{"id":35556,"date":"2023-12-24T06:00:00","date_gmt":"2023-12-24T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=35556"},"modified":"2023-12-21T14:47:28","modified_gmt":"2023-12-21T12:47:28","slug":"holly-ordway-interviewt-tolkien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/holly-ordway-entrevista-tolkien\/","title":{"rendered":"<b>Holly Ordway:<\/b> \"Tolkien sagte, er habe sich von Anfang an in die Eucharistie verliebt."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Jahr j\u00e4hrt sich Tolkiens Todestag am 2. September 1973 zum 50. Aus diesem Anlass wurde am 2. September das Buch \"Tolkiens Tod\" ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"https:\/\/bookstore.wordonfire.org\/products\/tolkiens-faith\">Tolkiens Glaube<\/a>\"von Holly Ordway, Wissenschaftlerin und Doktorandin in englischer Literatur, Mitarbeiterin bei <a href=\"https:\/\/www.wordonfire.org\/es\/\">Das brennende Wort<\/a>. Die Geschichte dieser Autorin ist mit dem Werk von Tolkien verbunden, da ihre Konversion zum Katholizismus auch auf der Lekt\u00fcre des Autors von \"Der Herr der Ringe\" und von C. S. Lewis beruhte, wie sie in ihrem Buch \"...\" erz\u00e4hlt.<a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/kultur\/holly-orway-god-will-not-go-with-me\/\">Gott geht nicht mit mir<\/a>\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph translation-block\">In diesem Buch \"<a href=\"https:\/\/bookstore.wordonfire.org\/products\/tolkiens-faith\" target=\"_self\">Tolkiens Glaube: Eine spirituelle Biografie<\/a>\", das 2024 in englischer Sprache erscheinen wird, analysiert Professor Ordway einen Teil von Tolkiens Geschichte, der bisher noch nicht untersucht wurde: die Entwicklung seines katholischen Glaubens im Laufe seines Lebens, ein Thema, das in der bekannten Biografie von Humphrey Carpenter nur gestreift wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"omnes-block-ficha-horizontal\">\n\t<div class=\"clearfix\">\n\t\t<div class=\"left\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Tolkien-s-Faith-ShopifyFront.png\" \/>\n\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"right\">\n\t\t\t<h2>Tolkiens Glaube: Eine spirituelle Biographie<\/h2>\n\n\t\t\t<div class=\"v\"><strong>Titel<\/strong>Tolkiens Glaube: Eine spirituelle Biographie<\/div><div class=\"v\"><strong>Autor<\/strong>Holly Ordway<\/div><div class=\"v\"><strong>Datum der Ver\u00f6ffentlichung<\/strong>: 2023<\/div><div class=\"v\"><strong>Leitartikel<\/strong>: Das brennende Wort<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tolkien war nicht immer ein Katholik. Er wurde 1892 in S\u00fcdafrika als Sohn eines englischen Ehepaars anglikanischen Glaubens geboren, obwohl seine Mutter urspr\u00fcnglich aus einer unitarischen Familie stammte. Sein Vater, Arthur Tolkien, erkrankte und starb pl\u00f6tzlich, w\u00e4hrend seine Frau und seine Kinder England besuchten, und Tolkien, damals vier Jahre alt, kehrte nie nach S\u00fcdafrika zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz darauf, im Jahr 1900, konvertierte ihre Mutter, Mabel Tolkien, zum Katholizismus. Infolgedessen brachen die meisten ihrer Verwandten die Beziehung zu ihr ab, ebenso wie die finanzielle Unterst\u00fctzung, die f\u00fcr eine Witwe zu dieser Zeit unerl\u00e4sslich war. Einige Jahre sp\u00e4ter, zu Weihnachten 1903, traten auch Tolkien und sein Bruder Hilary in die katholische Kirche ein. Das genaue Datum ist nicht bekannt, aber dieses Weihnachten ist es 120 Jahre her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz finanzieller Not und Ablehnung durch ihre Familie blieb Mabel Tolkien dem Katholizismus treu (im Gegensatz zu ihrer Schwester, die zur gleichen Zeit konvertierte, aber aufgrund des famili\u00e4ren Drucks zum Anglikanismus zur\u00fcckkehrte). Tolkien betrachtete seine Mutter stets als M\u00e4rtyrerin f\u00fcr den Glauben, wie er in seinen Briefen