{"id":51210,"date":"2025-08-25T06:00:00","date_gmt":"2025-08-25T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=51210"},"modified":"2025-07-24T12:10:02","modified_gmt":"2025-07-24T10:10:02","slug":"katakomben-von-san-sebastian-rome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/actualidad\/catacumbas-san-sebastian-roma\/","title":{"rendered":"Die Basilika und die Katakomben von St. Sebastian in Rom"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Rom ist eine Stadt, die immer wieder neu entdeckt wird und die immer wieder \u00fcberrascht. Ihre Rekorde sind zahllos: Stadt mit der l\u00e4ngsten ununterbrochenen Besiedlung in Europa (zusammen mit Matera, ebenfalls in Italien); Hauptstadt des R\u00f6mischen Reiches, des Christentums und der Italienischen Republik; Stadt mit den meisten UNESCO-Welterbest\u00e4tten in ihrem Umland; Stadt mit den meisten Kirchen der Welt (mehr als 900, darunter die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Welt, der Petersdom), mit dem gr\u00f6\u00dften Amphitheater der Antike (dem Kolosseum) und dem fortschrittlichsten hydraulischen System der antiken Welt (wovon die imposanten Aqu\u00e4dukte zeugen), aber auch mit der \u00e4ltesten (noch stehenden) unmontierten Betonkuppel: das Pantheon). Und noch andere Premieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Gr\u00fcnden wird sie als die <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/nachrichten\/zweite-saison-beginnt-lernen-rom\/\">Ewige Stadt<\/a>. Wer jedoch \u00fcber die Rekorde und die bekanntesten Monumente hinausgehen m\u00f6chte, findet in Rom ein verborgenes Herz und tausend \u00dcberraschungen. Dazu geh\u00f6ren die Basilika und die Katakomben des Heiligen Sebastian an der antiken Via Appia, der ersten r\u00f6mischen Konsularstra\u00dfe (312-244 v. Chr.), die als \"regina viarum\" bekannt war und die Hauptstadt mit dem Adriahafen Brindisi verband. Hier, wo einst Tavernen und eine Handvoll Wohnungen standen, entwickelte sich ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. eine Nekropole, auf der ein Basilika-Komplex errichtet wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von der Nekropole zum Friedhof: eine christliche Erfindung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In heidnischer Zeit, nach griechischem, aber auch etruskischem und r\u00f6mischem Brauch, wurden die f\u00fcr die Bestattung der Verstorbenen bestimmten Orte nicht Friedh\u00f6fe genannt, wie wir sie heute kennen, sondern Nekropolen (vom griechischen \"\u03bd\u03b5\u03ba\u03c1\u03cc\u03c0\u03bf\u03bb\u03b9\u03c2\", \"nekr\u00f3polis\", zusammengesetzt aus \"\u03bd\u03b5\u03ba\u03c1\u03cc\u03c2\", \"nekr\u00f3s\", d. h. \"Toter\", und \"\u03c0\u03cc\u03bb\u03b9\u03c2\", \"p\u00f3lis\", \"Stadt\").<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verstorbenen wurden nicht begraben, sondern in den meisten F\u00e4llen einge\u00e4schert, und ihre Asche wurde in Urnen aufbewahrt, die in Nischen standen. Die wohlhabenderen Familien besa\u00dfen wie heute Privatkapellen, und bei der Besichtigung der Katakomben von San Sebasti\u00e1n kann man sehen, wie diese manchmal auch mit D\u00e4chern mit einer kleinen Terrasse f\u00fcr das \"refrigerium\", die Erfrischung zu Ehren der verstorbenen Angeh\u00f6rigen, ausgestattet waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang von der Nekropole zum Friedhof war nicht einfach nur ein Begriffswechsel, sondern eine Revolution in der Auffassung vom Tod, der in der christlichen \u00c4ra nicht mehr das nat\u00fcrliche Ende dieses Lebens war, sondern der Beginn eines anderen, noch realeren Lebens, an dem auch der K\u00f6rper teilhaben w\u00fcrde. Daher begannen die Toten, die nach der christlichen Lehre als \"schlafend\" in Erwartung der