{"id":44365,"date":"2025-01-10T06:34:00","date_gmt":"2025-01-10T04:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=44365"},"modified":"2025-01-20T12:44:40","modified_gmt":"2025-01-20T10:44:40","slug":"achtsamkeit-und-glaube-widerspruchlich-oder-komplementar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/dossier\/mindfulness-y-fe-contradiccion-o-complemento\/","title":{"rendered":"Achtsamkeit und Glaube: ein Widerspruch oder eine Erg\u00e4nzung?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man nachforscht, ob die Kirche die Achtsamkeit f\u00fcr Katholiken empfiehlt oder davon abr\u00e4t, stellt man fest, dass die meisten Hinweise in den wenigen lehramtlichen Dokumenten, in denen sie erw\u00e4hnt wird, von v\u00f6lliger Missbilligung bis zu einem ernsthaften Aufruf zur Vorsicht bei ihrer Anwendung reichen. Das Gleiche gilt, wenn man auf lehramtstreuen religi\u00f6sen Informationswebsites nach Meinungen zu diesem Thema sucht, da diese offensichtlich in erster Linie von den Meinungen der Seelsorger gespeist werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schwerwiegende Probleme<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stimmt, dass es f\u00fcr viele Bisch\u00f6fe, Priester und kritische Menschen sehr gute Gr\u00fcnde gibt, von Achtsamkeit abzuraten. An Gr\u00fcnden zur Besorgnis mangelt es nicht: In einigen kirchlichen Einrichtungen wurden beispielsweise die traditionellen geistlichen \u00dcbungen (die auf \u00e4u\u00dferer Stille, Sakramentenempfang und Predigt beruhen) durch Yoga, Zen-Meditation oder Achtsamkeits-Exerzitien ersetzt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite gibt es katholische Schulen und Universit\u00e4ten, die Aktivit\u00e4ten zu diesen Themen anbieten, als w\u00e4ren sie der nat\u00fcrliche oder \"moderne\" Ersatz f\u00fcr die christliche Art zu beten. Allein aufgrund dieser beiden Tatsachen muss man zugeben, dass die entstandene Verwirrung sehr sp\u00fcrbar und in manchen Zusammenh\u00e4ngen sogar besonders gravierend ist, so dass es nur nat\u00fcrlich ist, dass bei vielen Menschen die Alarmglocken l\u00e4uten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewunderung f\u00fcr \u00f6stliche Praktiken ging Hand in Hand mit dem Aufkommen vieler pseudoreligi\u00f6ser, esoterischer, magischer oder phantasievoller Glaubensvorstellungen. Davon sind nat\u00fcrlich nicht nur Christen betroffen, sondern alle B\u00fcrger, so dass es Kliniken gibt, die Physiotherapie oder Reiki (eine japanische Heilmethode, die auf der Vorstellung beruht, dass die Lebensenergie durch den K\u00f6rper flie\u00dft und durch die H\u00e4nde des Therapeuten kanalisiert werden kann; ihre Annahmen sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar) als Therapien mit \u00e4hnlicher Wirksamkeit anbieten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zunahme des Halloween-Festes (nach Weihnachten die zweitgr\u00f6\u00dfte Ausgabeveranstaltung) oder die Normalisierung zahlreicher vermeintlich \"spiritueller\" Praktiken (Horoskope, Tarot, Ouija, Santeria und vieles mehr) sind weitere Beispiele f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen der Vielfalt unwissenschaftlicher oder irrationaler Glaubensvorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Relevanz der Auseinandersetzung mit solchen Themen ist so weit heruntergespielt worden, dass selbst Themen, die direkt mit dem Teufel zu tun haben, nicht mit einem Mindestma\u00df an Glaubw\u00fcrdigkeit betrachtet werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine der gr\u00f6\u00dften Handelsketten Spaniens vor zwei Monaten ein Spiel mit dem Titel \"Der Teufel\" f\u00fcr Kinder ab 14 Jahren auf den Markt brachte.<a href=\"https:\/\/genxgames.es\/producto\/invoquemos-demonios\/\">D\u00e4monen beschw\u00f6ren<\/a>\". Die Proteste, die es in den sozialen Medien ausl\u00f6ste, f\u00fchrten dazu, dass es aus den Regalen genommen wurde, aber es zeigt auch, wie sehr diese Themen bagatellisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz dieses beunruhigenden Kontextes lohnt es sich, eingehend dar\u00fcber nachzudenken, ob Achtsamkeit als eine therapeutische Praxis betrachtet werden kann, die sich von ihren Vorg\u00e4ngern unterscheidet. Der christliche Glaube sollte sich nicht davor scheuen, sich auf das zu berufen, was in allen Dingen wahr und gut ist. Hinzu kommt, dass Achtsamkeit von vielen Psychologen und Psychiatern zunehmend empfohlen wird, um Stress oder \u00c4ngste zu bew\u00e4ltigen, und es w\u00e4re