{"id":49685,"date":"2025-06-18T06:43:00","date_gmt":"2025-06-18T04:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=49685"},"modified":"2025-11-28T15:01:41","modified_gmt":"2025-11-28T13:01:41","slug":"erbe-und-horizont-leon-xiii-und-leon-xiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/recursos\/herencia-y-horizonte-leon-xiii-y-leon-xiv\/","title":{"rendered":"Erbe und Horizont: Leo XIII. und Leo XIV."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Leon XIV.\"? Das waren die Worte, die wohl mehr als einer am Tag der Papstwahl mit \u00fcberraschtem Gesicht gesagt hat. So war es zumindest in meinem Fall, als ich mit einem Freund auf dem Petersplatz stand. Meine Gedanken gingen zur\u00fcck, um mich an Leo XIII. zu erinnern, und gleichzeitig konnte ich nicht anders, als nach vorne zu schauen, um zu verstehen, wer Robert Franziskus werden w\u00fcrde. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/papst-leon-xiv-gelassener-hirte-fur-eine-unruhige-welt\/\">Prevost<\/a>. In der Tat w\u00fcrden uns die Worte und Gesten des neuen Papstes mehr Hinweise auf sein Pontifikat geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen nicht, inwieweit Leo XIV. Leo XIII. \u00e4hneln oder ihm folgen wird, aber die Tatsache, dass der Heilige Vater in der kurzen Predigt zu Beginn seines Pontifikats erneut Leo XIII. erw\u00e4hnte und ihn als \"meinen Vorg\u00e4nger\" bezeichnete, deutet darauf hin, dass diese Entscheidung mehr als nur eine entfernte Inspiration ist. In dieser Predigt sagte er, nachdem er sich dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert hatte, wie die N\u00e4chstenliebe ein Sauerteig der Einheit in der Welt sein kann: \"Mit meinem Vorg\u00e4nger Leo XIII. k\u00f6nnen wir uns heute fragen: Wenn diese N\u00e4chstenliebe in der Welt vorherrschen w\u00fcrde, \"w\u00fcrde es nicht so aussehen, als ob jeder Kampf bald ausgel\u00f6scht w\u00fcrde, wo immer er in der zivilen Gesellschaft wirksam wird\" (Brief Enc. <em><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiii\/es\/encyclicals\/documents\/hf_l-xiii_enc_15051891_rerum-novarum.html\">Rerum novarum<\/a><\/em>, 20)\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Rerum novarum hinaus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hielt es f\u00fcr angebracht zu analysieren, welche Aspekte das Pontifikat von Leo XIII. charakterisieren, um zu sehen, was wir durch den Beginn des Pontifikats von Leo XIV. erahnen k\u00f6nnen, und um \u00fcber das Wissen um Leo XIII. als Papst der <em>Rerum novarum<\/em> und die Soziallehre der Kirche, wie sie in den ersten Momenten nach seiner Wahl allgemein definiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, was das Pontifikat Leos XIII. kennzeichnete und warum, habe ich diesen Artikel folgenderma\u00dfen aufgebaut: Ich werde vier Ursachen und vier Wirkungen des Pontifikats beschreiben und dann einige kurze Schlussfolgerungen ziehen. Die Ursachen erkl\u00e4ren, wie sich leicht ableiten l\u00e4sst, zu einem gro\u00dfen Teil die Wirkungen, die die Grundlinien bilden, die Leo XIII. unserer Ansicht nach charakterisiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass ich nicht viele Daten oder Namen von Enzykliken nennen werde, da mein Interesse haupts\u00e4chlich den Grundz\u00fcgen seines Pontifikats gilt. Au\u00dferdem ist es vielleicht seltsam, wenn wir nicht mit einem kurzen Absatz \u00fcber die Biographie von Leo XIII. beginnen und dabei das Risiko eingehen, eine Karikatur zu zeichnen. Im Interesse des Lesers haben wir keine andere Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gioacchino Pecci, geboren in Carpineto Romano am 2.3.1810 - nicht weit von Rom - und gestorben in Rom am 20.12.1903, war als junger Mann sehr flei\u00dfig in seinen Studien und sehr organisationsfreudig. Nach dem Studium f\u00fcr eine diplomatische Laufbahn war er p\u00e4pstlicher Legat (Gouverneur) des Kirchenstaates in verschiedenen italienischen Orten, insbesondere in Benevento und Perugia (insgesamt f\u00fcnf Jahre), Nuntius f\u00fcr kurze Zeit in Belgien (drei Jahre) und vor allem Bischof von Perugia und Bischof von Rom, mehr als drei\u00dfig bzw. f\u00fcnfundzwanzig Jahre lang. Er war ernsthaft und entschlossen, hatte einen ausgepr\u00e4gten Sinn f\u00fcr Autorit\u00e4t und war kein Freund von Vertraulichkeiten. Er regierte zugunsten der katholischen Einheit und mit einem ausgepr\u00e4gten Sinn f\u00fcr Zentralisierung in einer Welt, die sich, wie wir sehen werden, in einem tiefgreifenden Wandel befand.