{"id":37740,"date":"2024-02-29T06:00:00","date_gmt":"2024-02-29T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=37740"},"modified":"2024-02-28T10:59:58","modified_gmt":"2024-02-28T08:59:58","slug":"aquilino-polaino-patient-jesus-christus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/foco\/aquilino-polaino-paciente-jesucristo\/","title":{"rendered":"<b>Aquilino Polaino<\/b>Die Behandlung des Patienten \u00e4ndert sich, wenn man Jesus Christus in ihm sieht\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Aquilino Polaino ist seit fast f\u00fcnfzig Jahren in der Psychiatrie t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er seit drei Jahrzehnten Professor an der Universit\u00e4t Complutense in Madrid und Mitglied der K\u00f6niglichen Akademien f\u00fcr Medizin von Valencia, C\u00e1diz und Granada. In seiner langen Laufbahn hat er wichtige Pers\u00f6nlichkeiten des 20. Jahrhunderts kennengelernt, wie zum Beispiel den Psychiater <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/kultur\/viktor-frankl-1905-1997-papa-por-que-decimos-buen-dios\/\">Viktor Frankl<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anl\u00e4sslich seiner Pensionierung hat er k\u00fcrzlich mit <a href=\"https:\/\/edicionesencuentro.com\/\">Ausgaben Encounter<\/a> das Buch \"<a href=\"https:\/\/edicionesencuentro.com\/libro\/todos-somos-fragiles-tambien-los-psiquiatras\/\">Wir sind alle zerbrechlich (auch Psychiater).<\/a>\"Das Interview mit mehr als 100 Fragen mit dem Journalisten \u00c1lvaro S\u00e1nchez de Le\u00f3n.<\/p>\n\n\n<div class=\"omnes-block-ficha-horizontal\">\n\t<div class=\"clearfix\">\n\t\t<div class=\"left\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/9788413391731-1.jpg\" \/>\n\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"right\">\n\t\t\t<h2>Wir sind alle zerbrechlich<\/h2>\n\n\t\t\t<div class=\"v\"><strong>Titel<\/strong>Wir sind alle zerbrechlich (auch Psychiater)<\/div><div class=\"v\"><strong>Autor<\/strong>Aquilino Polaino, \u00c1lvaro S\u00e1nchez de Le\u00f3n<\/div><div class=\"v\"><strong>Leitartikel<\/strong>Ediciones Encuentro<\/div><div class=\"v\"><strong>Madrid<\/strong>: 2024<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Interview stellt Aquilino Polaino einige seiner \u00dcberlegungen zu aktuellen Themen wie Familienzerfall, Freiheit f\u00fcr psychisch Kranke und Selbstmord vor.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">In Ihrem Buch sprechen Sie davon, wie wichtig es ist, die Psychiatrie nicht zu ideologisieren. K\u00f6nnen Sie diesen Punkt etwas n\u00e4her erl\u00e4utern?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass die Psychiatrie, wie alle Wissenschaften, von Ideologien verschlungen werden kann. Man muss vorsichtig sein, denn die Psychiatrie hat so viele Dimensionen, dass jede Dimension, die im Verh\u00e4ltnis zu den anderen \u00fcberbetont wird, falsch nuanciert w\u00e4re. Ein Beispiel: Es ist eine Tatsache, dass der sozio\u00f6konomische Status der Menschen die psychische Gesundheit beeinflusst. Das ist eine Tatsache, und in gewisser Weise nimmt die Psychiatrie dies zum Anlass, die Ungleichheit ein wenig abzuschw\u00e4chen. W\u00fcrde man dies jedoch radikalisieren, k\u00f6nnte man die Vorstellung vermitteln, dass alle psychischen St\u00f6rungen eine Folge von Ungleichheit sind, was absolut falsch ist. Deshalb muss meiner Meinung nach jeder Dimension das Gewicht beigemessen werden, das ihr zusteht. Und das ist nicht immer einfach. Die ideologische Kontamination beginnt damit, dass die Menschen selbst falsche Zuschreibungen vornehmen. Sie sagen zum Beispiel: \"Warum sind wir psychisch so schlecht? Weil wir zu viel Stress haben\". Stress ist ein physiologischer Mechanismus, ohne