schrieb, denn er glaubte, dass die Krankheit, die zu ihrem Tod f\u00fchrte, eine direkte Folge des Drucks war, dem sie ausgesetzt war, und der Armut, in die sie durch die fehlende Unterst\u00fctzung der Familie gest\u00fcrzt worden war. Mabel Tolkien starb etwa ein Jahr, nachdem ihre Kinder den katholischen Glauben angenommen hatten, im November 1904. Tolkien war 12 Jahre alt. Die Mutter ernannte als Vormund der Kinder Pater Francis Morgan, einen katholischen Priester des Oratoriums in Birmingham, dessen Mutter Spanierin war und der in C\u00e1diz geboren wurde, wo er als \"Der katholische Priester\" bekannt war.<a href=\"https:\/\/www.todostuslibros.com\/libros\/el-tio-curro-la-conexion-espanola-de-j-r-r-tolkien_978-1-911143-37-6\">Onkel Curro<\/a>\". Tats\u00e4chlich erw\u00e4hnt Tolkien in seinen Briefen, dass Spanisch eine seiner vielen Inspirationen f\u00fcr die Erschaffung der Sprachen von Mittelerde war: \"Mein Lehrer war zum Teil Spanier, und ich, in meinen fr\u00fchen Teenagerjahren, nahm seine B\u00fccher und versuchte, diese (...) romanische Sprache zu lernen\" (Brief 163).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Briefe sind eine grundlegende Quelle f\u00fcr den Einblick in Tolkiens tiefen Glauben. In ihnen spricht er eindeutig \u00fcber seine Liebe zur Eucharistie, zum Beispiel, seinen Schutzengel (zu diesem Thema ist der Brief 89 an seinen Sohn Christopher besonders interessant) und seinen Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis jetzt gab es jedoch keine methodische, wissenschaftliche Studie \u00fcber seinen Glauben und dessen Entwicklung im Laufe seines Lebens. Angereichert mit vielen verschiedenen Quellen und mit Beitr\u00e4gen von Priscilla, der Tochter des ber\u00fchmten Schriftstellers, ist \"Tolkiens Glaube\" ein weiteres Muss f\u00fcr jeden, der sich mit diesem interessanten Thema besch\u00e4ftigen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Geschichte des Katholizismus in England ist nicht frei von Verfolgung. Welche Schwierigkeiten gab es zu Tolkiens Zeiten f\u00fcr Katholiken?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tolkien wurde 1892 geboren, und seine Mutter wurde 1900 katholisch. Zu dieser Zeit war England sehr anti-katholisch, es gab immer noch einige sehr gro\u00dfe Hinterlassenschaften der nachreformatorischen \u00c4ra, die extrem repressiv gewesen war: harte Strafgesetze, eingeschr\u00e4nkte Rechte, Katholizismus war illegal,... und obwohl die meisten dieser Dinge verschwunden waren, bevor Tolkien geboren wurde, hatte das Katholischsein immer noch eine Menge Nachteile.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So durften beispielsweise erst 1871 Katholiken an die Universit\u00e4t Oxford zur\u00fcckkehren. Weder Katholiken noch \"Nonkonformisten\" (mit den 39 anglikanischen Artikeln) konnten Oxford betreten. Und das ist nicht lange vor Tolkiens Zeit. Es gab noch andere zivilrechtliche Nachteile, von denen einige erst verschwanden, als Tolkien schon erwachsen war, und die Atmosph\u00e4re in England war durch und durch anglikanisch, denn es war buchst\u00e4blich die etablierte Religion des Staates. Katholisch zu sein bedeutete also, dass man sozial und wirtschaftlich an den Rand gedr\u00e4ngt war und von den anderen Menschen in England oft mit gro\u00dfem Misstrauen betrachtet wurde. Ich denke, all dies ist wichtig, um Tolkien und seine Mutter zu verstehen, denn es zeigt, dass die Entscheidung, katholisch zu sein, sehr bewusst getroffen wurde. Katholisch zu werden war f\u00fcr Mabel kein sentimentaler Schritt im Sinne von \"Ich mag es lieber\". Es bedeutete, auf vieles zu verzichten, und auch, dass ihr Gotteshaus nicht so attraktiv war, denn w\u00e4hrend der Reformation \u00fcbernahm die Kirche von England alle Kirchengemeinden, so dass die Katholiken nirgendwo mehr Gottesdienst feiern konnten, und als sie neue Kirchen bauen durften, hatten