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursache 1: Pers\u00f6nliche Erfahrung als Delegierter und Bischof<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wir im Fall von Papst Franziskus gesehen haben - und wie es wahrscheinlich auch bei fr\u00fcheren Pontifexen der Fall war - ist die Biographie vor dem Papstamt ein entscheidender Faktor f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Entscheidungen dessen, der Nachfolger Petri wird. Die \u00fcber Jahrzehnte gesammelte Erfahrung, die Vision der Welt und der Kirche sowie die vor der \u00dcbernahme des Pontifikats getroffenen Ma\u00dfnahmen pr\u00e4gen den Stil und die Herangehensweise des neuen Papstes in hohem Ma\u00dfe. Dies war im Fall von Leo XIII. eindeutig der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gioacchino Pecci wurde von zwei Faktoren tiefgreifend beeinflusst: seiner Berufung und seiner F\u00e4higkeit zur Regierung und Diplomatie und den 31 Jahren, die er als Bischof derselben Di\u00f6zese verbrachte, der Stadt Perugia im Inneren Italiens, etwa 170 Kilometer n\u00f6rdlich von Rom, die er als seine Heimat betrachtete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Zeit als p\u00e4pstlicher Gesandter in verschiedenen St\u00e4dten - vor allem in Benevento und Perugia - und als Bischof von Perugia vermittelte ihm wertvolle Regierungserfahrungen und ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Rolle, die die Kirche zum Wohle des Volkes spielen konnte, sowohl im politischen als auch im kirchlichen Bereich. Das Amt des p\u00e4pstlichen Delegaten hatte damals eine eminent politische Funktion: Es bestand darin, im Namen des Papstes ein Gebiet zu verwalten, da der Kirchenstaat noch existierte. In jenen Jahren war Pecci f\u00fcr seine unerm\u00fcdliche pastorale und soziale T\u00e4tigkeit bekannt. Er besuchte pers\u00f6nlich St\u00e4dte und Gemeinden und f\u00f6rderte alle Arten von Initiativen in den Bereichen Wohlfahrt, Bildung und Religion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen seiner Zeit als Delegierter und seinem Episkopat gab es eine wichtige Unterbrechung: drei Jahre als Nuntius in Br\u00fcssel. Diese Erfahrung pr\u00e4gte ihn vor allem im intellektuellen Bereich, da er dort beobachten konnte, wie der Katholizismus gezwungen war, die Art und Weise, wie er seine Lehre darlegte, zu erneuern, um auf die Herausforderung des zeitgen\u00f6ssischen Liberalismus zu reagieren. Auch wenn diese Zeit f\u00fcr die allgemeine Ausrichtung seines k\u00fcnftigen Pontifikats weniger entscheidend war, trug sie doch zur Verfeinerung seines Regierungsstils bei, der K\u00fchnheit mit Besonnenheit verband.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursache 2: Der Untergang des Kirchenstaates<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Untergang des Kirchenstaates fiel in Perugia mit der H\u00e4lfte von Peccis Amtszeit als Bischof zusammen, auch wenn der Konflikt - bekannt als \"R\u00f6mische Frage\" - viele Jahrzehnte andauern sollte. Dies war ein schwerer Schlag f\u00fcr ihn, da er bereits eine lange Regierungserfahrung gesammelt hatte, zun\u00e4chst in der Politik und dann als Seelsorger. Es schmerzte ihn vor allem deshalb, weil er sich des Potenzials der Kirche zur F\u00f6rderung des Gemeinwohls voll bewusst war, wenn sie \u00fcber alle ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel verf\u00fcgte, um in die Gesellschaft einzugreifen. Er hatte daher das Gef\u00fchl, dass die F\u00e4higkeit der Kirche, einen Dienst an der Menschheit zu leisten, verloren gegangen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus wurde der Verlust der weltlichen Macht als Dem\u00fctigung empfunden: F\u00fcr viele, auch f\u00fcr Pecci, war es inakzeptabel, dass der Papst - die h\u00f6chste geistliche Autorit\u00e4t - eine zivile Autorit\u00e4t anerkennen und sich ihr unterwerfen musste. F\u00fcr diejenigen, die