{"id":32124,"date":"2023-07-01T06:00:00","date_gmt":"2023-07-01T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=32124"},"modified":"2023-07-03T11:28:18","modified_gmt":"2023-07-03T10:28:18","slug":"pablo-alzola","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/pablo-alzola\/","title":{"rendered":"<b>Pablo Alzola:<\/b> \"Die k\u00fcnstlerische Sprache hat den Reichtum, nicht eindeutig zu sein."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Pablo Alzola hat \"El silencio de Dios en el cine\" (2022) und zuvor \"El cine de Terrence Malick. La esperanza de llegar a casa\" (2020). Er promovierte in Geisteswissenschaften an der Universidad Rey Juan Carlos und ist Mitglied der Forschungsgruppe f\u00fcr visuelle K\u00fcnste und Kulturstudien an derselben Universit\u00e4t sowie des C\u00edrculo de Escritores Cinematogr\u00e1ficos.<\/p>\n\n\n<div class=\"omnes-block-ficha-horizontal\">\n\t<div class=\"clearfix\">\n\t\t<div class=\"left\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/El-silencio-de-Dios-en-el-cine.jpg\" \/>\n\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"right\">\n\t\t\t<h2>Das Schweigen Gottes im Kino<\/h2>\n\n\t\t\t<div class=\"v\"><strong>Autor<\/strong>Pablo Alzola<\/div><div class=\"v\"><strong>Leitartikel<\/strong>Ediciones Cristiandad<\/div><div class=\"v\"><strong>Seiten<\/strong>: 294<\/div><div class=\"v\"><strong>Madrid<\/strong>: 2022<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Interview spricht er \u00fcber sein Buch \"<a href=\"https:\/\/www.todostuslibros.com\/libros\/silencio-de-dios-en-el-cine-el_978-84-7057-677-5\">Das Schweigen Gottes im Kino<\/a>\"ver\u00f6ffentlicht von <a href=\"https:\/\/www.edicionescristiandad.es\/\">Christentum Editionen<\/a>in dem er das Thema Gott in Filmen mit filmischer Qualit\u00e4t erforscht, da er ein Kino sucht, das nicht nur versucht, eine Idee zu vermitteln, sondern das einen eigenen k\u00fcnstlerischen Wert besitzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie kam es zu der Idee, die Frage nach Gott im Film zu untersuchen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lange Zeit gab es Filme, die ich mochte, weil sie sich mit einem Glaubensthema befassten, aber auf eine recht originelle Art und Weise, und es waren auch gute Filme. Einer der ersten Filme, die meine Aufmerksamkeit erregten, war <em>Von G\u00f6ttern und Menschen (<\/em>2010), in dem es um einen realen Fall von M\u00f6nchen in Algerien geht. Ich habe ihn geliebt, weil es kein Film im Dienste einer Botschaft war, wie es manchmal bei gut gemeinten religi\u00f6sen Filmen der Fall ist, bei denen eine sehr gute Absicht besteht, aber die Botschaft so schwer wiegt, dass sie sich in den Film hineinfrisst, und es nicht so viel Interesse daran gibt, die Sprache des Kinos gut zu verwenden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits hat dieser Film einige gro\u00dfartige Schauspieler, unglaubliche Szenen und viel Kraft. Ich erw\u00e4hne zum Beispiel eine sehr starke Szene im Buch, gegen Ende, wo sie zu Abend essen. Klingt <em>Schwanensee<\/em> Tschaikowsky und niemand sagt etwas, sie sehen nur die Gesichter der anderen, und man merkt, dass sie sp\u00fcren, dass es das letzte Abendmahl ist. Und so wie es gefilmt ist, ist es ein bisschen wie das letzte Abendmahl. Es ist \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Film, der mich inspiriert hat, ist <em>Briefe an Vater Jakob<\/em>. Es geht um einen blinden, \u00e4lteren