{"id":45593,"date":"2025-04-23T06:00:00","date_gmt":"2025-04-23T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=45593"},"modified":"2025-04-22T13:07:30","modified_gmt":"2025-04-22T11:07:30","slug":"valentina-alazraki-papstlicher-franziskus-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/vaticano\/valentina-alazraki-papa-francisco-entrevista\/","title":{"rendered":"Valentina Alazraki: \"Ich konnte nicht nur einem Papst folgen, sondern auch einem gro\u00dfen Menschen\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit mehr als 50 Jahren berichtet die mexikanische Zeitung \u00fcber das Epizentrum des Christentums. <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Valentina_Alazraki\">Valentina Alazraki<\/a> ist einer jener Namen, die untrennbar mit dem Beruf des Vatikanisten verbunden sind. Er arbeitet seit 1974 f\u00fcr Televisa, Mexikos f\u00fchrenden Fernsehsender, und hat vier Konklaven und mehr als 160 Papstreisen miterlebt - und gez\u00e4hlt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Verbundenheit und Freundschaft mit <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/hundertjahrfeier-der-geburt-von-st-johannes-paul-i-spuren-seines-vermachtnisses\/\">Johannes Paul II.<\/a> Das Buch hat einige der pers\u00f6nlichsten Titel \u00fcber den polnischen Papst hervorgebracht, wie z.B. \"Das ewige Licht von Johannes Paul II\".&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Franziskus auf den Stuhl Petri gew\u00e4hlt wurde, war Alazraki bereits die Doyenne der Reporter, die \u00fcber den Vatikan berichteten. Eine Position und ein Hintergrund, die sie zu einer der engsten Gespr\u00e4chspartnerinnen des Papstes machten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Beziehung zu Papst Franziskus ging \u00fcber eine berufliche Bekanntschaft hinaus. Wie sie in diesem Interview f\u00fcr Omnes erz\u00e4hlt, unterhielt sie eine besonders wichtige Korrespondenz mit dem Pontifex und sch\u00e4tzt diese Briefe als Zeichen der menschlichen Qualit\u00e4t und N\u00e4he des argentinischen Papstes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sie geh\u00f6ren zu den Kommunikationsfachleuten, die Papst Franziskus am meisten kennen und mit ihm zu tun hatten. Was war der erste enge Kontakt, den Sie mit dem Papst hatten?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Als Papst Franziskus gew\u00e4hlt wurde, hatte ich das gro\u00dfe Privileg, die Doyenne der Reporter zu sein. Aus diesem Grund bat mich der damalige Sprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, Papst Franziskus anl\u00e4sslich seiner ersten internationalen Reise nach Brasilien zu begr\u00fc\u00dfen. Das habe ich auf der Hinreise getan. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem absolut unprofessionellen Ton - was, sagen wir, meine Art ist - habe ich Papst Franziskus gesagt, dass wir seine Reisebegleiter sind, dass wir m\u00f6chten, dass er uns so sieht, dass wir sehr wohl wissen, dass Journalisten keine \"Heiligen seiner Verehrung\" sind: als er Erzbischof in Argentinien war, hat er keine Interviews gegeben, und so weiter. Aber ich habe ihm auch gesagt <em>\"Du denkst wahrscheinlich, dass du hier in unsere H\u00fctte gekommen bist, die eine Art L\u00f6wenk\u00e4fig ist. Aber das ist nicht die Wahrheit. Wir bei\u00dfen nicht, wir sind keine b\u00f6sen Jungs. Wir m\u00f6chten, dass Sie uns als Mitreisende betrachten, und da wir nat\u00fcrlich Journalisten sind, m\u00f6chten wir, dass Sie unsere Fragen irgendwann einmal beantworten\".