{"id":33110,"date":"2023-08-17T06:00:00","date_gmt":"2023-08-17T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=33110"},"modified":"2025-11-28T14:19:21","modified_gmt":"2025-11-28T12:19:21","slug":"die-berufung-des-heiligen-matthaus-von-caravaggio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/la-vocacion-de-san-mateo-de-caravaggio\/","title":{"rendered":"Caravaggios \"Berufung des Heiligen Matth\u00e4us\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \"Vocazione di San Matteo\" (1599-1600) des italienischen Meisters Michelangelo Merisi da <a href=\"https:\/\/www.museodelprado.es\/coleccion\/artista\/caravaggio-michelangelo-merisi\/0cfe1d6b-5142-469f-82f2-02b893ebf903\">Caravaggio<\/a> eignet sich sowohl aufgrund der Worte des Evangeliums, von dem es inspiriert ist, als auch aufgrund seiner reichen Symbolik f\u00fcr einen theologischen Kommentar. Die Farbkontraste, die f\u00fcr die barocke Technik des Helldunkels typisch sind, die Ausdruckskraft der Gesichter und die Intensit\u00e4t der Blicke sowie viele andere kleine Details ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf sich. Das Gleiche gilt f\u00fcr einige Elemente oder Gegenst\u00e4nde, deren Bedeutung sich nicht auf den ersten Blick erschlie\u00dft, wie z. B. die Tatsache, dass das blinde Fenster im oberen Teil des Gem\u00e4ldes so gro\u00df ist, obwohl das Licht, das die Szene beherrscht, nicht hindurchf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wichtige Aspekte des Bildes<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein erster Blick auf den unteren Teil des Gem\u00e4ldes - begrenzt durch die horizontale Projektion des Fensterbodens - zeigt eine Gruppe von sieben Personen. Im oberen Teil sieht man von links nach rechts einen Bereich der Dunkelheit, ein Fenster und den Eintritt eines Lichtstrahls.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im unteren Teil ist eine erste Gruppe von f\u00fcnf Personen zu sehen, die sich um einen Steuereintreibungstisch versammelt haben, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass sie im Steuereintreibungsgewerbe t\u00e4tig sind oder zumindest bei diesem Gewerbe mitarbeiten. Sie sind im Stil des 15. bis 16. Jahrhunderts, also der Zeit Caravaggios, gekleidet. In der zweiten Gruppe hingegen sind zwei Figuren in antiken Tuniken zu erkennen, die f\u00fcr die Zeit Christi charakteristisch sind. Man kann also sagen, dass zwischen den beiden Gruppen von Menschen eine zeitliche Trennung symbolisiert wird. Vom Standpunkt der Komposition des Gem\u00e4ldes aus gesehen ist die Linie, die die Gegenwart von der Vergangenheit trennt, die Projektion des vertikalen Mittelteils des Fensters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Gruppe der Sammler f\u00e4llt als erstes die fortschreitende Altersdifferenzierung auf, die die Gruppe kennzeichnet: der Junge in Gelb und Rot, fast noch ein Kind, mit einem offenen und unschuldigen Blick; ein anderer Junge in Schwarz und Wei\u00df, mit den Gesichtsz\u00fcgen und der Haltung eines Teenagers; der in Rot und Blau, der schon eine gewisse Reife erreicht zu haben scheint; der b\u00e4rtige und reife Mann in der Mitte; und schlie\u00dflich der alte Mann, halb kahl und kurzsichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig sind auch einige Gegenst\u00e4nde, die von den Sammlern getragen werden: ein auff\u00e4lliger wei\u00dfer Federhut (der zweite ist im Halbdunkel), ein Schwert, ein am G\u00fcrtel befestigter Geldbeutel, die M\u00fcnzen und das Kontobuch auf dem Tisch und auch eine Brille. Man k\u00f6nnte meinen, dass es sich um mehr oder weniger charakteristische Gegenst\u00e4nde