lutherischen Pfarrer, der in einem Haus in der N\u00e4he einer l\u00e4ndlichen Gemeinde lebt, in die niemand mehr geht. Er korrespondiert mit mehreren Menschen, aber da er erblindet ist, kann er die Briefe nicht lesen, und die Regierung schickt ihm ein M\u00e4dchen, das gerade aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wurde, um ihm beim Sozialdienst zu helfen. Dieses M\u00e4dchen hilft ihm, die Briefe zu lesen und zu beantworten. Am Anfang hassen sie sich, vor allem sie ihn, aber nach und nach kommen sie sich n\u00e4her. Es ist ein sehr einfacher und sch\u00f6ner Film. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich diese Art von Filmen gesehen habe, fand ich sie sehr interessant, denn sie werfen eine Frage auf, die mit dem Glauben zu tun hat, aber sie haben es nicht eilig, eine Antwort zu geben, oder die Dreistigkeit, mit einer sehr verpackten L\u00f6sung, einer Moral, aufzuwarten, sondern sie schlagen einfach etwas vor oder regen zum Nachdenken an, aber ohne eine L\u00f6sung zu geben. Gleichzeitig sind es sehr gute Filme, weil sie sehr gute Schauspieler haben und die Sprache des Kinos sehr gut eingesetzt wird. Au\u00dferdem verwenden sie manchmal sehr bahnbrechende Mittel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinem Kopf sammelten sich Titel an, und ich dachte, dass ich irgendwann einmal etwas dar\u00fcber schreiben m\u00f6chte. Als das Angebot des Verlags kam, sagte ich: \"Das ist der Moment\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Titel kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Welche Bedeutung wollten Sie ihm geben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Titel ist absichtlich zweideutig. Was ich in dem Buch sagen will, das im ersten Kapitel ein wenig erl\u00e4utert wird, wird durch den Dokumentarfilm gut veranschaulicht <em>Converso<\/em>. Er stammt von einem Regisseur aus Navarra, David Arratibel, und handelt von seinen Verwandten, die alle nach und nach ihren Glauben nicht mehr leben, sondern ihn leben. Er ist Agnostiker und hat diesen Wandel nicht verstanden. Er f\u00fchlte sich bei allen Familientreffen sehr ausgeschlossen. Da er Filmregisseur ist, beschloss er, einen Film zu drehen, um zu verstehen, warum seine Familie zum katholischen Glauben \u00fcbergetreten war. Der Titel hat eine doppelte Bedeutung: zum einen \"converso\" im Sinne von Gespr\u00e4ch, zum anderen Bekehrung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Film spricht er mit seiner Familie: seiner Schwester, seinem Schwager, seiner Mutter... und jeder erz\u00e4hlt ihm von seinen Erfahrungen. Der Film ist sehr interessant. Der Schwager war der erste, der sich bekehrt hat. Er liebt es, Orgel zu spielen und spricht viel \u00fcber Gott, als w\u00e4re er der Wind in der Orgel, der durch die Pfeifen geht und in jeder einen anderen Klang erzeugt. Er sagt auch, dass das Wirken Gottes in einem Menschen, in der Seele, etwas ist, das sich der Vorstellung entzieht, weil es mit den Sinnen nicht erfasst werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ende des Films ist sehr sch\u00f6n, denn der Regisseur schl\u00e4gt allen, die in dem Dokumentarfilm aufgetreten sind, vor, gemeinsam ein Lied einzustudieren und zu singen. Es handelt von <em>O magnum mysterium <\/em>(\"O gro\u00dfes Geheimnis\") von Tom\u00e1s Luis de Victoria. Es versucht zu sagen, dass Gott etwas ganz Geheimnisvolles ist und dass er oft schweigt, aber dieses Schweigen bedeutet nicht, dass er nicht da