{"id":51392,"date":"2025-08-05T06:00:00","date_gmt":"2025-08-05T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=51392"},"modified":"2025-08-05T12:05:56","modified_gmt":"2025-08-05T10:05:56","slug":"fabio-rosin-wir-brauchen-christen-in-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/foco\/fabio-rosin-necesitamos-cristianos-enamorados\/","title":{"rendered":"Fabio Rosini: \"Wir brauchen keine guten Christen, sondern Christen in Liebe\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabio Rosini, ein r\u00f6mischer Priester, ist bekannt f\u00fcr seinen originellen katechetischen Weg der \"Zehn Worte\", der seit mehr als drei\u00dfig Jahren Generationen von jungen Menschen auf ihrem Glaubensweg begleitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit ist er Professor an der P\u00e4pstlichen Universit\u00e4t vom Heiligen Kreuz, wo er an der Theologischen Fakult\u00e4t das Fach \"Bibel und Predigt\" lehrt. W\u00e4hrend dieser Wochen bietet er auch eine <em>\"Workshop zum Lesen homiletischer Texte\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im folgenden Interview teilt der r\u00f6mische Priester mit Omnes einige \u00dcberlegungen zum Vatersein in der heutigen Gesellschaft, zur Glaubenserziehung junger Menschen und zur Bedeutung eines reifen geistlichen Weges.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie sind bekannt f\u00fcr das Programm \"Zehn Worte\", das k\u00fcrzlich sein drei\u00dfigj\u00e4hriges Bestehen feierte. Wie kam es zu diesem Programm und welche Fr\u00fcchte hat es im Leben der jungen Menschen, die daran teilgenommen haben, gezeitigt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Den Ursprung der \"Zehn Worte\" zu erz\u00e4hlen, bedeutet, von pastoraler Kreativit\u00e4t als Ausdruck der Liebe zu sprechen. Es war 1991 und ich war Hilfspfarrer. Ich stand vor einer Gruppe junger Menschen und fragte mich, was ich ihnen wirklich Sch\u00f6nes, Tiefes und Bleibendes bieten k\u00f6nnte. Da ich aus der Welt der Kunst kam - ich war Musiker - wusste ich, dass sch\u00f6ne Dinge entstehen, wenn man sich wirklich um jemanden k\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr lang habe ich sie schweigend beobachtet und versucht, ihre wahren Bed\u00fcrfnisse zu verstehen. Ich erkannte einen tiefgreifenden Mangel: Sie hatten keine V\u00e4ter. Die M\u00fctter waren allgegenw\u00e4rtig, aber die V\u00e4ter waren langweilig und unbedeutend. Und sie, die Jugendlichen, machten sich vor, Christen zu sein, aber sie lebten einen inkoh\u00e4renten Glauben. Ich verstand, dass sie der Vaterschaft Gottes begegnen mussten und dass sie einen Weg brauchten, der etwas Unumkehrbares ber\u00fchrte, wie die Sakramente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So begann ich, ihnen anhand des Dekalogs nicht eine Reihe von Dingen zu beschreiben, die sie \"nicht tun\" sollten, sondern die Sch\u00f6nheit eines erf\u00fcllten Lebens, das Bild des freien, treuen und reifen Menschen. Ich formte nicht fertige und fertige Christen, sondern Menschen, die bereit waren, sich formen zu lassen. Die Frucht? Unz\u00e4hlige verwandelte Leben, nicht aufgrund meiner Verdienste, sondern weil sie durch einen Prozess, der von Gott ausgeht, entz\u00fcndet wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Figur des Vaters ist also ein wiederkehrendes Thema in Ihren Predigten. Welche Auswirkungen hat das Fehlen oder die Schw\u00e4che dieser Figur auf die heutige Gesellschaft?