Auferstehung galten, begraben zu werden (in San Sebastiano sowie in anderen Katakomben und in der Nekropole unter dem Petersdom kann man \"gemischte\" Gr\u00e4ber sehen, vielleicht aus derselben Familie, mit Nischen, in denen die Urnen mit der Asche der Heiden neben gr\u00f6\u00dferen Nischen aufbewahrt wurden, um den vollst\u00e4ndigen, unverbrannten K\u00f6rper eines christlichen Verstorbenen aufzunehmen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff \"Friedhof\" (vom griechischen \"\u03ba\u03bf\u03b9\u03bc\u03b7\u03c4\u03ae\u03c1\u03b9\u03bf\u03bd\", \"koim\u0113t\u1e17rion\", \"Schlafsaal\", dessen Wurzel das Verb \"\u03ba\u03bf\u03b9\u03bc\u03ac\u03bf\u03bc\u03b1\u03b9\", \"koim\u00e1omai\", \"schlafen\" ist) bezeichnete also einen Ort der Ruhe, nicht des Todes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Edikt von Saint-Cloud (1804), als Napoleon Bonaparte aus hygienischen Gr\u00fcnden die Bestattung der Toten au\u00dferhalb der St\u00e4dte vorschrieb, wurden christliche Friedh\u00f6fe neben (oder unter) den Kirchen angelegt (Liebhaber der italienischen Literatur werden sich an das sch\u00f6ne Gedicht \"I sepolcri\" (Die Gr\u00e4ber) von Ugo Foscolo erinnern, das durch dieses Ereignis inspiriert wurde).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zu den Katakomben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort \"Katakombe\" leitet sich vom lateinischen Wort \"catacombas\" ab (obwohl es griechischen Ursprungs ist) und bedeutet \"H\u00f6hle\", um die nat\u00fcrliche Beschaffenheit des Gel\u00e4ndes in diesem Gebiet Roms zu bezeichnen, wo sich antike Puzzolan-Steinbr\u00fcche befanden (die von der Via Appia abgingen), und wurde im weiteren Sinne zum Synonym f\u00fcr eine unterirdische Nekropole. Hier entwickelte sich ab dem 2. Jahrhundert ein riesiger Begr\u00e4bnisbereich (etwa 15 Hektar, d. h. 150 000 m\u00b2 unterirdische G\u00e4nge, mindestens 12 km Tunnel und Korridore und Tausende von Gr\u00e4bern, reich an Inschriften und Graffiti in lateinischer oder griechischer Sprache, christlichen Symbolen wie der Taube, dem Fisch, dem Anker und zahlreichen Gem\u00e4lden, mehr als 400, von denen viele noch gut erhalten sind), zun\u00e4chst heidnisch und dann auch christlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Petrus und Paulus w\u00e4hrend der ersten Verfolgungen vor\u00fcbergehend in diese Katakomben gebracht, um sp\u00e4ter in den Vatikan bzw. nach St. Paul vor den Mauern \u00fcberf\u00fchrt zu werden. Dies w\u00fcrde mit der Entdeckung einer Wand mit einer \u00d6ffnung in der Nekropole unter dem Petersdom und in der N\u00e4he der dem Apostelf\u00fcrsten zugeschriebenen Gebeine \u00fcbereinstimmen, die auf den Abtransport und die anschlie\u00dfende \u00dcberf\u00fchrung derselben Gebeine hinzuweisen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem der eindrucksvollsten R\u00e4ume der Katakomben von San Sebasti\u00e1n, der so genannten Triclia, befinden sich zahlreiche Graffiti, die von den antiken Pilgern eingraviert wurden, wie zum Beispiel: \"Petre, Pauli, in mente habete nos\", \"Petrus und Paulus, erinnert euch an uns\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich wurde der Ort zum Ziel zahlreicher Wallfahrten, insbesondere nach dem Martyrium des Heiligen Sebastian, eines r\u00f6mischen Offiziers, der zum Christentum konvertierte und unter Diokletian (um 288 n. Chr.) hingerichtet wurde. Er wurde hier von einer christlichen Matrone, Lucina, begraben, die seinen Leichnam in die Cloaca Maxima geworfen fand.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Basilika und der \"Salvator Mundi\".