ist, sondern dass er auf eine stille Weise da ist. Das w\u00e4re der gro\u00dfe rote Faden, der das ganze Buch verbindet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt auch ein Kapitel, in dem ich \u00fcber die Idee des abwesenden Gottes spreche, \u00fcber Filme, in denen Gott erscheinen k\u00f6nnte, es aber nicht tut. Sie sind <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/nino-trafficking-eduardo-verastegui-interview\/\">Filme <\/a>die sich auch mit dem Thema Tod, mit dem B\u00f6sen, mit der typischen Frage: \"Wo ist Gott, wenn ein Mensch leidet oder wenn es eine Situation gibt, in der das B\u00f6se ganz offensichtlich ist? Ich spreche zum Beispiel \u00fcber <em>Manchester am Meer <\/em>(2016), der sich auf sehr rohe Weise mit Tod und Trauer auseinandersetzt. Gott kommt nicht vor, und der Regisseur selbst sagt, dass er kein religi\u00f6ser Mensch ist und dass jeder, der in seinem Film danach sucht, ihn nicht finden wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gibt es noch <em>Phoenix<\/em> (2014), in dem es um eine \u00dcberlebende des Holocaust geht. Sie kehrt mit einem durch eine Kugel entstellten Gesicht aus einem Konzentrationslager zur\u00fcck und l\u00e4sst es im Krankenhaus rekonstruieren. Sie hat das Gef\u00fchl, ihre Identit\u00e4t verloren zu haben, nicht mehr sie selbst zu sein, und um sie wiederzuerlangen, muss sie ihren Freund aus der Vorkriegszeit finden, damit er sie wiedererkennt. Es ist ein gewaltiger Film, sehr hart, und Gott ist nirgends zu sehen. Es herrscht eine Vorstellung von Hoffnungslosigkeit, von der Unf\u00e4higkeit, das eigene Leben wieder auf die Reihe zu kriegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Kapitel spreche ich dar\u00fcber, wann Gott nicht im Kino ist. Er ist weder hier noch wird er erwartet. Der Titel hat diese beiden Aspekte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vorstellung von Gott als Geheimnis hat ihre Nuancen, denn das Christentum schl\u00e4gt nicht vor, dass, sondern dass Gott sich in Jesus Christus gezeigt hat. Dieses Buch erhebt jedoch nicht den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und auch nicht auf eine Katechese. Ich spreche von einem Film, der Anregungen gibt, aber nichts vorschreibt oder klarstellt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt einen Autor, \u00fcber den ich in diesem Buch spreche, der ein Buch mit dem Titel<em> <\/em>\"Gott im Kino\" und sagt, dass ein gutes Kino, das \u00fcber Gott spricht, immer eine grundlegende Zweideutigkeit schafft, die nicht absichtlich zum Vorschein kommt, um die Freiheit des Zuschauers zu respektieren. Diese Idee gef\u00e4llt mir, und ich wollte mit dem Buch in diese Richtung gehen. Diese Filme machen Vorschl\u00e4ge, aber sie sind bewusst offen, selbst Menschen, die nicht glauben, k\u00f6nnen sich gut darauf einlassen, weil die k\u00fcnstlerische Sprache gut eingesetzt wurde, und die k\u00fcnstlerische Sprache hat den Reichtum, nicht eindeutig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In diesem Zusammenhang gibt es ein sehr interessantes Zitat in dem Buch: \"Ein Kunstwerk ist nicht wegen seines Inhalts ein Kunstwerk\".