{"id":32179,"date":"2023-08-19T06:00:00","date_gmt":"2023-08-19T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=32179"},"modified":"2023-07-03T10:18:27","modified_gmt":"2023-07-03T09:18:27","slug":"steven-schloeder-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/steven-schloeder-arquitectura\/","title":{"rendered":"<b>Steven Schloeder:<\/b> \"Mit der Architektur versuchen wir, eine tiefere Wahrheit auszudr\u00fccken\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Architekt und Theologe Steven Schloeder versucht, auf die zeitgen\u00f6ssischen Herausforderungen beim Bau katholischer Kirchen zu reagieren, indem er auf die Symbolik zur\u00fcckgreift, die sie im Laufe der Geschichte begleitet hat. In seinem Buch <em><a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Architecture-Communion-Implementing-Vatican-Council\/dp\/0898706319\">Architektur in Gemeinschaft<\/a><\/em> (Ignatius Press), das noch nicht ins Englische \u00fcbersetzt wurde, spricht von drei Hauptsymbolen in der Sprache der Architektur: der K\u00f6rper, der Tempel und die Stadt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie symbolisiert und repr\u00e4sentiert die Architektur die Bedeutung dessen, was gefeiert wird?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-In erster Linie bauen wir Kirchen f\u00fcr die Feier der Liturgie, die notwendigerweise ein gemeinschaftliches Ereignis der in Christus versammelten Gl\u00e4ubigen ist. Die Liturgie bringt den Leib Christi zum Ausdruck. Die Kirche ist der Leib Christi und die Fortf\u00fchrung des Leibes Christi auf Erden. Sie ist eine physische und geistige, ewige und zeitliche, himmlische und irdische Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott offenbart sich durch Symbole, und Christus hat uns die Bedeutung bestimmter Symbole offenbart: das Symbol des Leibes, des Blutes, seiner Kreuzigung. Es handelt sich um sakramentale, wirksame Symbole, um die wahre Wirklichkeit, an der wir teilhaben. Die Liturgie ist sowohl materiell als auch spirituell, gemeinschaftlich und hierarchisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir uns einer Kirche von au\u00dfen, auf der Stra\u00dfe, n\u00e4hern, ist es hilfreich, wenn sie wie eine Kirche aussieht. Nicht alle heutigen Kirchen sehen wie Kirchen aus, und das ist ein Problem, das angegangen werden muss. Wenn wir uns einer Kirche n\u00e4hern, n\u00e4hern wir uns dem himmlischen Jerusalem, der Stadt Gottes, dem Leib Christi, dem Tempel des Heiligen Geistes, und ich denke, die \u00f6rtliche Pfarrei oder Kathedrale sollte als die Pr\u00e4senz des himmlischen Jerusalem in unserer Stadt betrachtet werden. Sie ist eine Unterbrechung im Gef\u00fcge der Stadt, der Ort, an dem sich etwas Heiliges ereignet. In der Offenbarung gibt es dieses Bild des himmlischen Jerusalems, das herabkommt, Gott, der unter den Menschen lebt, und das ist es, was wir wirklich sehen sollten, wenn wir eine Kirche sehen, und was wir als Architekten in irgendeiner Weise zum Ausdruck bringen sollten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-1024x765.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32182\" width=\"568\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-1024x765.jpg 1024w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-700x523.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-768x574.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-1536x1147.jpg 1536w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-2048x1530.jpg 2048w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/8-SAJF-Interior-600x448.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Innenraum der Kirche St. Joachim und St. Anna, entworfen von Steven Schloeder \u00a9Steven J Schloeder AIA<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sobald wir in der Kirche sind und uns dem Altar n\u00e4hern, hilft uns die Sprache des Altars zu verstehen, dass wir ein heiliges Ereignis und einen heiligen Ort betreten. Von gro\u00dfer Bedeutung ist das Kruzifix als zentrale Ikone der Liturgie, wie Kardinal Ratzinger sagte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht nicht nur um eine Mahlzeit, nicht nur um einen Tisch, nicht nur um eine Versammlung von Menschen, sondern um die Menschen auf der Erde und die des himmlischen Jerusalem, der triumphierenden Kirche. Ich denke, dass die formale Sprache der Architektur und Dinge wie Symmetrie, H\u00f6he oder hochwertige Materialien von grundlegender Bedeutung sind, weil wir versuchen, etwas auszudr\u00fccken, das ungeheuer wichtig ist. Wir dr\u00fccken Bedeutung und W\u00fcrde durch den Wert und die Art und Weise aus, wie wir die Dinge in unserer materiellen Kultur behandeln. