{"id":32176,"date":"2023-07-03T09:14:54","date_gmt":"2023-07-03T08:14:54","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=32176"},"modified":"2025-11-06T14:57:09","modified_gmt":"2025-11-06T12:57:09","slug":"finanz-vatikan-finanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/finanzas-vaticanas\/","title":{"rendered":"Finanzen des Vatikans, was sagen die Bilanzen des IOR und der Obligation St. Peter?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ver\u00f6ffentlichten Zahlen sind wichtig, um den Zustand der vatikanischen Finanzen zu verstehen, die sich schon vor der Pandemie, die die Wirtschaft des Kleinstaates getroffen hat, in einer Krise befanden. Zwischen Ende Mai und Ende Juni wurden die Bilanzen des Instituts f\u00fcr die Werke der Religion und der St. Petersbullen ver\u00f6ffentlicht. Diese Bilanzen k\u00f6nnen zusammen gelesen werden, indem man die Daten miteinander vergleicht, um ein vollst\u00e4ndigeres Bild der Situation zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sind der \u00d3bolo di San Pietro und das Institut f\u00fcr Werke der Religion?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir jedoch ins Detail gehen, sind einige Erkl\u00e4rungen angebracht. Das Institut f\u00fcr die Werke der Religion (IOR) ist ein Finanzinstitut des Heiligen Stuhls. Es wird f\u00e4lschlicherweise als \"Bank des Vatikans\" bezeichnet, verf\u00fcgt aber in Wirklichkeit nicht \u00fcber alle Dienstleistungen einer Bank und hat vor allem keine Zweigstellen au\u00dferhalb des Staates Vatikanstadt. Ihr Zweck ist es, die finanziellen Einlagen bestimmter Personengruppen - von den Angestellten des Vatikans bis zu den Botschaften des Heiligen Stuhls und den Ordensgemeinschaften - zu verwalten und den Schutz und die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Verwendung dieser Einlagen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St. Petrus-Bulle hingegen hat einen viel \u00e4lteren Ursprung, der sogar bis in die Apostelgeschichte zur\u00fcckreicht. Tats\u00e4chlich waren es aber die Angelsachsen, die im 8. Jahrhundert begannen, dem Heiligen Vater eine st\u00e4ndige Spende zukommen zu lassen, den Denarius Sancti Petri, der sich bald in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verbreitete. Pius IX. segnete diese Praxis, die sich dann in mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verbreitete, mit der Enzyklika <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/pius-ix\/it\/documents\/epistola-encyclica-saepe-venerabiles-5-augusti-1871.html\">Saepe Venerabilis <\/a>vom 5. August 1871. Diese Praxis war notwendig, denn sie diente der Unterst\u00fctzung des Heiligen Stuhls, der nach der Einnahme Roms im Jahr 1870 ohne Verm\u00f6gen dastand. Obwohl sich die Verwendung des Obolus im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert hat, bleibt die Unterst\u00fctzung des Heiligen Stuhls der Hauptzweck der Sammlung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die IOR-Bilanz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der interessanteste Aspekt der Bilanz des IOR betrifft die Kennzahl TIER 1, d.h. den Hauptbestandteil des Kapitals einer Bank. Nach allgemeiner Lesart war das IOR durch bestimmte Finanzoperationen verarmt, vor allem durch die Investition des Staatssekretariats in ein Geb\u00e4ude in London. Bei dieser Gelegenheit hatte das Staatssekretariat ein Darlehen beim IOR beantragt, das dieses abgelehnt hatte. Wir schreiben das Jahr 2019, und TIER 1 betr\u00e4gt 82,40 %. Die letzte Bilanz, die von 2022, zeigt jedoch ein TIER von 46,14 %. Im Jahr 2021 lag er bei 38 %. Ein verbesserter Wert, zweifellos. Aber sie zeigt immer noch eine Verringerung des Kapitals um die H\u00e4lfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zu 2021 gibt es mehr Mitarbeiter (112), aber viel weniger Kunden: 2021 hatte die IOR 14.519 Kunden. Da das Screening von Konten, die als nicht mit dem Auftrag der IOR vereinbar angesehen werden, l\u00e4ngst abgeschlossen ist, entsteht der erste Eindruck, dass die IOR f\u00fcr ihre ersten Kunden, n\u00e4mlich religi\u00f6se Einrichtungen, nicht mehr attraktiv ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2022 erwirtschaftete das IOR einen Nettogewinn von 29,6 Millionen. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr, obwohl sich der Abw\u00e4rtstrend seit 2012, als die Gewinne 86,6 Millionen erreichten, fortzusetzen scheint. Im Jahr 2013 lag der Gewinn bei 66,9 Millionen, im Jahr 2014 bei 69,3 Millionen, und das waren die Jahre, in denen die Sparr\u00fccklagen noch verwendet wurden. Im Jahr 2015 wies der Bericht dann nur noch einen Gewinn von 16,1 Millionen Euro aus. Danach stabilisierte sich alles bei einer Gewinnschwelle von rund 30 Millionen: 33 Millionen im Jahr 2016, 31,9 Millionen im Jahr 2017, ein R\u00fcckgang auf 17,5 Millionen im Jahr 2018, eine R\u00fcckkehr auf 38 Millionen im Jahr 2019 und 36,4 Millionen im Jahr 2020. Im Jahr 2021, dem ersten Jahr nach der Pandemie, betrug der Gewinn nur noch 18,2 Millionen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gewinn im Jahr 2022 sollte jedoch auch die 17,2 Mio. Euro enthalten, die beim ehemaligen IOR-Pr\u00e4sidenten Angelo Caloia und Gabriele Liuzzo beschlagnahmt wurden, die wegen Veruntreuung und Selbstw\u00e4sche im Zusammenhang mit dem Prozess der Ver\u00e4u\u00dferung der riesigen Immobilien des Instituts und seiner Tochtergesellschaften SGIR und LE PALME zur Rechenschaft gezogen wurden. Die Verurteilungen von Caloia und Liuzzo sind ab Juli 2022 rechtskr\u00e4ftig, und wenn ihre Entsch\u00e4digung im Haushaltsplan vorgesehen gewesen w\u00e4re, w\u00fcrden wir immer noch von einem tats\u00e4chlichen Gewinn von weniger als 20 Millionen Euro sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine sehr wohlhabende Situation, um ehrlich zu sein. Von diesen Gewinnen wurden 5,2 Millionen Euro verteilt: 3 Millionen Euro f\u00fcr die religi\u00f6sen Werke des Papstes, 2 Millionen Euro f\u00fcr die karitativen Aktivit\u00e4ten der Kardinalskommission, 200.000 Euro f\u00fcr die vom Pr\u00e4laten des Instituts koordinierten karitativen Aktivit\u00e4ten.<br>Die Mittel f\u00fcr die karitativen Werke schwanken: Der Fonds f\u00fcr die heiligen Messen bel\u00e4uft sich im Jahr 2022 auf 1347 Millionen Euro, w\u00e4hrend er 2021 noch 2219 Millionen Euro betrug, ein drastischer R\u00fcckgang; der Fonds f\u00fcr die Missionswerke hingegen steigt von 89 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 278 Millionen Euro im Jahr 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies sind die wichtigsten Zahlen einer Bilanz, die internationale Krisen bew\u00e4ltigen muss, die aber auch f\u00fcr die Ver\u00e4u\u00dferung alter Anlagen bezahlt. Als Begr\u00fcndung wird angef\u00fchrt, dass \"ethische\" Kriterien jetzt die Entscheidungen der Institution dominieren und dass sie nur in so genannte \"katholische\" Fonds investiert. Es kann jedoch nicht behauptet werden, dass fr\u00fchere Investitionen nicht katholisch oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig spekulativ gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fairerweise muss man sagen, dass die spekulativen Investitionen seit 2013, dem Beginn dessen, was als Verwaltung des IOR unter Papst Franziskus bezeichnet wurde, zugenommen haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Obolus St. Peter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Obolus von St. Peter ist in keinem guten Zustand, was auch daran liegt, dass sich die internationale Krise auf die Spenden auswirkt, die die Gl\u00e4ubigen nach Rom schicken. Dar\u00fcber hinaus gibt es Medienkampagnen, die suggerieren, dass das Geld aus dem Obolus f\u00fcr spekulative Aktivit\u00e4ten verwendet wurde, insbesondere durch das Staatssekretariat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wahrheit ist, dass die Obligation gerade zur Unterst\u00fctzung der Kurie, d.h. der Mission des Papstes, geschaffen wurde und erst in zweiter Linie f\u00fcr die direkte N\u00e4chstenliebe des Papstes bestimmt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einzelheiten