den wir nicht gesund genug w\u00e4ren. Stress ist nicht die Ursache f\u00fcr das psychische Unwohlsein, das Sie haben, sondern die Ursache liegt in der Umwelt, die ver\u00e4ndert werden muss, oder in Ihnen, die ver\u00e4ndert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen zum Beispiel die pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen des Psychiaters die Therapie beeinflussen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann vorkommen, aber meiner Meinung nach hat sich das in den letzten Jahren zum Gl\u00fcck f\u00fcr uns stark verringert. Vielleicht seit einer Gesetzes\u00e4nderung in den USA um 1992, nach der jeder Kandidat f\u00fcr den Beruf des Psychiaters einige sehr harte Tests bestehen muss, um mit verschiedenen Patienten mit unterschiedlichen religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen umzugehen und ihnen allen gegen\u00fcber respektvoll zu sein. Dies hat also in gewisser Weise die Welt der Psychiatrie durchdrungen. Ich habe den Eindruck, dass dieser Konflikt, der auftreten k\u00f6nnte, heute sehr kontrolliert und praktisch neutralisiert ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen Sie uns erz\u00e4hlen, wie Sie Viktor Frankl kennengelernt haben?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Jahren 71-72 des letzten Jahrhunderts hatte ich ein Stipendium an der Universit\u00e4t Wien, und in Wien hatte ich einen Kollegen, ebenfalls ein Psychiater und Priester, Professor Torell\u00f3. Ich war mit ihm sehr befreundet und wir sahen uns praktisch jeden zweiten Tag und sprachen \u00fcber viele Dinge. Dann erz\u00e4hlte er mir, dass er ein enger Freund von Frankl sei und dass er ihn in seinem Haus besuchen wolle, und fragte, ob ich ihn begleiten wolle. Ich sagte, ich w\u00fcrde mich freuen, und wir fuhren hin, und so lernte ich ihn kennen. Und dann habe ich bei anderen Reisen, die ich im Laufe meines Lebens nach Wien gemacht habe, immer wieder Professor Torell\u00f3 getroffen - der jetzt tot ist - und bei manchen Gelegenheiten haben wir auch Frankl getroffen, so dass der Kontakt weiterging.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was war Ihr Eindruck?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr gut. Ich habe den Eindruck, dass er schon in jungen Jahren sehr rebellisch war. Ich glaube, er ist vielleicht der erste Psychoanalytiker unter zwanzig Jahren, der in Freuds Zeitschrift einen Aufsatz ver\u00f6ffentlicht, in dem er Freuds Thesen bestreitet. Und das ist nicht \u00fcblich, und schon gar nicht zu dieser Zeit. Andererseits ist sein unabh\u00e4ngiger Geist erw\u00e4hnenswert, denn obwohl er in einem psychoanalytischen Umfeld ausgebildet wurde, war er immer sehr kritisch und dachte f\u00fcr sich selbst. Au\u00dferdem hat er seine Chancen im Leben gut genutzt. Die Katastrophe mit seiner ersten Frau, die in einem Konzentrationslager starb, sein Aufenthalt in einem Konzentrationslager... Es ist jedoch merkw\u00fcrdig, dass diese Erfahrung, die alle Widerstandskraft und St\u00e4rke brechen kann, bis hin zur Zerst\u00f6rung der Person, f\u00fcr ihn ein Ansporn zum Gegenteil war. Und es hat ihn dazu gebracht, nach etwas zu suchen, was \u00fcber ihn als Person hinausgeht, was der Sinn seines Lebens ist und was \u00fcber sein eigenes Leben hinausgeht. Ich halte das f\u00fcr einen sehr wertvollen Beitrag. Vielleicht muss man sagen, dass ich mir f\u00fcr alles, was er entwickelt hat, eine deutlichere Verankerung in der westlichen Philosophie w\u00fcnsche, eine deutlichere Unterst\u00fctzung. Aber er hat mit allem, was er getan hat und was er uns hinterlassen hat, schon genug getan, und der Beweis daf\u00fcr ist, dass es immer noch funktioniert und in vielen L\u00e4ndern, zum Beispiel in Lateinamerika, st\u00e4rker ist als in Europa.