{"id":44468,"date":"2025-01-21T06:00:00","date_gmt":"2025-01-21T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=44468"},"modified":"2025-01-16T17:54:23","modified_gmt":"2025-01-16T15:54:23","slug":"was-ist-kirchenrecht-und-wozu-dient-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/que-es-y-para-que-sirve-el-derecho-canonico\/","title":{"rendered":"Was ist Kirchenrecht und wozu dient es?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">In jedem Bereich der menschlichen Erkenntnis ist das Verst\u00e4ndnis des Wesens des jeweiligen Gegenstandes entscheidend. Im Bereich des Rechts ist die Notwendigkeit, sich st\u00e4ndig vor Augen zu halten, was Recht ist, sehr offensichtlich; das Gleiche gilt f\u00fcr das Kirchenrecht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist nicht nur eine theoretische, elegante oder exquisite Frage, sondern eine Frage, die in der Tat die gesamte praktische Arbeit des Juristen und insbesondere des Kanonisten beeinflusst und bestimmt und die auch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Kirchenrechts durch Nichtfachleute sehr wichtig ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn dieses Problem umgangen wird, kann dies dazu f\u00fchren, dass bestimmte unzul\u00e4ngliche Schemata mechanisch akzeptiert werden und sogar die Realit\u00e4t verzerren, mit der traurigen Folge, dass Ungerechtigkeiten gebilligt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegenw\u00e4rtig scheint mir in dieser Hinsicht ein Paradox zu bestehen. Einerseits gibt es auf theoretischer Ebene eine ziemlich weitgehende \u00dcbereinstimmung dar\u00fcber, wie wichtig es ist, das Recht in der Kirche im Lichte des Mysteriums der Kirche selbst zu begreifen, wie es in der <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/ressourcen\/theologie-vatikan-konzil-vatikan-ii-2\/\">Zweites Vatikanisches Konzil<\/a> (vgl. <em>Optatam totius<\/em>, n. 16). Man ist sich bewusst, dass ein positivistischer Ansatz, der vor allem als ein einfacher Legalismus verstanden wird, der das Kirchenrecht als eine blo\u00dfe Sammlung menschlicher Gesetze betrachtet, die ohne weiteres auf konkrete F\u00e4lle anzuwenden sind, derzeit nicht verf\u00fcgbar ist.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das j\u00fcngste p\u00e4pstliche Lehramt ist in diesem Sinne sehr klar und wiederholt: Das Kirchenrecht muss als eine inh\u00e4rent kirchliche Realit\u00e4t betrachtet werden, als eine Realit\u00e4t, die zur \u00fcbernat\u00fcrlichen Ebene des Glaubens und der Theologie geh\u00f6rt. Dies ist jedoch merkw\u00fcrdigerweise mit einem hartn\u00e4ckigen De-facto-Legalismus vereinbar: Sowohl diejenigen, die das Kirchenrecht verteidigen, als auch diejenigen, die es kritisieren oder, was noch h\u00e4ufiger vorkommt, es einfach ignorieren, betrachten es in der Praxis weiterhin als eine Reihe von Rechtsnormen, die ihren wichtigsten Ausdruck in den geltenden lateinischen und orientalischen Gesetzb\u00fcchern finden. Die oben beschriebene Grund\u00fcberzeugung scheint die tats\u00e4chliche Herangehensweise und Umsetzung des Juridischen im Volk Gottes nicht beeinflusst zu haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Wurzel dieses Ph\u00e4nomens k\u00f6nnen wir erkennen, dass einige grundlegende Gegens\u00e4tze tief verwurzelt sind: Recht-Theologie; Recht-Pastoral; hierarchische Macht-Freiheit und die Rechte der Gl\u00e4ubigen. Das sind Teile, die nicht zueinander passen. Im Grunde genommen, trotz aller theologischen Fortschritte, die gemacht wurden, ist das fr\u00fchere Konzept von <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/unterschriften\/kirchenrechtsreform\/\">Kirchenrecht<\/a> als