{"id":51629,"date":"2025-09-01T00:05:00","date_gmt":"2025-08-31T22:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omnesmag.com\/?p=51629"},"modified":"2025-09-03T11:25:23","modified_gmt":"2025-09-03T09:25:23","slug":"interview-mit-kardinal-wojtyla-uber-das-priestertum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omnesmag.com\/de\/foco\/entrevista-al-cardenal-wojtyla-sobre-el-sacerdocio\/","title":{"rendered":"Interview mit Kardinal Wojtyla \u00fcber das Priestertum"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum ersten Jahrestag der Dritten Bischofssynode bringen wir f\u00fcr PALABRA die Aussagen von Kardinal Wojty\u0142a, dessen herausragende Leistung auf der Synode als Vertreter des polnischen Episkopats bekannt ist.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kardinalerzbischof von Krakau, Erzbischof Karol Wojty\u0142a, hat freundlicherweise auf ein Interview mit dem Direktor von \"CRIS\", Joaqu\u00edn Alonso Pacheco, geantwortet.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kardinal bezieht sich nicht nur auf die auf der Synode diskutierten Themen, sondern spricht auch \u00fcber die Situation der Kirche in Polen, wo die Priester trotz verschiedener Schwierigkeiten ein bewundernswertes Zeugnis ihres priesterlichen Gewissens ablegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>-Polen ist eines der L\u00e4nder, in denen in den letzten Jahren die Zahl der Priesterberufungen am st\u00e4rksten zugenommen hat. Dabei spielt das Priesterbild, das sich die polnischen B\u00fcrger von ihrer Kirche w\u00fcnschen, zweifellos eine wichtige Rolle. K\u00f6nnten Sie, Monsignore, erl\u00e4utern, welche Erwartungen die Kirche in Polen in dieser Hinsicht hat?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Zun\u00e4chst muss ich sagen, dass wir es der letzten Bischofssynode verdanken, die das Nachdenken \u00fcber das Thema des Amtspriestertums intensiviert und systematisiert hat, dass dieses Nachdenken die ganze Kirche erreicht hat, von den Bischofskonferenzen bis zu den Ortskirchen und allen Gl\u00e4ubigen. Wir haben also einen der grundlegenden Punkte des Gewissens der Kirche ber\u00fchrt. In diesem von der Synode neu belebten Gewissen der Kirche stellt sich auch das Problem der Erwartungen der Katholiken an die Gestalt des Priesters, soweit es Polen betrifft.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stimmt, dass der erzwungene Mangel an katholischen Organisationen in unserem Land uns oft daran gehindert hat, in der Vorbereitungsphase der Synode alle Bereiche der Laien zu konsultieren; andere Ereignisse haben es uns jedoch erm\u00f6glicht, ihre Gef\u00fchle zum Problem des Priestertums direkt zur Kenntnis zu nehmen. Die Feier des f\u00fcnfzigsten Jahrestages der Priesterweihe von Paul VI. im Jahr 1970, die in Polen besonders intensiv erlebt wurde; Jahrestag der Befreiung von 250 Priestern aus den Konzentrationslagern von Dachau und im vergangenen Jahr die Vorbereitung der Seligsprechung von Maximilian Kolbe - dem katholischen Priester, der in Auschwitz sein Leben f\u00fcr das eines Familienvaters gab - bedeuteten f\u00fcr unsere Gl\u00e4ubigen eine Art geistige Einf\u00fchrung in die Synode und f\u00fcr uns eine Gelegenheit festzustellen, dass die Gestalt des Priesters im Zentrum des Gewissens der Kirche in Polen steht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antworten, die unsere Priester im vergangenen Fr\u00fchjahr auf die vom Sekretariat der Synode in der Vorbereitungsphase gestellten Fragen gegeben haben, beweisen genau dies. Ihre Antworten stehen im Einklang mit diesem Gewissen, d.h. sie definieren die Gestalt des Priesters nach ihren eigenen \u00dcberzeugungen und gleichzeitig nach den konkreten Forderungen des ganzen \u00fcbrigen Gottesvolkes. In Polen ist es eine tr\u00f6stliche Tatsache, dass es eine enge Beziehung zwischen der konkreten priesterlichen Existenz - dem Selbstverst\u00e4ndnis des Priesters - und den Forderungen des lebendigen Glaubens der Kirche - dem <em>Sensus Fidei<\/em> des Volkes Gottes, zu dessen Dienst er berufen wurde.