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Altar zum Beispiel ist nicht einfach ein Holzbrett wie ein Esstisch. Gute Gew\u00e4nder, wertvolle liturgische Gegenst\u00e4nde wie Kelch oder Ziborium, gutes Leinen und hochwertiger Stein helfen uns, die Bedeutung dessen, was gesagt wird, zu verstehen. Und dann sind da nat\u00fcrlich noch die liturgischen Texte selbst, die Gebete des Priesters und die Antworten. Das ist es, was die Absicht der Kirche zum Ausdruck bringt: dieses vollkommene Opfer in der Messe darzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb gibt es eine liturgische Disziplin: Fasten vor dem Kommunionempfang, ein Zustand der Gnade vor dem Kommunionempfang, angemessene Kleidung, ein Gef\u00fchl von echter W\u00fcrde in Bezug auf die materielle Ausstattung der Kirche. Ich denke, das ist eines der wichtigsten Merkmale der fr\u00fcheren Architekturgenerationen, dass die Kirche ihre materielle Kultur sehr bewusst und absichtsvoll gestaltet hat. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/forum-architektur\/\">Architektur<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es zeigte, dass es sich um etwas sehr Wichtiges handelte, das unsere volle Aufmerksamkeit verdiente.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie haben sich die Kirchen im Laufe der Zeit entwickelt, und was waren die wichtigsten Wendepunkte?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Wir wissen, dass sich die Gemeinschaften anfangs in H\u00e4usern trafen. Sehr fr\u00fch, in der Mitte des 2. Jahrhunderts, gibt es Spuren von geweihten Kirchen. Wir haben keine arch\u00e4ologischen Beweise daf\u00fcr, weil sie verloren gegangen sind. Die fr\u00fchesten erhaltenen Kirchen stammen etwa ein Jahrhundert sp\u00e4ter, aber wir haben Beweise durch schriftliche Dokumente, dass es etwa hundert Jahre fr\u00fcher Kirchen gab, sichtbare Geb\u00e4ude, die als Orte der Anbetung identifiziert werden konnten. Die Christen hatten sich in Gemeinschaften niedergelassen, die Land besitzen und bauen konnten. Dies geschieht schon sehr fr\u00fch in der Geschichte des Christentums. Vor Konstantin, w\u00e4hrend der Verfolgungen im sp\u00e4ten 3. und fr\u00fchen 4. Jahrhundert, berichtet der Historiker Lactantius zum Beispiel von gro\u00dfen Geb\u00e4uden, die im Zuge der Verfolgung zerst\u00f6rt wurden. Die Kirche hatte also eine starke Identit\u00e4t, wenn es darum ging, ihre Spuren in der Stadt oder im Dorf zu hinterlassen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-1024x680.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32184\" width=\"512\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-700x465.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-1536x1020.jpg 1536w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1-600x399.jpg 600w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/1-STC-Exterior-1.jpg 1638w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Au\u00dfenansicht der Kirche Saint Th\u00e9r\u00e8se de Liseux, entworfen von Steven Schloeder \u00a9Steven J Schloeder AIA<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eusebius hat eine fantastische Passage in seinem <em>Geschichte<\/em> \u00fcber die Einweihung der Kathedrale von Tyrus, die \u00fcber die Symbolik, die Sch\u00f6nheit und die Bedeutung des Geb\u00e4udes spricht. Ich denke, dass Eusebius diese Sprache der Kirchenarchitektur nicht erfunden hat, sondern dass es bereits ein gut etabliertes Wissen dar\u00fcber gab, was eine Kirche sein sollte, denn er schreibt im fr\u00fchen 4. Jahrhundert und hat eine voll ausgebildete Theologie der Architektur, die ihm meiner