eine Reihe von kirchlichen Gesetzen. Und dieses Konzept scheint nicht sehr theologisch und nicht sehr pastoral zu sein, was an sich der Freiheit der Kinder Gottes widerspricht. Je theologischer, pastoraler und freiheitsf\u00f6rdernder ein kirchliches Gesetz ist, desto weniger \"juridisch\" sollte es sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das oben beschriebene Geflecht ist nicht leicht zu entwirren. Es wird einige Zeit dauern, bis ein friedliches Bewusstsein dessen, was Recht in der Kirche ist, wiederhergestellt ist und dieses Bewusstsein wirksam erneuert werden kann, das hei\u00dft, dass alles, was in der kanonischen Tradition wertvoll ist, mit den Beitr\u00e4gen des letzten Konzils und dieser ganzen Periode der Kirchengeschichte integriert wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meiner Meinung nach lassen sich zu der von mir gestellten Frage drei grunds\u00e4tzliche Positionen vertreten. Ich werde versuchen, sie kurz zu beschreiben, ohne auf die Details ihrer Formulierungen einzugehen, um direkter zum Kern ihrer Ideen vorzudringen und mich nicht in Schulstreitigkeiten zu verstricken, die \u00fcbrigens in diesem Bereich derzeit dazu neigen, sich zu verwischen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Recht und pastorale Realit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neue Etappe kann vor allem als ein Versuch gesehen werden, das Recht in eine pastorale Realit\u00e4t zu verwandeln, die dem Leben der Gl\u00e4ubigen und der christlichen Gemeinschaften n\u00e4her steht. Es handelt sich um eine positive Tendenz, insofern sie sich gegen die Ausw\u00fcchse einer legalistischen und formalistischen Starrheit wendet, die aus der Einhaltung von Regeln und Formen autonome Ziele macht und die ansonsten traditionelle Funktion der Gerechtigkeit vergisst, sowohl als Korrektur der M\u00e4ngel allgemeiner menschlicher Regeln als auch als M\u00e4\u00dfigung der Gerechtigkeit allein durch N\u00e4chstenliebe und Barmherzigkeit. Positiv ist auch, da\u00df eine ausschlie\u00dflich hierarchische Auffassung des Rechts vermieden wird, als best\u00fcnde es nur aus den Imperativen der heiligen Hirten, wobei die juristische Dimension der Ebene der Gleichheit und der Freiheit vergessen wird, die auf der gemeinsamen christlichen W\u00fcrde aller Getauften beruht, die Teilhaber an der einen Sendung der Kirche und Nutznie\u00dfer des Wirkens des Heiligen Geistes durch seine Gaben und Charismen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Pastoralismus darf jedoch nicht zum Pastoralismus verkommen, d.h. zu einer Haltung, die im Namen des Pastoralismus andere wesentliche Dimensionen des christlichen Mysteriums, einschlie\u00dflich der juristischen Dimension, zu ignorieren oder abzuschw\u00e4chen sucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Seelsorge jede rechtliche Verpflichtung verw\u00e4ssert, jeden kirchlichen Gehorsam relativiert, die kanonischen Normen in der Praxis ihrer Bedeutung beraubt und jede Art von sogenanntem Recht ohne R\u00fccksicht auf seine christliche Legitimit\u00e4t aus\u00fcbt, dann ist sie auch als Seelsorge deformiert. Wahre Seelsorge kann niemals im Widerspruch zum wahren Recht der Kirche stehen. Um dies zu verstehen, ist es jedoch unerl\u00e4sslich zu wissen, was dieses Recht ist. Nur so l\u00e4sst sich die konstitutive Harmonie zwischen Seelsorge und Recht begreifen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die theologische Dimension des kanonischen Rechts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine andere Str\u00f6mung hat die theologische Dimension des Rechts besonders hervorgehoben. Die Bedeutung der M\u00fcnchner Schule, die ihren Ursprung in den USA hat, ist zwar nicht einzigartig, aber <a href=\"https:\/\/summa.upsa.es\/high.raw?id=0000005807&amp;name=00000001.original.pdf\">Klaus M\u00f6rsdorf<\/a>.