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Antworten l\u00e4sst sich ableiten, dass sich f\u00fcr die polnischen Katholiken das Problem des Priesters haupts\u00e4chlich um den Moment der priesterlichen Berufung dreht. Sie wird zu Recht als eine ganz besondere pers\u00f6nliche Berufung Christi gesehen, die \u00fcbernat\u00fcrliche Fortsetzung des Rufes, den Jesus an die Apostel gerichtet hat. Alle Gl\u00e4ubigen bem\u00fchen sich in den verschiedenen Formen des christlichen Lebens, ihr Leben gem\u00e4\u00df der besonderen Absicht Gottes zu f\u00fchren, die in der Taufe enthalten ist, aber die priesterliche Berufung wird mit Recht in ihrer ganzen Besonderheit verstanden. Zu dieser neuen <em>\"Komm und folge mir\". <\/em>Die Berufung Christi, die von Christus imperativ ausgesprochen wird, antwortet in der Sensibilit\u00e4t unserer Gl\u00e4ubigen auf die Gewissheit, dass dem pers\u00f6nlichen Charakter einer solchen Berufung eine totale Hingabe der Person folgen muss. Kurzum, der Ausdruck, mit dem der Hebr\u00e4erbrief den Priester beschreibt, wird buchst\u00e4blich gelebt: <em>ex hominibus assumptus <\/em>(Heb 5, 1).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies erkl\u00e4rt, warum die Seminare trotz objektiver Schwierigkeiten von allen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden und ausschlie\u00dflich dank der Spenden der Gl\u00e4ubigen aufrechterhalten werden, und es erkl\u00e4rt auch die au\u00dferordentliche Beteiligung, mit der - vor allem in den Provinzgemeinschaften, aber auch in den gro\u00dfen St\u00e4dten - die Priesterweihen und die Feier der ersten Messen begangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen das Modell des paulinischen Textes weiter verwenden, um einen zweiten wichtigen Aspekt dieses Bewusstseins der polnischen Gl\u00e4ubigen in Bezug auf das Priestertum zu veranschaulichen: <em>pro hominibus constituitur<\/em>. Die Gl\u00e4ubigen sehen im Priester den Stellvertreter und Nachfolger Christi, der bereit ist, jedes pers\u00f6nliche Opfer f\u00fcr das Heil der ihm anvertrauten Seelen auf sich zu nehmen. Sie sind sich seiner sicher und sch\u00e4tzen vor allem seinen konkreten apostolischen Eifer und seinen unerm\u00fcdlichen Opfergeist f\u00fcr den N\u00e4chsten, der sich im Geiste Christi vollzieht. Und gerade durch die Betonung dieser Dimensionen der priesterlichen Existenz kann meiner Meinung nach jede \"Identit\u00e4tskrise\" \u00fcberwunden werden. Der Priester ist f\u00fcr die Gesellschaft n\u00fctzlich, wenn es ihm gelingt, alle seine k\u00f6rperlichen und geistigen F\u00e4higkeiten in der Aus\u00fcbung seines pastoralen Dienstes einzusetzen. Die Gl\u00e4ubigen brauchen keine Kirchenbeamten oder effiziente Verwaltungsleiter, sondern geistliche F\u00fchrer, Erzieher (in meinem Volk ist man der \u00dcberzeugung, dass das Christentum unersetzliche moralische Grunds\u00e4tze und erzieherische M\u00f6glichkeiten besitzt).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um auf das Synodaldokument zur\u00fcckzukommen und die polnische Situation darin widergespiegelt zu sehen, m\u00fcsste man eine weitere Korrektur vornehmen: anstatt auf der <em>Identit\u00e4tskrise<\/em>Im Falle der Europ\u00e4ischen Union w\u00e4re es notwendig, die Identifizierung von <em>per vitam et ministerium <\/em>was gerade der wichtigste Aspekt der Art und Weise ist, wie unsere Gl\u00e4ubigen das Priestertum betrachten, im Lichte all dessen, was bereits von einigen konziliaren Dokumenten wie dem <em>Lumen gentium <\/em>und die <em>Presbyterorum ordinis<\/em>. Das bedeutet nicht, dass die polnischen Priester nicht mit Dankbarkeit auf die Arbeit der Synode schauen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gott ist es, der das Priestertum verleiht.