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Haben Patienten mit psychischen Erkrankungen Freiheit?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube nicht, dass alle Geisteskrankheiten als eine homogene und einzigartige Realit\u00e4t betrachtet werden k\u00f6nnen. Denn nat\u00fcrlich ist der Betroffene bei einem schizophrenen Ausbruch wahrscheinlich nicht frei und tut Dinge, die er sp\u00e4ter sein ganzes Leben lang bereuen wird, wenn er erf\u00e4hrt, dass er sie getan hat, weil er sich dessen nicht bewusst war. Es kann ein v\u00f6lliger Mangel an Freiheit vorliegen. Oder bei einem akuten psychotischen Anfall. Bei einer Demenzerkrankung kann das passieren, aber schon bei einer Demenzerkrankung nimmt die k\u00f6rperliche Kraft stark ab, und damit auch die Initiative. Bei den meisten h\u00e4ufigen Erkrankungen (Depressionen, Angstzust\u00e4nden, posttraumatischem Stress, akuten \u00c4ngsten, Phobien, Obsessionen) kann die Freiheit etwas eingeschr\u00e4nkt oder begrenzt sein, aber nicht aufgehoben. Wenn wir Psychotherapie machen, versuchen wir in gewisser Weise, dass der Patient den lebendigen Teil der Verantwortung, die er f\u00fcr sein Leben noch hat, zur\u00fcckerobert und dass er sich von dort aus die Freiheit erobert, die ihm fehlte, denn er ist derjenige, der vorw\u00e4rts gehen muss. Letztendlich kann er sein Leben nicht nach dem f\u00fchren, was der Therapeut ihm sagt, sondern nach dem, was er tut, indem er eine Option nach der anderen w\u00e4hlt, und deshalb ist es wichtig, diese Freiheit immer dorthin zu bringen, wohin sie gehen soll.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sie sagen, dass viele Depressionen zum Teil auf die Zerst\u00f6rung der Familie zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, die die Gesellschaft heute erlebt. In welchem Sinne?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden in einem sehr mittellosen und gleichzeitig sehr bed\u00fcrftigen Zustand geboren. Ein Baby zum Beispiel wei\u00df nicht, wie man liebt, noch wei\u00df es, was Liebe ist, und doch braucht es viel Zuneigung. Aber es braucht sie, weil es sie empf\u00e4ngt, nicht weil es sie gibt. Dann, mit der Zeit, w\u00e4chst es und lernt, und irgendwann, wenn seine Mutter sich ihm n\u00e4hert, \u00f6ffnet es auch seine Arme, um sie zu umarmen, aber es war ein Lernprozess, denn anfangs wusste es nichts davon. Wegen dieser Bed\u00fcrftigkeit, mit der wir geboren werden, ist die Beziehung zu Mutter und Vater absolut notwendig, denn wenn ein Kind in einer Umgebung geboren wird, die es als unsicher empfindet, gibt es bereits psychische Aspekte, die bei ihm nicht funktionieren, und sie werden viele Jahre lang nicht funktionieren. Das erste, was ein Kind braucht, ist also Sicherheit, durch das, was die Mutter sagt, was der Vater tut, was ihm beigebracht wird. Auf der anderen Seite ist da die Frage der Nahrung. Ein Kind w\u00fcrde nicht wissen, wie es sich selbst eine Flasche machen kann. Oder auch die Hygiene: Wenn ein Kind pinkelt und seine Windel nicht gewechselt wird, bekommt es eine Infektion und so weiter und so fort. Deshalb hat das Kind, wenn es noch sehr klein ist, die Vorstellung, dass der Vater allm\u00e4chtig ist, weil er derjenige ist, der ihm die ganze Sicherheit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Kindheit ist die Familie radikal. Und ohne Familie ist es f\u00fcr einen Menschen sehr schwierig, normal aufzuwachsen. Wenn also die Familie unstrukturiert oder sehr anormal ist oder nicht existiert oder f\u00fcnfzig Mal zerbrochen ist, haben die Menschen psychologische Wunden, die manchmal heilen und manchmal nicht. Und deshalb werden sie ihr ganzes Leben lang ein Defizit haben. Ich