{"id":35716,"date":"2023-12-07T06:00:00","date_gmt":"2023-12-07T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=35716"},"modified":"2025-10-27T14:44:01","modified_gmt":"2025-10-27T12:44:01","slug":"drei-mittelalterliche-weise-und-die-existenz-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/firmas\/tres-sabios-medievales-y-la-existencia-de-dios\/","title":{"rendered":"Drei mittelalterliche Weisen und die Existenz Gottes"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Anselm von Canterbury, Richard von St. Victor und Thomas von Aquin sind drei Beispiele f\u00fcr die Intelligenz, das Studium, das Denken und den Glauben, die zu bedeutenden Denkschulen gef\u00fchrt haben und deren Einfluss sich durch die Geschichte bis in die heutige Zeit zieht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anselm von Canterbury<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anselm von Canterbury wurde im Jahr 1033 oder 1034 in Aosta (Norditalien) geboren. Als Sohn adliger Eltern, die einem germanischen Volk, den Langobarden, entstammten, begann er nach dem Tod seiner frommen Mutter ein ausschweifendes Leben und hatte einen Konflikt mit seinem Vater, der ihn veranlasste, sein Vaterhaus zu verlassen. Angelockt durch den Ruf von Lancfranco, einem Lehrer an einer Schule in der Normandie, trat er in die Schule ein und wurde 1060 M\u00f6nch in der normannischen Abtei von Bec. Im Jahr 1078 wurde er als Nachfolger von Lanfranc zum Abt von Bec gew\u00e4hlt. Im Jahr 1093 wurde er zum Erzbischof von Canterbury geweiht, wo er 1109 starb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Anlehnung an Augustinus definierte er Theologie als einen Glauben, der zu verstehen sucht. Am bekanntesten ist er f\u00fcr sein ber\u00fchmtes Argument, das am Anfang seines Werkes Proslogion steht und von Kant als ontologisch bezeichnet wurde, weil es die Existenz Gottes von der Idee Gottes her zu beweisen sucht, ohne auf die Sch\u00f6pfung, die Heilige Schrift oder die patristische Tradition zur\u00fcckzugreifen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Deshalb, Herr, der Du die Intelligenz des Glaubens gibst, gew\u00e4hre mir, soweit diese Erkenntnis mir n\u00fctzlich sein kann, zu verstehen, dass Du existierst, wie wir glauben, und dass Du bist, was wir glauben.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wir glauben, dass \u00fcber Dich nichts durch Gedanken erdacht werden kann. Es geht also darum, zu wissen, ob ein solches Wesen existiert, denn der Narr hat in seinem Herzen gesagt: \"Es gibt keinen Gott. Wenn er aber h\u00f6rt, dass es ein Wesen gibt, \u00fcber dem man sich nichts Gr\u00f6\u00dferes vorstellen kann, dann versteht derselbe Narr, was er hat sagen h\u00f6ren; der Gedanke ist in seinem Verstand, auch wenn er nicht glaubt, dass der Gegenstand dieses Gedankens existiert. Denn es ist eine Sache, eine Vorstellung von irgendeinem Gegenstand zu haben, und eine andere, an seine Existenz zu glauben. Denn wenn der Maler im Voraus an das Bild denkt, das er malen will, hat er es zwar im Kopf, aber er wei\u00df, dass es noch nicht existiert, weil er es noch nicht ausgef\u00fchrt hat. Wenn er es dagegen gemalt hat, hat er es nicht nur im Kopf, sondern er wei\u00df auch, dass er es gemacht hat. Der Narr mu\u00df zugeben, da\u00df er die Vorstellung eines Wesens im Kopf hat, \u00fcber das hinaus nichts Gr\u00f6\u00dferes gedacht werden kann, denn wenn er diesen Gedanken ausgesprochen h\u00f6rt, versteht er ihn, und alles, was verstanden wird, ist in der Intelligenz: und zweifellos existiert dieser Gegenstand, \u00fcber den hinaus nichts Gr\u00f6\u00dferes gedacht werden kann, nicht nur in der Intelligenz, denn wenn es so w\u00e4re, k\u00f6nnte man wenigstens annehmen, da\u00df er auch in der Wirklichkeit existiert, eine neue Bedingung, die ein Wesen gr\u00f6\u00dfer machen w\u00fcrde als das, das keine Existenz hat, au\u00dfer im reinen und einfachen Gedanken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wenn also dieses Objekt, \u00fcber dem es nichts Gr\u00f6\u00dferes gibt, nur in der Intelligenz w\u00e4re, w\u00e4re es dennoch