des Gewerbes handelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Symbolik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist daher nicht schwer, in dieser Charakterisierung eine Symbolik zu erkennen. Es gibt den Sammler in allen Stadien seines Berufs (von der Lehre bis zur Pensionierung), und, wenn man es weiter fassen will, den Menschen aller Zeiten in den verschiedenen Phasen seines Lebens. Der Sammeltisch und die oben beschriebenen Objekte sind wie eine Inszenierung der Welt mit ihren charakteristischen Elementen: Sch\u00f6nheit und Eitelkeit, Macht und St\u00e4rke, Geld und Gewinnstreben und ein gewisser selbstgen\u00fcgsamer Wunsch nach Weisheit. Es ist der \u00fcbliche und charakteristische Ort der Berufung: der Mensch, der in die Sorgen der Welt eintaucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Figuren auf der rechten Seite stehen beide. Christus ist durch den Heiligenschein auf seinem Kopf deutlich zu erkennen. Bemerkenswert ist, dass nur sein Gesicht, das teilweise im Halbdunkel liegt, und seine rechte Hand, die ganz ausgestreckt ist, beleuchtet sind. Der Blick vermittelt Entschlossenheit, und die Hand, die in ihrer Geste stark evokativ wirkt, suggeriert sowohl Herrschaft als auch Sanftheit. Die F\u00fc\u00dfe, die im Halbdunkel kaum wahrnehmbar sind, stehen nicht in Richtung des Gesichts und der Hand, sondern fast senkrecht dazu, in Richtung des Ausgangs, entsprechend dem Text des Evangeliums: \"Als er von dort wegging, ging er hinaus\".<em>, <\/em>Als Jesus vorbeiging, sah er einen Mann namens Matth\u00e4us\". Auch der linke Arm und die linke Hand sind im Halbdunkel kaum zu erkennen, und ihre offene Haltung l\u00e4sst auf eine Einladung und einen Empfang schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Figur wurde nach allgemeiner Auffassung sp\u00e4ter von Caravaggio selbst hinzugef\u00fcgt. Sie verdeckt die Christusfigur fast vollst\u00e4ndig, und man kann mit Sicherheit sagen, dass es sich um den heiligen Petrus handelt, da er den Hirtenstab in der Hand h\u00e4lt, mit dem er die Herde h\u00fcten soll. Petrus wurde n\u00e4mlich zum ersten Nachfolger des Guten Hirten ernannt, gem\u00e4\u00df dem Auftrag, den er von ihm erhielt: \"Weide meine Schafe\" (vgl. Joh 21,16). Seine Position in der N\u00e4he Christi best\u00e4tigt ihn als seinen J\u00fcnger, ebenso wie die Geste seiner linken Hand, die wie eine Nachbildung der Geste der Hand des Meisters ist. Seine F\u00fc\u00dfe bewegen sich wie die von Christus, aber nicht in Richtung des Ausgangs, sondern in Richtung des Inneren der Szene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die relative Position, die Tonalit\u00e4t der Farben, die Gesten und Bewegungen der Figuren von Christus und Petrus haben eine Bedeutung. Der K\u00f6rper des Petrus verdeckt Christus fast vollst\u00e4ndig, so dass nur das Gesicht und die Hand des Meisters hinter ihm zu sehen sind. Sein mattes, m\u00fcdes \u00c4u\u00dferes steht im Gegensatz zu dem jugendlichen, kaiserlichen und energischen Auftreten Christi. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kann die Figur des Petrus als Symbol der Kirche gedeutet werden: Er gibt die Gesten und Worte Christi von Generation zu Generation weiter, auch wenn ihm dies aufgrund der menschlichen Zerbrechlichkeit derer, die die Kirche bilden, nicht immer mit der urspr\u00fcnglichen Kraft und Ausstrahlung gelingt. Die Ausrichtung der Kirche auf den Tisch best\u00e4tigt ihre Sendung, in der Welt, mitten unter den Menschen zu sein, und der Stab, den sie in der Hand tr\u00e4gt, ihren Zustand als Pilgerin durch die Geschichte bis zum Ende der Zeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Elemente des oberen Teils<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der obere Teil des Gem\u00e4ldes ist im Gegensatz zu der im unteren Teil dargestellten Szene von absoluter Einfachheit und Stille gepr\u00e4gt. Sie besteht nur aus drei Elementen: dem von rechts einfallenden Lichtstrahl, einem blinden Fenster und einem Bereich v\u00f6lliger Dunkelheit. Das einzige Zeichen von Bewegung ist der Lichtstrahl, der in die Szene eindringt, aber in einer so ruhigen und stabilen Weise, dass sie unbeweglich erscheint. Die Beziehung zwischen diesen drei Elementen wird durch den f\u00fcr die Barockmalerei so typischen Kontrast deutlich: Das Fenster bildet die Grenze zwischen Licht und Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber k\u00f6nnte man sich jetzt nicht fragen, ob die Teile des Gem\u00e4ldes, die f\u00fcr sich genommen Sinn und Bedeutung haben, nicht ein Ganzes bilden, eine Bedeutungseinheit wie in allen Meisterwerken? Steht zum Beispiel das Fenster in engem Zusammenhang mit der Berufung des Matth\u00e4us? Die Antwort lautet eindeutig ja. Es gibt eine Bedeutungseinheit und auch einen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des gesamten Gem\u00e4ldes. Dieser Schl\u00fcssel ist die ausgestreckte Hand Christi. Und jetzt werden wir sehen, warum.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Berufung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hand Christi befindet sich nicht in der geometrischen Mitte des Gem\u00e4ldes, sondern an der dramatischen Kreuzung der Szene. Dort konvergieren die Linie, die den Blick Christi und des in der Mitte des Tisches sitzenden Z\u00f6llners verbindet, die Projektion der vertikalen Mittellinie des Fensters, die, wie bereits erw\u00e4hnt, eine zeitliche Grenze der Szene bildet: die Gruppe der Z\u00f6llner links, in der Gegenwart, Christus und Petrus rechts, in der Vergangenheit; und drittens die Diagonale, die durch den Lichtstrahl gebildet wird, der die Richtung der Hand Christi zu bestimmen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geste der Hand Christi ist einzigartig und f\u00fcr jeden, der mit der r\u00f6mischen Kunst jener Zeit und den R\u00e4umen des Vatikans vertraut ist, nicht zu \u00fcbersehen. Sie ist eine Anspielung auf die Sch\u00f6pfungsszene, die von <em>Michelangelo Buonaroti<\/em> an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Die rechte Hand Christi ist eine spiegelbildliche Nachbildung der linken Hand Adams. Daher kann man sagen, dass Christus als neuer Adam dargestellt wird: \"Denn wenn durch den Fall des einen Menschen alle gestorben sind, wie viel mehr ist die Gnade Gottes und die Gabe, die in der Gnade des einen Menschen, Jesus Christus, gegeben ist, f\u00fcr alle reich geworden\" (vgl. R\u00f6m 5,15). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher ist es auch klar, da\u00df die Berufung eine Gnade ist, die eng mit der Sch\u00f6pfung eines jeden Menschen verbunden ist, denn sie ist es, die seiner Existenz einen Sinn gibt. Weil es aber gerade die rechte Hand Christi ist und weil Christus nicht nur die menschliche Natur Adams, sondern auch die g\u00f6ttliche Natur Gottes, des Vaters, besitzt, ist diese Hand das Bild der allm\u00e4chtigen Macht und des Willens des Vaters: der Finger Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits erf\u00fcllt das blinde, undurchsichtige und einfache Fenster, wie bereits erw\u00e4hnt, nicht die Funktion, Licht in die Szene zu lassen. Seine Funktion ist symbolisch und angesichts seiner Dimensionen sehr wichtig. Es verbirgt etwas, das normalerweise unbemerkt bleibt und sogar verachtet wird: das Kreuz. Im Kontext des Gem\u00e4ldes kann es als das Kreuz Christi gedeutet werden. Hoch oben, direkt \u00fcber der Hand des Meisters, ist es das Zeichen des Christen und der Ort, an dem Christus seine eigene Berufung verwirklicht: sein Leben f\u00fcr die Erl\u00f6sung der Welt zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kreuz ist der Lebensweg f\u00fcr denjenigen, der die Berufung angenommen hat und ein J\u00fcnger Christi sein will: \"Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach\".