denke, dass es gut w\u00e4re, wenn die Eltern dar\u00fcber nachdenken w\u00fcrden, bevor sie sich f\u00fcr eine Option wie die Scheidung oder sogar f\u00fcr den st\u00e4ndigen Streit zwischen Mann und Frau innerhalb der Ehe entscheiden, der sehr h\u00e4ufig vorkommt und die Kinder so verbittert. Denn wo lernen die Kinder zu lieben? Nun, bei den Menschen, die ihnen am n\u00e4chsten stehen und die sich lieben sollten, das hei\u00dft, in der Liebe des Vaters zur Mutter und der Mutter zum Vater. Wenn dort statt einer liebevollen Beziehung nur ein st\u00e4ndiger Konflikt herrscht, lernt das Kind nicht, was es hei\u00dft, zu lieben und geliebt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ist etwas unumkehrbar?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dass es schwierig ist, v\u00f6llig unumkehrbar zu sein. Es gibt zwar F\u00e4lle von Menschen, die einen Konflikt mit ihrem Vater hatten und ihn nie \u00fcberwinden konnten. Ich habe Angst, dar\u00fcber zu sprechen, denn ich glaube, wenn Eltern das h\u00f6ren, k\u00f6nnen sie sehr \u00e4ngstlich werden und denken, dass sie, wenn sie in der Erziehung ihres Kindes Mist bauen, ein unumkehrbares Problem organisieren k\u00f6nnen, und dann werden sie es nicht gut machen. Man muss ihnen sagen: \"Macht euch keine Sorgen, ihr macht das schon gut, aber ihr m\u00fcsst noch besser werden\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meiner Meinung nach herrscht also eine bestialische Ignoranz gegen\u00fcber der Familie. Und vielleicht ist das einer der Gr\u00fcnde, warum es mehr Familienzerst\u00f6rungen gibt. Denn wenn man sich nicht k\u00fcmmert und nicht wei\u00df, wie man sich k\u00fcmmert, weil man unwissend ist, trifft man jede Entscheidung sehr pl\u00f6tzlich und ohne die Konsequenzen abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem ist es f\u00fcr das Gl\u00fcck von M\u00e4nnern und Frauen wichtig, dass die Familie gut funktioniert. Was die meisten jungen Menschen auch heute noch nicht aufgeben, ist die Idee, eine Familie zu gr\u00fcnden, und es ist eines der Ziele, die sie erreichen wollen. Wahrscheinlich, weil sie aus Familien kommen, in denen trotz aller Fehler eine sehr positive Bilanz gezogen wurde. Und sie sagen: \"Das will ich nachmachen, aber ich will es verbessern\". Aber daf\u00fcr muss man geschult sein, und die Leute sind nicht geschult. Ich glaube nicht, dass es ausreicht, einen Wochenendkurs zu machen, bevor man heiratet. Andererseits kann man auch nicht einen ganzen Kurs verlangen, weil das Naturrecht das verbietet: Die Ehe ist eine nat\u00fcrliche Institution, da kann man nicht die Akademie einschalten. Aber ich glaube, dass viel mehr getan werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist Ihrer Meinung nach der Grund f\u00fcr die derzeit hohe Selbstmordrate?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Faktoren. Vielleicht hat der Covid auch vieles von dem bedingt, was wir jetzt sehen. Zus\u00e4tzlich zu den sozialen Netzwerken, dem Internet, dem st\u00e4ndigen Schauen, ob wir Follower haben oder nicht... Das organisiert eine Art Konstellation, einerseits virtuell, weil es keinen wirklichen Kontakt gibt, und daher isolationistisch, und andererseits pseudo-transzendent, in dem Sinne, dass das Selbst dazu gedr\u00e4ngt wird, der K\u00f6nig der Sch\u00f6pfung zu sein. Ist ein Millennial zu sein bereits das Maximum, das man sein kann? Nun, ich denke, es ist das Minimum, oder sogar die Null, die man sein sollte. Wichtig ist, was man aus seinem Leben gemacht hat, inwieweit man ihm einen Sinn gibt, inwieweit man damit zufrieden ist, wie man jede Minute seines Lebens lebt. Meiner Meinung nach ist es das, was die menschliche Existenz rechtfertigt und was Gl\u00fcck