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon vor dem Konzil hatte M\u00f6rsdorf darauf bestanden, dass das Kirchenrecht etwas der Kirche Eigenes ist, das im Zusammenhang mit der Sakramentalit\u00e4t der Kirche selbst zu verstehen ist, und dass es insbesondere im Wort und in den Sakramenten zu verorten ist, als inh\u00e4rent juristische Faktoren, die das Volk Gottes aufbauen. Unter seinen Sch\u00fclern ist vor allem Eugenio Corecco bekannt, der die Thesen seines Meisters radikalisierte und zu einer Konzeption neigte, die den Unterschied zwischen Kirchenrecht und weltlichem Recht stark betont und die kanonische Wissenschaft als eine im Wesentlichen theologische Wissenschaft begreift. Er verwendet den Begriff des <em>communio <\/em>als Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Rechts in der Kirche und argumentierte, dass in der Kirche die Tugend der N\u00e4chstenliebe und nicht die Gerechtigkeit der Juristen herrschen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier gilt es, zwischen den zweifellos wertvollen Aspekten dieses Ansatzes - vor allem seiner Sicht des Kirchenrechts als etwas, das untrennbar mit dem Geheimnis der Kirche verbunden ist, und seinem R\u00fcckgriff auf theologische Grundgegebenheiten - und seinen Grenzen zu unterscheiden, die meines Erachtens vor allem darin bestehen, dass man die Gerechtigkeit als spezifische Tugend der juristischen Welt vergisst und nicht begreift, dass im Kirchenrecht mit seinem \u00fcbernat\u00fcrlichen Inhalt auch eine nat\u00fcrliche Dimension des menschlichen Zusammenlebens vorhanden ist und wirkt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kirchenrecht im juristischen Realismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Str\u00f6mung besteht auf der Binsenweisheit, dass das Kirchenrecht wahres Recht ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb dieses Ansatzes gibt es mehrere Varianten. An dieser Stelle m\u00f6chte ich diejenigen verwerfen, die versuchen, eine rein technisch-instrumentelle Sichtweise des Rechts anzunehmen, und die von denselben Gegens\u00e4tzen zwischen Recht und Theologie sowie Recht und Pastoral ausgehen, nur zugunsten des Rechts. Viel interessanter sind dagegen jene Lehren, die versuchen, das Beste aus der klassischen und christlichen Rechtstradition auf das Kirchenrecht anzuwenden. Ich denke dabei vor allem an die Bem\u00fchungen meiner unvergesslichen Lehrer, Pedro Lombard\u00eda und Javier Hervada, und vor allem an den Versuch des letzteren, das Recht in der Kirche vom Standpunkt des klassischen juristischen Realismus aus zu betrachten, d. h. von der Vorstellung des Rechts als dem, was gerecht ist, als dem Gegenstand der Tugend der Gerechtigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Perspektive ist das Recht in der Kirche nicht in erster Linie eine Reihe von Normen, sondern das, was in der Kirche selbst gerecht ist, ein Netzwerk von Beziehungen der Gerechtigkeit innerhalb des Volkes Gottes (die auch nach au\u00dfen projiziert werden, entsprechend der universalen Mission der Kirche). An dieser Stelle m\u00f6chte ich einige grundlegende Merkmale dieses Ansatzes hervorheben, die es uns erm\u00f6glichen, seine potenzielle Fruchtbarkeit zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem geht die Perspektive der Gerechtigkeit voll und ganz von der Protagonistenrolle der menschlichen Person in der Kirche aus: der Mensch als Weg der Kirche, wie Johannes Paul II. bekanntlich sagte. Das Gerechte, eine