unter dem Kirchenstaat geboren worden waren und dort gelebt hatten, war die Akzeptanz dieser neuen Situation mit einer barbarischen Invasion zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist jedoch wichtig zu erw\u00e4hnen, dass Pecci sich auch der Grenzen der politischen Regierung der Kirche bewusst war. W\u00e4hrend seines Episkopats in Perugia erlebte er die Nachfolge mehrerer p\u00e4pstlicher Delegierter, die nicht alle des Amtes w\u00fcrdig waren, das sie innehatten. Trotz dieser Erfahrungen bewahrte er sich immer eine gewisse Sehnsucht nach weltlicher Macht, inspiriert von der Idee, dass die Kirche die beste Wohlt\u00e4terin der Gesellschaft sein k\u00f6nnte, sowohl menschlich als auch geistlich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursache 3: Nationalistische und kolonialistische Periode<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Untergang des Kirchenstaates f\u00e4llt mit einer anderen Realit\u00e4t zusammen: der nationalistischen \u00dcberh\u00f6hung der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte. Im Fall von Pecci f\u00fchrte die Wiedervereinigung Italiens innerhalb der p\u00e4pstlichen Territorien zu einer sehr aggressiven Haltung gegen\u00fcber der Kirche, zumindest aus der Perspektive, wie er sie als Bischof und sp\u00e4ter als Papst erlebte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pecci verstand, dass der Papst seiner legitimen Handlungsf\u00e4higkeit beraubt wurde. Mit der Zeit erkannte er, dass es andere, angemessenere Wege gab, um sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene F\u00fchrung und Einfluss auszu\u00fcben. Es dauerte jedoch eine gewisse Zeit, bis diese neue Herangehensweise vollst\u00e4ndig durchdacht und entwickelt war. So wird er sich w\u00e4hrend seines gesamten Pontifikats daf\u00fcr einsetzen, die Rolle des Heiligen Vaters wiederherzustellen und seine Souver\u00e4nit\u00e4t zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn dies die Herausforderung in Italien war, versuchte Leo XIII. auf internationaler Ebene etwas \u00c4hnliches, aber in einem anderen Kontext. In diesem Kontext pl\u00e4dierte er nachdr\u00fccklich f\u00fcr die Anerkennung des Papstes als Akteur von gesellschaftlicher Relevanz angesichts der Folgen des Kolonialismus. Dazu geh\u00f6rte die Einmischung in territoriale Streitigkeiten zwischen L\u00e4ndern, in die Art und Weise, wie der Glaube in kolonialen Gebieten verbreitet werden sollte, und in die Bestimmung, wer die kirchliche Autorit\u00e4t in Missionsl\u00e4ndern unter kolonialer Herrschaft aus\u00fcben sollte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursache 4: Industrielle Revolution<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem, was ich in den letzten Tagen lesen konnte, ist dies vielleicht der herausragendste und bekannteste Aspekt des Pontifikats von Leo XIII.: sein unerm\u00fcdlicher Kampf zur Verteidigung der Menschenw\u00fcrde gegen die Missbr\u00e4uche der Wirtschaftsf\u00fchrer w\u00e4hrend der industriellen Revolution.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 19. Jahrhundert wurden in Europa viele l\u00e4ndliche Gebiete entv\u00f6lkert, w\u00e4hrend am Rande der Gro\u00dfst\u00e4dte Vorstadtghettos entstanden. Tausende von M\u00e4nnern, Frauen und Kindern lebten dort in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen und waren bereit, zur Entwicklung der Industrie beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits in Perugia hatte sich Gioacchino Pecci deutlich f\u00fcr die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter eingesetzt, eine Aufgabe, die er w\u00e4hrend seiner Zeit als p\u00e4pstlicher Delegierter \u00fcbernahm und als Bischof fortsetzte. Als Papst behielt er die gleiche Sensibilit\u00e4t f\u00fcr soziale Fragen bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zeit der Industrialisierung war durch reale Formen der Ausbeutung und durch Wirtschaftskrisen gekennzeichnet, die die Situation noch verschlimmerten: Elend, Arbeitslosigkeit und Auswanderung nahmen zu. Aber nicht nur das: Der gesellschaftliche Wandel beschleunigte auch einen Prozess der Entchristlichung der Arbeiterwelt und f\u00f6rderte eine Verg\u00f6tterung