Meinung nach nicht aus heiterem Himmel eingefallen ist, sondern er dr\u00fcckt aus, was die Kirche bereits kultiviert hatte. Es gab also bereits monumentale Geb\u00e4ude, die wichtig und erkennbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht unter Konstantin, dem Haupt von Eusebius, nahm die Kirche eine F\u00f6rmlichkeit an, die dem K\u00f6nig der K\u00f6nige, dem Herrn der Herren, angemessen war und den k\u00f6niglichen Hof nachahmte. Zu dieser Zeit wurde der Grundriss der Basilika, die traditionelle Form der Kirche, angenommen, die im 3. Jahrhundert und wahrscheinlich schon etwas fr\u00fcher auftaucht. Von diesem Zeitpunkt an gab es eine Reihe von stilistischen Neuerungen: byzantinische Architektur, Romanik, Gotik...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Punkt ist, dass jeder dieser Stile einem Muster folgt. Wir finden eine Gemeinsamkeit in der Formensprache der Architektur. Zun\u00e4chst einmal gibt es eine Sprache, die sich auf den K\u00f6rper bezieht: symmetrisch und hierarchisch (wir haben Kopf, Brust, Beine...). Und das ist etwas Wertvolles, das wir meiner Meinung nach sowohl in der Architektur als auch in der Kunst wiederfinden m\u00fcssen: die Wiederbegegnung mit unserem K\u00f6rper in einem sakralen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Kirche in Form eines Kreuzes ist der Kopf die Apsis, wo sich der Sitz des Bischofs befindet, weil er Christus repr\u00e4sentiert, der die Kirche regiert; das Querschiff ist die Brust, wo sich der Altar befindet, das Herz; von dort gehen die Arme aus, und die F\u00fc\u00dfe sind der Eingang, weil man in die Kirche geht. Es gibt eine symbolische Denkweise in Bezug auf den K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube auch, dass sich dies auf die Inkarnation bezieht und sie als den \"logos\" verteidigt, der kommunikativ und gestaltend ist und Wirklichkeit schafft. Die Menschwerdung Christi in einem menschlichen K\u00f6rper ist immer unser Modell f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis dessen, was wir als Personen und als Kirche sind. Wir werden sofort an den heiligen Paulus erinnert (1 Kor 12,12).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt auch eine Sprache, die sich auf den Tempel bezieht, auf das Zelt der Begegnung und den Tempel Salomos. Christus selbst spricht von seinem Leib als \"dem Tempel\". Er selbst stellt diese Beziehungen her. Der heilige Paulus entwickelt dies, ebenso wie Eusebius. Wir denken immer symbolisch an die Form. Mit der Architektur versuchen wir, eine tiefere Wahrheit auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Offenbarung 21-22 sehen wir, dass die Stiftsh\u00fctte in die Stadt verwandelt wird. Wenn wir uns eine gotische Kirche ansehen, ist die Art und Weise, wie sie dargestellt wird, brillant: Jeder Teil des Geb\u00e4udes, das Ziborium oder der Baldachin \u00fcber dem Altar, ist ein kleines Geb\u00e4ude. Die Strebepfeiler au\u00dferhalb des Geb\u00e4udes sind kleine Schreine und alle Schreine sind kleine H\u00e4user, die eine Stadt bilden. Die G\u00e4nge und Korridore sind wie Stra\u00dfen. Es gibt direkte Analogien, die uns helfen, diese Verbindung zwischen dem K\u00f6rper, dem Tempel und der Stadt zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Jahrhunderte hindurch, unabh\u00e4ngig vom Stil der Kirche, ist dies die Hauptsprache, die sich irgendwie auf die Tatsache bezieht, dass wir K\u00f6rper sind und in Geb\u00e4uden, H\u00e4usern leben, was das Familienhaus, die Hauskirche ist. Dies ist grundlegend f\u00fcr die Bedeutung der Familie als zentrale Keimzelle der Gesellschaft. Und es liegt auch dem Konzept zugrunde, dass wir soziale Wesen sind und in Gemeinschaft leben m\u00fcssen, um zu wachsen. Die Kirche als Geb\u00e4ude und die Theologie der Architektur sollten all dies irgendwie repr\u00e4sentieren. Es sind Konzepte, die der Art und Weise entsprechen, wie Gott sich uns offenbart hat: der Leib Christi und die Kirche als Tempel, als himmlische Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommen wir zum 20. Jahrhundert, das einen radikalen Bruch darstellt. Jahrhundert, der eine radikale Z\u00e4sur darstellt. Er