dieses k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Jahresberichts sind interessant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Zahlen aus der j\u00e4hrlichen Offenlegung, die nur mit den Zahlen f\u00fcr 2022, aber ohne Vergleichsm\u00f6glichkeit mit 2021 vorgelegt werden: Der \u00d3bolo-Fonds zahlte 2022 93,8 Millionen Euro aus. Davon stammten 43,5 Millionen aus den im Jahr 2022 eingegangenen Angeboten, w\u00e4hrend die anderen 50,3 Millionen aus der Immobilienverwaltung stammten. In der Praxis wurden die Gelder durch den Verkauf einiger Immobilien im Besitz von \u00d3bolo erzielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einnahmen der Obolo im Jahr 2022 beliefen sich auf 107 Millionen Euro, und nur 43,5 Millionen stammten aus Spenden, die aus der Kollekte zum Tag der Heiligen Peter und Paul, aber auch aus direkten Spenden und Erbschaften stammten. Wie bereits erw\u00e4hnt, flossen 77,6 Millionen in die Unterst\u00fctzung der Aktivit\u00e4ten des Heiligen Stuhls (70 Dikasterien, Agenturen und Organisationen), was nicht verwunderlich ist, da dies das urspr\u00fcngliche Ziel der Sammlung war, die sehr alte Urspr\u00fcnge hat und im 19. Die restlichen 16,2 Millionen hingegen waren f\u00fcr direkte Hilfsprojekte f\u00fcr die Bed\u00fcrftigsten bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die interessanteste Zahl ergibt sich jedoch, wenn man die Daten f\u00fcr das Jahr 2021 betrachtet. In der j\u00e4hrlichen Offenlegung f\u00fcr 2021 hei\u00dft es, dass die Obolo 55 Millionen zu den 237,7 Millionen Ausgaben der vatikanischen Dikasterien beitr\u00e4gt. Im Jahr 2022 hingegen sind die <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/obolo-de-san-pedro-datos-2022\/\">\u00d3bolo <\/a>trugen 20% zu den Ausgaben der Dikasterien bei, die 77,6 Millionen \u00fcberwiesen. Die Ausgaben der Dikasterien belaufen sich somit auf 383,9 Mio., fast 150 Mio. mehr als im Vorjahr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein vollst\u00e4ndigeres Bild<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um ein vollst\u00e4ndigeres Bild der finanziellen Situation des Vatikans zu erhalten, m\u00fcssen wir die Bilanz der Apostolischen Stuhlverwaltung (APSA) abwarten, der so genannten \"Zentralbank\" des Vatikans, die jetzt alle Mittel verwaltet, und dann die der Kurie, den so genannten \"Missionshaushalt\". Insbesondere wird man sehen m\u00fcssen, inwieweit Einsparungen oder K\u00fcrzungen vorgenommen wurden und ob es neue Beratungen gegeben hat, die die Kosten erh\u00f6ht haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Spannung wird auch der Haushalt der Gouvernements erwartet, der seit einiger Zeit nicht mehr ver\u00f6ffentlicht wurde. Der Haushalt umfasst auch die Einnahmen der Vatikanischen Museen. Die Vatikanischen Museen wurden von den pandemiebedingten Schlie\u00dfungen hart getroffen, bleiben aber die gr\u00f6\u00dfte direkte Einnahmequelle des Heiligen Stuhls.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sicherlich ist die finanzielle Situation nicht rosig, aber es ist schwierig, in diesem Zahlentanz zu verstehen, wie viel auf die Fehler der vorherigen Leitung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die auch Gegenstand einiger Klagen im Vatikan war. Vor allem, weil die vorherige Leitung mit den Zahlen in der Hand mehr Gewinne erwirtschaftete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird einige Zeit dauern, bis eine genaue Definition der Finanzlage des Heiligen Stuhls vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und danach m\u00fcssen Reformen durchgef\u00fchrt werden, angefangen beim Pensionsfonds, der dazu dienen soll, die Renten auch f\u00fcr die n\u00e4chste Generation zu sichern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Las cifras publicadas son importantes para comprender el estado de las finanzas vaticanas, que atravesaban un momento de crisis incluso antes de la pandemia que afect\u00f3 a la econom\u00eda del peque\u00f1o Estado. 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