des Geldes sowie die Verherrlichung von Fortschritt, Wissenschaft und Technik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts dieser Realit\u00e4t entschied sich Leo XIII. f\u00fcr einen Diskurs - da eine direkte politische Aktion nicht m\u00f6glich war -, der sowohl die kapitalistische und b\u00fcrgerliche Gesellschaft als auch die beginnende Arbeiterbewegung und den entstehenden Sozialismus ansprechen sollte. Dieses Bem\u00fchen sollte ein Lehramt hervorbringen, das, fast ohne es zu beabsichtigen, eine moderne Konzeption des Staates und der gesellschaftlichen Organisation einf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dieser Auffassung sollte der Staat eine aktive Rolle bei der Bew\u00e4ltigung sozialer Probleme \u00fcbernehmen und das Verst\u00e4ndnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern f\u00f6rdern. Er sollte ein gerechter Richter und Gesetzgeber sein, der auf die Rechte und Pflichten aller sozialen Klassen achtet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konsequenz 1: Die neue Rolle der Kirche in der Gesellschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen - der K\u00fcrze halber ohne \u00dcbergang - dazu \u00fcber, die Folgen zu beschreiben, die diese Ursachen f\u00fcr das Handeln von Papst Leo XIII. hatten. Wir beginnen mit der Art und Weise, in der sich die Kirche selbst ver\u00e4ndert hat. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie aufh\u00f6rte, \"nur ein weiterer Staat\" zu sein, und dass sie, wenn ich so sagen darf, ein Gebilde von eminent spirituellem Charakter wurde, mit einer Berufung zu universaler Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re naiv zu glauben, dass dies etwas Neues sei: Die von Jesus Christus gegr\u00fcndete Kirche hatte bereits eine solche Berufung und \u00fcbte sie aus. Die Realit\u00e4t ist jedoch sehr hartn\u00e4ckig: Die Verwaltung riesiger Territorien bedeutete, dass viel Zeit und M\u00fche in die Verwaltung des Kirchenstaates investiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich dieser radikale Wandel vollzog, musste sich die Kirche - zumindest f\u00fcr Leo XIII. zwangsweise und schmerzhaft - immer mehr ausschlie\u00dflich auf ihre geistliche F\u00fchrung verlassen. Zu den Priorit\u00e4ten von Papst Leo XIII. geh\u00f6rten: eine tiefgreifende Erneuerung der intellektuellen Bildung auf der Grundlage der Lehre des heiligen Thomas von Aquin, die Wiederbelebung und Vereinheitlichung der Orden, insbesondere der Franziskaner und Benediktiner, eine starke F\u00f6rderung der Missionen, die sich die koloniale Expansion zunutze machte, und die St\u00e4rkung der Kontrolle \u00fcber die kirchliche Autorit\u00e4t in der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konsequenz 2: Ein einflussreicher Akteur \"mit moralischer Autorit\u00e4t\".<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Folge war eher politischer Natur. Der Verlust seiner weltlichen Rolle mit dem Untergang des Kirchenstaates zwang den Heiligen Stuhl, sich sowohl in Italien als auch auf der internationalen B\u00fchne Respekt zu verschaffen, und zwar nicht mehr durch milit\u00e4rische Macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war ein langwieriger, aber fruchtbarer Prozess, denn schon zu Lebzeiten Leos XIII. wurde der Vatikan zur L\u00f6sung zahlreicher Konflikte konsultiert: Gebiets- und Grenzstreitigkeiten zwischen Kolonien, Handels- und Zollfragen zwischen L\u00e4ndern oder durch Kriege verursachte humanit\u00e4re Krisen. Nicht selten kam es dank der Intervention Roms zu einer Einigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese gesellschaftspolitischen Aktionen sind nur ein Beispiel f\u00fcr den Prozess der Transformation der Kirche. W\u00e4hrend des Pontifikats von Leo XIII. blickte die Kirche \u00fcber den Kirchenstaat hinaus und wandte sich energischer der Welt als Ganzes zu. Unter Schmerzen und nach vielen diplomatischen Dem\u00fctigungen entdeckte die Kirche einen neuen Weg, um auf der Grundlage ihrer moralischen Autorit\u00e4t zum Gemeinwohl beizutragen, und gewann so zunehmend an internationalem Einfluss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konsequenz 3: Eintreten