{"id":43002,"date":"2024-11-07T07:00:00","date_gmt":"2024-11-07T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=43002"},"modified":"2025-01-27T17:51:36","modified_gmt":"2025-01-27T15:51:36","slug":"eugenio-corti-rotes-pferd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/cultura\/eugenio-corti-caballo-rojo\/","title":{"rendered":"Das Leben von Eugenio Corti, Autor von \"Das rote Pferd\" (I)"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einigen Monaten, im Februar 2024, verstarb Wanda Corti, die Ehefrau von Eugenio, dem Autor von Romanen wie dem ber\u00fchmten \"Das rote Pferd\", im Alter von fast 97 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei mehreren Gelegenheiten hatte ich die Ehre, mit Frau Corti zu sprechen, die sich meldete, nachdem ich einfach ihren Namen im Telefonbuch nachgeschlagen hatte. Ich hatte mich ihr vorgestellt, ihr als Schriftstellerin und Historikerin meine Bewunderung f\u00fcr das Leben und das Werk ihres Mannes anvertraut, ihr meine B\u00fccher gegeben, und sie hatte mich nicht nur ermutigt, weiterzumachen, sondern mich sogar nach einem Vortrag, den ich vor einigen Jahren \u00fcber Eugenio Corti gehalten hatte, zur\u00fcckgerufen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nun stehe ich hier und schreibe \u00fcber jemanden, der mein Leben und meine Berufung als Mensch und als Geschichtenerz\u00e4hler so sehr beeinflusst hat. Eugenio Corti ist f\u00fcr mich in der Tat ein Vater, ein Lehrer, ein Vorbild f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung seiner eigenen K\u00e4mpfe, der Entt\u00e4uschungen, die er erleiden musste, und der Herausforderungen, denen er sich stellen musste.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Zitate aus den Worten von Eugenio Corti sind entnommen aus: Paola Scaglione, Geformte Worte. Die Tage und das Werk von Eugenio Corti, Edizioni Ares, 2002.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erster Teil: Die ersten Jahre und der Krieg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte zun\u00e4chst \u00fcber sein Leben sprechen, das ein wahres Epos ist (ein Epos, aus dem Griechischen \u1f10\u03c0\u03bf\u03c0\u03bf\u03b9\u0390\u03b1, zusammengesetzt aus \u1f14\u03c0\u03bf\u03c2, \"epos\", und \u03c0\u03bf\u03b9\u03ad\u03c9, \"poieo\", was \"tun\" bedeutet, ist eine poetische Komposition, die von Heldentaten erz\u00e4hlt), und zwar anhand dessen, was als sein geistiges Testament gilt, eines Briefes, den er 1993 an seine Frau Vanda schrieb und der unterstreicht, wie stark seine menschliche und geistige Verbindung war:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Vanda mia:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du sprichst von dir selbst als einer, \"der keine Frucht getragen hat\": aber das ist nicht wahr, das ist nicht die Wirklichkeit. Die Anspielung auf das Fehlen von leiblichen Kindern ist offensichtlich; auch ich w\u00fcnschte mir einst welche, aber weder du noch ich waren dazu berufen: unsere Vereinigung war in Gottes Pl\u00e4nen nicht dazu bestimmt; ja, wenn wir Kinder gehabt h\u00e4tten, h\u00e4tte Gottes Plan f\u00fcr uns nicht verwirklicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere wahren Kinder sind unsere B\u00fccher, die nicht nur von mir, sondern auch von Ihnen stammen. Sie stehen innerlich - wie ihr wisst - auf zwei S\u00e4ulen: der Wahrheit und der Sch\u00f6nheit, und ohne euch an meiner Seite und jeden Tag vor meinen Augen h\u00e4tte es ihre Sch\u00f6nheit nicht gegeben oder sie w\u00e4ren stark verk\u00fcmmert, das hei\u00dft, sie h\u00e4tten letztlich nicht existiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Leben war also nicht etwas Langweiliges, sondern im Gegenteil etwas Brillantes: Es war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Abenteuer als Frau. Denn diese B\u00fccher - das wissen auch Sie - sind voll gelungen und haben einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Wert. Nicht jeder ist heute in der Lage, dies zu verstehen, weil er mit der falschen Leitkultur konfrontiert ist. Aber es gibt auch keinen Grund, das zu bedauern: Im Gegenteil, ich bete immer zu Gott, dass er mir - solange ich lebe - nicht die Genugtuung eines gro\u00dfen Erfolges gew\u00e4hrt, denn