Synthese aus essentiellen und dauerhaften Elementen (g\u00f6ttliches Recht) und kontingenten und historischen Elementen (menschliches Recht), bezieht sich immer auf Personen als Tr\u00e4ger von gegenseitigen Rechten und Pflichten. Im Mittelpunkt des Kirchenrechts steht jeder Mensch, in erster Linie die Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das birgt aber keine Gefahr des Individualismus. Was jedem in der Kirche an Gerechtigkeit zusteht, gibt es gerade deshalb, weil der Heilsplan Gottes in Christus und in der Kirche die menschliche Sozialit\u00e4t in ihren Aspekten der N\u00e4chstenliebe und auch der spezifischen Gerechtigkeit voraussetzt. Wir haben es mit dem gro\u00dfen Thema der Gemeinschaft zu tun, das immer mehr die Aufmerksamkeit der Ekklesiologie unserer Zeit auf sich zieht, da es den eigentlichen Kern der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils \u00fcber die Kirche darstellt. Das Kirchenrecht ist gleichzeitig und untrennbar personalistisch und gemeinschaftlich, eben weil die Zugeh\u00f6rigkeit zur Kirche eine gemeinschaftliche Beziehung der Person mit sich bringt, die von Natur aus gegeben ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Herzst\u00fcck des kanonischen Rechts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vorstellungen werden konkreter und klarer, wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, was der Gegenstand der innerkirchlichen Rechtsbeziehungen ist. Es geht um viele Rechtsg\u00fcter, auch um solche patrimonialer und organisatorischer Art. Das Herz des Kirchenrechts liegt jedoch im Herzen der Kirche selbst, in ihrer sichtbar-sakramentalen Dimension, d.h. in den Heilsg\u00fctern: dem Wort Gottes und den Sakramenten, angefangen mit dem Zentrum dieser G\u00fcter, dem sakramentalen Opfer der Eucharistie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rechte und Pflichten der Gl\u00e4ubigen untereinander und zwischen den Hirten und den anderen Gl\u00e4ubigen aufgrund des Amtspriestertums haben diese Heilsg\u00fcter zum Gegenstand, die nat\u00fcrlich \u00fcber die juristische Dimension hinausgehen, sie aber auch notwendigerweise einschlie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So stellt zum Beispiel die Weitergabe des Wortes Gottes in seiner Echtheit f\u00fcr ein christliches Elternteil eine echte innerkirchliche Gerechtigkeitspflicht gegen\u00fcber seinen Kindern dar; f\u00fcr die Pfarrerinnen und Pfarrer ist es ebenfalls ein st\u00e4ndiges Gebot der Gerechtigkeit, sich so zu organisieren, dass die Sakramente tats\u00e4chlich f\u00fcr alle zug\u00e4nglich sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Sichtweise erm\u00f6glicht es, die sterile Dialektik, die das Verst\u00e4ndnis des Kirchenrechts so oft verdunkelt, harmonisch zu \u00fcberwinden. Verstanden als das, was in der Kirche Recht ist, wird seine theologische Transzendenz unmittelbar deutlich: Es ist eine Dimension des Heilsgeheimnisses selbst, denn Jesus Christus wollte, da\u00df die pilgernde Kirche wie er selbst in seiner irdischen Existenz die Wirklichkeit des Rechts annimmt; und zwar nicht aus zuf\u00e4lligen oder umst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden, sondern vor allem, um uns miteinander zu vereinen in der Bewahrung und Verbreitung der G\u00fcter des Heils in ihrem sichtbaren Aspekt. Es ist daher leicht zu verstehen, warum wir seit jeher die <em>Salus animarum<\/em> als die eigentliche Aufgabe des Rechts in der Kirche. Es handelt sich dabei um einen immanenten Zweck, der dem Wesen der Kirche eigen ist, und nicht um eine Art Zusatz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kanonische Recht ist gerade als Recht