ziemlich kontraproduktiv f\u00fcr die Kirche, sich ihr ohne triftige Gr\u00fcnde zu widersetzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der christliche Glaube setzt sich f\u00fcr die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft ein, so dass der Gl\u00e4ubige keine Angst davor haben sollte, die Dinge ruhig und gr\u00fcndlich zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Verwestlichung des Yoga<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achtsamkeit ist eine Praxis, die ihre Wurzeln in der buddhistischen Philosophie hat und ein grundlegender Teil des Dharma-Rades ist, das die grundlegenden Lehren des Buddhismus zusammenfasst. Insbesondere ist die Achtsamkeit Teil des \"Edlen Achtfachen Pfades\", einer der Schritte im Yoga, mit denen versucht wird, das Leiden zu beseitigen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweifellos ist diese buddhistische Sichtweise mit dem christlichen Glauben unvereinbar, da sie behauptet, einen Zustand des vollkommenen Gl\u00fccks zu erreichen, der keine g\u00f6ttliche Hilfe erfordert. Das gnostische Erbe ist offensichtlich, denn pers\u00f6nliche Erkenntnis und Askese sind die Hauptursachen f\u00fcr die pers\u00f6nliche Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor f\u00fcnfzig Jahren waren die westlichen Gesellschaften weitaus weniger leichtgl\u00e4ubig und synkretistisch als heute, so dass es f\u00fcr Yoga und die ihm zugrunde liegenden religi\u00f6sen und kulturellen Vorstellungen nicht leicht war, in der \u00d6ffentlichkeit Geh\u00f6r zu finden. Eine Gruppe von \u00c4rzten war jedoch der Meinung, dass einige der Praktiken f\u00fcr die psychische Gesundheit von Nutzen sein k\u00f6nnten, unabh\u00e4ngig davon, ob ihre Annahmen akzeptiert wurden. Einer von ihnen war Dr. Jon Kabat-Zinn, ein Doktor des MIT, der in den 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten ein Programm zur Stressreduzierung auf der Grundlage der Achtsamkeit entwickelte. Um Akzeptanz zu erreichen, entfernte er die religi\u00f6se Komponente der \u00f6stlichen Praxis, was ihre Akzeptanz in Gesundheits- und Wellnesskontexten erleichterte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist Achtsamkeit?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achtsamkeit ist eine Praxis, die auf viele Arten durchgef\u00fchrt werden kann. F\u00fcr den Anfang reicht es aus, sich auf einen Stuhl zu setzen, die Augen zu schlie\u00dfen und zu versuchen, die volle Aufmerksamkeit des Geistes auf die Atmung zu richten. Eine andere M\u00f6glichkeit ist, zu versuchen, andere Wahrnehmungen der verschiedenen Sinne wahrzunehmen, derer wir uns normalerweise nicht bewusst sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend man versucht, sich einige Minuten lang auf die K\u00f6rperempfindungen zu konzentrieren, kann man leicht von anderen Gedanken abgelenkt werden, die einen wahrscheinlich auch zu anderen Zeiten des Tages besch\u00e4ftigt haben: ein Einkauf oder ein anstehender Anruf, eine berufliche Angelegenheit, ein Familienproblem usw. Viele dieser Gedanken k\u00f6nnen negativ oder stressig sein, vor allem, wenn man st\u00e4ndig an sie denkt und sich mit ihnen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achtsamkeit l\u00e4dt dazu ein, Gedanken loszulassen, vor allem wenn sie stressig oder negativ sind, aber wenn das nicht m\u00f6glich ist, versucht sie, den Praktizierenden dazu zu bringen, die positiven Aspekte eines schlechten Gedankens wahrzunehmen: Ist es wirklich so schlimm? Hilft es, wenn ich gestresst oder deprimiert bin? Kann ich trotz dieser schlechten Nachricht gl\u00fccklich sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sobald der Achtsamkeitspraktizierende die Bedeutung seiner Gedanken und Gef\u00fchle relativiert hat, wird er versuchen, seine Aufmerksamkeit wieder auf die K\u00f6rperempfindungen zu richten. Es n\u00fctzt wenig, dies einmal zu tun, aber wenn man es t\u00e4glich wiederholt und sich eine gewisse Gewohnheit aneignet, wird die F\u00e4higkeit, auf den gegenw\u00e4rtigen Moment zu achten, zunehmen und man wird aufh\u00f6ren, sich st\u00e4ndig von anderen hypothetischen Gedanken ablenken zu lassen, die Stress erzeugen. Wie zu erwarten, ist eine der Auswirkungen der Achtsamkeitspraxis die Verbesserung der Konzentrationsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Haltungen, die sich entwickeln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wir gesehen haben, zielt die Achtsamkeit darauf ab, dem gegenw\u00e4rtigen Moment so