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>-In vielen westlichen L\u00e4ndern, in denen die Industrialisierung zu einer Mentalit\u00e4t gef\u00fchrt hat, die zunehmend typisch f\u00fcr eine s\u00e4kularisierte Gesellschaft ist, spricht man vom Priestertum. <\/strong><strong><em>Teilzeit <\/em><\/strong><strong>Wie sieht Ihre Eminenz dieses Problem im Zusammenhang mit dem Problem des Klerikermangels?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Schlussdokument der Synode beantwortet diese Frage in wesentlichen Punkten. In dem Teil, der den Lehrgrunds\u00e4tzen gewidmet ist, lesen wir: <em>\"Die Dauerhaftigkeit dieser lebenslangen Pr\u00e4gung - eine Glaubenslehre, die in der Tradition der Kirche als priesterlicher Charakter bekannt ist - zeigt, da\u00df Christus die Kirche unwiderruflich mit sich selbst f\u00fcr das Heil der Welt verbunden hat und da\u00df die Kirche selbst Christus f\u00fcr die Vollendung seines Werkes endg\u00fcltig anvertraut ist. Der Amtstr\u00e4ger, dessen Leben den Stempel der vom Heiligen Geist empfangenen Gabe tr\u00e4gt, ist ein bleibendes Zeichen der Treue Christi zu seiner Kirche\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u00dcbereinstimmung mit der gesamten Tradition hat die Synode bekr\u00e4ftigt, dass das Amtspriestertum als Frucht der besonderen Berufung Christi eine Gabe Gottes in der Kirche und f\u00fcr die Kirche ist; und gerade diese Gabe ist, wenn sie einmal vom Menschen in der Kirche angenommen wurde, unwiderruflich. In der Tat hat die Synode bekr\u00e4ftigt, dass <em>\"Diese besondere Teilhabe am Priestertum Christi verschwindet keineswegs, auch wenn der Priester aus kirchlichen oder pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden dispensiert oder aus dem Kreis des Dienstes entfernt wird\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis ist es die Kirche, die durch den Bischof bestimmte Personen zum Priestertum beruft und es ihnen auf sakramentale Weise \u00fcbertr\u00e4gt, aber das darf uns nicht vergessen lassen, dass der Urheber der Gabe, derjenige, der das Priestertum eingesetzt hat, Gott selbst ist. <em>\"Durch die Handauflegung wird die unverg\u00e4ngliche Gabe des Heiligen Geistes mitgeteilt (vgl. 2 Tim 1,6). Durch diese Wirklichkeit wird der geweihte Amtstr\u00e4ger Christus, dem Priester, gleichgestaltet und geweiht (vgl. OP 2), und er wird Teilhaber an der Sendung Christi in ihrem doppelten Aspekt, n\u00e4mlich dem der Autorit\u00e4t und des Dienstes. Diese Autorit\u00e4t ist nicht dem Amtstr\u00e4ger eigen: Sie ist Ausdruck seiner eigenen Autorit\u00e4t. <\/em>\"Exasiae <em>(d.h. der Kraft) des Herrn, aufgrund derer der Priester eine Gesandtenmission im wesentlichen Werk der Vers\u00f6hnung erf\u00fcllt (vgl. 2 Kor 5,18-20)\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist mit dem Priestertum? <em>Teilzeit<\/em>? Auch hier findet sich die Antwort im Schlussdokument der Synode. <em>\"Dem priesterlichen Dienst muss in der Regel die volle Zeit gewidmet werden. Daher kann die Teilnahme an den weltlichen T\u00e4tigkeiten der Menschen keinesfalls als Hauptzweck festgelegt werden, noch kann sie ausreichen, um die gesamte spezifische Verantwortung der Priester widerzuspiegeln\".<\/em>. Es geht also darum, eine angemessene Antwort auf die Frage \"Was ist ein Priester?\" zu geben; in diesem Zusammenhang greift die Synode die Worte des <em>Presbyterorum ordinis<\/em>: <em>\"Ohne von der Welt zu sein oder die Welt als ihr Ziel zu haben, m\u00fcssen die Priester dennoch in der Welt leben. <\/em>(vgl. OP 3; 17; 10; 17, 14-16). <em>als Zeugen und Vermittler eines anderen Lebens als dieses irdische Leben <\/em>(vgl. OP 3)\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur auf der Grundlage dieser Pr\u00e4missen kann eine realistische und glaubenskonforme L\u00f6sung entstehen. Die Synode hat nicht vergessen, dass es auch in vergangenen Epochen der Kirchengeschichte Priester gegeben hat, die au\u00dferpriesterliche T\u00e4tigkeiten ausge\u00fcbt haben, aber immer in enger Verbindung mit ihrem spezifischen pastoralen