ren Beziehungen h\u00e4tte. Um diesen Prozess der st\u00e4ndigen Dekonstruktion zu stoppen, muss die Bedeutung der anthropologischen Studien hervorgehoben werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meines Erachtens liegt das Problem derzeit darin, dass Anthropologen keine Juristen sind: Sie sagen nicht, wie ein bestimmtes Verwandtschaftssystem sein sollte, sondern untersuchen und beschreiben es lediglich, wie es ist (oder wie es erscheint). Aus diesem Grund ist die Entwicklung einer \"juristischen Anthropologie der Ehe und der Familie\" w\u00fcnschenswert, die unter anderem darauf abzielt, die Verwandtschaftssysteme im Lichte der W\u00fcrde der Person zu untersuchen. Es ginge nicht darum, ein k\u00fcnstliches System \"im Labor\" zu schaffen, sondern die Logik und Dynamik der famili\u00e4ren Identit\u00e4ten und Beziehungen als Dimensionen zu analysieren, die ontologisch mit der menschlichen Person als \"Beziehungswesen\" verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rechtskultur h\u00e4tte somit eine Grundlage, auf der die verschiedenen Familiensysteme aufgebaut werden k\u00f6nnten, wobei zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4re, dass die grundlegenden Konzepte und Begriffe nicht \"a priori\" von den Staaten konstruiert w\u00fcrden, sondern von der wissenschaftlichen Gemeinschaft definiert w\u00fcrden, sofern diese f\u00fcr die Untersuchung der Realit\u00e4t offen ist und nicht blindlings dem Diktat des Staates oder einer bestimmten Ideologie oder Interessengruppe folgt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nacido en Caracas (Venezuela), el 4 de junio de 1962, H\u00e9ctor Franceschi es un sacerdote incardinado en la Prelatura del Opus Dei. Es profesor de Derecho Matrimonial en la Facultad de Derecho Can\u00f3nico de la Pontificia Universidad de la Santa Cruz, donde es Director del Centro de Estudios Jur\u00eddicos sobre la Familia. Tambi\u00e9n es juez [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2425,"featured_media":30758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[551,548],"tags":[233,599,644],"class_list":["post-30757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-familia","category-foco","tag-entrevistas","tag-familia","tag-matrimonio"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>H\u00e9ctor Franceschi: &quot;Es el matrimonio lo que crea la familia&quot;<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"El canonista H\u00e9ctor Franceschi nos explica los aspectos antropol\u00f3gicos y jur\u00eddicos del matrimonio y la familia.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, 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