<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stammt aus einem Buch mit dem Titel<em> <\/em>\"Kultur und Wahrheit\", von dem Philosophen Fernando Inciarte. Es gef\u00e4llt mir sehr, er spricht genau dar\u00fcber, dass die Kunst nicht an das Was, an die Botschaft gebunden sein darf, sondern sich am Wie, an der Sprache orientieren muss. Die Kunst muss ihre Sprache wirklich erforschen, was auch immer das sein mag, Kino, Literatur, Musik... <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dass diese Filme das tun, denn einige von ihnen sind in Bezug auf die Filmsprache sehr gewagt. Zum Beispiel, <em>Ida <\/em>(2013), ein bekannter polnischer Film, der den Oscar f\u00fcr den besten ausl\u00e4ndischen Film erhielt.<em>. <\/em>Es spielt nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1960er Jahren, und handelt von einem M\u00e4dchen, das in einem Kloster aufw\u00e4chst und dann beschlie\u00dft, ihr Gel\u00fcbde abzulegen und Nonne zu werden, weil sie immer dort gelebt hat. Die Oberin sagt ihr nein, sie m\u00fcsse in die Welt hinausgehen und das einzige Familienmitglied treffen, das ihr noch geblieben ist, ihre Tante, und dann eine Entscheidung treffen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein sehr interessanter Film. Er ist in Schwarz-Wei\u00df gehalten, was f\u00fcr einen Film aus dem Jahr 2013 sehr gewagt ist, und er verwendet ein Format, das eher typisch f\u00fcr das alte Kino ist, das Quadrat, vielleicht weil es ein Format ist, das sich eher f\u00fcr Portr\u00e4ts eignet, und in dem Film gibt es viele Gesichter. Es gibt auch eine andere Ressource, die sich oft wiederholt, n\u00e4mlich dass in vielen Szenen die Handlung im unteren Drittel des Quadrats stattfindet und dar\u00fcber zwei Drittel, in denen nichts zu sehen ist, was \"Luft\" genannt wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe einmal geh\u00f6rt, wie ein Filmkritiker, Jer\u00f3nimo Jos\u00e9 Mart\u00edn, sagte, dass der Film damit auf ein grundlegendes Element in der Geschichte hinweist, das nicht zu sehen ist: Gott. Das ist eine sehr interessante Quelle, und eine sehr intelligente. Es gibt einen weiteren Film mit dem Titel <em>Sauls Sohn<\/em> (2015), gewann ebenfalls den Oscar f\u00fcr den besten ausl\u00e4ndischen Film. Er spielt im Konzentrationslager Auschwitz, wo es eine Gruppe von Juden gab, die \"Sonderkommando\" genannt wurde. Wenn ein Zug ankam, waren sie daf\u00fcr zust\u00e4ndig, die Menschen in die Gaskammer zu bringen und ihnen zu sagen, dass sie sich duschen w\u00fcrden. Dann holten sie die Leichen heraus und brachten sie zu den \u00d6fen. Das war eine furchtbare Sache. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptfigur geh\u00f6rt zum Spezialkommando, und der ganze Film ist sein Gesicht, man folgt seinem Gesicht. An einem Punkt im Film, wenn er eine ganz bestimmte Sache tut, ver\u00e4ndert sich sein Gesicht. Es gibt eine Entwicklung im Laufe der Geschichte. Der Film ist hart, aber nicht grausam, denn man h\u00f6rt Dinge, aber man sieht nichts. Man muss schon ein gro\u00dfartiger Schauspieler sein, um das zu tun, sonst....<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Film, den ich meine, ist <em>Schweigen <\/em>(2016), von Martin Scorsese. Es ist ein Film, der eine sehr gefragte Zweideutigkeit hat, vielleicht hat er deshalb so viele Augenbrauen aufgeworfen, als er herauskam. Aber es ist ein Film, der dazu einl\u00e4dt, ihn anzuschauen und ihn anschlie\u00dfend zu kommentieren, und er ist auch visuell sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie wurde versucht, die Darstellung von Gott in der Sprache des Films zu thematisieren?