die Katholiken viel weniger Geld als die Anglikaner. Die typische katholische Kirche, die Tolkien in seiner Jugend kennenlernte, war also sch\u00e4biger, einfacher und nicht so sch\u00f6n wie die sch\u00f6nen alten Kirchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war etwas, das ich betonen wollte, als ich Tolkiens Glauben schrieb, denn sein Biograf, Humphrey Carpenter, betont sehr stark Tolkiens Zuneigung zu seiner Mutter. Er liebte seine Mutter sehr, und ihr Glaube bedeutete ihm offensichtlich sehr viel, und Carpenter legt im Grunde nahe, dass die Hauptquelle f\u00fcr Tolkiens Hingabe an den katholischen Glauben die Liebe zu seiner Mutter war, und dass er wegen des Glaubens seiner Mutter katholisch blieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, das ist sehr unzureichend, um Tolkiens ganzes Glaubensleben zu verstehen, denn einerseits k\u00f6nnte es auch andersherum gewesen sein, er k\u00f6nnte seiner Mutter gegen\u00fcber sehr verbittert gewesen sein, weil ihre Entscheidung, zum Katholizismus zu konvertieren, sie in die Armut gest\u00fcrzt hat. Er war sehr stolz auf sie, aber vielleicht war es auch nicht so, das eine folgt nicht unbedingt aus dem anderen. Als sie starb, wurde er stark unter Druck gesetzt, zum Anglikanismus zur\u00fcckzukehren: Seine Gro\u00dfeltern h\u00e4tten es geliebt, und in sp\u00e4teren Jahren h\u00e4tte es seine berufliche Karriere und sein soziales Leben erleichtert, sogar seine Ehe w\u00e4re einfacher gewesen, denn seine Frau Edith war zwar zum Katholizismus konvertiert, hatte aber immer einen inneren Konflikt damit. Ich denke also, dass das Wissen um den Kontext, in dem es schwierig und nachteilig war, katholisch zu werden, uns dabei hilft, zu erkennen, dass Tolkien nicht nur aufgrund einer emotionalen Bindung oder Gewohnheit katholisch war, sondern dass es eine Entscheidung war, f\u00fcr die er sich im Laufe seines Lebens irgendwie immer wieder entscheiden musste.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In einem Brief spricht Tolkien davon, dass er seine Mutter als M\u00e4rtyrerin des katholischen Glaubens betrachtet. Welchen Einfluss hatte der Glaube seiner Mutter auf sein Leben und das seines Vormunds, Pater Francis, als er verwaist war?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Mutter war ihm offensichtlich ein gro\u00dfes Vorbild, denn sie entschied sich aus \u00dcberzeugung daf\u00fcr, katholisch zu werden, und sie blieb standhaft. Tolkien war ein sehr intelligenter, nachdenklicher und aufmerksamer Junge. Er war 8 Jahre alt, als seine Mutter zum Katholizismus konvertierte, und 12, als sie starb, alt genug, um sich der Entscheidungen seiner Mutter bewusst zu sein, und er w\u00fcrde all die Opfer sehen, die mit diesem Glauben einhergingen, und dass er einen Preis daf\u00fcr zahlen musste: Armut und Trennung von seinen Verwandten. Er \u00fcberlebte all diese Hindernisse, weil er glaubte, dass sein Glaube wahr war. Das hat Tolkien sehr gepr\u00e4gt, und er nennt es in seinen Briefen einen Mord (einen \"wei\u00dfen\" Mord), und ich denke, das unterstreicht sein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Preis, den seine Mutter zahlen musste. Sie starb an Diabetes, die damals nicht behandelbar war, sie wurde nicht direkt verfolgt wie die Katholiken fr\u00fcherer Zeiten, aber ihre Gesundheit wurde sicherlich durch den Druck beeintr\u00e4chtigt, unter dem sie lebte, durch die Armut, in der sie lebte, die eine direkte Folge davon war, dass ihre Eltern es missbilligten, dass sie zum Katholizismus konvertierte. Ich glaube, Tolkien sah, dass sie bereit war, den h\u00f6chsten Preis zu zahlen, um ihren Glauben zu behalten und ihn an ihre Kinder weiterzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie dann stirbt, kommt Tolkien in die Obhut von Pater Francis Morgan, einem Priester des Oratoriums in Birmingham, der f\u00fcr Tolkien zu seinem \"zweiten Vater\" wird. Er war genau so alt wie Tolkiens Vater, der starb, als Tolkien vier Jahre alt war. Pater Francis hatte einen gro\u00dfen Einfluss auf ihn und f\u00fchrte ihn in das gesamte Leben des Oratoriums von Birmingham ein. Davon erz\u00e4hle ich auch in meinem Buch, denn es war nicht nur Pater Francis, sondern die ganze Gemeinschaft des Oratoriums, er hatte viele verschiedene Vorbilder, was ich f\u00fcr wichtig halte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, einer der Beitr\u00e4ge, die Pater Francis zu Tolkiens Entwicklung leistete, war, dass er ihm nicht erlaubte, verbittert und isoliert zu werden: Er war ein Waisenkind, seine Familie billigte nicht, dass er katholisch war, und was macht er? Pater Francis h\u00e4tte die Kinder (Tolkien und seinen Bruder) einfach wegbringen k\u00f6nnen, sie am Kontakt mit ihren Verwandten hindern k\u00f6nnen, aber das hat er nicht getan. Er versucht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Er erzieht Tolkien und seinen Bruder Hilary im katholischen Glauben, aber er ermutigt sie auch, Zeit mit ihren Gro\u00dfeltern, ihren Tanten und Onkeln zu verbringen, und so hat Tolkien schon bald Beziehungen zu seiner Familie, verbringt Schulferien mit ihnen und so weiter. Das ist sehr wichtig. Da man daf\u00fcr gro\u00dfe Schwierigkeiten \u00fcberwinden musste, war das nicht selbstverst\u00e4ndlich, und ich denke, das hilft uns zu verstehen, was Tolkien sp\u00e4ter sagen w\u00fcrde: dass Pater Francis ihn N\u00e4chstenliebe und Vergebung gelehrt hatte. Ich denke, ein Teil davon war die Vergebung gegen\u00fcber seiner Familie, weil sie dem Glauben seiner Mutter feindlich gegen\u00fcberstand. Bis auf einen wurde keiner von ihnen katholisch, sie blieben anglikanisch, und er blieb katholisch, und er lernte, trotz allem eine Beziehung zu ihnen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem erlaubte Pater Francis ihm, die King Edward's School zu besuchen, eine protestantische Schule, und das war f\u00fcr einen katholischen Jungen in England sehr ungew\u00f6hnlich, denn die meisten katholischen Eltern oder Erziehungsberechtigten h\u00e4tten bef\u00fcrchtet, dass er in der Schule indoktriniert und dem Glauben entfremdet w\u00fcrde, und das war eine begr\u00fcndete Bef\u00fcrchtung, denn in England herrschte eine sehr antikatholische Atmosph\u00e4re und der Gruppendruck ist in jedem Alter sehr stark. Pater Francis zeigte also Vertrauen in Tolkien, indem er ihn dort studieren lie\u00df, und er zeigte auch, dass er ihn sowohl zu Hause als auch im Oratorium im Glauben erziehen w\u00fcrde. Tolkien sagte sp\u00e4ter, er glaube, dass diese Entscheidung ihm sehr gut getan habe und ihn in die Lage versetzte, in einem nicht-katholischen beruflichen Umfeld zurechtzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pater Francis war von Geburt an katholisch, aber viele der Priester im Oratorium von Birmingham waren Konvertiten, so dass man mit der protestantischen Welt viel vertrauter war, als es in einer katholischen Gemeinschaft \u00fcblich ist. Und ich glaube, eine der Lektionen, die sie Tolkien schon fr\u00fch beibrachten, war eine basisdemokratische \u00d6kumene: \"Das sind unsere Br\u00fcder in Christus, getrennt, aber dennoch Christen\". Sie lehrten ihn, keine Angst vor ihnen zu haben, sich seines eigenen Glaubens sicher zu sein, aber auch in der Lage zu sein, mit ihnen umzugehen. Und es ist auch wichtig, dass die King Edward's School eine interreligi\u00f6se Schule war, es gab auch j\u00fcdische Sch\u00fcler, und ich denke, dass dies den Grundstein f\u00fcr die sehr freundschaftlichen Beziehungen legte, die er in sp\u00e4teren Jahren mit seinen j\u00fcdischen Kollegen hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tolkien spielte eine wichtige Rolle bei C. S. Lewis' Bekehrung zum Christentum, aber auch ihre gegenseitige Freundschaft trug viel zu Tolkiens Glaubenserfahrung bei, der sagte, Lewis sei \"in den Herrn verliebt\". Was bedeutete diese Freundschaft f\u00fcr die beiden?