so, dass es etwas dar\u00fcber g\u00e4be, eine Schlussfolgerung, die nicht legitim w\u00e4re. Es gibt also in gewisser Weise ein Wesen, \u00fcber dem man sich nichts vorstellen kann, weder in Gedanken noch in der Wirklichkeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ricardo de San Victor <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richard von St. Victor stammte aus Schottland und lebte von 1110 bis 1173. Er trat in die Abtei Saint-Victor in Paris ein und wurde 1157 zum Vizeprior gew\u00e4hlt. Er folgte seinem Meister Hugo als Prior nach, ein Amt, das er bis zu seinem Tod innehatte. Dante Alighiere verortete Richard in seiner G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die im Paradies, in der vierten Sph\u00e4re, wo er auch die Weisen ansiedelte. In seinem zehnten Canto sagt Dante:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Siehe ferner den gl\u00fchenden Geist von Isidor, von Bede und von Richard, der mehr als ein Mensch zu betrachten war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richard von St. Victor beweist auf drei Arten die Existenz Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens. - Die Zeitlichkeit der wahrgenommenen Wesen unterst\u00fctzt die Notwendigkeit eines ewigen Seins.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens. - In den Wesen, die wir mit den Sinnen wahrnehmen, ist eine Zunahme der Vollkommenheit untereinander zu beobachten, was die Existenz eines Wesens notwendig macht, das alle Vollkommenheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens. - Ausgehend von den Wesen, die von den Sinnen erfasst werden, ist es m\u00f6glich, die Essenzen abzuleiten, die sie ausmachen und die im Wesen Gottes ein vorbildliches Modell finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Augustinus von Hippo, in seinem Werk <em>De Trinitate<\/em>Er sagt: Wenn du die Liebe siehst, siehst du die Dreifaltigkeit. Richard von St. Viktor entwickelte in seinem Werk De Trinitate diese Vision der g\u00f6ttlichen Dreifaltigkeit, die der heilige Augustinus vorgelegt hatte. Er versucht, drei gro\u00dfe Fragen \u00fcber den christlichen dreifaltigen Gott zu beantworten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. - Warum die g\u00f6ttliche Einheit Pluralit\u00e4t impliziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. - Warum diese Mehrzahl drei ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Wie diese drei Personen zu verstehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um darauf zu antworten, geht sie von der Liebe als einer grundlegenden Kategorie aus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. es gibt keine wahre Liebe ohne Anderssein. Die Liebe zu sich selbst ist keine wahre Liebe. Wenn der eine Gott vollkommene Liebe ist, muss es mehrere Personen geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2\u00ba - Drei Personen und nicht zwei, denn die vollkommene Liebe schlie\u00dft sich nicht in der Zweiheit, sondern ist auf einen Dritten gerichtet: den Condilectus, den gemeinsamen Freund der beiden anderen Personen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ricardo de San V\u00edctor untersucht den Begriff der Person, eine Kategorie, die zum Verst\u00e4ndnis des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Person ist vor allem das Subjekt seiner selbst. Nur im Besitz des Selbst kann und wird das Wesen, d.h. die Natur, personifiziert (die Natur ist das quid, das, was ich bin, und die Person ist das quis, das, was ich bin): als Person besitze ich mich selbst und kann als Herr meiner eigenen Wirklichkeit handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) Der Mensch ist, was er ist, entsprechend seiner Herkunft. Um Herr seiner selbst zu sein, muss die Art und Weise, in der man ist, festgelegt werden. Der Vater ist Herr \u00fcber seine eigene g\u00f6ttliche Natur, die ihm angeboren ist. Der Sohn ist Herr seiner eigenen g\u00f6ttlichen Natur, die er vom Vater empfangen hat. Der Heilige Geist besitzt dieselbe Natur, die er vom Vater und vom Sohn empf\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) Person ist