Auftrag. <em>\"Um im konkreten Fall die \u00dcbereinstimmung zwischen den weltlichen T\u00e4tigkeiten und dem priesterlichen Dienst feststellen zu k\u00f6nnen, ist zu fragen, ob und in welcher Weise diese Funktionen und T\u00e4tigkeiten nicht nur der Sendung der Kirche, sondern auch den Menschen, auch den nicht evangelisierten, und schlie\u00dflich der christlichen Gemeinschaft dienen, und zwar nach dem Urteil des Ortsbischofs mit seinem Presbyterium, das gegebenenfalls die Bischofskonferenz konsultiert\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung des Bischofs oder der Bischofskonferenz muss daher diese Voraussetzungen ber\u00fccksichtigen. Schlie\u00dflich stimmt die Synode der Aus\u00fcbung von au\u00dferpriesterlichen T\u00e4tigkeiten zu, allerdings mit einigen wichtigen Pr\u00e4zisierungen: <em>\"Wenn diese T\u00e4tigkeiten, die normalerweise den Laien obliegen, in irgendeiner Weise durch den Evangelisierungsauftrag des Priesters selbst erforderlich sind, m\u00fcssen sie mit den anderen dienstlichen T\u00e4tigkeiten in Einklang stehen, da sie unter diesen Umst\u00e4nden als notwendige Modalit\u00e4ten des wahren Dienstes angesehen werden k\u00f6nnen. <\/em>(vgl. OP 3)<em>\"<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Synode hat daher die Verantwortung \u00fcbernommen, die Kirche vor der Gefahr zu bewahren, das g\u00f6ttliche Geschenk des Priestertums zu entwerten. Im Einklang mit diesem Verantwortungsbewu\u00dftsein vertrete ich die Auffassung, da\u00df das Problem des Klerikermangels in seinen richtigen Dimensionen gesehen werden mu\u00df; wir k\u00f6nnen nicht daran denken, die Schwierigkeiten, die sich aus der Quantit\u00e4t ergeben, durch den Verzicht auf die Qualit\u00e4t zu l\u00f6sen. Es geht darum, den Einsatz des Priesters in der Kirche zu verbessern, ohne jedoch zu vergessen, dass nur <em>\"der Herr der Ernte <\/em>Diese Gabe kann vervielfacht werden, und es liegt an den Menschen, sie mit den von ihrer Natur geforderten Dispositionen anzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Identit\u00e4tskrise?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aus Ihren Worten kann man den Schluss ziehen, dass die Krise des Priesters vor allem auf Glaubensschwierigkeiten und das Fehlen einer echten priesterlichen Spiritualit\u00e4t in der heutigen Kirche zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Glauben Sie aber, dass neben dieser Krise auch eine makroskopisch entchristlichte Kultur am Werk ist? Die Synode, auf die Sie Bezug genommen haben, hat auch diesen Aspekt angesprochen; was ist Ihre Meinung dazu?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-W\u00e4hrend der Arbeit der Synode war viel von der Identit\u00e4tskrise des Priesters die Rede, wobei diese vor dem Hintergrund einer grundlegenderen Identit\u00e4tskrise der Kirche selbst gesehen wurde. Bestimmte Ausdr\u00fccke scheinen mir jedoch unklar zu sein: Es ist klar, dass diese Ausdr\u00fccke nicht auf eine objektive Krise, sondern auf ein subjektives Krisenbewusstsein anspielen. Nachdem dies gekl\u00e4rt ist, werde ich Ihre Frage direkt beantworten. Das endg\u00fcltige Dokument \u00fcber den Priester vermeidet zwar den Ausdruck \"Identit\u00e4tskrise\" - der im vorbereitenden Dokument verwendet wurde -, doch wird dieser Gedanke genau in den Punkten aufgegriffen, die eine solche Krise veranschaulichen sollen. Hier ist ein Beispiel: <em>\"Angesichts dieser Realit\u00e4t stellen sich manche Menschen beunruhigende Fragen: Gibt es einen besonderen Grund f\u00fcr das priesterliche Amt oder nicht? Ist dieses Amt notwendig oder nicht? Ist das Priestertum von Dauer? Was bedeutet es, heute Priester zu sein? W\u00fcrde es f\u00fcr den Dienst an den Gemeinschaften nicht ausreichen, wenn es Vorsteher g\u00e4be, die zum Dienst am Gemeinwohl berufen werden, ohne dass es einer Priesterweihe bedarf, und die ihr Amt vor\u00fcbergehend aus\u00fcben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sicherlich