{"id":43794,"date":"2024-12-17T07:09:00","date_gmt":"2024-12-17T05:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=43794"},"modified":"2024-12-16T15:11:20","modified_gmt":"2024-12-16T13:11:20","slug":"cristo-laguna-cesaropapismo-constitucional","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/cristo-laguna-cesaropapismo-constitucional\/","title":{"rendered":"Der Christus von La Laguna und der konstitutionelle C\u00e4saropapismus"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder, der sich f\u00fcr die Geschichte der Beziehungen zwischen Kirche und Staat interessiert, wird sich daran erinnern, dass es unter Konstantin dem Gro\u00dfen ein Ph\u00e4nomen gab, das als C\u00e4saropapismus bekannt ist. Unter C\u00e4saropapismus versteht man die Einmischung der weltlichen politischen Autorit\u00e4t in geistliche Angelegenheiten, die Ernennung und Absetzung von Bisch\u00f6fen, die Einberufung von Konzilien und die treue Wahrung der Orthodoxie. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/carlomagno-sueno-neue-europaischer-humanismus-preis\/\">Charlemagne <\/a>war ebenfalls ein klarer Vertreter dieser kaiserlichen Politik, die nach der Reformation in den europ\u00e4ischen katholischen K\u00f6nigreichen unter dem Namen \"Royalismus\" wieder auftauchte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrhunderte sind vergangen, aber der C\u00e4saropapismus bleibt eine Versuchung, der man leicht erliegen kann. Selbst in religi\u00f6s pluralen Gesellschaften. Und auch das spanische Verfassungsgericht ist vor dieser Versuchung nicht gefeit: In seinem j\u00fcngsten Urteil vom 4. November ist es ihr sogar erlegen. Schauen wir uns den Fall und die merkw\u00fcrdige Argumentation des Gerichts an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Fall Teneriffa<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch zun\u00e4chst eine Klammer, um das Thema zu verdeutlichen. Bis zum 4. November letzten Jahres vertrat das Verfassungsgericht die Auffassung, dass die in Artikel 16.3 der Verfassung geforderte Konfessionslosigkeit bedeutet, dass jede Vermischung zwischen religi\u00f6sen und staatlichen Aufgaben verboten ist. Der Staat ist also in religi\u00f6sen Angelegenheiten unzust\u00e4ndig und kann daher beispielsweise nicht entscheiden, was im Religionsunterricht an den \u00f6ffentlichen Schulen gelehrt wird (dar\u00fcber entscheiden die Konfessionen, die Vereinbarungen unterzeichnet haben) oder welche Lehrer unterrichten (auch diese werden von den Konfessionen vorgeschlagen). Der Staat, der keine Zust\u00e4ndigkeit in religi\u00f6sen Angelegenheiten hat, ist verpflichtet, in diesem Bereich neutral zu bleiben und die Autonomie der Konfessionen in ihren eigenen Angelegenheiten zu respektieren. Diese Neutralit\u00e4t und diese Autonomie sind eine Garantie f\u00fcr die Religionsfreiheit der B\u00fcrger, ob gl\u00e4ubig oder nicht, und der Gemeinschaften, ob religi\u00f6s oder nicht, denen sie angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Urteil vom 4. November liegt der folgende Fall zugrunde. Do\u00f1a Mar\u00eda Teresita Laborda Sanz m\u00f6chte Mitglied des P\u00e4pstlichen Rates werden, <a href=\"https:\/\/www.cristodelalaguna.com\/%C3%A7\">Real y Venerable Esclavitud del Sant\u00edsimo Cristo de La Laguna (K\u00f6nigliche und ehrw\u00fcrdige Sklaverei des heiligen Christus von La Laguna)<\/a> (Teneriffa), eine Vereinigung nach kanonischem Recht, deren Urspr\u00fcnge auf das 17. Jahrhundert zur\u00fcckgehen. Jahrhundert zur\u00fcckreichen. Das Grundproblem f\u00fcr die Mitgliedschaft besteht darin, dass der Verein nach seinen Statuten nur M\u00e4nner aufnimmt. Der Kl\u00e4ger m\u00f6chte dies \u00e4ndern und beantragt daher bei den spanischen Gerichten, dieses statutarische Hindernis f\u00fcr nichtig zu erkl\u00e4ren, da es gegen die Gleichheit und das Vereinigungsrecht verst\u00f6\u00dft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl das erstinstanzliche Gericht als auch das Provinzgericht entschieden, dass die Statuten nichtig seien und das Hindernis daher beseitigt werden m\u00fcsse, um dem Willen von Do\u00f1a Mar\u00eda Teresita zu entsprechen. Die kanonische Vereinigung legte jedoch Berufung beim Obersten Gerichtshof ein, der ihr Recht gab. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die Verbandsautonomie (Zulassung oder Nichtzulassung nach eigenen Regeln) ist etwas Normales, und wenn Sie nicht in einen Verband aufgenommen werden, dann gr\u00fcnden Sie einen anderen...&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grundlegende Rechte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Behinderung der Grundrechte des potenziellen Mitglieds kann nur dann als gegeben angesehen werden, wenn die Vereinigung de jure oder de facto eine beherrschende Stellung im wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen oder beruflichen Bereich innehat, so dass die Mitgliedschaft oder der Ausschluss dem Betroffenen erheblichen Schaden zuf\u00fcgen w\u00fcrde. Mit anderen Worten: Eine Beeintr\u00e4chtigung der Rechte von Frau Mar\u00eda Teresita liegt vor, wenn sie z. B. an Gedichtwettbewerben teilnehmen m\u00f6chte, daf\u00fcr aber dem einzigen spanischen Dichterverband angeh\u00f6ren muss, der Gedichtwettbewerbe veranstaltet, und dieser Verband l\u00e4sst nur M\u00e4nner zu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer es geschafft hat, geduldig bis hierher zu lesen, wird vorerst mit der Vorstellung zur\u00fcckgelassen, dass die \"beherrschende Stellung\" im \"wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen oder beruflichen Bereich\" liegt und dass die Mitgliedschaft oder der Ausschluss zu einer \"erheblichen Beeintr\u00e4chtigung\" f\u00fchren muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kehren wir zu den Fakten zur\u00fcck. Angesichts der Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof wandte sich die Protagonistin des Falles an das Verfassungsgericht. Dieses entschied, dass das Recht der Beschwerdef\u00fchrerin auf Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts und ihr Vereinigungsrecht verletzt worden waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der \"wache\" Einfluss<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kam es zu diesem Ergebnis, das im Gegensatz zu dem des Obersten Gerichtshofs steht? Ganz einfach: Die kritische Gender-Theorie (ein Aspekt des \"Wokismus\"), die das juristische Denken eines gro\u00dfen Teils der Mitglieder des Verfassungsgerichts beherrscht, hat das Ergebnis vorweggenommen. Es stimmt, dass bei vielen Gelegenheiten das erste, was den Richter (oder die Richterin) bewegt, eine Ahnung ist, das Ergebnis, das er oder sie erreichen will: \"Hier m\u00fcssen wir Do\u00f1a Mar\u00eda Teresita das Recht geben, ja oder ja\". Und dann wird eine ganze komplexe juristische Argumentation konstruiert, um diese Vermutung zu st\u00fctzen. Problematisch wird es, wenn diese juristische Argumentation falsch ist. Und genau das ist in diesem Fall der Fall.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum? Denn wenn es darum geht, die beherrschende Stellung der Vereinigung zu analysieren, die die Rechte einer Person behindert, sollten wir uns daran erinnern, dass der Staat durch seine Rechtsprechungsorgane problemlos in den wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen oder beruflichen Bereich eindringen kann, nicht aber in den religi\u00f6sen Bereich, denn dort ist der Staat inkompetent, er ist neutral, er respektiert die Autonomie der religi\u00f6sen Gruppen. Und was macht das Verfassungsgericht dann? Ganz einfach: Es betritt den religi\u00f6sen Bereich, der ihm verboten war, \u00fcber den kulturellen Bereich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Worten des Urteils: \"And\u00e4chtige und religi\u00f6se Handlungen (...) sind \"kultische\" Handlungen (...) Aber die Tatsache, dass es sich um gottesdienstliche Handlungen handelt, schlie\u00dft nicht aus, dass diese Handlungen auch eine soziale oder kulturelle Projektion haben k\u00f6nnen (...) folglich k\u00f6nnen die Vereinigungen, die diese \u00f6ffentlichen und feierlichen