heilsam, als das, was richtig ist, und nicht, obwohl es richtig ist, als w\u00e4re es ein geringeres \u00dcbel, das aus rein organisatorischen, rein \u00e4u\u00dferen Gr\u00fcnden erforderlich ist. Unter diesem Gesichtspunkt k\u00f6nnen die ekklesiologischen Begriffe der Gemeinschaft und der Sakramentalit\u00e4t auf die kirchlichen Rechtsangelegenheiten in einer Weise angewandt werden, die \u00fcber jeden Gegensatz zwischen ihnen und dem Gesetz hinausgeht. Es ist viel besser, zu entdecken, dass das Recht in der Kirche, gerade als Recht, eine immanent heilsame, ekklesiale und theologische Realit\u00e4t ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der pastorale Charakter des Rechts wird durch diesen Begriff erhellt. Nat\u00fcrlich ist es offensichtlich, dass das Recht seinem Wesen nach pastoral ist, auch wenn es im kirchlichen Leben und im Handeln der Hirten nat\u00fcrlich viel weiter gehen muss, n\u00e4mlich durch die N\u00e4chstenliebe. Die Barmherzigkeit kann jedoch niemals zu einer Rechtfertigung der Ungerechtigkeit werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vermeintlich pastorale Charakter von L\u00f6sungen, die die Wahrheit des Rechts nicht respektieren, weil sie alles entsprechend den subjektiven Bed\u00fcrfnissen relativieren, erweist sich in der Praxis als zutiefst unfruchtbar. In so wichtigen Fragen wie der G\u00fcltigkeit der Ehe und dem Zugang zur Heiligen Kommunion nicht das einzufordern, was dem Recht geb\u00fchrt, f\u00fchrt trotz des augenblicklichen Anscheins nur dazu, dass man sich von einer heilsamen Begegnung mit Christus entfernt, und f\u00fchrt in Wirklichkeit immer zu einer weiteren Abk\u00fchlung des christlichen Lebens. Eine ganz andere Sache ist es, auf Menschen in Schwierigkeiten zuzugehen, und zwar mit der vorz\u00fcglichen N\u00e4chstenliebe und Geduld, auf die Papst Franziskus so viel Wert gelegt hat, und zu versuchen, sie in die Lage zu versetzen, in ihrem Leben die Sch\u00f6nheit der Forderungen der wahren Liebe zu entdecken. Auch das, was aufgrund einer legitimen menschlichen Norm gerecht ist, immer im Dienst derselben wesentlichen und g\u00f6ttlich konstituierten Dimension der innerkirchlichen Gerechtigkeit, muss als geb\u00fchrende Manifestation der Gemeinschaft in jedem konkreten Moment der Heilsgeschichte beachtet werden. Zu bedenken ist auch die in j\u00fcngster Zeit wiederentdeckte Notwendigkeit, kanonische Sanktionen f\u00fcr Verhaltensweisen zu verh\u00e4ngen, die eine schwere Verletzung der Rechtsg\u00fcter darstellen, wie im Fall des sexuellen Mi\u00dfbrauchs von Minderj\u00e4hrigen durch Kleriker: Das Wohl der Kirche, die wahre Seelsorge, erfordert daher den R\u00fcckgriff auf kirchliche Sanktionen, die immer in einem gerechten Verfahren angewendet werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich macht auch der Gegensatz zwischen hierarchischer Macht und den Rechten der Gl\u00e4ubigen keinen Sinn. Die Hirten stehen, auch wenn sie im eigentlichen Sinne die Akte der Jurisdiktionsgewalt aus\u00fcben, wirklich im Dienst der echten Freiheit der Kinder Gottes. Ihr Dienst ist wahrhaft befreiend, auch in dem Sinne, dass er die apostolische Vitalit\u00e4t aller f\u00f6rdern muss, die in Wirklichkeit darin besteht, eine Haltung der F\u00fcgsamkeit gegen\u00fcber den charismatischen Gaben des Heiligen Geistes zu f\u00f6rdern. Diese Freiheit ist jedoch untrennbar mit der Einheit mit den Hirten verbunden, in erster Linie mit denen, die auf die zw\u00f6lf Apostel folgen, und mit dem, der auf Petrus folgt, und dann mit seinen Mitarbeitern im heiligen Dienst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der katholische Glaube sieht die