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die Auswirkungen sind radikal. Das Fehlen der Vaterschaft erzeugt ein ontologisches Defizit. Es ist, als h\u00e4tte man eine unvollst\u00e4ndige DNA: Wenn ein Teil fehlt, der m\u00e4nnliche Teil, kann etwas nicht funktionieren. Ich habe das biologisch erlebt: Nach einigen gesundheitlichen Problemen entdeckte ich eine v\u00e4terliche Erbschw\u00e4che. Aber ich sehe es auch auf einer spirituellen Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutige Welt hat sich auf einen Weg der Selbstzerst\u00f6rung begeben, auf dem die Zersplitterung verherrlicht und die Autorit\u00e4t verachtet wird. Was ist das Ergebnis? Ganze Generationen auf der Suche nach Anerkennung, die die spezifischste v\u00e4terliche Handlung ist. Wie Gott bei der Taufe von Jesus sagte: <em>\"Du bist mein Sohn\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sind die Eltern oft abwesend, abgelenkt, ausgegrenzt. Aber junge Menschen warten wie Telemachus auf die R\u00fcckkehr des Odysseus. Wir brauchen eine Wiederbelebung der Vaterschaft in allen Bereichen: Familie, Kirche, Erziehung. Vor drei\u00dfig Jahren habe ich so angefangen: ich war ein Vater, der an den Wert dieser Jugendlichen glaubte und sie mit Festigkeit, Z\u00e4rtlichkeit und Treue unterst\u00fctzte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In Ihren B\u00fcchern sprechen Sie oft von geistlicher Reife. Wie sehen Sie den Weg, auf dem junge Menschen heute im Glauben wachsen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Geistliche Reife durchl\u00e4uft bestimmte Phasen: Kinder sein, Br\u00fcder und Schwestern werden, dann Ehepartner, dann Eltern. Keine Phase kann \u00fcbersprungen werden. Und heute kommen viele junge Menschen mit gro\u00dfem Enthusiasmus zu mir, aber ohne jemals auch nur die volle Liebe erfahren zu haben. Und ich sage: Wie glaubt ihr, dass ihr eine Gemeinschaft, eine Pfarrei lieben k\u00f6nnt, wenn ihr nie den Verstand f\u00fcr jemanden verloren habt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herausforderung besteht darin, die Leidenschaft, die Freude und die v\u00f6llige Hingabe wiederzuentdecken. Kein Moralismus und keine Gutm\u00fctigkeit mehr: wir brauchen keine \"guten\" Christen, sondern Christen in Liebe. Wer in der Liebe ist, braucht keine Regeln: Er liebt spontan, er gibt sich hin, er opfert sich mit Freude auf. Das ist es, was heute fehlt: Menschen zu sehen, die um des Evangeliums willen ihren Verstand verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie sprechen oft von der \"Zeichensprache\" in der Bibel. Wie k\u00f6nnen wir jungen Menschen helfen, diese Zeichen in ihrem t\u00e4glichen Leben zu erkennen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die Bibel ist eine Landkarte, die den tiefen Sinn der Geschichte entschl\u00fcsselt. Die Zeichen, wie die im Johannesevangelium, verbinden das Sichtbare mit dem Unsichtbaren. Sie sind Fenster zum Geheimnis. Junge Menschen brauchen keine oberfl\u00e4chliche Religion, sondern jemanden, der das Geheimnis der Dinge zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Schlie\u00dfung (der Aussetzung der Aktivit\u00e4ten aufgrund der Covid-19-Pandemie) h\u00e4tten wir sagen sollen, dass es eine Zeit der Gnade war, anstatt leere Slogans zu wiederholen. Jedes Ereignis - selbst das dramatischste - kann ein Zeichen Gottes sein. Der Ausweg ist immer der Himmel. Ich habe es bei Gefangenen gesehen, bei Kranken, bei denen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen: dort spricht Gott. Es liegt an uns, ihnen zu helfen, mit neuen Augen zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In dem Buch <em>Die Kunst des Neubeginns<\/em>Wie vermitteln Sie jungen Menschen, dass Scheitern ein Neuanfang sein kann?