viel Aufmerksamkeit wie m\u00f6glich zu schenken, indem sie es negativen Gedanken leichter macht, sich nicht im Geist festzusetzen und ihn zu ersch\u00f6pfen. Die regelm\u00e4\u00dfige Praxis der Achtsamkeitstherapie zielt insbesondere darauf ab, eine Reihe von Einstellungen in den Menschen zu f\u00f6rdern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Akzeptanz: den gegenw\u00e4rtigen Moment akzeptieren, auch wenn er schlecht ist, oder, soweit m\u00f6glich, das Positive betonen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Urteilen Sie nicht: Oft k\u00f6nnen Sie Ihre Lebensumst\u00e4nde nicht \u00e4ndern, aber Sie k\u00f6nnen entscheiden, welche Haltung Sie ihnen gegen\u00fcber einnehmen wollen, und versuchen, keine harten oder negativen Urteile zu f\u00e4llen, die nichts l\u00f6sen und nur Unzufriedenheit erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Machen Sie sich nicht verr\u00fcckt: Wenn Sie etwas nicht erreichen, ist es sinnlos, Ihre Angst vor dem Nicht-Erreichen zu n\u00e4hren. Positiver ist es, zu versuchen, den Weg zu genie\u00dfen, den man geht, bis man ein Ziel erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Geduld: nicht immer nach dem suchen, was uns gef\u00e4llt, nicht versuchen, die Dinge perfekt zu machen. Das Wichtigste ist, dass wir uns nach und nach verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Selbstvertrauen: Die \u00dcberzeugung, dass man in der Lage ist, das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat, und dass es daher wichtig ist, nicht aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bewertung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie beim regelm\u00e4\u00dfigen Besuch des Fitnessstudios kann man durch t\u00e4gliches \u00dcben von 15 bis 30 Minuten Achtsamkeit gute \"mentale Muskeln\" entwickeln, um den Alltag zu bew\u00e4ltigen. Doch wie beim Sport kann man sich verletzen, wenn man sich \u00fcberanstrengt, so muss man auch bei der Achtsamkeit ein Gleichgewicht zwischen dem Akzeptieren der eigenen Grenzen und dem proaktiven Versuch finden, das zu \u00e4ndern, was man \u00e4ndern kann. Es ist gut, Aristoteles' Diktum aufzugreifen, dass die Tugend in der Mitte zwischen den b\u00f6sartigen Extremen liegt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, ein medizinisches Urteil \u00fcber Achtsamkeit zu f\u00e4llen, zu beurteilen, inwieweit sie wirksam ist, bei welchen Problemen sie am sinnvollsten zu empfehlen ist usw. Dies zu beurteilen, ist Sache der Fachleute im Gesundheitswesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist, dass diese Therapie von immer mehr Therapeuten (auch von guten Katholiken) empfohlen wird und viele Menschen zugeben, dass sie positive Auswirkungen auf ihr Leben hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man also sieht, worin genau die Achtsamkeitspraxis bestehen kann und wie sie von den religi\u00f6sen und synkretistischen Wurzeln des Yoga vollkommen losgel\u00f6st ist, lohnt es sich zu fragen, ob sie irgendetwas enth\u00e4lt, das direkt gegen das katholische Dogma oder die Moral verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Achtsamkeit und Christentum<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die obigen Ausf\u00fchrungen richtig verstanden wurden, scheint es keine <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/ressourcen\/konnen-christliche-ubungen-zur-achtsamkeit\/\">dass mit der Achtsamkeitspraxis etwas von Natur aus nicht stimmt<\/a>. Etwas anderes ist es, wenn man Kurse, B\u00fccher oder Therapien besucht, die Achtsamkeit mit anderen esoterischen Dingen vermischen. In diesem Fall ist es jedoch wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese Vorschl\u00e4ge von dem abweichen, was die meisten Therapeuten unter Achtsamkeit verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Risiko, das sich f\u00fcr einen Gl\u00e4ubigen ergeben kann, besteht darin, dass die Praxis der Achtsamkeit eine gewisse Neugier oder Anziehungskraft auf \u00f6stliche Meditationsmethoden (Yoga, Zen usw.) oder alternative nat\u00fcrliche Methoden (wie Reiki) wecken kann. Wenn eine Person wenig Wissen und Praxis \u00fcber den Glauben hat und zu Leichtgl\u00e4ubigkeit neigt, k\u00f6nnte sie von dem Unbekannten fasziniert sein und denken, dass es in anderen Kulturen genauso viel Weisheit gibt wie im Christentum; dass der Mangel an Beweisen in anderen religi\u00f6sen Traditionen vergleichbar ist mit dem Mangel an Beweisen f\u00fcr einen Christen, der den Bericht der Genesis