{"id":31247,"date":"2023-05-28T06:00:00","date_gmt":"2023-05-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=31247"},"modified":"2023-05-25T12:57:00","modified_gmt":"2023-05-25T11:57:00","slug":"iglesias-cantan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/iglesias-cantan\/","title":{"rendered":"Kirchen, die singen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der franz\u00f6sische Dichter Paul Val\u00e9ry schrieb in <em>Eupalinos oder der Architekt<\/em> dass es in den St\u00e4dten stumme Geb\u00e4ude gibt, andere, die sprechen, und wieder andere, die seltensten, die <em>singen<\/em>. Es ist eine schwierige Aufgabe f\u00fcr den Architekten, der versucht, die <em>singen<\/em> ihre Geb\u00e4ude, ohne mit schrillen T\u00f6nen aus der Reihe zu tanzen. In Anlehnung an dieses Bild k\u00f6nnte man sagen, dass viele christliche Kirchen, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurden, ein Klangbild aufweisen, das zwischen vulg\u00e4rem Mutismus und ein paar stammelnden Worten schwankt. Andere hingegen sind seltener, <em>singen<\/em> himmlische Musik. Gleichzeitig war das zwanzigste Jahrhundert eine Zeit der au\u00dferordentlichen Produktion von \"liturgischer Musik\", um die <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/forum-architektur\/\">Architektur<\/a> Christliche Kantate\". Vier herausragende katholische \"Komponisten\" des letzten Jahrhunderts auf diesem Gebiet waren Romano Guardini, Rudolf Schwarz, Louis Bouyer und Fr\u00e9d\u00e9ric Debuyst. Im <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/abonnement\/\">Juni-Ausgabe von Omnes<\/a> Wir werden im weiteren Sinne \u00fcber sakrale Architektur im 21. Jahrhundert sprechen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Romano Guardini (1885-1968)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Pers\u00f6nlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts haben das christliche Denken mehr beeinflusst als <a href=\"https:\/\/biblioguias.unav.edu\/guardini\/biografia\">Romano Guardini<\/a>insbesondere f\u00fcr die Theologie der Liturgie. In seinem bekannten Buch <em>Der Geist der Liturgie<\/em> (<em>Vom Geist der Liturgie<\/em>1918) widmet dem Raum des Feierns einige wichtige Seiten. Er entsteht aus der Begegnung zweier \"innerer Welten\": derjenigen Gottes und derjenigen des Menschen. Der Mensch kann diesen existenziellen Raum nur wahrnehmen <em>\u00fcber<\/em> die Kirche und <em>unter<\/em> die Kirche. Aus all diesen Gr\u00fcnden ist die \"Umgebung\", in der dieser innere liturgische Raum erfahren werden kann, eben das Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guardini versteht die \"Gestaltung\" des feierlichen Raums aus der Bewegung des K\u00f6rpers im Ritus. Diese <em>Lebensraum<\/em> verschmilzt mit dem <em>architektonischer Raum<\/em> - die sich daraus entwickelt, um den feierlichen Raum entstehen zu lassen. Andererseits ist einer von Guardinis wesentlichen Beitr\u00e4gen zur Sakralarchitektur seine Reflexion \u00fcber liturgische Bilder. Die christliche Kirche ist im Grunde ein symbolischer, sakramentaler, epiphanischer Ort. In ihr hat das sakrale Bild einen besonderen Anteil an dieser F\u00e4higkeit, das g\u00f6ttliche Geheimnis zu offenbaren. Durch die Erfahrung des Bildes tritt der Mensch in die Gemeinschaft mit Gott ein. Das Vorhandensein von Bildern in der Kirche ist daher nicht nur eine Frage der Andacht und noch weniger der Ausschm\u00fcckung. In diesem Sinne hat f\u00fcr Guardini sogar die leere Oberfl\u00e4che selbst eine symbolische Bedeutung, als Bild des unaussprechlichen Gottes, dessen Gegenwart in der ikonischen \"Stille\" zum Ausdruck kommt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rudolf Schwarz (1897-1961)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eng verbunden mit Guardini ist Rudolf Schwarz. Als Architekt arbeitete er eng mit Guardini bei der Umgestaltung der Kapelle und des Rittersaals auf Burg Rothenfels zusammen, einer Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr die Jugendlichen des Quickborns (deutsche Jugendbewegung der Zwischenkriegszeit, deren <em>Alma Mater<\/em> und geistiger F\u00fchrer war Guardini). Einer dieser jungen M\u00e4nner war Schwarz selbst, dessen Kirchen zu Ikonen f\u00fcr die Erneuerung der zeitgen\u00f6ssischen christlichen Architektur werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sein theoretisches Werk anbelangt, so ist seine Arbeit <em>Der Aufbau der Kirche<\/em> (<em>Vom Bau der Kirche<\/em>1938) ist wahrscheinlich das einflussreichste Buch des letzten Jahrhunderts auf diesem Gebiet. Kirchen und gottesdienstliche Objekte \"d\u00fcrfen nicht sein <em>dienen<\/em> zur Liturgie, sondern m\u00fcssen <em>sein<\/em> die Liturgie\". Schwarz betrachtete seine \"erste Kirche\" als einen Kelch, den er f\u00fcr Guardini entwarf. Er wollte, dass jede Kirche ihrerseits ein <em>Kelch<\/em>empf\u00e4nglich f\u00fcr die Gnade, ein offener Raum f\u00fcr die Begegnung mit Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch von Schwarz wird jedoch wegen seiner ber\u00fchmten \"sieben Pl\u00e4ne\" f\u00fcr den Kirchenbau in die Geschichte eingehen. Dabei handelt es sich um Grundrisse der liturgischen Versammlung und des Altars, die als Momentaufnahmen der fortschreitenden r\u00e4umlichen Konfiguration der Gemeinde gedacht sind (auch wenn sie oft als m\u00f6gliche Pl\u00e4ne f\u00fcr Sakralbauten fehlinterpretiert werden). Der lebendige Raum, der die liturgische Versammlung darstellt, bewegt sich, oszilliert und variiert im Laufe der Zeit, wodurch die verschiedenen symbolischen Anordnungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Louis Bouyer (1913-2004)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Tatsache, dass die Arbeit von Louis Bouyer <em>Architektur und Liturgie<\/em> (<em>Liturgie und Architektur<\/em>(1967) bei seiner Ver\u00f6ffentlichung relativ unbemerkt blieb, wurde seine Bedeutung im Laufe der Jahre immer mehr anerkannt. Darin stellt Bouyer seine bekannte Theorie \u00fcber den Ursprung der christlichen Architektur auf. Der Festraum st\u00fcnde in direktem Zusammenhang mit der Architektur der Synagogen der hebr\u00e4ischen Diaspora, insbesondere derjenigen in Syrien. Der \u00fcberwiegend j\u00fcdische Ursprung dieser fr\u00fchchristlichen Gemeinden bestimmte die \u00dcbernahme des synagogalen Schemas als Grundstruktur f\u00fcr die Kirchen. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass an die Stelle der Truhe, in der die Thorarollen aufbewahrt wurden, der Altar trat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem k\u00fchnen Bild stellt sich Bouyer die Kirche als einen br\u00e4utlichen Thalamus vor, in dem sich die br\u00e4utliche Begegnung zwischen Christus und der Kirche vollzieht. Die Liturgie ist genau der Moment der zwischenmenschlichen Gemeinschaft, in dem das Leben entsteht. Am Ursprung des feierlichen Raums steht die Verk\u00fcndigung des Wortes: Die Kirche wird aus dem Wort Gottes geboren, das sie als anbetende Gemeinschaft um sich versammelt (<em>Ekklesia<\/em>). Diese Entstehung des Feierraums aus dem Wort erkl\u00e4rt Bouyers Vorschlag, den Ambo wie in den alten byzantinischen Kirchen in die Mitte des Kirchenschiffs zu stellen. Vom Wort her f\u00fchrt Christus die Versammlung zum Altar und richtet sie auf das himmlische Jerusalem aus (der Altar w\u00fcrde sich am \u00f6stlichen Ende des Geb\u00e4udes befinden).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00e9d\u00e9ric Debuyst (1922-2017)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der k\u00fcrzlich verstorbene Fr\u00e9d\u00e9ric Debuyst, Gr\u00fcnder und Prior des Benediktinerklosters Clerlande, war stets ein leidenschaftlicher Verfechter menschengro\u00dfer Feierr\u00e4ume, in denen die N\u00e4he Gottes inmitten einer kleinen Gemeinschaft auf lebendige Weise sp\u00fcrbar wurde. In seinen architektonischen Entw\u00fcrfen suchte er stets nach einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen Vertrautheit und Mysterium, N\u00e4he und Transzendenz, Sch\u00f6nheit und Einfachheit, Distanz und N\u00e4he... Diese Ambivalenz des Feierraums war es, die f\u00fcr ihn den eigentlichen Charakter des <em>domus ecclesiae<\/em>oder <em>Das christliche Genie des Ortes<\/em> (<em>Der christliche Glaube des Ortes<\/em>, 1997).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \"Genie des Ortes\" (<em>geniale Orte<\/em>) war in der r\u00f6mischen Welt das \"Ambiente\" oder die spezifische \"Atmosph\u00e4re\" eines Ortes. In j\u00fcngster Zeit steht dieser Begriff seit der Ver\u00f6ffentlichung des ber\u00fchmten Werks von Christian Norberg-Schulz im Mittelpunkt der Architekturdebatte <em>Geniale Orte<\/em> (1979). Debuyst versucht, den Charakter dieses <em>genial<\/em> im Fall der Kirchen, indem er sie in ihrer Bestimmung f\u00fcr die Liturgie und in ihrer F\u00e4higkeit, den Charakter des Ortes, an dem sie gebaut werden (Raum), sowie die historischen Umst\u00e4nde des Zeitpunkts, an dem sie gebaut werden (Zeit), behutsam zu erhalten und zu verst\u00e4rken, entdeckt. Als Kenner von Guardini und Schwarz erinnert uns Debuyst daran, dass sich die Architektur aus dem Ritus und in Abh\u00e4ngigkeit von ihm entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gl\u00fccklicherweise ist die Musik dieser vier Meister bis heute nicht verstummt: Ihre Werke inspirieren weiterhin Architekten und liturgische Studien. Wie bei anderen gro\u00dfen Autoren sind auch ihre B\u00fccher zu Klassikern geworden. Und Klassiker sind jene unersch\u00f6pflichen Werke, die man nicht m\u00fcde wird, zu lesen... und wieder zu lesen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>El poeta franc\u00e9s Paul Val\u00e9ry escribi\u00f3 en Eupalinos o el Arquitecto que en las ciudades hay edificios mudos, otros que hablan y unos m\u00e1s, los m\u00e1s raros, que cantan. Dif\u00edcil labor la del arquitecto que trata de hacer cantar sus edificios, sin desafinar con notas estridentes. 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