<em> <\/em>(Mt 16,24). Sie ist schlie\u00dflich das Mittel zur Erlangung des Heils und der Seligkeit, dem Ziel der christlichen Berufung. Nicht nur Christus ist darin gestorben, sondern auch Petrus und Matth\u00e4us. Beide haben ihre Treue als J\u00fcnger Christi unter Beweis gestellt und ihre eigene Berufung gekr\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kreuz, das in der Komposition des Gem\u00e4ldes die Grenze zwischen Licht und Dunkelheit bildet, symbolisiert das Instrument, mit dem der st\u00e4ndige Gegensatz zwischen Gut und B\u00f6se, Wahrheit und L\u00fcge und, im Falle der Berufung, zwischen Unentschlossenheit und dem Durchbruch des Glaubens aufgel\u00f6st werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer ist Mateo?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich k\u00f6nnte man sich fragen, welcher der f\u00fcnf Sammler Matthew ist, denn zeitgen\u00f6ssische Kritiker haben in Frage gestellt, ob es sich um den b\u00e4rtigen Sammler in der Mitte handelt, auf den sich der Blick des Betrachters ganz nat\u00fcrlich richtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens gibt es ein gemeinsames Element, das jede der sieben Figuren in der Szene kennzeichnet: der Blick. Es gibt ein intensives Wechselspiel der Blicke, das die stille Kommunikation zwischen den Figuren beherrscht und den Moment mit dramatischer Spannung erf\u00fcllt. Die beiden Z\u00f6llner auf der linken Seite halten ihren Blick auf das Geld auf dem Tisch gerichtet, v\u00f6llig darin vertieft und ohne die Anwesenheit von Christus und den beiden anderen auf der rechten Seite zu bemerken. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/ressourcen\/sonntags-lesungen\/lesungen-sonntag-5\/\">Peter<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie symbolisieren den Teil der Menschen, der, in materielle Dinge vertieft, unf\u00e4hig ist, die Gegenwart und Existenz Gottes und alles Geistigen wahrzunehmen. Die anderen drei Z\u00f6llner hingegen blicken auf Christus und Petrus, die wie zwei geheimnisvolle Besucher aus der Vergangenheit pl\u00f6tzlich auf der Bildfl\u00e4che erschienen sind. Auch sie blicken auf die Z\u00f6llner. Es gibt jedoch nur einen einzigen Blickwechsel, der ausdr\u00fccklich hervorgehoben wird: den zwischen Christus und dem Z\u00f6llner in der Mitte. Beide kreuzen sich in der ausgestreckten Hand Christi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens scheint es kein Zufall zu sein, dass die Handgesten von Christus, Petrus und dem Z\u00f6llner in der Mitte als Trio dargestellt werden: Die Hand Christi ist die Hand des Rufenden, die Hand des Petrus die Hand des bereits Berufenen und die Hand des Z\u00f6llners die Hand des Berufenen. Voller Erstaunen und Ratlosigkeit fragt er sich, ob er der Gerufene ist oder ob es sein Begleiter ist, der zu seiner Rechten am Ende des Tisches sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens gibt es in der Gruppe der Sammler nur zwei Gesichter, die fast vollst\u00e4ndig sichtbar und besonders beleuchtet sind. Dasjenige, das am hellsten leuchtet, ist das kleine in Gelb und Rot, mit