akzeptiert, und so weiter. Diese Themen sollten katholische F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten dazu ermutigen, die Ausbildung in diesen Fragen zu f\u00f6rdern. Es ist keine gute Einstellung, sich nicht die M\u00fche zu machen, zu unterscheiden, welche Aspekte positiv sein k\u00f6nnen und welche nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Achtsamkeit ist kein Gebet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Grund, warum Achtsamkeit oft mit dem christlichen Gebet verwechselt wird, liegt darin, dass f\u00fcr beide Praktiken oft das gleiche Wort verwendet wird: \"Meditation\". Einerseits wird zum Beispiel im christlichen Kontext von \"Meditation\" als einer pers\u00f6nlichen Art des Betens gesprochen, im Unterschied zu formellen, gesungenen Gebeten (wie dem Rosenkranz oder dem Brevier). Andererseits sagt man auch, wenn man Achtsamkeit praktiziert, dass man Zeit in \"Meditation\" verbringt. Es wird derselbe Begriff verwendet, aber die Bedeutung ist sehr unterschiedlich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Parallelen zwischen den beiden Praktiken enden hier noch nicht, denn von au\u00dfen betrachtet k\u00f6nnen sie ununterscheidbar sein. Ein Mensch kann nicht erkennen, ob ein anderer still betet, versucht, mit Gott zu sprechen, oder sich auf seine Sinne und Gedanken zu konzentrieren. In Wirklichkeit sind diese beiden T\u00e4tigkeiten jedoch sehr unterschiedlich. Das Gebet ist ein Dialog des Menschen mit Gott, w\u00e4hrend die Achtsamkeit eine psychologische Selbstbeobachtung ist. Im Gebet versucht man, den Willen Gottes zu suchen und sich mit ihm zu identifizieren, w\u00e4hrend die Achtsamkeit das k\u00f6rperliche und seelische Wohlbefinden anstrebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verst\u00e4ndnis dieser Unterschiede ist wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Unterschieds zwischen einer gesunden, gesundheitsf\u00f6rdernden Meditationspraxis und christlicher Meditation. Erstere kann positive Einstellungen f\u00fcr das pers\u00f6nliche Wohlbefinden entwickeln, w\u00e4hrend letztere im Dialog eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott er\u00f6ffnet. Die Empfehlungen der kirchlichen Seelsorger haben diesen Aspekt in den letzten zwei Jahrzehnten in ihren Kommentaren immer wieder hervorgehoben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Problematische Positionen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Namen nennen zu wollen, ist es gut zu wissen, dass einige Priester mit gro\u00dfem Medieneinfluss bestimmte Meditationspraktiken gef\u00f6rdert haben, bei denen nicht klar ist, wohin ihre Methoden f\u00fchren. Einige dieser Positionen sind besorgniserregend, weil sie nicht deutlich machen, ob die pers\u00f6nliche Selbstbeobachtung ein Selbstzweck ist oder vielmehr nur ein Mittel, um die Konzentration zu verbessern und sich vom L\u00e4rm der t\u00e4glichen Hektik zu l\u00f6sen, die dann eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott entwickeln soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andere, noch abweichendere Vorschl\u00e4ge besagen, dass man die Grenzen der christlichen Dogmen und Sakramente \u00fcberschreiten muss, um in eine direkte Beziehung zu Gott treten zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich haben solche Ideen, die von Priestern oder anderen prominenten Personen in der Kirche vertreten werden, die Besorgnis der Hierarchie geweckt und ihre Verlautbarungen provoziert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nat\u00fcrlich gut, dass es diese Weckrufe gegeben hat, auch wenn zuweilen \u00fcberm\u00e4\u00dfig pr\u00e4skriptive Urteile gegen die Achtsamkeit gef\u00e4llt worden sein m\u00f6gen. In dieser Hinsicht w\u00e4re es vielleicht noch besser, weiter zu untersuchen, ob die von vielen Psychotherapeuten bef\u00fcrwortete Meditation f\u00fcr einen Gl\u00e4ubigen immer problematisch ist oder als Mittel zur Verbesserung der emotionalen Gesundheit und des Wohlbefindens akzeptiert werden kann (wohl wissend, dass diese immer begrenzt sind).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Al investigar si la Iglesia recomienda o desaconseja el mindfulness para los cat\u00f3licos, se advierte que la mayor\u00eda de referencias que hay en los pocos documentos magisteriales en los que se habla de ella, se mueven entre la desaprobaci\u00f3n total, o una encarecida llamada a la prudencia a la hora de aplicarlo. 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