&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Papst Franziskus antwortete in demselben Ton, sehr ruhig, sehr locker, sehr spontan, und sagte, dass er sich in der Tat nicht wohl f\u00fchle mit der Presse, dass er das Gef\u00fchl habe, nicht zu wissen, wie man Interviews gibt, aber dass er sich bem\u00fchen werde und dass er nach seiner R\u00fcckkehr von Brasilien nach Rom einige Fragen beantworten werde. Wie gro\u00df war die \u00dcberraschung, als der Papst nach seiner R\u00fcckkehr tats\u00e4chlich seine erste Pressekonferenz gab und sich als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Kommunikator erwies. Es war, als w\u00e4re er sein ganzes Leben lang inmitten von Journalisten gewesen. Das war der erste Kontakt mit Papst Franziskus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tatsache, dass ich derjenige war, der ihn empfangen hat, hat mich nat\u00fcrlich f\u00fcr Papst Franziskus \"platziert\", sagen wir mal. Von diesem Moment an war ich \"der Dekan\", denn ich bin Mexikaner, wir sprechen die gleiche Sprache, und das machte es einfacher, diese Beziehung zu beginnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mir auf dieser Hinreise wirklich auffiel, war die Tatsache, dass Papst Franziskus - obwohl er unsere Fragen nicht beantwortete, weil er sich entschloss, dies auf dem R\u00fcckweg zu tun, und das war sowohl f\u00fcr Papst Johannes Paul II. als auch f\u00fcr Papst Franziskus ein Novum - unsere Fragen nicht beantwortete, weil er sich entschloss, dies auf dem R\u00fcckweg zu tun, und das war sowohl f\u00fcr Papst Johannes Paul II. als auch f\u00fcr Papst Franziskus ein Novum. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/la-fe-un-camino-que-recorrer-en-benedicto-xvi\/\">Benedikt XVI.<\/a>-Er wollte uns einzeln begr\u00fc\u00dfen. Er blieb am Eingang der Kabine und wir gingen einer nach dem anderen vorbei, um ihn zu begr\u00fc\u00dfen. Und ich erinnere mich, dass Pater Lombardi bei dieser Gelegenheit Papst Franziskus sagte, dass ich viele, viele Jahre im Vatikan gewesen sei (damals 40 Jahre). Und dann machte Papst Franziskus einen Witz, indem er sagte, wenn ich nach 40 Jahren im Vatikan meinen Glauben immer noch nicht verloren h\u00e4tte, w\u00fcrde er meinen Fall f\u00fcr die Seligsprechung er\u00f6ffnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mir von dieser ersten Reise vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist die N\u00e4he, die Einfachheit, die Menschlichkeit von Papst Franziskus, der uns als Mitreisende sehen wollte und einen Moment mit jedem von uns verbringen wollte, damit wir uns vorstellen konnten, um zu sagen, woher wir kommen, aus welchem Milieu wir kommen. Es war sein erster Kontakt mit uns.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Papst wurde von einem Erzbischof, der keine Interviews gab, zu einem von der Presse begehrten Mann. Wie ging es mit der Beziehung des Papstes zur Presse weiter?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Ich denke, dass dieses erste Treffen eine sehr sch\u00f6ne Ann\u00e4herung zwischen dem Papst und der Presse erm\u00f6glichte, denn von diesem Tag an wollte der Papst uns auf allen seinen Reisen auf dem Weg dorthin begr\u00fc\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei vielen Gelegenheiten ging er in der H\u00fctte herum und erlaubte jedem, ein wenig mit ihm zu sprechen. Es ging alles sehr schnell, aber nat\u00fcrlich konnte jeder von uns ihm etwas sagen, ihm ein Geschenk geben, ihn sogar etwas fragen <em>Selfie<\/em>mit einem Foto, auch mit einer kleinen Aufnahme, um den Segen f\u00fcr einen Kranken bitten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee war, dass dieser Kontakt mit Papst Franziskus nicht journalistisch sein w\u00fcrde, d.h. wir mussten keine Fragen stellen, weil die Fragen f\u00fcr die R\u00fcckreise gestellt wurden. Nat\u00fcrlich gibt es immer jemanden, der eine Frage \"halb stellt\", die theoretisch nicht offen journalistisch ist, deren Antworten aber zu Nachrichten werden k\u00f6nnen. Als der Papst unsere Kabine verlie\u00df, war es \u00fcblich, Informationen auszutauschen: <em>was er zu Ihnen gesagt hat, was Sie ihm gegeben haben...