{"id":32321,"date":"2023-08-20T06:00:00","date_gmt":"2023-08-20T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=32321"},"modified":"2025-12-11T14:31:41","modified_gmt":"2025-12-11T12:31:41","slug":"monsenor-simon-chibuga-masondole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/monsenor-simon-chibuga-masondole\/","title":{"rendered":"<b>Monsignore Masondole:<\/b> \"In Afrika ist es keine Schande, zu sagen: 'Ich bin Christ'\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Monsignore Simon Chibuga Masondole war im Mai zu Besuch bei <em>ad limina <\/em>mit dem Papst und reiste dann nach Spanien, um tansanische Seminaristen zu besuchen, die in diesem Land studieren. In diesem Interview mit Omnes spricht er \u00fcber die wichtigsten Herausforderungen und St\u00e4rken der afrikanischen Kirche, die Unterschiede in der Glaubenserfahrung zwischen Afrika und Europa und die aktuelle Situation seiner Di\u00f6zese, die viele Merkmale mit anderen auf dem afrikanischen Kontinent teilt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie nehmen Sie die Situation der Kirche in Afrika und insbesondere in Tansania wahr? Welche St\u00e4rken und Herausforderungen sehen Sie?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der Hauptmerkmale der Kirche in Tansania ist, dass sie eine junge, wachsende Kirche ist, die gerade das 150-j\u00e4hrige Bestehen ihrer Evangelisierung gefeiert hat. Es gibt eine gro\u00dfe Zahl von Bekehrungen, sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen. Die Familien, die sich am l\u00e4ngsten bekehrt haben, zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie am st\u00e4rksten im Glauben verwurzelt sind und den N\u00e4hrboden f\u00fcr Berufungen in der Kirche bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang gibt es viele apostolische Bewegungen, zum Beispiel die Missionary Childhood oder TYCS (Tanzanian Catholic Students). Dar\u00fcber hinaus bilden viele junge Menschen, die an der Universit\u00e4t sind, Ch\u00f6re. Der Chor in Tansania ist wie eine apostolische Bewegung, sie haben ihre Registrierung, ihre Regeln. Ihre Art der Evangelisierung erfolgt durch Singen. Es ist nicht nur wie in Europa der \"Kirchenchor\", sondern ein konkretes Apostolat.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-1024x450.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32333\" width=\"512\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-1024x450.jpg 1024w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-700x307.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-300x132.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-768x337.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-1536x674.jpg 1536w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-2048x899.jpg 2048w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-18x8.jpg 18w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230228_090039_858-600x263.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mgr Simon vor der Firmung der Kinder (in rot und wei\u00df) der Pfarrei Murutunguru.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts dieses Segens, n\u00e4mlich der Zunahme der Zahl der Christen und der Hoffnung auf ein Wachstum der Kirche, haben wir das Problem, dass es uns an Pastoren mangelt, sowohl was die Zahl als auch was die Ausbildung angeht. Nicht nur in Tansania, sondern in Afrika im Allgemeinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits ist auch festzustellen, dass es in Afrika eine Art Synkretismus gibt. Es gibt keine Grenzen, an denen man sagen k\u00f6nnte: Ich bin katholisch und das ist es, was das christliche Leben ausmacht. Daher gibt es viele Situationen, in denen Menschen zur katholischen Kirche kommen und um Hilfe oder Gebet bitten, weil sie krank sind, aber wenn das Problem weiterhin besteht und sie ihre Bed\u00fcrfnisse nicht erf\u00fcllt sehen, haben sie kein Problem damit, zu anderen Konfessionen oder anderswo hinzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie k\u00f6nnen einen Vormittag in einer katholischen Kirche verbringen und um die Krankensalbung bitten, dann aber zu einem pfingstlichen Heilungsgebet gehen, und wenn auch das nicht hilft, gehen sie zu einem Schamanen oder einem Heiler. Es ist also richtig, dass es ein Bed\u00fcrfnis nach dem Herrn gibt, aber es gibt auch ein t\u00e4gliches Bed\u00fcrfnis, diese Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden. Die Herausforderung besteht also auch in der Aufgabe der Evangelisierung, mit diesem Synkretismus umzugehen, der zum Teil aus einem noch nicht gefestigten, sich noch entwickelnden Glauben und zum anderen aus einer jahrtausendealten Tradition stammt, die sehr stark verankert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Gruppe von Christen, die mit ihren Problemen von Ort zu Ort \"wandern\", w\u00e4chst und hat eine gewisse Gr\u00f6\u00dfe. Es ist eine Herausforderung f\u00fcr die Kirche in Afrika, sich um sie zu k\u00fcmmern, aber auch ihnen zu helfen, sich im katholischen Glauben und in diesen Grenzgebieten des Glaubens zu verankern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Schwierigkeit, mit der nicht nur die Kirche, sondern auch die afrikanische Bev\u00f6lkerung konfrontiert ist, ist die Verbreitung von Gruppen, die sich selbst als christlich bezeichnen, aber im Grunde genommen die Unwahrheit predigen und auf pers\u00f6nlichen Gewinn aus sind. Zum Beispiel mit Formeln wie: \"Wenn du auf dieses heilige \u00d6l trittst, wirst du reich werden\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie nutzen dieses menschliche Bed\u00fcrfnis der Menschen aus. K\u00fcrzlich hatten wir einen Fall in Kenia: Zu Ostern predigte der Pastor, dass die Begegnung mit Christus durch den Tod erfolgt, und er hat die Menschen so beeinflusst, dass sie zu Tode gefastet haben, und die Polizei musste eingreifen. Ein anderer Fall ist der so genannte Jesus von Tongaren, ein Mann, der sich als Jesus ausgibt und behauptet, er sei bei der Wiederkunft auf die Erde gekommen und habe eine Gruppe von Anh\u00e4ngern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder vor ein paar Jahren ein anderer Prediger, der sagte, es sei das Ende der Welt, und die Leute dazu brachte, sich mit \u00d6l einzuschmieren und die Kirche mit den Menschen darin in Brand zu setzen, wobei es Tote gab. Dies sind in der Regel pfingstliche Gruppen, aber nicht nur Pfingstler, es gibt auch andere Richtungen. Eine weitere Herausforderung f\u00fcr die Kirche in Afrika ist also die Zunahme dieser Gruppen, die behaupten, der Heilige Geist habe zu ihnen gesprochen und sie aufgefordert, etwas Neues zu gr\u00fcnden. Durch ihre Predigten sammeln sie auch Geldmittel. Es gibt eine bestimmte Gruppe, bei der jede Art von Segnung einen anderen Geldbetrag erfordert: wenn es nur ein paar Worte sind, ist es ein bestimmter Betrag; wenn ich dir die H\u00e4nde auflegen muss, ist es ein anderer Betrag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die katholische Kirche muss darauf achten, das wahre Evangelium zu verk\u00fcnden, aber auch diesen Menschen zu helfen und sich um sie zu k\u00fcmmern, die unter dem Namen Christi get\u00e4uscht, missbraucht und betrogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen auch um mehr Berufungen bitten, die Berufungspastoral f\u00f6rdern, aber gleichzeitig die Ausbildung der Priester verst\u00e4rken, die Kinder ihrer Zeit sind und vielleicht Traditionen oder Br\u00e4uche mitbringen, die nicht zum Christentum passen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das Gute ist, dass die Zahl der Christen zunimmt, vor allem in Tansania gibt es mehr Christen als Muslime. Das Positive ist, dass es keinen Fundamentalismus gibt, sondern dass die Beziehungen zwischen den Konfessionen frei sind, aber wir m\u00fcssen auch die Grenze setzen, ohne fundamentalistisch zu sein, zu erkennen, was zum katholischen Glauben passt und was nicht. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptunterschiede zwischen der Kirche in Europa und in Afrika?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Unterschied besteht darin, dass die Zahl der Christen in Afrika schnell w\u00e4chst, w\u00e4hrend sich das Wachstum in Europa verlangsamt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Spanien habe ich in den Pfarreien, in denen ich war, gesehen, dass es junge Menschen gibt, w\u00e4hrend dies in Italien, soweit ich wei\u00df, sehr schwer zu finden ist. Obwohl es eine schlechte Sache ist, denke ich, dass ich im Allgemeinen in Europa gl\u00fccklich war, zu sehen, dass es in Spanien noch einen lebendigen Samen des Evangeliums gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Afrika ist es auch keine Schande zu sagen \"Ich bin Christ\" oder \"Ich suche Gott\". Junge Leute an der Universit\u00e4t sch\u00e4men sich nicht zu sagen, dass sie Christen sind, dass sie in die Kirche gehen, zur Chorprobe... Katholische Berufst\u00e4tige sch\u00e4men sich auch nicht, man kann Arzt sein und es ist bekannt, dass man Christ ist, und es gibt kein Problem. In Europa sehe ich diese Verlegenheit, wenn es darum geht, zu sagen, dass man Christ ist, oder das Evangelium zu verk\u00fcnden. Und es scheint die \u00dcberzeugung zu geben, dass man kein guter Fachmann und Katholik sein kann, dass beides unvereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Unterschied zu den bereits erw\u00e4hnten ist, dass in der Kirche in Afrika der Ausdruck des Glaubens durch den K\u00f6rper in der liturgischen Feier sehr stark zum Tragen kommt. Zum Beispiel gibt es zu jedem Lied eine Choreographie, es ist nicht nur Musik. Oder auch die Kinder der Missionary Childhood, die f\u00fcr den Tanz in der Eucharistiefeier zust\u00e4ndig sind. In der europ\u00e4ischen Liturgie ist alles eher statisch. Es ist der Tod der Emotionen, im Gegensatz zur Lebendigkeit des Ausdrucks in der Kirche in Afrika: Tanzen, Klatschen, das Vigelegele oder der Jubelschrei, und auch bei der Eingangsprozession hat der Chor einen Eingangsschritt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nat\u00fcrlich ein liturgischer Tanz, aber man kommt nicht einfach so rein. In Europa muss es erst einen Unfall auf der Stra\u00dfe geben, um Gef\u00fchle zu sehen. Aber wenn nicht, werden sie nicht ausgedr\u00fcckt. Als wir neulich mit dem Rektor von Ja\u00e9n sprachen, sagten wir, dass in der Bibel nirgendwo geschrieben steht, dass die Messe eine starre Masse sein muss. Es ist wichtig, den liturgischen Ritus zu respektieren, aber das schlie\u00dft den emotionalen oder k\u00f6rperlichen Ausdruck nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sehen wir in Europa mehr Verherrlichung des K\u00f6rpers durch T\u00e4towierungen, Piercings... Aber nicht in der liturgischen Feier. Die Wiederherstellung der K\u00f6rperlichkeit in der Feier ist auch eine M\u00f6glichkeit, die Vorstellung von K\u00f6rperlichkeit unter jungen Menschen zu reinigen, anstelle von Piercings und Tattoos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirche in <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/cibaka-humanae-vitae\/\">Afrika <\/a>bringt diese Lockerheit in den Ritus, um zu verstehen, dass mein Glaube auch durch den K\u00f6rper manifestiert wird. Der Mensch ist K\u00f6rper und Seele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Unterschied ist die Bedeutung des Opferstocks in der Messe. Auf der einen Seite gibt es das finanzielle Opfer. Ich wei\u00df nicht so viel \u00fcber die Situation in Spanien, aber meine Erfahrung in Italien, wo ich zehn Jahre lang gelebt habe, ist, dass es normal ist, 50 Cent zu geben. Die Bedeutung des Opfers als Ausdruck der Vereinigung des eigenen Lebens mit der Gabe des Herrn, und das hat eine materielle Bedeutung, geht verloren. In Afrika ist das sehr lebendig. Wenn eine Gemeinde sieht, dass sie eine Kirche braucht, wartet sie nicht darauf, dass der Bischof den Bau einer Kirche anordnet. Sie machen sich an die Arbeit, sammeln und bauen sie. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt das daran, dass die Menschen in Europa daran gew\u00f6hnt sind, dass Priester bezahlt werden, aber sie verlieren den Bezug dazu, dass es die Menschen sind, die die Priester unterst\u00fctzen. Auf der anderen Seite gibt es die materiellen Opfergaben. In Afrika werden neben Geld auch Dinge geopfert: H\u00fchner, Eier, Streichh\u00f6lzer, Salz, Mehl, Fr\u00fcchte... Diese Dinge sind wirklich eine Gabe, die Person gibt sie auf und schenkt sie der Kirche, und dann verwaltet der Priester sie: einige Dinge werden f\u00fcr seinen eigenen Unterhalt verwendet, weil er keine andere M\u00f6glichkeit hat, sich selbst zu versorgen, und andere werden an die Armen verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ich jedoch in Europa beobachtet habe, ist, dass, wenn etwas, das kein Geld ist, in Jugend- oder Kindermessen geopfert wird, es eine symbolische Gabe ist, zum Beispiel: \"Ich biete dir diese Schuhe als Zeichen unseres christlichen Weges an\". Aber nach der Messe werden die Schuhe weggenommen, es gibt keine Opfergabe, damit wenigstens diese Schuhe einer armen Person dienen k\u00f6nnen, es ist keine echte Opfergabe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wird die gesamte Kirche in Afrika durch Spenden unterst\u00fctzt, erh\u00e4lt niemand ein Gehalt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, niemand wird bezahlt. In Afrika gibt es so etwas nicht. Es sei denn, es handelt sich um einen Priester, der in einer Schule arbeitet, dann bekommt er ein Lehrergehalt. Aber ein Pfarrer oder ein Bischof bekommen kein Gehalt, sie leben von den Gaben der Messen und von dem, was die Leute geben, entweder finanziell oder materiell. Es gibt auch die Zehntabgabe am Ende des Monats, die eine andere Form der Gabe ist. Je nach Art der Arbeit, die man verrichtet, gibt es einen bestimmten Betrag, der nicht wirklich den 10 % entspricht, sondern nur symbolisch ist. Beamte haben einen zugewiesenen Betrag, der sich von dem der Landwirte oder Studenten unterscheidet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was der Priester tut, ist, dass er das, was er durch den Zehnten und die Opfergaben erh\u00e4lt, verwaltet: f\u00fcr seinen eigenen Lebensunterhalt (von Lebensmitteln bis zum Benzin f\u00fcr das Auto, um zur Messe in die D\u00f6rfer zu fahren oder die Kranken zu pflegen), f\u00fcr den Ausbau und die Reparaturen der Kirche und f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Armen. Das Problem ist, dass die Stadtgemeinden wohlhabender sind und komfortabler leben, w\u00e4hrend die Gemeinden in den D\u00f6rfern in gr\u00f6\u00dferer Not sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie haben mehrere Seminaristen zum Studium an die Universit\u00e4t von Navarra in Pamplona geschickt. Wie kann diese Erfahrung sie Ihrer Meinung nach bereichern?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, Priester und Seminaristen zum Studium nach Navarra zu schicken, entstand, als ich in Rom studierte. Dort traf ich einen Priester, der mir erz\u00e4hlte, dass er in Navarra studiert hatte. Er vermittelte mir den Kontakt zum Bischof, und wir bekamen einen Platz f\u00fcr den ersten tansanischen Priester, der nach Navarra ging. <a href=\"https:\/\/seminariobidasoa.org\/\">Bidasoa<\/a>aus meiner Di\u00f6zese Bunda. Als er in Navarra war, entdeckte er, dass auch Seminaristen dorthin gehen konnten, also baten wir um sie f\u00fcr das folgende Jahr und begannen, sie ebenfalls zu schicken.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-1024x450.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32332\" width=\"512\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-1024x450.jpg 1024w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-700x307.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-300x132.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-768x337.