f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Konsequenz bezieht sich auf die Verteidigung der W\u00fcrde der Person. Die politischen und sozialen Str\u00f6mungen der damaligen Zeit - insbesondere Kapitalismus, Sozialismus und Freimaurerei - sowie der bereits erw\u00e4hnte Prozess der Industrialisierung veranlassten Leo XIII. zu einem entschiedenen Eingreifen, um den Wert jedes Menschen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollen uns nicht zu lange mit diesem Punkt aufhalten, sondern nur hinzuf\u00fcgen, dass die letztendliche Motivation nat\u00fcrlich spiritueller Natur war: Leo XIII. sch\u00e4tzte jeden Menschen nach dem Wert, den Christus ihm zuschrieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist auch erw\u00e4hnenswert, dass der Papst als Folge des Verlustes der weltlichen Macht allm\u00e4hlich akzeptierte, dass die Katholiken \"autonom\" in die Politik eingreifen konnten, um die vom Evangelium inspirierten menschlichen Werte zu verteidigen. Obwohl er anfangs z\u00f6gerte, erkannte er im Falle Italiens, dass ein solches Engagement unerl\u00e4sslich war, da das Land sonst ausschlie\u00dflich in den H\u00e4nden von Liberalen und Freimaurern gewesen w\u00e4re. Im \u00fcbrigen Europa war Leo XIII. weniger zur\u00fcckhaltend, wenn es darum ging, die Teilnahme der Katholiken am \u00f6ffentlichen Leben zu f\u00f6rdern. Diese \"Autonomie\" ist jedoch in Anf\u00fchrungszeichen zu verstehen, da er immer hoffte, dass sich die Katholiken in einer einzigen Partei zusammenschlie\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jedem Fall l\u00f6ste dieser neue Ansatz eines demokratischen und sozialen Katholizismus bei den jungen europ\u00e4ischen Katholiken gro\u00dfe Begeisterung aus und stellte einen wichtigen Keim f\u00fcr die Zukunft dar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konsequenz 4: Die Kirche in die Modernit\u00e4t f\u00fchren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte gro\u00dfe Konsequenz war, dass Papst Leo XIII. die Kirche in mehreren der oben genannten Punkte in Richtung Modernit\u00e4t f\u00fchrte. Man sagt, dass die Kardin\u00e4le, die ihn - nach dem langen Pontifikat Pius IX. - w\u00e4hlten, einen Papst mit Reife und einer gewissen Offenheit suchten, der den durch den Verlust des Kirchenstaates verursachten Konflikt nicht versch\u00e4rfen, sondern ihm mit M\u00e4\u00dfigung und Weisheit begegnen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum waren die Gew\u00e4sser so aufgew\u00fchlt? Vereinfachend kann man sagen, dass Pius IX. zum einen eine Enzyklika mit einer \"Zusammenstellung der wichtigsten Irrt\u00fcmer unserer Zeit\" ver\u00f6ffentlicht hatte, besser bekannt als die <em>Syllabus<\/em>. Damit wollte die Kirche Licht in die Dunkelheit der modernen Irrt\u00fcmer bringen, aber in der Folge erweckte sie den Eindruck einer totalen Konfrontation mit der Modernit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits hatte der j\u00fcngste Zusammenbruch des Kirchenstaates Pius IX. in eine R\u00fcckzugsposition gebracht, aus der er nur herauskommen wollte, wenn er das Verlorene wiedergewinnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzum, wie gezeigt wurde, war die Kirche gezwungen, zahlreiche Teile neu zu justieren. Im Nachhinein kann man sagen, dass sie dies mit bemerkenswertem Geschick getan hat, und zwar durch die Hand von Leo XIII.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Blick auf Leo XIV.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leo XIII. war ein Mann von enormer Energie. Es ist bekannt, dass er bis sp\u00e4t in die Nacht arbeitete, und das einzige Licht auf dem Petersplatz brannte in seinem B\u00fcro. Es hei\u00dft, dass er auf diese Weise seinem p\u00e4pstlichen Wahlspruch gerecht wurde, und zwar mit Humor: <em>Lumen in caelo<\/em>Licht am Himmel\". Damit will ich sagen, dass die Synthese, die wir aus seinem Pontifikat gemacht haben, fast eine Verst\u00fcmmelung ist, denn es war zeitlich sehr ausgedehnt und umfasste eine gro\u00dfe Vielfalt von Fronten und Aktionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es scheint jedoch vern\u00fcnftig zu sein, zu behaupten, dass der Leitfaden des Pontifikats von Leo XIII. der