<\/em>Die Details, die auch ein wenig Farbe in den ersten Tag der Reise brachten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">... Ich erinnere mich an vieles, nicht wahr?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Es gibt viele Momente, an die ich mich sehr gerne erinnere. Zum Beispiel wurde ich 2015 60 Jahre alt und wir kehrten von einer Reise zur\u00fcck, von den Philippinen, wenn ich mich recht erinnere. Papst Franziskus \u00fcberraschte mich mit einer Torte, sogar mit einer Kerze, er machte nur eine Null darauf, um nicht zu sagen, dass ich 60 wurde. Er kam pers\u00f6nlich, um mir die Torte zu geben, und mit viel Sinn f\u00fcr Humor erw\u00e4hnte er nicht mein Alter, sondern sagte, dass ich in den Vatikan gekommen war, als ich ein sehr junges M\u00e4dchen war, von <em>bambina<\/em>. Es war ein sehr sch\u00f6ner Moment, denn wir wissen, dass Papst Franziskus nicht singt, aber er hat auch \"Happy Birthday\" gesungen. Das war etwas, das noch nie zuvor auf einem p\u00e4pstlichen Flugzeug passiert ist, und die Wahrheit ist, dass es f\u00fcr mich eine unglaubliche Geste war, denn zus\u00e4tzlich zu dem Kuchen schenkte er mir eine sehr sch\u00f6ne wei\u00dfe Keramikkrippe, stilisiert, modern, die ich bei mir habe und die ich nat\u00fcrlich jedes Weihnachten aufstelle. Ich sch\u00e4tze sie sehr, weil sie aus den H\u00e4nden des Papstes stammt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"920\" height=\"526\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45594\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1.jpg 920w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1-700x400.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1-768x439.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1-18x10.jpg 18w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20150119T0900-POPE-PLANE-557806-1-600x343.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Valentina Alazraki bl\u00e4st auf dem R\u00fcckflug von den Philippinen die Segel aus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter anderen Umst\u00e4nden feierte er auch meine 150. und k\u00fcrzlich meine 160. p\u00e4pstliche Reise nach meiner R\u00fcckkehr von der langen Asienreise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hat immer sehr liebevolle Gesten gemacht, sehr nette Gesten, die f\u00fcr mich nat\u00fcrlich einen gro\u00dfen Schatz darstellen. Es gab Umst\u00e4nde, unter denen ich aus irgendeinem Grund eine Reise nicht angetreten habe, und Papst Franziskus sagte zu Beginn dieser Reise: \"Wir bedauern die Abwesenheit unseres Dekans sehr\". Immer Worte der Zuneigung, Gesten, die mir diese Zuneigung zeigen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dass die Beziehung zwischen einem Papst und einem Journalisten etwas sehr Sch\u00f6nes und sehr Wertvolles ist. Nat\u00fcrlich hat der Papst bei anderen Kollegen solche Gesten gemacht, aber in meinem Fall, da ich Dekanin war, ist er vielleicht noch ein bisschen weiter gegangen, wie zum Beispiel, indem er mir den Orden der Piana verliehen hat, die h\u00f6chste Auszeichnung, die ein Papst an einen Laien verleiht, und ich glaube, dass sie noch nie einer Frau verliehen wurde. Ich habe diesen Orden als eine Anerkennung von Papst Franziskus f\u00fcr all die Journalisten empfunden, die Tag f\u00fcr Tag \u00fcber die vatikanische Quelle berichten, was nat\u00fcrlich keine leichte Aufgabe ist, denn sie umfasst viele Aspekte und erfordert Wissen, Vorbereitung, Umsicht, Respekt und Ethik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sie haben \u00fcber die Details von Papst Franziskus mit Ihnen gesprochen. Was sind die Momente mit dem Papst, die Sie pers\u00f6nlich und beruflich am meisten beeinflusst haben?