in dieser Hinsicht bin ich schwach, und ich w\u00fcrde leicht der Versuchung des Stolzes erliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir weiterhin das Reich Gottes suchen, wird uns alles, was wir brauchen, in ausreichender F\u00fclle gegeben werden, so wie es bisher der Fall war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von der Schule in den Krieg<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eugenio Corti wurde am 21. Januar 1921 in Besana, Brianza, als erstes von zehn Kindern geboren. Er ist der Sohn eines Selfmade-Textilindustriellen. Er begann schon als Kind zu arbeiten und schaffte es dann, die Fabrik, in der er arbeitete, die Firma Nava di Besana, zu kaufen, sie zu erweitern und neue Fabriken zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er studierte in Mailand im Internat von San Carlo, wo er das Gymnasium und das klassische Abitur absolvierte. Seine Eltern wollten, dass er Buchhalter wird, um ein wertvoller Assistent in der Firma zu werden, aber der Rektor des Kollegs, Monsignore Cattaneo, war strikt dagegen, da er erkannte, dass f\u00fcr den jungen Eugene das klassische Abitur der geeignetste Weg war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1940 wurde sein Studium pl\u00f6tzlich unterbrochen und Eugenio konnte sein Abitur nicht ablegen, da es von Amts wegen bestanden wurde: Italien trat in den Krieg ein. Dennoch konnte sich der junge Corti an der Katholischen Universit\u00e4t einschreiben, obwohl er nur das erste Jahr Jura studieren konnte, denn danach wurde er zum Milit\u00e4rdienst einberufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unteroffiziersausbildung begann 1941 und dauerte ein Jahr, an dessen Ende Eugene Corti Unterleutnant wurde.  In der Zwischenzeit gab er seine Bitte weiter, an die russische Front geschickt zu werden: \"Ich hatte darum gebeten, an diese Front geschickt zu werden, um mit eigenen Augen die Ergebnisse des gigantischen Versuchs der Kommunisten zu sehen, eine neue Welt zu errichten, v\u00f6llig losgel\u00f6st von Gott, oder besser gesagt, gegen Gott. Ich wollte unbedingt die Realit\u00e4t des Kommunismus kennenlernen; deshalb betete ich zu Gott, dass er mir diese Erfahrung, die ich f\u00fcr grundlegend hielt, nicht verwehren m\u00f6ge: Ich habe mich nicht geirrt\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aufenthalt in Russland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Corti gewann schlie\u00dflich und ging nach Russland. \"Ich kam Anfang Juni 1942 an der Front an. Einen Monat lang bewegte sich die Front nicht, dann kam unser gro\u00dfer Vorsto\u00df vom Donetz zum Don, gefolgt von Monaten des Stillstands. Am 16. Dezember begann die russische Offensive am Don und am 19. Dezember der R\u00fcckzug: Noch in der gleichen Nacht fand sich mein Armeekorps in einem Sack eingeschlossen. Man hatte uns befohlen, den Don ohne Treibstoff f\u00fcr die Fahrzeuge zu verlassen, so dass wir unsere gesamte Ausr\u00fcstung aufgeben mussten, ohne ein einziges Gesch\u00fctz, Zelte oder Proviant retten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es waren die dramatischsten Tage in Cortis Leben: die achtundzwanzig Tage der Exerzitien, die er in \"I pi\u00f9 non ritornano\" meisterhaft schildert. Am Weihnachtsabend 1942 legte er Maria ein Gel\u00fcbde ab: Wenn er gerettet w\u00fcrde, w\u00fcrde er sein Leben der Arbeit f\u00fcr das Reich Gottes widmen, um mit den ihm gegebenen Gaben ein Werkzeug dieses Reiches zu werden: \"Wenn ich gerettet w\u00fcrde, w\u00fcrde ich mein ganzes Leben in den Dienst jenes Verses des Vaterunsers stellen, der sagt: Dein Reich komme\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst in der Nacht zum 16. Januar gelang es einigen wenigen \u00dcberlebenden, sich aus der russischen Umzingelung zu befreien. Von der 229.000 Mann starken Italienischen Armee in Russland (ARMIR) sind insgesamt 74.800 gefallen und in Gefangenschaft geraten; von den etwa 55.000 gefangenen Soldaten kehren nur 10.000 zur\u00fcck. Was den Sektor Corti betrifft, so kamen von den rund 30.000 Italienern des 35. Armeekorps, die am Don eingekesselt waren, nur 4.000 wieder heraus, von denen 3.000 erfroren oder schwer verwundet waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckkehr nach Hause<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner R\u00fcckkehr und einer schwierigen Genesung kehrte er im Juli 1943 in die Kaserne in Bozen zur\u00fcck und wurde dann nach Nettunia versetzt, von wo aus er nach dem 8. September in Begleitung seines Freundes Antonio Moroni zu Fu\u00df nach S\u00fcden ging, um sich wieder der regul\u00e4ren Armee anzuschlie\u00dfen. Diese Ereignisse und alle anderen, die mit dem Befreiungskrieg zusammenh\u00e4ngen, sind in \"Gli ultimi soldati del re\" nachzulesen. Nach einem Aufenthalt in den Aufr\u00fcstungslagern meldete sich Corti freiwillig zu den Einheiten, die die Alliierten bei der Befreiung Italiens flankieren sollten, um das Vaterland zu retten: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Heimat ist nicht zu verwechseln mit den Denkm\u00e4lern der St\u00e4dte oder dem Geschichtsbuch: Es ist das Erbe, das uns unsere Eltern, unser Vater hinterlassen haben. Es sind die Menschen, die uns \u00e4hnlich sind: unsere Familie, unsere Freunde, unsere Nachbarn, diejenigen, die wie wir denken; es ist das Haus, in dem wir leben (das uns immer in den Sinn kommt, wenn wir weit weg sind), es sind die sch\u00f6nen Dinge, die wir um uns herum haben. Die Heimat ist unsere Art zu leben, die sich von der aller anderen V\u00f6lker unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frieden: erste Arbeiten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der junge Corti kehrte ins b\u00fcrgerliche Leben zur\u00fcck und begann widerwillig zu studieren, um seine Eltern zufrieden zu stellen, und machte 1947 seinen Abschluss in Jura. Das Grauen, das er erlebt hat, und die Ungewissheit der Zukunft haben seine Einstellung zur Realit\u00e4t f\u00fcr immer ver\u00e4ndert. Er ist ein Veteran, und als solcher k\u00e4mpft er darum, sich wieder in das gew\u00f6hnliche Leben, in die gew\u00f6hnlichen Probleme der jungen Leute seines Alters einzugliedern. Im selben Jahr ver\u00f6ffentlicht er \"I pi\u00f9 non ritornano\", sein erstes Buch mit Garzanti, \u00fcber den russischen R\u00fcckzug, den er so schmerzlich erlebt hat. Ebenfalls 1947, anl\u00e4sslich seines letzten Examens an der Universit\u00e4t, lernte er Vanda di Marsciano kennen, die Frau, die 1951 seine Ehefrau werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Jahr begann Corti, in der Industrie seines Vaters zu arbeiten: Er mochte die Arbeit nicht, aber er blieb etwa zehn Jahre lang dabei.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chroniken des Krieges<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Kriegschronik ist Cortis Analyse des Kampfverhaltens der Italiener, die sehr individualistisch, instinktiv unruhig und zur Rebellion gegen die Autorit\u00e4ten neigen, sehr wichtig: Das Verhalten der Italiener im Krieg ist ein perfektes Abbild ihrer Lebensweise zu Hause. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gute Herz unserer Soldaten ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist jedoch die Schwierigkeit, sich f\u00fcr das Gemeinwohl einzusetzen und zu vereinen. Die Feigheit der Mehrheit wechselte sich ab mit dem Heldentum und dem patriotischen Eifer einiger Einzelner und einzelner Korps, insbesondere der Alpini und der Corazzieri, hervorragende Soldaten, die sogar besser waren als die Deutschen. Weitere wichtige kriegs- und kulturpolitische \u00dcberlegungen betreffen Deutsche, Polen und Russen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Jahren widmete sich Corti einem gr\u00fcndlichen theoretischen und historischen Studium des Kommunismus. Kombiniert mit seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen auf sowjetischem Boden, lie\u00dfen ihn diese Studien genau verstehen, was in Russland vor sich ging; nicht nur das, mit einer wirklich einzigartigen intellektuellen Klarheit war er in der Lage, die Gr\u00fcnde f\u00fcr das - unvermeidliche - Scheitern der kommunistischen Ideologie zu erkl\u00e4ren.&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hace unos meses, en febrero de 2024, falleci\u00f3 a los casi 97 a\u00f1os de edad Wanda Corti, esposa de Eugenio, autor de novelas como la c\u00e9lebre \u00abEl caballo rojo\u00bb. 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