sagen, dass Fragen wie diese historisch im theologischen Bereich entstanden sind und sich auf theoretische Voraussetzungen berufen, die von bestimmten Theologen systematisch als Antwort auf die traditionelle theologische Methodik ausgearbeitet wurden. Sobald sie jedoch formuliert und in die kirchliche \u00d6ffentlichkeit getragen werden, sind sie Ausdruck einer tieferen existentiellen Anfechtungshaltung. In diesem Text geht es genau darum, die Genese dieser zweiten Art von Anfechtung zu rekonstruieren, und in diesem Zusammenhang bezieht er sich weiterhin auf den gesamten Bereich der zeitgen\u00f6ssischen Kultur: <em>\"Die oben beschriebenen Probleme, die zum Teil neu sind und zum Teil schon in der Vergangenheit bekannt waren, heute aber neue Formen annehmen, k\u00f6nnen nicht losgel\u00f6st vom Gesamtzusammenhang der modernen Kultur verstanden werden, der ihren eigenen Sinn und Wert ernsthaft in Frage stellt. Die neuen M\u00f6glichkeiten der Technik wecken eine Hoffnung, die zu sehr auf Enthusiasmus beruht, und gleichzeitig ein tiefes Unbehagen. Man kann sich zu Recht fragen, ob der Mensch in der Lage sein wird, seine eigene Arbeit zu beherrschen und sie auf den Fortschritt auszurichten\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\"Vor allem einige junge Menschen haben die Hoffnung auf den Sinn dieser Welt verloren und suchen ihr Heil in rein meditativen Systemen, in k\u00fcnstlichen und marginalen Paradiesen, die sich der gemeinsamen Anstrengung der Menschheit entziehen\".<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\"Andere werden von utopischen Hoffnungen beseelt, die keinen Bezug zu Gott haben, so dass sie im Streben nach einem Zustand des totalen Eindrucks den Sinn ihres gesamten pers\u00f6nlichen Lebens von der Gegenwart in die Zukunft verlegen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\"Auf diese Weise werden Aktion und Kontemplation, Bildung und Erholung, Kultur und Religion, die immanenten und transzendenten Pole des menschlichen Lebens, v\u00f6llig voneinander getrennt\".<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist folgendes: Ist diese Diagnose gerecht? Oder besser: Erkl\u00e4rt sie wirklich alles? Das hei\u00dft, ist sie wirklich auf den Kontext der zeitgen\u00f6ssischen Kultur zur\u00fcckzuf\u00fchren? Mitglieder des polnischen Episkopats, die mit den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit in Ber\u00fchrung kommen, sind geneigt zu argumentieren, dass das Dokument eine Reihe von Symptomen verallgemeinert, die f\u00fcr die technologisch entwickelte westliche Welt charakteristisch sind; die Situation der Kirche in anderen L\u00e4ndern weist ganz andere Aspekte auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Leben des Glaubens.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Synode hat diese Realit\u00e4t sicherlich nicht ignoriert: <em>\"Wir wissen, dass es verschiedene Teile der Welt gibt, in denen dieser tiefgreifende Kulturwandel noch nicht sp\u00fcrbar ist, und dass die oben genannten Themen nicht \u00fcberall, nicht von allen Priestern und nicht unter denselben Gesichtspunkten angesprochen werden\".<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Polen hingegen ist der kulturelle Wandel, vielleicht aufgrund des Einflusses eines anderen politischen und soziopolitischen Regimes, nicht nur weniger sp\u00fcrbar, sondern auch ganz anders. J\u00fcngste Umfragen unter polnischen Priestern haben gezeigt, dass es in Polen weder eine Identit\u00e4tskrise der Priesterschaft noch eine Identit\u00e4tskrise der Kirche gibt. In der Auseinandersetzung mit der marxistischen Ideologie und ihrem programmierten und propagandistisch verbreiteten Atheismus hat die Kirche ihre eigene Identit\u00e4t nicht verloren. Krisen, wenn sie auftreten, sind individuell; und hier kommen wir wieder auf das Problem des Glaubens und der Spiritualit\u00e4t zur\u00fcck. Der Glaube ist eine \u00fcbernat\u00fcrliche Gnade, die sich unter den unterschiedlichsten und widerspr\u00fcchlichsten Umst\u00e4nden entwickelt. In dieser Zeit, in der die Zunahme des materiellen Fortschritts starke Spannungen im geistlichen Leben mit sich bringt, muss meines Erachtens hervorgehoben werden, dass ihre radikale L\u00f6sung von einer proportionalen Zunahme des Glaubenslebens abh\u00e4ngt. Und dies war, \u00fcber die Diagnosen hinaus, auch die grundlegende Antwort der Synode.