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-1536x674.jpg 1536w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-2048x899.jpg 2048w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-18x8.jpg 18w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20230530_092525_361-600x263.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Bischof mit den tansanischen Seminaristen, die in Bidasoa, Navarra, studieren.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Seminaristen und Priester, die im Ausland studieren, hat das viele Vorteile. Zun\u00e4chst einmal sehen sie auf diese Weise, dass die Kirche eine einzige, katholische, apostolische und r\u00f6mische Kirche ist. Sie sehen die Universalit\u00e4t und Einheit der Kirche. Alle Institute oder Universit\u00e4ten sind ein Gut der Kirche, also sind sie f\u00fcr alle da. Wenn man an einer Universit\u00e4t studiert, kann man am eigenen Leib erfahren, dass die Kirche eins ist, dass es \u00fcberall katholische Universit\u00e4ten gibt und dass die Theologie dieselbe ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle Priesterseminare haben ein System, das es ihnen erlaubt, ausl\u00e4ndische Studenten aufzunehmen. Bidasoa ist eines der wenigen internationalen Priesterseminare, das speziell f\u00fcr die Ausbildung von Seminaristen aus verschiedenen Teilen der Welt konzipiert ist und kein Di\u00f6zesanseminar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits hat auch die Lehre eine Tradition. Man kann die Tradition des christlichen Lebens und der christlichen Universit\u00e4ten, die die Kirche in Europa hat, nicht mit der in Tansania vergleichen, das gerade 150 Jahre seit der Ankunft der ersten Missionare gefeiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirche in Europa hat einen Schatz an Lehre, Bibliotheken, B\u00fcchern, gut ausgebildeten Lehrern, die auch Forscher und Schriftsteller sind, den Afrika nicht hat. Es ist m\u00fc\u00dfig zu sagen, dass wir auf dem gleichen Stand sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee ist, dass sie diese Ausbildung erhalten, damit sie sie in die afrikanische Kirche einbringen und sie bereichern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte bei diesem Besuch in Spanien die Gelegenheit, viele Bibliotheken zu sehen, und das ist das erste Mal, dass ich ein Pergamentbuch gesehen habe. Oder ich, zum Beispiel, ich habe einen Doktortitel in Liturgie vom P\u00e4pstlichen Athen\u00e4um von San Anselmo, und ich habe zum ersten Mal ein Sakramentar gesehen, die ersten liturgischen B\u00fccher. Ich hatte Dinge studiert oder auswendig gelernt, die ich nie physisch hatte sehen k\u00f6nnen. Die Kirche in Afrika verf\u00fcgt nicht \u00fcber diesen Reichtum und auch nicht \u00fcber eine Bibliothek, in der man diese Dinge sehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Afrika hingegen haben wir den lateinischen Ritus. In \u00c4gypten gibt es den koptischen Ritus, aber im Grunde sind wir im lateinischen Ritus. In Europa hingegen gibt es den r\u00f6mischen, den mozarabischen, den ambrosianischen... Auf dieser Reise nach Spanien hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, eine Messe im mozarabischen Ritus zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem gibt es in jeder Ortskirche eine Form der Volksfr\u00f6mmigkeit. Die M\u00f6glichkeit, die Heimat zu verlassen und andere kulturelle Formen des Lebens und des Ausdrucks des Glaubens kennenzulernen, ist ein gro\u00dfer Reichtum, denn es gibt viel zu lernen. Es hilft auch zu wissen, was negativ ist, um zu verhindern, dass dies in der Heimatdi\u00f6zese geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tradition ist Vertiefung, sie ist Entwicklung. In Afrika haben wir das noch nicht. Sie studieren, was eine Basilika ist, aber in Afrika gibt es keine Basiliken und auch keine so gro\u00dfen Geb\u00e4ude. Ich glaube, es gibt in ganz Afrika zwei, die man als Basiliken bezeichnen k\u00f6nnte. In Europa gibt es so viel Geschichte