schenkt. Wenn Ihnen dagegen mehr Menschen folgen oder nicht folgen, oder wenn der eine Sie lobt und der andere Sie kritisiert, dann ist das deren Problem. Aber was sagt Ihr Gewissen \u00fcber Sie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass junge Menschen im Allgemeinen sehr unsicher sind, weil sie keine Lebenserfahrung haben und ihren Wert untersch\u00e4tzen. So nehmen wir uns selbst wahr, so verhalten wir uns. Und wenn sie dann in dem Kontext, in dem sie sich befinden, alles negativ sehen, weil es nicht so aussieht, als h\u00e4tten sie eine sehr prestigetr\u00e4chtige berufliche Zukunft und die Geh\u00e4lter sind miserabel, und sie haben Erfahrungen mit anderen, etwas \u00e4lteren Kollegen, die ihnen schreckliche Dinge erz\u00e4hlen, dann beginnen sie zu sinken. Wenn sie dar\u00fcber hinaus nicht gelernt haben, wie man den allt\u00e4glichen Frust \u00fcberwindet, wird jede kleine Frustration f\u00fcr sie zu einer gro\u00dfen Frustration. Und das kann dazu f\u00fchren, dass sie bei einer sehr gro\u00dfen Frustration nicht die Kraft haben, diese zu ertragen und wieder zu verarbeiten, sondern dass sie zusammenbrechen. Und dann beginnen all die nihilistischen und pessimistischen Haltungen und die Suche nach einem absurden Ausweg. Aber es gibt viele Faktoren. Abgesehen davon, dass eine Angstkrise sehr schwer und unertr\u00e4glich ist, ist eine depressive Episode das Gleiche, nur mit mehr Kontinuit\u00e4t, und deshalb gibt es nie einen Ausweg aus dem Tunnel. Wenn dann noch sehr bittere Dinge passieren, wenn es um einen herum wimmelt, wenn zum Beispiel die Freundin einen verl\u00e4sst oder der Vater Zigaretten kauft und nicht zur\u00fcckkommt, wird es sehr kompliziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sehen Sie Gott im Leben Ihrer Patienten?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche, ihn zu sehen, und es ist mir sehr gut gelungen, denn ich habe den Eindruck, dass sich die Art und Weise, wie man mit einem Patienten umgeht, \u00e4ndert, wenn man Jesus Christus selbst dort sieht. Das ist ein anderer Horizont. Das ist mir einmal mit einer depressiven Frau passiert, die als Prostituierte arbeitete, eine kleine Tochter hatte und sehr depressiv war, sie hatte eine sehr schlechte Zeit. Aber da sie ihr Umfeld nicht ver\u00e4nderte, gab es nat\u00fcrlich keine gro\u00dfe Chance auf Besserung, und die Medikamente waren nicht sehr wirksam. Eines Tages, als ich schon etwas m\u00fcde war und die Person vor mir hatte, begann ich mich zu fragen: \"Was mache ich hier mit einer Person, f\u00fcr die ich keine Verantwortung trage, die ich aber auch nicht in Ordnung bringen kann, und es wird sehr schwierig sein, sie da herauszuholen? Ich war kurz davor, das Handtuch zu werfen. Und dann muss jemand zu mir gesagt haben, oder zumindest habe ich es in meinem Kopf gesehen: \"Stell dir vor, diese Frau ist Jesus Christus, wie w\u00fcrdest du sie behandeln? Und das hat meine Meinung ge\u00e4ndert. Ich fing an, sie anders zu behandeln, ich war weniger besorgt dar\u00fcber, dass sie mich nicht bezahlte, und ich begann zu relativieren, was mir vorher als wichtigere Kategorien erschien. Von da an wurde es etwas besser, auch wenn ich sie am Ende wohl nicht dazu bringen konnte, ihren Job aufzugeben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aquilino Polaino ha ejercido la psiquiatr\u00eda durante casi cincuenta a\u00f1os. Adem\u00e1s, ha sido catedr\u00e1tico en la Complutense durante tres d\u00e9cadas, y es miembro de las Reales Academias de Medicina de Valencia, C\u00e1diz y Granada. En su larga trayectoria ha conocido a importantes personalidades del siglo XX, como el psiquiatra Viktor Frankl. 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