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Sie wird verk\u00fcndet, und vor allem wird sie gelebt. Als wir den drei\u00dfigsten Jahrestag der \"Zehn Worte\" feierten, erinnerte mich eines der Paare, die mich begleiteten, daran, dass alles mit einem Misserfolg begann: ein Vorschlag, der schief ging, ein Moment der Krise. Und dort, im Zusammenbruch, wurde der Wendepunkt geboren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Scheitern ist nicht das Ende: es ist der Anfang. Gott hat das Heil aus dem Kreuz, aus der Ungerechtigkeit gemacht. Selbst meine Krankheit war eine Gelegenheit zur Gnade. Chaos ist keine Unordnung: Es ist eine h\u00f6here Ordnung, die wir nicht verstehen. Und das ist der Ort, an dem Gott handelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welches sind Ihrer Erfahrung nach die wirksamsten Methoden, um junge Menschen in einer von S\u00e4kularisierung und Relativismus gepr\u00e4gten Zeit n\u00e4her an Gott heranzuf\u00fchren?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Es gibt nur eine Methode: authentisch sein, mutig sein, keine Kompromisse eingehen. Lasst uns die Kirchengemeinden nicht in Vergn\u00fcgungsparks verwandeln. Gott hat uns nicht gebeten, die Menschen zu unterhalten, sondern die Sch\u00f6nheit des Evangeliums zu verk\u00fcnden, auch um den Preis, unbequem zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Evangelium wird mit Leben, mit Freude, mit Selbstironie verk\u00fcndet. Ich f\u00fchle mich wie ein gl\u00fccklicher und dankbarer Mensch. Selbst als ich mein Leben riskiert habe, hatte ich das Gef\u00fchl, dass Gott mir etwas sagt: <em>\"Du bist noch nicht fertig. Es gibt immer noch etwas zu tun\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Fr\u00fcchte haben Sie in Ihrer Arbeit mit jungen Menschen gesehen und welchen Rat w\u00fcrden Sie katholischen Erziehern geben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Ich sehe wundersch\u00f6ne Fr\u00fcchte. Geheilte, verwandelte, aufgebl\u00fchte Leben. Aber das ist nicht mein Werk: Es ist Gott, der die Arbeit tut. Wir sind nur Werkzeuge, und der Schl\u00fcssel ist, die Menschen mit der Macht seiner Vaterschaft in Ber\u00fchrung zu bringen..,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich begann mich zu ver\u00e4ndern, indem ich einen Teller wusch. Ja, einen Teller. Da wurde mir klar, dass selbst diese Geste Liebe sein kann. Und Teller f\u00fcr Teller bin ich bis heute gekommen. Das ist die Spiritualit\u00e4t des t\u00e4glichen Lebens: alles zu einem Meisterwerk zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Projekte haben Sie f\u00fcr die Zukunft geplant, um junge Menschen weiterhin zu unterst\u00fctzen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch? Zu sterben. Andere auszubilden, Raum zu lassen, zu vertrauen. Wir leben in einer gerontokratischen Gesellschaft, in der niemand gehen will. Ich hingegen m\u00f6chte gehen. Ich will keine Klone, sondern kreative, \u00fcberraschende, freie Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich tr\u00e4ume von einem Beichtstuhl, wo ich Zeit damit verbringen kann, Menschen zu begr\u00fc\u00dfen. Und vielleicht ab und zu ein Bier mit Freunden. Nichts Besonderes, aber alles in vollen Z\u00fcgen gelebt. Und so Gott will, werde ich weiterhin sehen, wie sch\u00f6ne Dinge geboren werden, die nicht meinen Namen tragen, sondern Gottes Namen. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fabio Rosini, sacerdote romano, es conocido por su original itinerario catequ\u00e9tico de las \u201cDiez palabras\u201d, que ha acompa\u00f1ado a generaciones de j\u00f3venes en su camino de fe durante m\u00e1s de treinta a\u00f1os. Actualmente es profesor en la Universidad Pontificia de la Santa Cruz, donde imparte la asignatura \u201cBiblia y predicaci\u00f3n\u201d en la Facultad de Teolog\u00eda. 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