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, dies ist eine der ber\u00fchmtesten literarischen Freundschaften aller Zeiten, aber in gewisser Weise begann sie nicht mit dem richtigen Fu\u00df. Sie lernten sich 1926 kennen, als Tolkien gerade zum Professor f\u00fcr Angels\u00e4chsisch in Oxford ernannt worden war, und zwar bei einem Treffen der Fakult\u00e4t f\u00fcr englische Sprache. Lewis hielt nicht wirklich viel von ihm. Er schrieb in sein Tagebuch, er sei ein \"blasser, redseliger Bursche... Es ist alles in Ordnung mit ihm: er braucht nur einen Kuchen oder so etwas\". Lewis war damals Atheist, so dass man vielleicht nicht erwartete, dass sich zwischen ihnen eine Freundschaft entwickeln w\u00fcrde, aber es geschah, und zwar aufgrund ihrer gemeinsamen Liebe zur Literatur und zu Sprachen. Wir wissen, dass Tolkien Lewis schlie\u00dflich half, zum Christentum zu konvertieren, und zwar mit dem ber\u00fchmten Gespr\u00e4ch in Addison Walk, als er und Hugo Dyson Lewis halfen, das Christentum als den wahren Mythos zu erkennen. Aber Lewis hatte auch einen sehr positiven Einfluss auf Tolkien. Als sie sich kennenlernten, befand sich Tolkien gerade in einer sehr trockenen Phase seines Glaubens, die mehrere Jahre dauerte, wir wissen nicht genau, wie viele. Wie er sp\u00e4ter sagte: \"Ich hatte fast aufgeh\u00f6rt, meine Religion zu praktizieren\". Er praktizierte ihn weiter, aber es war offensichtlich eine sehr trockene Periode, die er Ende der 1920er Jahre oder so hinter sich zu lassen begann. Ich denke, einer der Faktoren, die seinen Glauben wieder st\u00e4rkten, war die Tatsache, dass er mit seinem Freund Lewis dar\u00fcber sprach. Lewis war n\u00e4mlich intelligent und nachdenklich, und er fragte ihn Dinge wie: \"Nun, Tollers, warum glaubst du das? Und die Frage w\u00fcrde Tolkien zum Nachdenken bringen: \"Warum glaube ich das? Und dann musste er die Antwort geben, vielleicht nachschlagen, noch mehr in der Bibel lesen... Ich glaube, Tolkien half Lewis dabei, zum Christentum zu konvertieren, und half ihm gleichzeitig, seinen eigenen Glauben zu st\u00e4rken. Es war also eine Freundschaft zum gegenseitigen Nutzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In vielen Briefen spricht Tolkien \u00fcber die Eucharistie und wie wichtig sie in seinem Leben war. Wie war sein Verh\u00e4ltnis zu diesem Sakrament?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hatte eine sehr gro\u00dfe eucharistische Verehrung, er sagte, dass er sich von Anfang an in die Eucharistie verliebt hat und dass er durch Gottes Gnade nie von dieser Liebe abgewichen ist. Und ich denke, das ist eines der Dinge, die er in seiner Jugend im Oratorium von Birmingham gelernt hat, denn die Kongregation des Oratoriums von St. Philip Neri hatte eine sehr entwickelte eucharistische Spiritualit\u00e4t. Die Oratorianer brachten die 40-Stunden-Andacht nach England, 40 Stunden ununterbrochene Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, was in der englischen Fr\u00f6mmigkeit etwas relativ Neues war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und, wie wir wissen, ist es eine Andacht, die Tolkien in seinen Briefen erw\u00e4hnt, er hat ein sehr starkes Gef\u00fchl f\u00fcr Christus im Allerheiligsten Sakrament und das war so etwas wie ein Eckpfeiler seines Glaubens, der ihn sein ganzes Leben lang begleitete. Sogar in seiner Zeit der Trockenheit sagte er, dass er die Gegenwart Gottes im Tabernakel sp\u00fcren konnte, der ihn sanft rief.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es Unterschiede in der Herangehensweise an den Krieg zwischen den englischen Anglikanern und den Katholiken gab. Was waren die Hauptunterschiede?