Wunsch war, eine zusammenh\u00e4ngende Kirche und eine Welt zu sehen, in der die von Gott geliebte menschliche Person im Mittelpunkt des politischen und sozialen Handelns steht, so dass die Liebe Christi das Prinzip sowohl der Evangelisierung als auch der menschlichen F\u00f6rderung ist. Leo XIV. scheint von demselben Geist beseelt gewesen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich zu dem, was bisher gesagt wurde, k\u00f6nnen wir noch Folgendes anmerken: Die Biographie von Giovanni Pecci, bevor er Papst wurde, und die sozialen Umst\u00e4nde seiner Zeit waren die beiden Achsen, die seine f\u00fcnfundzwanzig Jahre des Pontifikats am meisten gepr\u00e4gt haben. Wenn wir also unseren Blick auf Leo XIV. richten, ist es nicht unvern\u00fcnftig zu behaupten, dass derjenige, der Vermutungen \u00fcber die Winde anstellen m\u00f6chte, die der Heilige Geist mit seinem Pontifikat brachte, zumindest diese beiden Bereiche untersuchen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich halte es f\u00fcr voreilig und riskant, die Richtung dieses neuen Pontifikats vorherzusagen. Aus diesem Grund ziehe ich es vor, nicht zu weit vorauszuschauen. Aber da die Geschichte zeigt, dass diese beiden Elemente - die pers\u00f6nliche Biographie und der gesellschaftliche Kontext - oft den Keim f\u00fcr das enthalten, was sich entfalten wird, wollen wir zumindest das sagen, was offensichtlich scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus seiner Biographie - \u00fcber die ich noch wenig wei\u00df und die ich lieber durch das, was ver\u00f6ffentlicht wurde, kennenlerne - ist es wichtig zu wissen, dass er Augustiner ist, dass er in Chiclayo ein enger Bischof war, mit einer gro\u00dfen F\u00e4higkeit zuzuh\u00f6ren, freundlich, ein Mann der Mission und gleichzeitig intellektuell sehr gut vorbereitet. Er hat auch einen f\u00fcr seinen Herkunftsort charakteristischen Pragmatismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die kirchliche und gesellschaftliche Gegenwart betrifft, so hat der Papst selbst bereits einige zentrale Herausforderungen genannt: die Notwendigkeit des Zusammenhalts in der Kirche, um die interne Polarisierung zu \u00fcberwinden, die Einheit der Christen, die ethischen Implikationen der k\u00fcnstlichen Intelligenz, die Folgen bewaffneter Konflikte und die Dringlichkeit, sich weiterhin besonders um die Bed\u00fcrftigsten zu k\u00fcmmern, um alle Formen der sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzung zu vermeiden. Schlie\u00dflich wissen wir, dass Leo XIV. wie Leo XIII. eine tiefe Verehrung f\u00fcr die Gottesmutter hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das von Papst Leo XIV. selbst formulierte Doppelwort, das sein Projekt zusammenfasst, ist in der Predigt zur Er\u00f6ffnung seines Pontifikats zusammengefasst: \"Liebe und Einheit: das sind die beiden Dimensionen der Sendung, die Jesus Petrus anvertraut hat\". Daraus ergibt sich der Wunsch: \"Eine geeinte Kirche, ein Zeichen der Einheit und der Gemeinschaft, die zum Sauerteig f\u00fcr eine vers\u00f6hnte Welt wird\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den Verlauf seines Pontifikats zu erahnen, ist es vielleicht am einfachsten, ihm mit derselben Aufmerksamkeit und kindlichen Zuneigung zuzuh\u00f6ren, mit der wir Franziskus, Benedikt XVI., Johannes Paul II. und - je nach Generation - die P\u00e4pste, die sie alle erlebt haben, verfolgt haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einige Biographien \u00fcber Leo XIII.\u00a0<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Santiago Casas, <em>Leo XIII.: Ein Papsttum zwischen Modernit\u00e4t und Tradition<\/em>EUNSA, Pamplona 2014<\/li>\n\n\n\n<li>Bernardo O'Reilly, <em>Leben von Leo XIII.<\/em>Espasa, Madrid 1886<\/li>\n\n\n\n<li>J. Martin Miller, <em>Das Leben von Papst Leo XIII.<\/em>NEB, Omaha 1903<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201c\u00bfLe\u00f3n XIV?\u201d Esas fueron las palabras, con cara de sorpresa, que posiblemente m\u00e1s de uno pronunci\u00f3 el d\u00eda de la elecci\u00f3n del papa. As\u00ed fue al menos en mi caso, estando con un amigo en la plaza de San Pedro. 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