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, sich diesem Thema zu n\u00e4hern. Im Buch spreche ich zun\u00e4chst \u00fcber den visuellen Teil, denn ich folge einer bewussten Reihenfolge, es gibt einen roten Faden. Die Aufnahmen konzentrieren sich auf unterschiedliche Dinge: die allgemeine Aufnahme f\u00fcr Landschaften, die Nahaufnahme f\u00fcr Gesichter und so weiter. Im Kapitel \"Landschaften\", das die allgemeine Einstellung darstellt, spreche ich von Filmen, die Gott als ein Geheimnis darstellen. Es sind Landschaften, in denen sich der Mensch sehr klein f\u00fchlt. Zum Beispiel, der Berg. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt einen sehr sch\u00f6nen Film mit dem Titel <em>Mimosen<\/em> (2016), des spanischen Regisseurs Oliver Laxe. Er handelt von einer Karawane von Dorfbewohnern in der Region Marokko. Ihr Anf\u00fchrer ist gestorben und hat darum gebeten, in einer anderen Stadt begraben zu werden, aber um dorthin zu gelangen, m\u00fcssen sie das Atlasgebirge \u00fcberqueren, was unm\u00f6glich erscheint, da sie mit einem Esel und einer Leiche unterwegs sind. Die ganze Geschichte ist wie ein Bild des Glaubens, in dem Sinne, dass sie vor etwas Unm\u00f6glichem stehen, das menschlich gesehen unerreichbar scheint, immer mit dem Gedanken an das Gebirge im Hintergrund, und doch scheint es w\u00e4hrend der gesamten Reise, dass es Wunder geben k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derselbe Regisseur hat einen weiteren sehr sch\u00f6nen Film gedreht, der auch in dem Buch vorkommt, n\u00e4mlich <em>Was brennt<\/em> (2019) und befasst sich mit dem Thema Waldbr\u00e4nde in Galicien. Ein Mann kehrt aus dem Gef\u00e4ngnis nach Hause zur\u00fcck (weil er angeblich ein Brandstifter ist, obwohl man das nicht genau wei\u00df). Seine Mutter ist sehr alt und sie leben mitten in der Sierra de los Ancares, die nur aus Wald besteht. Es herrscht ein Gef\u00fchl des absoluten Geheimnisses, des Unergr\u00fcndlichen, und das gilt auch f\u00fcr die Figuren. In diesem Film gibt es auch einige sch\u00f6ne Waldszenen oder neblige Morgen, wenn er mit dem Hund spazieren geht. Ich denke, dass diese Art, \u00fcber Gott zu sprechen, einen sehr klaren Pr\u00e4zedenzfall in einem russischen Regisseur, Tarkowski, hat, der die Natur oft auf diese Weise nutzt, um den Zuschauer in eine Art Atmosph\u00e4re des Geheimnisses einzutauchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann, im letzten Kapitel, sprechen die Filme \u00fcber Gott durch Menschen, durch Figuren, die durch menschliche Beziehungen etwas anderes entdecken, etwas, das sie aus ihrer kleinen Welt herausf\u00fchrt. Zum Beispiel gibt es einen italienischen Film namens <em>Das Dorf aus Pappe<\/em> (2011), in dem es um einen sehr alten Priester geht, der seine Gemeinde schlie\u00dft, weil es dort kaum noch Menschen gibt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wohnt im Pfarrhaus und sieht eines Nachts, wie illegale Einwanderer in die Pfarrei kommen, um Zuflucht zu suchen. Einer von ihnen ist verwundet, ein schwangeres M\u00e4dchen bringt ein Kind zur Welt... Er versteckt sie und k\u00fcmmert sich um sie. Es schien, als sei sein Leben vorbei, als h\u00e4tte er ihnen nichts mehr zu bieten, und pl\u00f6tzlich stellt sich heraus, dass das Wichtigste noch bevorsteht, und durch diese Menschen findet er Gott. In diesen Filmen erscheint Gott durch den Menschen, der ganz anders ist als ich und der pl\u00f6tzlich zu mir kommt. In dieser Konfrontation gibt es eine Offenheit f\u00fcr den anderen, und Gott scheint auch anwesend zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Es gibt viele zeitgen\u00f6ssische Filme, in denen die Religiosit\u00e4t ignoriert zu werden scheint: Entweder tauchen keine Gl\u00e4ubigen auf oder wenn doch, dann werden sie negativ dargestellt. Was denken Sie dar\u00fcber?