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die sch\u00f6nste Erinnerung, die ich an Papst Franziskus habe, ist die Korrespondenz, die wir ausgetauscht haben und \u00fcber die ich w\u00e4hrend seines Pontifikats nie gesprochen habe. Sehr fr\u00fch in seinem Pontifikat habe ich begonnen, ihm Briefe zu schreiben, auf sehr pers\u00f6nliche Weise, mit sehr pers\u00f6nlichem Inhalt, in denen ich auch nach und nach begann, ihn um ein Interview, um eine Antwort zu bitten... Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Brief \u00fcber die M\u00f6glichkeit, dass Papst Franziskus in mein Land, nach Mexiko, reist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das Au\u00dfergew\u00f6hnlichste an all dem ist, dass Papst Franziskus meine Briefe immer in seiner eigenen Handschrift beantwortete; in sehr kleiner Handschrift, - ich gestehe, dass ich manchmal fast eine Lupe brauchte, um die Handschrift des Papstes erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einigen Gelegenheiten gab es auch Anrufe, die mich sehr \u00fcberraschten, denn es war eine versteckte Nummer, die ich nicht identifizieren konnte, so dass ich mir nie h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen, dass sie vom Papst kamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erinnere mich auch an eine sehr sch\u00f6ne Sache: Ich habe einmal eine Reise in den Libanon nicht mitgemacht, und als ich zur\u00fcckkam, schickte mir Papst Franziskus eine sch\u00f6ne Schachtel mit Datteln, weil ich diese Reise nicht mitgemacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich sprechen diese Briefe, \u00fcber die ich nie gesprochen habe (und deren Inhalt ich nie verraten werde), und diese Telefonanrufe von einem Papst mit einem sehr starken menschlichen Wert, von seiner N\u00e4he, von einer Einfachheit, wie man sie sich bei einem telefonierenden Papst nie vorstellen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war auch beeindruckt von den Momenten, in denen wir uns auf ein Interview geeinigt haben. Ich war derjenige, dem er das erste Fernsehinterview gab, und wir hatten vier w\u00e4hrend des gesamten Pontifikats. Die Wahrheit ist ein enormes Privileg, denn es gibt kein anderes Medium, das so viele Interviews mit Papst Franziskus gef\u00fchrt hat. Wir haben sie praktisch per Telefon vereinbart. Ich \"sah\" fast den Papst am anderen Ende des Telefons, mit seiner Agenda, mit seinem Bleistift oder Stift in der Hand... Er fragte mich: \"Wann willst du kommen?\" Und in meinem Kopf sagte ich: \"Wie ist es m\u00f6glich, dass der Papst dich fragt, wann du kommen willst? Ich meine, er ist doch derjenige, der den Termin festlegt\". Und ich habe immer geantwortet: \"Papst Franziskus, wenn Sie sagen, wann Sie k\u00f6nnen, wann Sie wollen\"..., und er hat mir das Datum, die Uhrzeit genannt. Ich stellte mir vor, wie er das Datum und die Uhrzeit in seinen Terminkalender eintrug.