und so viele architektonische Stile: romanische, gotische, barocke, Renaissance- und neoklassizistische Kirchen... Das ist ein gro\u00dfer Reichtum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder die Kanoniker einer Kathedrale - in Afrika gibt es diese Figur nicht, aber hier habe ich gesehen, dass sie sehr verbreitet ist. In einer anderen Di\u00f6zese zu studieren, \u00f6ffnet den Horizont und die Perspektiven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab eine afrikanische christliche Tradition, aber haupts\u00e4chlich im n\u00f6rdlichen Teil, und mit der Ankunft des Islam ging sie verloren. Innerhalb Afrikas gab es also eine Kommunikationsbarriere f\u00fcr das, was die afrikanische Tradition des christlichen Glaubens h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte auch an die westliche Kirche appellieren, ihre T\u00fcren ein wenig mehr zu \u00f6ffnen. In Afrika fehlen uns diese Wurzeln der Geschichte, der Bildung, der liturgischen Tradition... Wenn dies nicht bekannt ist und nicht vertieft wird, besteht auch die Gefahr, dass dem afrikanischen Glauben die Wurzeln fehlen. Es w\u00fcrde uns sehr helfen, wenn der Westen seine T\u00fcren f\u00fcr die afrikanische Kirche st\u00e4rker \u00f6ffnen und den Zugang zu dieser Ausbildung erleichtern w\u00fcrde. Es ist notwendig, diese Festigkeit im Glauben zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt ist es auch ein Gewinn f\u00fcr die europ\u00e4ische Kirche. Die afrikanische Kirche ist jung, sie hat noch keine Angst zu sagen \"Ich bin katholisch\". Dass junge Afrikaner in die europ\u00e4ische Kirche kommen, ist ein Zeugnis daf\u00fcr. Es ist ein Glaube ohne Angst. Und es ist auch ein Gewinn f\u00fcr die lokale Kirche, eine andere Art zu sehen, den Glauben zu leben. Der Austausch ist f\u00fcr alle von Vorteil. Wir brauchen uns gegenseitig, um wirklich universell zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie verlief Ihr Berufungsprozess und was hat Sie ermutigt, die Priesterweihe zu empfangen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stamme aus einer christlichen Familie, und meine Berufung kam, als ich noch ein Kind war. Es gibt zwei Schl\u00fcsselmomente, an die ich mich erinnern kann. Als ich 5 oder 6 Jahre alt war, kam der Bischof zum ersten Mal auf meine Insel (ich komme aus Ukara, einer Insel im Ukerewe-Archipel im Viktoriasee). In Bukiko, meinem Heimatdorf, war der Bau des ersten Kigango gerade abgeschlossen, und der Bischof kam, um ihn einzuweihen. Ich wei\u00df noch, wie wir den Bischof begr\u00fc\u00dften, wie wir sangen... Der Bischof sprach dar\u00fcber, wie wichtig es ist, dass sich die Eltern f\u00fcr die Bildung ihrer Kinder einsetzen. Von allen Kindern kam er auf mich zu, legte seine Hand auf meinen Kopf und sagte: \"Ein Kind wie dieses kann, wenn es lernt, eines Tages Priester werden\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Moment kam bald danach. Es gab keine Priester auf der Insel, sie kamen nur, um Ostern und Weihnachten zu feiern. Es gab nicht einmal sonntags eine Messe, denn wir hatten keine F\u00e4hre wie heute, sondern mussten mit dem Fischerboot fahren. Der Glaube in meiner Gemeinde wurde von den Katecheten bewahrt und weitergegeben, und auch ich wurde durch sie geformt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Mutter nahm mich in diesem Jahr mit zur Weihnachtsmesse und \u00fcberlie\u00df meinem \u00e4lteren Bruder die Verantwortung f\u00fcr das Haus. Die Gemeinde ist sehr weit entfernt und wir mussten zu Fu\u00df gehen, also konnten wir nicht alle hingehen. Ich erinnere mich, wie ich die Kirche betrat und zum ersten Mal einen Priester sah. Ich sagte: \"Ich m\u00f6chte so werden wie er\". Dann studierte ich im Kleinen Seminar, dann im Gro\u00dfen Seminar und wurde 2006 zum Priester geweiht. Im Jahr 2021 wurde ich zum Bischof geweiht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sind die gr\u00f6\u00dften pastoralen Herausforderungen in Ihrer Di\u00f6zese?