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dass es dabei Nuancen gibt. Ich denke, dass vielleicht das Kino, das sich auf dem Niveau einer gro\u00dfen Premiere mit einem sehr gro\u00dfen Publikum bewegt, Quellen ber\u00fchrt, die mit der vermeintlichen Sensibilit\u00e4t von heute verbunden sind. Es nutzt Formeln aus, bei denen keine Risiken eingegangen werden. Im Allgemeinen handelt es sich um mittelm\u00e4\u00dfige Filme, aber es sind Popcorn-Filme, die ein mehr oder weniger gro\u00dfes Publikum ansprechen. Aber ich denke, wenn man dar\u00fcber hinausgeht, ohne bis zum Arthouse-Kino gehen zu m\u00fcssen, gibt es alles. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage der Religiosit\u00e4t kommt zur Sprache, obwohl es stimmt, dass die institutionalisierte Religiosit\u00e4t tendenziell geschm\u00e4ht wird. Auch dar\u00fcber spreche ich in dem Buch ein wenig. Aber die Frage der Religiosit\u00e4t im weiteren Sinne taucht an vielen Stellen auf. Sie wird im Allgemeinen als etwas Lobenswertes, aber auch als etwas sehr Diffuses angesehen, in dem Sinne, dass sie als etwas wahrgenommen wird, das jeder Mensch auf seine eigene Weise leben muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hat sich der Trend in der Filmwelt dahingehend ge\u00e4ndert, dass es jetzt mehr \"Schurken\"-Protagonisten gibt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben vielleicht das Gef\u00fchl, dass dies ein neuer Trend ist, aber er hat eine lange Geschichte. Ein Teil der Erkl\u00e4rung ist, dass es in den 20er und 30er Jahren in Hollywood den B\u00f6sewicht, die Figur mit Licht und Schatten, gab, vor allem in Film Noir-Filmen. Aber in den 1930er Jahren wurde in Hollywood ein Kodex akzeptiert, wonach das Kino einer Reihe von Mustern zu folgen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit einiger Zeit wird dieses Thema der Figuren mit viel Hell-Dunkel, des Versuchs, den B\u00f6sewicht zu verstehen, wieder aufgegriffen. Zum Beispiel in der ber\u00fchmten Serie <em>Breaking Bad <\/em>geht in diese Richtung. Das h\u00e4ngt mit einer Zeit wie der unseren zusammen, in der die Vorstellung vom moralisch Guten sehr unscharf ist. Es gibt keinen Konsens dar\u00fcber, ob etwas moralisch gut oder moralisch schlecht ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Ausnahme des Themas Vergewaltigung, bei dem meines Erachtens ein Konsens dar\u00fcber besteht, dass es sich um ein moralisches Unrecht handelt, gibt es bei vielen anderen Dingen keine Einigkeit. Das f\u00fchrt dazu, dass in den Geschichten erforscht wird, inwieweit das, was eine Figur tut, falsch oder richtig ist, oder ob sie Probleme hatte, die sie dazu brachten, so zu handeln. Es gibt auch die Frage der Literatur. Das Kino trinkt schlie\u00dflich aus der Literatur und die Literatur aus dem Kino, das ist eine Reise in beide Richtungen, und die Literatur besch\u00e4ftigt sich schon seit langem mit diesem Thema. Ich denke, diese Frage hat viele Wurzeln.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pablo Alzola ha publicado \u00abEl silencio de Dios en el cine\u00bb (2022) y, anteriormente, \u00abEl cine de Terrence Malick. La esperanza de llegar a casa\u00bb (2020). 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