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass diese Details etwas sind, was man noch nie gesehen hat, und sie sprechen deutlich f\u00fcr diese au\u00dferordentlich menschliche, zug\u00e4ngliche, einfache Pers\u00f6nlichkeit. Ein Papst, der in diesem Sinne ein wenig auf sich allein gestellt war. Seine Sekret\u00e4re haben ihm nat\u00fcrlich bei tausend Dingen geholfen, aber es gab auch Dinge, die er allein erledigen wollte, sagen wir es mal so. Er hat es mir eines Tages erkl\u00e4rt: F\u00fcr ihn war es, als w\u00fcrde er die Freiheit genie\u00dfen, deshalb lebte er in Santa Marta. In einem Interview sagte er mir, dass er aus \"psychiatrischen Gr\u00fcnden\" nicht in den Apostolischen Palast gegangen sei, weil er nicht allein sein wollte, wie in einem Trichter, er wollte mitten unter den Menschen sein. Diese Freiheit zu haben, zu schreiben, Briefe zu beantworten, zu telefonieren, war wie \"in Argentinien auf der Stra\u00dfe zu gehen\". In Buenos Aires ging er viel zu Fu\u00df, er bewegte sich in der Stadt mit der Metro, mit Bussen, er ging zu Fu\u00df ..... Diese Freiheit, einen pers\u00f6nlichen Terminkalender zu f\u00fchren - was ihm vor allem an den Nachmittagen in Santa Marta gelang -, gab ihm die Vorstellung von Freiheit. Er konnte dort nicht raus, aber diese pers\u00f6nliche Agenda, ich glaube, sie gab ihm Sauerstoff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diejenigen von uns, die die Gelegenheit hatten, Briefe oder Telefongespr\u00e4che auszutauschen, sch\u00e4tzen dies als einen gro\u00dfen Schatz. Denn der Papst schrieb in diesen Briefen mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zuneigung, mit einer Sensibilit\u00e4t, die immer wusste, was man ihm sagen konnte, wenn es eine komplexe Situation auf famili\u00e4rer oder gesundheitlicher oder beruflicher Ebene gab... Der Papst antwortete im Einklang, das hei\u00dft, zu diesen Themen und bot immer seine Hilfe und seine Gebete an... F\u00fcr mich ist das ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Verm\u00e4chtnis.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gibt es eine besonders wichtige Anekdote mit dem Papst, an die Sie sich gerne erinnern?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wie Papst Franziskus meinen Geburtstag im Flugzeug mit einer Torte feierte, feierte ich seinen Geburtstag mit einer Torte in Form eines Charro-Hutes. Es war offensichtlich ein \"guter Wunsch\" f\u00fcr Papst Franziskus, mein Land, Mexiko, zu besuchen. Ich habe ihn ihm zu Beginn der Generalaudienz auf dem Petersplatz \u00fcberreicht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Momenten, zum Beispiel, als wir von der letzten Reise mit Papst Franziskus nach Korsika zur\u00fcckkamen, hatte er am n\u00e4chsten Tag Geburtstag, und ich schenkte ihm einen Kuchen, den ein B\u00e4cker sehr sch\u00f6n gebacken hatte, mit einem Notizbuch und einem Stift mit dem Namen der Vereinigung der akkreditierten Journalisten im Vatikan, deren Pr\u00e4sident ich derzeit bin. Und dem Papst hat es gefallen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. war auch ich an der Reihe, Papst Franziskus einen Charro-Hut zu schenken. Ich tat dies immer anl\u00e4sslich der Reisen der Pontifex nach Mexiko. Gl\u00fccklicherweise haben alle drei mein Land besucht - Johannes Paul II. sogar f\u00fcnfmal - und ich konnte mir einen Charro-Hut nicht entgehen lassen, den ich dem Papst im Flugzeug auf dem Weg nach Mexiko schenkte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie wurde der Papst in einem polarisierten kommunikativen Kontext wahrgenommen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Auf professioneller Ebene war die Berichterstattung \u00fcber Papst Franziskus eine au\u00dfergew\u00f6hnliche, aber komplexe Erfahrung. Aus einem Grund: Die direkte, unmittelbare und spontane Art, in der Papst Franziskus spricht, kann ein Problem sein f\u00fcr Kommunikatoren, die nicht gut vorbereitet sind oder denen es an Verantwortungsbewusstsein oder Ethik mangelt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lassen Sie mich das erkl\u00e4ren: Wenn ich so umgangssprachlich spreche und mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke zusammenfalle - und das ist die \u00c4ra, die Papst Franziskus ber\u00fchrt hat -, habe ich manchmal bedauert, dass es sehr spontane S\u00e4tze des Papstes gibt, die dann in die Netzwerke gelangen und ohne Kontextualisierung viral gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin der Meinung, dass es heute viel komplexer und komplizierter ist, ein Vatikanist zu sein, als es vor 40 oder 50 Jahren war. Denn vor 40 oder 50 Jahren hatte man viel Zeit, die Informationen zu pr\u00fcfen, alle Quellen zu best\u00e4tigen und zu verifizieren, dass eine Nachricht wirklich echt war. Jetzt, da alles so unmittelbar ist, geht alles in einer Sekunde viral, in einem Dschungel von sozialen Netzwerken, und es besteht die Gefahr, dass S\u00e4tze oder Meinungen von Papst Franziskus in die Netzwerke gestellt werden, die nicht der Wahrheit entsprechen, in dem Sinne, dass sie nicht dem entsprechen, was er gesagt oder gemeint hat, weil der Kontext fehlt. Ich denke, das ist sehr ernst, weil es eine Menge Verwirrung stiften kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe versucht, das, was Papst Franziskus gesagt hat - wenn er es sehr umgangssprachlich gesagt hat - immer in den Kontext zu setzen, damit man es wirklich versteht: warum der Papst es gesagt hat, wie er es gesagt hat und warum er bestimmte Ausdr\u00fccke verwendet hat, die manchmal Teil eines porte\u00f1o-Dialekts sind, mit Worten, die sehr typisch f\u00fcr ihn sind, daf\u00fcr, wie er in Argentinien gesprochen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, unter diesem Gesichtspunkt braucht man viel Ethik und viel Verantwortungsbewusstsein. In einer so polarisierten Welt ist Papst Franziskus meiner Meinung nach auch Objekt und Opfer dieser Polarisierung gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Papst Franziskus hatte Priorit\u00e4ten, die sich oft nicht mit denen der gro\u00dfen Machtgruppen deckten - die auch diejenigen sind, die viele Medien kontrollieren. Infolgedessen gibt es eine Konfrontation, manchmal aggressiv, seitens einiger Medien, \u00fcber einige der Positionen des Papstes, die mit dem sozialen Aspekt verbunden sein k\u00f6nnen, wie zum Beispiel die ganze Migrationsfrage, die Wahl f\u00fcr die am meisten Benachteiligten, die N\u00e4he zu den Bed\u00fcrftigsten, oder bestimmte \u00d6ffnungen des Papstes, die in Richtung gro\u00dfer Toleranz, gro\u00dfer Barmherzigkeit gehen, die aber auch von einigen Gruppen fast als Verrat an der Doktrin gesehen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, es waren in dieser Hinsicht auf beruflicher Ebene komplexe Jahre. In einem der Interviews habe ich Papst Franziskus gefragt, ob er sich des Risikos bewusst sei, das er eingeht, wenn er so spontan spricht. Der Papst sagte mir, dass er sich dieses Risikos bewusst sei, aber dass er glaube, dass es das sei, was die Menschen m\u00f6gen, dass er so spontan, so direkt, so nah, mit einer so klaren Sprache sei, die jeder verstehen k\u00f6nne, und dass er es vorziehe, das Risiko einzugehen, vielleicht manchmal falsch interpretiert oder missverstanden zu werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war die eine Seite der Arbeit. Der andere war wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlich, weil wir nicht nur einem Papst, sondern einem gro\u00dfen Menschen gefolgt sind. Es gibt Bilder, die unvergesslich sind, wie zum Beispiel die erste Reise des Papstes nach Lampedusa, als er vor dem Mittelmeer stand, das f\u00fcr ihn zu einem Friedhof wurde, und diesen Blumenkranz ablegte, um an alle Migranten zu denken, die sterben; oder als wir ihn ganz allein im Regen auf dem Petersplatz w\u00e4hrend der Pandemie sahen, als er f\u00fcr die Welt ein Ende dieser Katastrophe forderte. Es war