entsteht vor allem in Deutschland, zum Beispiel durch die Arbeit von Rudolf Schwarz und dem Bauhaus. Viele andere Leute, die nicht Teil des Bauhauses waren, haben \u00e4hnliche Dinge getan, aber wir sprechen \u00fcber modernistische Architektur im Allgemeinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirchen h\u00f6ren auf, hierarchisch zu sein, und beginnen, zirkul\u00e4re Formen anzunehmen. Deutsche Lutheraner und Katholiken beginnen, mit anderen, zentraleren Formen zu spielen. Und an diesem Punkt, denke ich, haben wir die Einheit der Kirche als symbolische Darstellung der himmlischen Wirklichkeit verloren. Es ist nicht so, dass sie v\u00f6llig von dem getrennt w\u00e4re, was vorher war, aber die zentralisierte Form, die im Allgemeinen eine Art schwungvoller, zeltartiger Form hat, ist ein entscheidender Bruch in der Kontinuit\u00e4t, die 1900 Jahre zuvor bestand. Sie wird zur Hauptform der Sakralarchitektur in Europa und Amerika, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen der Moderne. Viele der zerbombten St\u00e4dte in Europa wurden in modernistischen Formen wiederaufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie hat sich die Taufkapelle und ihre Symbolik entwickelt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Das Wichtigste an der Taufe ist, dass sie eines der Sakramente der Initiation ist und uns in den Leib Christi einf\u00fchrt. Im fr\u00fcheren Ritus, vor den Revisionen der sechziger Jahre, gab es eine sehr interessante Sprache, die sich auf den \u00dcbergang aus dem Bereich der Finsternis in den Bereich des Lebens bezog. Es gab eine Reihe von Gebeten, als die Person zum ersten Mal die Kirche betrat, weil man in das Reich Gottes hineingelassen wurde. Das Taufbecken war damals eingez\u00e4unt, mit einem Zaun oder einer Art Schutzvorrichtung, weil man das Gef\u00fchl hatte, in die urspr\u00fcngliche Unschuld und Rechtschaffenheit zur\u00fcckversetzt zu werden, und die Pforten des Paradieses wurden f\u00fcr uns ge\u00f6ffnet. Die Taufe ist ein Eintritt in die Kirche, in das Reich Gottes, aus der Dunkelheit und dem Chaos heraus, und das Licht wird zu einem sehr wichtigen Element.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun steht das Taufbecken normalerweise am Eingang der Kirche, was nicht falsch ist, es ist tats\u00e4chlich ein Eingang zur Kirche, aber es steht oft in einer Reihe mit dem Altar, zumindest in den Vereinigten Staaten. Denn in Amerika hat in den 1950er Jahren ein deutscher Liturgiker ein Buch ver\u00f6ffentlicht, in dem er sagte, das Wichtigste sei der Altar und dann das Taufbecken, und alle versammeln sich um beide. Sie stellen sich also in einer Reihe auf und alle m\u00fcssen um das Taufbecken herumgehen, man kann keine gerade Prozession haben. Das wurde ein stilistisches Motiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Symbol, das verloren gegangen ist, ist, dass das Taufbecken auch ein Ort des Todes ist, wo wir unseren S\u00fcnden sterben und ein neuer Mensch werden. Das Taufbecken ist der Scho\u00df, in dem die Christen geboren werden, aber auch das Grab, in dem wir sterben und in Christus neu geboren werden. Die alten Modelle sind vielleicht nicht mehr g\u00fcltig: Wenn wir uns einige der ber\u00fchmten Baptisterien ansehen, wie die in Pisa, Florenz oder Ravenna, so haben sie in der Regel eine achteckige Form, die auf dem r\u00f6mischen Mausoleum basiert. Wir m\u00fcssen jedoch einen Weg finden, um die verschiedenen Bedeutungen des Taufbeckens auszudr\u00fccken: Wasser, Leben, Tod, Eingliederung in den Leib Christi. Wir Architekten spielen mit einer symboltr\u00e4chtigen Sprache, mit der wir versuchen zu vermitteln und zu unterst\u00fctzen, was die Kirche uns zu lehren versucht, und das Taufbecken ist in diesem Sinne ein Mikrokosmos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass wir in der Architektur in den letzten zwanzig Jahren daran gearbeitet haben, die sakrale Dimension des Geb\u00e4udes wiederzugewinnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Und der Beichtstuhl?