einem wei\u00dfen Federhut. Es ist nicht m\u00f6glich, den Ursprung der Lichtquelle, die ihn beleuchtet, mit Sicherheit zu bestimmen. Bei dem Sammler in der Mitte ist klar, dass das Licht, das sein Gesicht beleuchtet, nicht von Christus stammt. Es kommt von dem diagonalen Lichtstrahl. Sein Gesicht wird buchst\u00e4blich von der Projektion des oberen und unteren Teils dieses Strahls umrahmt, dessen Ursprung oder Quelle nicht zu erkennen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann also sagen, dass der Sammler in der Mitte genau Matth\u00e4us ist. Der sanfte Lichtstrahl, der sein Gesicht erreicht, ist nur ein Symbol f\u00fcr die Gnade, die von oben kommt, das hei\u00dft von Gott, dem Vater. Gott, der Vater im Himmel, der \u00fcber der Welt steht, sich aber zu den Menschen herabl\u00e4sst, wird seit jeher als die unsichtbare, unzug\u00e4ngliche und geheimnisvolle Quelle aller Gnade angesehen. Der unver\u00e4nderliche und ruhige Ton des Lichtstrahls, der Gleichgewicht und Harmonie in die Szene einf\u00fchrt, symbolisiert den zeitlosen Ursprung dessen, was der Berufung, d. h. der Wahl, vorausgeht. Gott der Vater ist es, der ausw\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Punkt, an dem der sanfte Lichtstrahl, der Blick und die Hand Christi zusammentreffen, ist auch das Gesicht des Sammlers der Mitte. Christus, der den Willen des Vaters sekundiert, verwirklicht in der Zeit die ewige Erw\u00e4hlung und ruft: \"Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, (...) denn in ihm hat er uns erw\u00e4hlt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe\" (Eph 1,4).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Antwort auf die Berufung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt bleibt nur noch, auf die kostenlose Antwort des Auserw\u00e4hlten und Berufenen zu warten. Von demjenigen, der seine rechte Hand noch in der N\u00e4he des Geldes hat. Es ist genau der Augenblick, den Caravaggio verewigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Schluss noch eine Frage und eine \u00dcberlegung: Hat die sch\u00f6pferische Intuition des K\u00fcnstlers ihn dazu gebracht, in seinem Werk genau den Moment der Berufung des Matth\u00e4us zu interpretieren, und zwar nicht nur auf meisterhafte Weise in \u00e4sthetischer Hinsicht, sondern auch mit erstaunlicher theologischer Tiefe... Wir wissen es nicht. Sicher ist, dass die \"Vocazione di San Matteo\" noch immer in der Contarelli-Kapelle der Kirche \"San Luigi dei Francesi\", nur wenige Schritte von der Piazza Navona in Rom entfernt, zu sehen ist und bei den Betrachtern Bewunderung und Erstaunen hervorruft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Detail kann jedoch nicht unbemerkt bleiben: Der auf dem Gem\u00e4lde dargestellte Tisch, um den die Steuereintreiber versammelt sind, l\u00e4sst in dem Winkel, in dem der Betrachter notwendigerweise steht, eine Leerstelle. Diese Leere scheint eine Einladung an den Betrachter des 16. Jahrhunderts, des 21. Jahrhunderts und jedes Zeitalters zu sein, seine passive Betrachtung zu verlassen und die Szene als eine andere Figur zu betreten... Und sich vielleicht die entscheidende Frage zu stellen, die wichtigste: die Frage nach der eigenen Berufung, warum und wozu bin ich auf dieser Welt?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La \u00abVocazione di San Matteo\u00bb (1599-1600) del maestro italiano Michelangelo Merisi da Caravaggio se presta, tanto por las palabras del Evangelio en las que se inspira, como por su rica simbolog\u00eda, a un comentario de car\u00e1cter teol\u00f3gico. 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