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war ein faszinierender Teil meiner Nachforschungen, denn es gelang mir, Berichte von Seelsorgern zu finden, die unmittelbar nach dem Krieg, im Jahr 1919, geschrieben wurden, einen \u00fcber Katholiken und einen \u00fcber Anglikaner. Ich musste mich also nicht auf eine r\u00fcckblickende Analyse verlassen, sondern auf das, was sie vor Ort sagten. Es war sehr interessant, denn die anglikanischen Seelsorger waren sehr besorgt dar\u00fcber, dass ihre M\u00e4nner nicht im christlichen Glauben ausgebildet waren und nicht in der Lage waren, mit den moralischen Fragen umzugehen, die sich ihnen angesichts der Schrecken des Krieges stellten. Sie hatten keine Mittel, sie wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten, w\u00e4hrend die katholischen Seelsorger feststellten, dass ihre M\u00e4nner, obwohl sie litten, in der Lage waren, mit den gro\u00dfen Fragen (dem Problem des B\u00f6sen, des Leidens) umzugehen, ich will nicht sagen leichter, denn das w\u00e4re das falsche Wort, um damit umzugehen, aber es machte ihnen keine Schwierigkeiten, weil die katholische Lehre zu jener Zeit viel \u00fcber das Problem des Schmerzes sprach und das Kreuz und das Leiden, das jeder Katholik zu tragen hat, stark betonte, w\u00e4hrend die anglikanische Lehre keinen vergleichbaren Nachdruck auf das Leiden des christlichen Lebens, die Bedeutung des Kreuzes oder das Geheimnis des B\u00f6sen legte. Die meisten Katholiken waren daher besser ger\u00fcstet, mit der Realit\u00e4t des Krieges umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der eine Faktor, aber der andere, ganz andere, hat seinen Ursprung darin, was es damals in England bedeutete, katholisch zu sein. Niemand war nur aus Gewohnheit katholisch, man war katholisch, weil man es sein wollte. Man war vielleicht nicht gut ausgebildet - katholische Geistliche stellten fest, dass viele ihrer M\u00e4nner nicht sehr gut ausgebildet waren -, aber man wusste, dass man katholisch war. Da der Anglikanismus Staatsreligion war, wurde jeder einberufene Soldat als Anglikaner registriert, es sei denn, er gab etwas anderes an. Das f\u00fchrte dazu, dass jemand, der von seiner Kultur her Anglikaner war, vielleicht nicht einmal gl\u00e4ubig war, vielleicht ein Agnostiker oder ein atheistischer Anglikaner, und das machte es f\u00fcr Anglikaner, die wirklich einen aufrichtigen christlichen Glauben hatten, sehr viel schwieriger, weil es keine Garantie daf\u00fcr gab, dass ihre Mitreligi\u00f6sen ihren Glauben teilten. In diesem Sinne war es also schwieriger, als Anglikaner in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben zu sein als als Katholik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading translation-block\"><strong>Der Schriftsteller Clyde S. Kilby, der Tolkien bei der Zusammenstellung des Silmarillions half, sagte, Tolkien habe ihm gesagt, dass das \"geheime Feuer\" (das Gandalf in \"Der Herr der Ringe\" erw\u00e4hnt) der Heilige Geist sei. Wie passt diese spezielle Bedeutung zu Tolkiens Ablehnung der Allegorie?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, zun\u00e4chst einmal muss man verstehen, dass die meisten Leute die volle Bedeutung des Wortes \"Allegorie\", wie Tolkien es verstand, nicht kennen. Im literarischen Sinne ist eine Allegorie eine Geschichte, in der jeder Teil eine entsprechende Bedeutung hat: \"Das ist dasselbe wie das\", und das zieht sich durch die ganze Geschichte. Und das ist in \"Der Herr der Ringe\" ganz und gar nicht der Fall. Nat\u00fcrlich spricht Tolkien von Anwendbarkeit: Man kann Verbindungen zwischen dem, was man in der Geschichte findet, und anderen Dingen herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wenn er sagt, dass das \"geheime Feuer\" der Heilige Geist ist, dann ist das nicht wirklich eine Allegorie, denn es ist nicht Teil eines Systems, das in den Text hineingelegt wird. Es ist teilweise ein Bild. Aber in Wirklichkeit entspricht es Tolkiens grundlegendem