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Was wir \u00fcber die Beichte wissen, ist, dass M\u00f6rder fr\u00fcher, wenn sie auf dem Weg zur Hinrichtung waren, riefen: \"Ich habe ges\u00fcndigt, bete f\u00fcr mich\". Wir haben einige Dokumente dar\u00fcber. In der fr\u00fchen Kirche konnte man nur einmal im Leben zur Beichte gehen, also meist gegen Ende des Lebens. Man musste auf den Stufen der Kirche stehen und dem Bischof seine S\u00fcnden beichten. Und jeder wusste davon. Ich denke also, dass es vern\u00fcnftig war, die Privatbeichte aus einer eher pastoralen Perspektive zu entwickeln, die vor allem durch die M\u00f6nche in Irland entwickelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heutzutage habe ich Beichtst\u00fchle gesehen, die aus Glaskabinen bestehen, wie in einem B\u00fcro, mit einem Tisch f\u00fcr den P\u00f6nitenten und den Beichtvater. Das ist sehr transaktional. Ich denke, wir m\u00fcssen die Beichte wieder als ein Sakrament begreifen, das seinen eigenen Raum verdient, so wie der barocke Beichtstuhl, wo der Priester in der Mitte steht und die P\u00f6nitenten auf beiden Seiten Platz haben. Sie wird zu einem Objekt im Raum, an der Stelle des Sakraments. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten zwanzig Jahren wurde die Bedeutung der privaten, diskreten und anonymen Beichte sowohl f\u00fcr den Priester als auch f\u00fcr den P\u00f6nitenten neu bewertet. Es ist eine Begegnung mit Christus, durch den Seelsorger und die Worte des Priesters Christi. Wir befinden uns in einer interessanten Zeit in der Entwicklung der Sakralarchitektur, in der wir den Priester von Angesicht zu Angesicht haben und mit ihm vertraut werden, und dasselbe gilt f\u00fcr die Beichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Theologe und Architekt versuche ich, die Sprache der architektonischen Gestaltung und Form so zu konkretisieren, dass sie das sakramentale Handeln der Kirche unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Eigenschaften m\u00fcssen die Elemente des Heiligtums haben und was sollte bei ihrem Bau ber\u00fccksichtigt werden?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Der Altar ist der zentrale und vorherrschende Ort, und der Ambo ist der Ort der Verk\u00fcndigung. In der Zeit des heiligen Johannes Paul II. wurde das Konzept der \"zwei Tische\" entwickelt: der Tisch des Opfers und der Tisch des Wortes. Ich denke, es ist wichtig, eine Beziehung zwischen dem verk\u00fcndeten Wort und dem Wort als Brot (Mt 4,4) herzustellen. Es handelt sich um zwei Elemente, die architektonisch miteinander verbunden sein sollten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-989x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32183\" width=\"247\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-989x1024.jpg 989w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-676x700.jpg 676w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-290x300.jpg 290w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-768x795.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-1483x1536.jpg 1483w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-1977x2048.jpg 1977w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-12x12.jpg 12w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/6-SCAS-Sanctuary-600x621.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Altar der Kirche der Heiligen Klara von Assisi, entworfen von Steven Schloeder \u00a9Steven J Schloeder AIA<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann haben wir noch den Ort der eucharistischen Aufbewahrung, den Tabernakel. Ich wei\u00df nicht, wie die Situation in Spanien ist, aber vor ein paar Jahren gab es in den Vereinigten Staaten eine gro\u00dfe Bewegung, den Tabernakel in eine eigene Kapelle zu verlegen. Das wurde gewisserma\u00dfen von den Liturgikern durchgesetzt. Heutzutage geht die Tendenz dahin, den Tabernakel wieder in den Tempel zu stellen, und ich denke, das ist richtig. Denn eines der Argumente war, dass der Priester, da er sich nun der Gemeinde zuwendet, der Stiftsh\u00fctte den R\u00fccken zukehrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Sprache der Stiftsh\u00fctte kl\u00e4rt das bereits. Es ist das Zelt der Begegnung. Es ist angemessen undurchsichtig