hierarchische Sendung nicht als Funktion einer einfachen Wirksamkeit der sozialen Autorit\u00e4t (obwohl auch diese Dimension in der Kirche vorausgesetzt wird), sondern als einen Aspekt des kirchlichen Geheimnisses, in dem der vertikale Sinn der Gemeinschaft durch die Darstellung Christi aufleuchtet, die von denen \u00fcbernommen wird, die das Sakrament der Weihe empfangen haben. Hier gibt es ein Geheimnis echter Vaterschaft, eine Teilhabe an der g\u00f6ttlichen Vaterschaft, die uns dazu bringt, die Kirche als Familie zu betrachten, das hei\u00dft als eine Art sozialer Realit\u00e4t, in der das Leben, in diesem Fall das \u00fcbernat\u00fcrliche Leben, weitergegeben wird. Dies kann nat\u00fcrlich in keiner Weise die radikale Gleichheit aller Menschen in dem von Christus errungenen Heil und die daraus folgende radikale Gleichheit aller Getauften in der Kirche verschleiern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen sagen, dass zu den wichtigsten Rechten der Gl\u00e4ubigen gerade das Recht geh\u00f6rt, Hirten zu haben, die ihre Aufgabe als solche erf\u00fcllen, Christus als Haupt in den Sakramenten und im Wort gegenw\u00e4rtig zu machen. All dies steht keineswegs im Gegensatz zur Teilnahme der Laien am institutionellen Bereich der Kirche, die in den synodalen Gremien eine wichtige Stimme haben und kirchliche Aufgaben \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, f\u00fcr die das Weihesakrament nicht erforderlich ist, ohne zu vergessen, dass der Platz, an dem die Laien die Kirche aufbauen m\u00fcssen, vor allem der der zeitlichen Realit\u00e4ten ist: Familie, Arbeit, Kultur, \u00f6ffentliches Leben usw.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verstanden, f\u00e4llt dieses Recht vollkommen in den Bereich der Heilssendung der Kirche. Das Bewu\u00dftsein der Aktualit\u00e4t des Geheimnisses der Menschwerdung des Wortes impliziert auch, da\u00df alle Anstrengungen unternommen werden, damit das Recht eines jeden Menschen auf eine pers\u00f6nliche Begegnung mit Christus durch die Heilsg\u00fcter, die er seiner Kirche hinterlassen hat, verwirklicht wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich einige Worte von Papst Franziskus zitieren, die er k\u00fcrzlich in einem von der R\u00f6mischen Rota gef\u00f6rderten Auffrischungskurs zum Kirchenrecht gesagt hat und die die Beziehung zwischen dem Kirchenrecht und dem Leben und der Sendung der Kirche unterstreichen: \"Wir k\u00f6nnen uns fragen: In welchem Sinne hat ein Rechtskurs mit der Evangelisierung zu tun? Wir sind daran gew\u00f6hnt zu denken, dass das Kirchenrecht und der Auftrag, die Frohe Botschaft Christi zu verbreiten, zwei getrennte Realit\u00e4ten sind. Stattdessen ist es entscheidend, die Verbindung zu entdecken, die sie innerhalb der einen Mission der Kirche vereint. Schematisch k\u00f6nnte man sagen: weder das Recht ohne Evangelisierung noch die Evangelisierung ohne Recht. Der Kern des Kirchenrechts betrifft in der Tat die G\u00fcter der Gemeinschaft, vor allem das Wort Gottes und die Sakramente. Jede Person und jede Gemeinschaft hat das Recht - hat das Recht - auf eine Begegnung mit Christus, und alle Rechtsnormen und -akte zielen darauf ab, die Echtheit und Fruchtbarkeit dieses Rechts, d.h. dieser Begegnung, zu f\u00f6rdern. Daher ist das oberste Gesetz das Heil der Seelen, wie der letzte Kanon des Codex des kanonischen Rechts bekr\u00e4ftigt (vgl. Kanon 1752)\" (Diskurs vom 18. Februar 2023). <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>En cualquier \u00e1mbito del conocimiento humano es decisiva la comprensi\u00f3n de la esencia del respectivo objeto. 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