<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Basilika wurde urspr\u00fcnglich im 4. Jahrhundert im Auftrag von Kaiser Konstantin direkt an der Stelle errichtet, an der der Heilige Sebastian \"ad catacumbas\" (\"neben den H\u00f6hlen\") begraben wurde. Ihr heutiges Aussehen ist das Ergebnis zahlreicher sp\u00e4terer Eingriffe, insbesondere der von Kardinal Scipione Borghese in Auftrag gegebenen Restaurierung im 17. Die ber\u00fchmtesten Werke im Inneren der Kirche sind zweifellos die Kapelle mit den Reliquien Sebastians \u00fcber dem Hauptaltar und die Statue des Heiligen von Bernini. Ebenfalls von dem gro\u00dfen Meister stammt ein weiteres gro\u00dfartiges Werk, der \"Salvator Mundi\", sein letztes Werk, das wahrscheinlich mehr aus pers\u00f6nlicher Hingabe als im Auftrag entstand und von Bernini selbst der Basilika gestiftet wurde. Seine Spur verlor sich bis 2001, als es durch Zufall gefunden und wieder ausgestellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurioserweise finden wir gerade in San Sebasti\u00e1n eine der ersten Darstellungen von Christus, dem Erl\u00f6ser der Welt (hier zum ersten Mal als reale und kosmische Figur und nicht mehr nur als guter Hirte und Lehrer). Sie geh\u00f6rt zum bildlichen Erbe der mehr als 400 Werke, die in den Katakomben gefunden wurden (in diesem Fall nach einem Erdrutsch im Jahr 1997). Es stammt aus dem Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts und zeigt Christus in segnender Haltung mit einer Schriftrolle (Band) in der rechten Hand und zwei Personen hinter ihm (vielleicht Petrus und Paulus).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>San Felipe Neri und der Weg der sieben Kirchen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits im Mittelalter war die Basilika St. Sebastian eine der \"Sieben Kirchen\", die von den Pilgern in Rom am h\u00e4ufigsten besucht wurden. Es war jedoch der Heilige Philippus Neri, der diese st\u00e4dtische Wallfahrt als Alternative zu den bedeutenderen Pilgerfahrten (wie der nach Santiago de Compostela) und zu den Feierlichkeiten des r\u00f6mischen Karnevals institutionalisierte (er schlug sie vor allem jungen Menschen als Bu\u00df\u00fcbung vor, aber nicht zu sehr, wie er unverkennbar sagte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Heute geht es weiter zu den wichtigsten Glaubensst\u00e4tten Roms (die gro\u00dfen Basiliken, die mit den wichtigsten M\u00e4rtyrern und Heiligen verbunden sind) und nach San Sebastiano, wo sich unter den Katakomben auch die Kapelle befindet, in der der Heilige Philipp Neri unabl\u00e4ssig betete und der \u00dcberlieferung nach Protagonist eines mystischen Ereignisses war, der ber\u00fchmten \"Herzenserweiterung\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war viele Male in San Sebasti\u00e1n, habe mich von der Statue des \"Salvator Mundi\" von Bernini verzaubern lassen, bin durch Tunnel und Galerien gegangen, die von Tausenden von Pilgern im Laufe der zweitausendj\u00e4hrigen Geschichte mit Fresken und Graffiti bemalt wurden, und habe mir vorgestellt, wie eine Familie im alten Rom ein Bankett oder vielmehr ein \"refrigerium\" (von dem wir im Italienischen den Begriff \"rinfresco\" \u00fcbernommen haben) zum Gedenken an ihre Verstorbenen feierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der n\u00e4chtlichen Pilgerfahrt durch die Sieben Kirchen, in der mystischen Stille, die die Basilika und die nahe gelegenen Katakomben umgibt, f\u00fchlte ich mich dem Herzen Roms und dem Herzen des Menschen n\u00e4her, \"in der kalten und schwarzen Erde\", wie der gro\u00dfe Dichter Carducci sagen w\u00fcrde, aber mit der Hoffnung, dass die Sonne uns auch nach dem Tod aufmuntern und unsere Liebe erwecken wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roma es una ciudad que nunca se acaba de descubrir y nunca deja de sorprender. 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