und fest und bedeckt, so dass es ein eigener Raum, ein eigener heiliger Raum ist, wenn es richtig gebaut ist. Es ist dieselbe Sprache des \"Verbergens\" oder \"Verh\u00fcllens\", die im Zelt der Begegnung oder in Salomos Tempel verwendet wird. Wenn die T\u00fcren geschlossen sind, kann das Leben weitergehen. Wenn sie offen sind, sehen wir den Herrn in seiner Herrlichkeit, in der <em>shehinah<\/em>. Dies erm\u00f6glicht uns, unser Leben in der Gegenwart Gottes zu leben. Denn wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, was k\u00f6nnen wir dann anderes tun, als in Anbetung auf die Knie zu fallen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dass der Punkt, an dem wir jetzt sind, n\u00e4mlich die Stiftsh\u00fctte an ihren urspr\u00fcnglichen Platz zur\u00fcckzubringen, funktioniert, weil wir, wenn wir in eine Kirche gehen, vor dem Herrn knien, der in der Stiftsh\u00fctte ist, wir m\u00fcssen uns nicht umschauen, um ihn zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den kirchlichen Dokumenten wird darauf hingewiesen, dass die Pr\u00e4senz des Amtstr\u00e4gers als Christus, der seinem Volk vorsteht, betont wird. Der Priester ist der Vertreter des Bischofs. Es ist ein Ort der W\u00fcrde, ein Ort der <em>Pr\u00e4sidium<\/em>Die Kirche sagt uns nicht viel dar\u00fcber. Die Kirche sagt uns nicht viel dar\u00fcber. In einigen der \u00e4lteren Dokumente ist die Rede davon, dass der Sitz am Scheitelpunkt, dem h\u00f6chsten Punkt des Heiligtums, stehen soll, aber er soll nicht wie ein Thron aussehen. Aber wenn man sich einen k\u00f6niglichen Thron ansieht, befindet er sich immer an der h\u00f6chsten Stelle, in der Mitte. Es gibt also gemischte Botschaften in der Sprache des Sitzes. Es ist ein Ort des Dienstes, ein Ort des Vorsitzes, aber es sollte kein Thron oder eine Kathedra sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann ist da noch das Kruzifix selbst. Nach den Worten von Kardinal Ratzinger ist es die zentrale Ikone der Liturgie, weil alles mit dem Holz des Kreuzes und der Kreuzigung Christi und seinem Tod am Kreuz zu tun hat. Wo ist also der beste Platz f\u00fcr das Kreuz? Was stellt es dar? Wir beten nicht zum Kreuz, wir beten nicht zu Christus, wir nehmen mit Christus an seiner Hingabe an den Vater teil, und das ist die Theologie des Kruzifixes, das ist die zentrale Botschaft der Messe in ihrem sakramentalen, priesterlichen und opferbereiten Sinn. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christus, der Hohepriester, opfert sich selbst am Kreuz. Unter <em>Das Fest des Glaubens<\/em>Ratzinger sagte, dass das Kruzifix zu einer offenen Ikonostase wird, auf die sowohl der Priester als auch die Gemeinde schauen. Es steht in der Mitte, \u00fcber dem Altar, und ich denke, es ist ein kostbarer und sinnvoller Ort, es wird zu einem Bezugspunkt, den die ganze Kirche im Gebet teilt, der Amtspriester und das k\u00f6nigliche Priestertum, die Taufe, die unser Leben vereint mit dem Amtspriester in einem Priester anbietet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Dynamik der Liturgie, die das Kruzifix unterst\u00fctzen soll. Sie hat die Bedeutung, die Theologie der Laien als Glieder des Taufpriestertums zu entwickeln. Und das war eine sehr klare Botschaft in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass es wirklich ein Opfer gibt, das wir als Laien darzubringen aufgerufen sind, und das ist das Opfer des Paulusbriefes an die R\u00f6mer: Stellt euch selbst dar als \"ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgef\u00e4lliges Opfer\" (R\u00f6m 12,1). Ich glaube also, dass wir aufgerufen sind, unser ganzes Leben auf den Altar zu bringen. Wenn wir die Gaben von Brot und Wein darbringen, bringen wir unsere Herzen dar, damit Christus sie heilen kann, und wir bringen auch unser eigenes Leben dar.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arquitecto y te\u00f3logo, Steven Schloeder busca responder a los retos contempor\u00e1neos a la hora de construir iglesias cat\u00f3licas bas\u00e1ndose en la simbolog\u00eda que las ha acompa\u00f1ado a lo largo de la historia. 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