Manifestationen des Glaubens organisieren und daran teilnehmen, auch eine dominante oder privilegierte Position einnehmen, je nach der sozialen und kulturellen Bedeutung, die diese Manifestationen erlangen\". Kurz gesagt: Das Nebens\u00e4chliche (das Kulturelle) wird zum Haupts\u00e4chlichen, um dem Haupts\u00e4chlichen (dem Religi\u00f6sen) eine parteiische Vision aufzuzwingen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">W\u00fcnsche sollten Rechte sein<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Welche Beweise gibt es daf\u00fcr, dass ein erheblicher Schaden entstanden ist? Es wird angenommen, dass ein solcher Schaden in zwei Bereichen eingetreten sein k\u00f6nnte. Der erste ist die Religiosit\u00e4t der Beschwerdef\u00fchrerin: Kann das Verfassungsgericht diese messen? Ich f\u00fcrchte nein. Maria Teresitas Religionsfreiheit? Nun, sie wurde nicht an der Aus\u00fcbung dieser Freiheit gehindert, sofern sie die Rechte der anderen respektiert (insbesondere die der Mitglieder der kanonischen Vereinigung, um die es hier geht). Wirtschaft, soziale Stellung, Besch\u00e4ftigungsstatus? Hier\u00fcber gibt es keine Aufzeichnungen. Dennoch ist die Vorstellung, dass die Beschwerdef\u00fchrerin einfach daran gehindert wurde, das zu tun, was sie tun wollte, n\u00e4mlich den Individualismus innerhalb oder au\u00dferhalb der Kirche zum Ausdruck zu bringen, nach Ansicht des Verfassungsgerichts ein grundlegendes Vorurteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um es kurz zu machen: Um den von einem Teil des Verfassungsgerichts vorgeschlagenen Gleichheitskreuzzug zu gewinnen, wurden die Neutralit\u00e4t des Staates, die Autonomie der religi\u00f6sen Gruppen und eine besondere Form des C\u00e4saropapismus abgeschafft. Der Schlamassel ist nur vergleichbar mit einem Urteil des kolumbianischen Verfassungsgerichts (ich h\u00e4tte mir nie vorstellen k\u00f6nnen, dass es hier so weit kommen w\u00fcrde, aber die Fantasie ist immer kurz) vom 23. September 2013, in dem die katholische Kirche gezwungen wurde (!), eine Nonne nach zwei Jahren des Ausschlusses wieder in ihr Kloster aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte.  Wie wir uns erinnern, hat sich die Richterin Mar\u00eda Luisa Balaguer Callej\u00f3n in ihrem Urteil 44\/2023 vom 9. Mai 2023 zur Abtreibung erlaubt, eine kleine Lektion in katholischer Theologie \u00fcber zur\u00fcckgebliebene Animation usw. zu erteilen. In diesem Urteil geht sie erneut zum Angriff \u00fcber und gibt religi\u00f6sen Gruppen einige \"n\u00fctzliche Ratschl\u00e4ge\": \"Auch wenn es nicht Aufgabe des Staates ist, religi\u00f6se Traditionen zu \u00e4ndern, muss das Recht auf Religionsfreiheit das Recht der internen Abweichler, einschlie\u00dflich der Frauen, einschlie\u00dfen, innerhalb der religi\u00f6sen Vereinigungen alternative Ansichten zu vertreten\".&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut, aber was hat das mit diesem Fall zu tun? Und k\u00f6nnen diese religi\u00f6sen Vereinigungen, nachdem sie von ihrem Recht auf interne Meinungsverschiedenheiten Gebrauch gemacht haben, nicht auch Andersdenkende h\u00f6flich vor die T\u00fcr setzen, wie es eine politische Partei mit einem Andersdenkenden tun w\u00fcrde, der vorschl\u00e4gt, die Partei aufzul\u00f6sen oder mit der gegnerischen Partei zu fusionieren? Nun, nein. Vielmehr scheint Balaguer Callej\u00f3n den religi\u00f6sen Gruppen zu raten, wenn sie mit dem Gerichtshof auskommen wollen, gutm\u00fctig zu sein, ihre Smartphone-Taschenlampen einzuschalten und John Lennons \"Imagine\" mitzusingen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quien tenga afici\u00f3n por la historia de las relaciones Iglesia-Estado, recordar\u00e1 que con Constantino el Grande se produjo un fen\u00f3meno conocido como cesaropapismo. El cesaropapismo consiste en la intervenci\u00f3n de la autoridad pol\u00edtica secular en los asuntos espirituales, nombrando y deponiendo obispos, convocando concilios y velando fielmente por la ortodoxia. 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