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Di\u00f6zese Bunda ist sehr jung, sie ist zw\u00f6lf Jahre alt, sie wurde im letzten Jahr von Papst Benedikt XVI. errichtet. Sie ist also noch im Wachstum begriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der ersten Schwierigkeiten in der Di\u00f6zese sind einige tief verwurzelte Traditionen und Br\u00e4uche, wie die Verehrung oder Angst vor bestimmten Tieren, die als Totems gelten. Zum Beispiel auf den Inseln die Pythonschlange. Wenn wir eine Python, selbst eine tote, vor die Kirchent\u00fcr stellen, w\u00fcrde niemand hingehen, weil sie glauben, sie k\u00f6nnte sie verfluchen, obwohl sie Christen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Glaube, dass die Python die Macht hat, sie zu verfluchen, ist weit gr\u00f6\u00dfer als ihr christlicher Glaube.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wenn eine Python vor der T\u00fcr meiner Gemeinde st\u00fcnde, w\u00fcrde ich auch nicht hineingehen.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(lacht)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ihr w\u00fcrdet sie als Schlange f\u00fcrchten, nicht als heiliges Tier, das die Macht hat, euch tot oder lebendig zu verfluchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gibt es Br\u00e4uche, die so tief verwurzelt sind, dass es sehr schwierig ist, sie auszurotten. Zum Beispiel die Reinigungsriten: Wenn man Witwe oder Witwer wird, auch wenn das eher bei Frauen vorkommt, muss man sich reinigen, und das Mittel dazu ist, mit einem anderen Mann zu schlafen. Oder Polygamie. In bestimmten St\u00e4mmen ist die Monogamie verp\u00f6nt, man muss polygam sein, und das wirkt sich auf das christliche Leben, die Ehe und die Familien aus. Vor allem f\u00fcr M\u00e4nner aus dem Stamm der Kurya ist es aus diesem Grund sehr schwierig, zur Messe zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal kommt es auch vor, dass zum Beispiel die f\u00fcnfte Frau Christin werden will. Sie bittet um die Taufe, lebt aber weiterhin als f\u00fcnfte Ehefrau. Das ist auch ein pastorales Problem f\u00fcr die Verwaltung der Sakramente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt noch andere administrative Probleme: Wir haben keine Kurie, kein Geb\u00e4ude, um die Dinge zu verwalten. Wir haben im Wohnzimmer meines Hauses eine Abteilung mit drei kleinen B\u00fcros eingerichtet, aber diese Struktur fehlt uns immer noch, obwohl wir uns darum bem\u00fchen, sie zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem ist die Di\u00f6zese Bunda eine arme Di\u00f6zese. Um ausgebildete Priester f\u00fcr die Ausbildung der Bev\u00f6lkerung zu haben, braucht man Geld. Deshalb ist der Erhalt eines Stipendiums f\u00fcr uns eine gro\u00dfe Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite haben wir sehr wenige Priester. Deshalb sind Katechisten in unserer Di\u00f6zese sehr wichtig, aber sie m\u00fcssen gut ausgebildet sein. Die beiden gro\u00dfen Bauvorhaben, die wir derzeit in Angriff nehmen, sind der Bau der Kurie und einer kleinen Schule f\u00fcr Katecheten mit Klassenzimmern und einem B\u00fcro, das auch als R\u00fcckzugsort dienen kann, wo sie ein Wochenende oder einen Monat lang einen Intensivkurs zu pastoralen Themen oder Liturgie absolvieren k\u00f6nnen. Da die Katecheten ein Schl\u00fcsselelement in der Evangelisierung unserer Di\u00f6zese sind, ist es notwendig, dass sie eine Ausbildung erhalten, die ihrer Arbeit entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir machen kleine Schritte, um zu wachsen, aber wir befinden uns noch in einem sehr fr\u00fchen Stadium. Aber wir sind sehr ermutigt und machen weiter.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monse\u00f1or Simon Chibuga Masondole tuvo en mayo la visita ad limina con el Papa y luego estuvo en Espa\u00f1a visitando a los seminaristas tanzanos que est\u00e1n estudiando en el pa\u00eds. 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