Gemeinschaft: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist besitzen ihre g\u00f6ttliche Natur, insofern sie sie geben, empfangen und teilen; sie besitzen sich selbst, insofern sie sich in Liebe hingeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trinit\u00e4t ist also ein und dieselbe g\u00f6ttliche Natur, die sich in drei Personen verwirklicht. Der Gott, der sich uns im Evangelium offenbart, ist ein trinitarischer Gott. Ein einsamer und vortrinitarischer Gott ohne innere Liebe ist in den christlichen Augen von Richard von St. Viktor nicht vorstellbar. Nach dem Evangelium ist Gott die Liebe, und der Prozess der Verwirklichung dieser Liebe ist das trinitarische Geheimnis, das Leben als Hingabe, Empfang und Begegnung, gemeinsame Existenz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Thomas von Aquin<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas von Aquin wurde um 1225 in Roccasecca, in der N\u00e4he von Aquino, im Norden des K\u00f6nigreichs Neapel geboren.  Im Jahr 1244 nahm er in Neapel den Habit des heiligen Dominikus an. Er studierte bei Albert dem Gro\u00dfen in Paris und K\u00f6ln. Im Jahr 1252 kehrte er nach Paris zur\u00fcck, wo er Meister der Theologie wurde. Er starb 1274 in Fossanova, bevor er 50 Jahre alt war. Im Jahr 1323 wurde er heiliggesprochen. Sein wichtigstes Werk ist die Summa theologica.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas bekr\u00e4ftigt, dass die Philosophie auf der menschlichen Vernunft beruht, so wie die Theologie auf der g\u00f6ttlichen Offenbarung beruht. Philosophie und Theologie m\u00fcssen wahr sein: Gott ist die Wahrheit selbst, und an der Offenbarung kann es keinen Zweifel geben; auch die Vernunft, richtig eingesetzt, f\u00fchrt uns zur Wahrheit. Daher kann es keinen Konflikt zwischen Philosophie und Theologie geben. Er beweist die Existenz Gottes auf f\u00fcnf Arten, die ber\u00fchmten f\u00fcnf Arten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. - Durch Bewegung: Es gibt Bewegung; alles, was sich bewegt, wird von einem Motor bewegt; wenn dieser Motor sich bewegt, braucht er wiederum einen anderen Motor, der ihn bewegt, und so weiter, bis er den ersten Motor erreicht, der Gott ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. - Durch die effiziente Ursache (die Ursache, die die Kraft hat, eine bestimmte Wirkung zu erzielen): Es gibt eine Reihe von effizienten Ursachen; es muss eine erste Ursache geben, sonst g\u00e4be es keine Wirkung, und diese erste Ursache ist Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. - F\u00fcr das M\u00f6gliche und das Notwendige: Entstehung und Verderbnis zeigen, dass die Entit\u00e4ten, die wir beobachten, sein oder nicht sein k\u00f6nnen, sie sind nicht notwendig.  Es muss eine notwendige Entit\u00e4t in sich selbst geben, und sie wird Gott genannt.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Grade der Vollkommenheit: Es gibt verschiedene Grade aller Vollkommenheiten, die den absoluten Vollkommenheiten mehr oder weniger nahe kommen und daher Grade von ihnen sind; es gibt daher eine Wesenheit, die h\u00f6chst vollkommen ist und die h\u00f6chste Wesenheit ist; diese Wesenheit ist die Ursache aller Vollkommenheit und allen Seins und wird Gott genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Regierung der Welt: Intelligente Wesen streben nach einem Ziel und einer Ordnung, nicht durch Zufall, sondern durch die Intelligenz, die sie lenkt; es gibt ein intelligentes Wesen, das die Natur ordnet und sie zu ihrem Ziel f\u00fchrt, und dieses Wesen ist Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, die den f\u00fcnf Wegen zugrunde liegt, ist, dass Gott, der unsichtbar und unendlich ist, durch seine sichtbaren und endlichen Wirkungen beweisbar ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anselmo de Canterbury, Ricardo de San V\u00edctor y Tom\u00e1s de Aquino conforman tres ejemplos de inteligencia, estudio, razonamiento y fe que han dado lugar a insignes escuelas de pensamiento y cuya influencia atraviesa la historia hasta nuestros d\u00edas. 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