au\u00dfergew\u00f6hnlich zu sehen, wie der Papst in der Lage war, so viele Menschen zu erreichen. Die Bilder von Papst Franziskus mit den Kranken, mit den Migranten, in den Fl\u00fcchtlingslagern, in den Gef\u00e4ngnissen, sind wirklich unvergesslich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"920\" height=\"519\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45599\" srcset=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1.jpg 920w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1-700x395.jpg 700w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1-768x433.jpg 768w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1-18x10.jpg 18w, https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20201023T0845-POPE-FILM-CLIP-1007713-1-600x338.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm \"Francesco\" von Evgeny Afineevsky, in dem er von Valentona Alazraki interviewt wird (CNS screenshot\/Noticieros Televisa via YouTube).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir treten jetzt in eine neue Phase ein. Sie stehen seit mehreren Pontifikaten im Zentrum der Informationen. Wie erleben Sie so intensive Momente wie ein Konklave, eine Synode?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Ein Konklave mitzuerleben, ist eine wirklich beeindruckende berufliche Erfahrung. Mein erstes Konklave war nach dem Tod von Papst Paul VI. Ich stand am Anfang meiner Karriere, ich war sehr jung, und ich erinnere mich an die Aufregung, als ich auf dem Petersplatz stand und auf den ber\u00fchmten Rauch wartete. Im Fall von Johannes Paul I. erinnere ich mich, dass ich mit meinem Kameramann auf dem Platz war, einem Mann mit viel Erfahrung, der Kriege und viele Reportagen gemacht hatte. Am Nachmittag begann ein grauer Rauch aufzusteigen, und er sagte zu mir: \"Ich gehe, weil der Rauch grau ist, wir sehen uns morgen\"; und wie er gingen viele, viele Teams. Ich hatte keine Erfahrung, ich war 23 Jahre alt und ein v\u00f6lliger Neuling, aber als ich den grauen Rauch sah, dachte ich, dass Grau weder schwarz noch wei\u00df ist. Wie gro\u00df war meine \u00dcberraschung, als sich pl\u00f6tzlich der wei\u00dfe Rauch definierte und die Wahl von Papst Johannes Paul I. verk\u00fcndet wurde, w\u00e4hrend die Pl\u00e4tze der Kommentatoren im Vatikan halb leer waren. Ich fand einen italienischen Kameramann, den ich kannte, und bat ihn um den gro\u00dfen Gefallen, mich in dem Moment zu filmen, als der Papst zum ersten Mal auf den Balkon treten wollte. Daran habe ich eine sehr starke Erinnerung, denn es war mir eine gro\u00dfe Lektion, dass man als Journalist niemals die Szene verlassen darf.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste war die Wahl von Johannes Paul II. und dann, nach dem Tod von Johannes Paul II., die Wahl von Papst Benedikt XVI. Das waren alles Momente von atemberaubender Intensit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf professioneller Ebene ist es vielleicht der schwierigste Moment, wenn man den Tod eines Papstes verk\u00fcnden muss. Im Fall von Johannes Paul II. lebten wir tagelang, wochenlang mit der Angst, diese Nachricht zu \"verlieren\", weil der Papst sehr krank war: Wir wussten nicht, wann er sterben w\u00fcrde. Was die Nachrichten angeht, so ist das ein sehr starker Moment, aber das Konklave ist nat\u00fcrlich eine andere Geschichte, denn man wartet darauf, den Namen des neuen Papstes zu erfahren. Und es gibt immer gro\u00dfe Emotionen, wenn sie auf dem Balkon erscheinen und beginnen, den Namen des zuk\u00fcnftigen Papstes auszusprechen, weil jeder versucht zu verstehen, ob er den Kardinal kennt, der zum neuen Pontifex gew\u00e4hlt wurde oder nicht. 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