Konzept seiner Welt. Denn Mittelerde ist unsere Welt, und der Gott von Mittelerde ist Gott. Tolkien war sich dar\u00fcber sehr im Klaren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er war sehr aufgebracht, als ihm jemand sagte, dass es in Mittelerde keinen Gott gibt, und er sagte: \"Nat\u00fcrlich gibt es einen\". Der Interviewer fragte: \"Welchen? Und er antwortete: \"Den einzigen\". Dies hilft uns zu verstehen, dass die Welt zwar imagin\u00e4r ist, die geistige Realit\u00e4t aber dieselbe ist. Tats\u00e4chlich sagt Aragorn (ich paraphrasiere), dass das, was wahr ist, f\u00fcr Elben und Menschen wahr ist, keine zwei Wahrheiten sind f\u00fcr verschiedene Menschen unterschiedlich. Die grundlegenden moralischen Fundamente der Welt sind, was sie sind. Eru Il\u00favatar, der Gott von Mittelerde, ist also Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist, so wie wir ihn kennen. Nun ist die Welt von Mittelerde eine vorchristliche Welt, sie spielt in der fernen Vergangenheit, also gibt es nat\u00fcrlich keine Christusfigur, kein \u00c4quivalent zu Aslan, wie wir ihn in C. S. Lewis' \"Die Chroniken von Narnia\" kennen. Alles, was auf eine Verbindung mit einer spirituellen Realit\u00e4t hindeutet, wird also irgendwie ausgeblendet. In dieser Welt erkl\u00e4rt Tolkien zum Beispiel, dass die Valar Engel und Erzengel sind. Nat\u00fcrlich nennen die Menschen in Mittelerde sie \"G\u00f6tter\", weil es eine Welt der nat\u00fcrlichen Theologie ist, sie wissen nicht wirklich, was sie sind, aber Tolkien erkl\u00e4rt es, sie sind Engel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so ist es auch hier: Wir wissen aus dem, was Tolkien seinem Freund Kilby erz\u00e4hlte, dass er sich das geheime Feuer als den Heiligen Geist vorstellte, denn Mittelerde ist Teil unserer eigenen Welt, also muss der Heilige Geist irgendwie existieren. Aber da es sich um eine Welt handelt, die vor Pfingsten spielt, haben die Bewohner von Mittelerde nat\u00fcrlich keine Ahnung, sie w\u00e4ren nicht in der Lage zu artikulieren, wer der Heilige Geist ist, also bleibt alles unter der Oberfl\u00e4che. Wir als Leser k\u00f6nnen es sehen und sagen: \"Ich erkenne es\". Wir k\u00f6nnen ihn sehen, wenn wir wollen, aber er ist sehr subtil, er ist sehr tief in den Fundamenten von Mittelerde verankert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie hatten die Gelegenheit, mit Priscilla, Tolkiens Tochter, und anderen Menschen, die ihn kannten, zu sprechen. Was ist das Wichtigste, das sie Ihnen \u00fcber den Professor erz\u00e4hlt haben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin sehr dankbar, dass ich Priscilla eine Frage \u00fcber ihren Vater stellen konnte und eine sehr wichtige Antwort erhielt. Ich war neugierig auf Tolkiens Konfirmationsnamen, der Philippe war, aber welcher \"Philippe\"? Das wollte ich wissen. Also fragte ich sie: \"Hast du ihn nach dem Heiligen Philippe Neri, dem Gr\u00fcnder des Oratoriums, gew\u00e4hlt? Und er antwortete: \"Ja\". Diese sehr solide und starke Best\u00e4tigung, dass sein Vater Philippe nach dem heiligen Philipp Neri gew\u00e4hlt hat, war gro\u00dfartig, denn das hilft uns wirklich, eine weitere Beziehung zur Spiritualit\u00e4t des heiligen Philipp Neri und der Oratorianer herzustellen, was f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Tolkiens Spiritualit\u00e4t sehr wichtig ist. Dieses kurze Gespr\u00e4ch war also gro\u00dfartig, und ich bin sehr dankbar, dass er meine Frage beantwortet hat.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Este a\u00f1o se conmemora el 50 aniversario de la muerte de Tolkien, que tuvo lugar el 2 de septiembre de 1973. Con este motivo se public\u00f3 el 2 de septiembre el libro \u201cLa fe de Tolkien\u201d, de la investigadora y doctora en Literatura Inglesa Holly Ordway, colaboradora de Word on Fire. 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