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die \u00f6ffentliche Meinung in der Kirche.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>-Parallel zur Aufgabe, den Glauben zu f\u00f6rdern und zu garantieren (Lehramt), besteht die Funktion, die Gl\u00e4ubigen zu leiten und ihnen die lehramtlichen Hinweise getreu zu \u00fcbermitteln. K\u00f6nnten Sie in diesem Sinne die Anspielung erkl\u00e4ren, die Sie k\u00fcrzlich auf die Theologie gemacht haben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Es geht nicht nur um die Theologie, sondern ganz allgemein um die \u00f6ffentliche Meinungsbildung in der Kirche. In diesem Bereich spielt die Kirche eine entscheidende Rolle. <em>Massenmedien<\/em>Letztere sind bekanntlich nach ihren eigenen Gesetzen strukturiert. Diese k\u00f6nnen nat\u00fcrlich nicht zum Nachteil ihrer Treue zur Botschaft wirken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist so real, dass die Synode selbst es in dem Dokument \u00fcber Gerechtigkeit mit diesen Worten wiedergegeben hat: <em>\"Das Gewissen unserer Zeit verlangt nach Wahrheit in den sozialen Kommunikationssystemen, was auch das Recht auf ein objektives Bild, das von den Medien selbst verbreitet wird, und die M\u00f6glichkeit, deren Manipulation zu korrigieren, einschlie\u00dft.<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirche hat die Frage der Kommunikation zunehmend positiv und selbstbewusst behandelt (man denke nur an das Konzilsdekret <em>Inter mirifica<\/em> und in der Anweisung <em>Communio et progressio<\/em>), aber gleichzeitig kann die objektive Existenz der Gefahr nicht verschwiegen werden, dass die \u00dcbel der Kommunikation dem Recht auf Wahrheit schaden und zu einem der Hauptzentren der Ungerechtigkeit in der heutigen Welt werden k\u00f6nnten. Indem man also dem <em>Massenmedien<\/em> seinen rechtm\u00e4\u00dfigen Zweck zu erf\u00fcllen, hei\u00dft es im Synodentext ausdr\u00fccklich: <em>\"Diese Art von Bildung, die alle Menschen zu vollwertigen Menschen macht, wird dazu beitragen, dass sie in Zukunft weder von den Medien noch von den politischen Kr\u00e4ften manipuliert werden, sondern im Gegenteil in der Lage sind, ihr eigenes Schicksal zu gestalten und wahrhaft menschliche Gemeinschaften aufzubauen\".<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Texte stehen im Mittelpunkt unseres Themas, auch wenn sie in gewisser Weise \u00fcber den Kontext hinausgehen: Sie tragen dazu bei, die Missverst\u00e4ndnisse auszur\u00e4umen, die entstehen, wenn wir von der Ebene des kirchlichen Lebens - wo die Pfarrer und Theologen in Treue zu ihrem pastoralen und priesterlichen Dienst ihren spezifischen Beitrag leisten - auf die Ebene der Kommunikation und der \u00f6ffentlichen Meinungsbildung \u00fcbergehen. Ich halte daher die Bedenken der Synodenv\u00e4ter f\u00fcr berechtigt, um zu vermeiden, dass Elemente, die f\u00fcr das Leben der Kirche wesentlich sind, im Rahmen der sozialen Kommunikation verf\u00e4lscht werden. Es geht darum, eine Sensibilisierungsbewegung in Gang zu setzen, die bei den Kommunikationsverantwortlichen ein gr\u00f6\u00dferes Bewu\u00dftsein f\u00fcr ihre Verantwortung beim Aufbau der Kirche nach dem Willen Christi weckt, indem sie realistisch die Faktoren aufsp\u00fcren, die aufgrund parteipolitischer Interessen und eines weitverbreiteten Divinismus einen negativen Einflu\u00df haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Christliche Werte in Frage stellen.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>-Unter den Ermahnungen, die das kirchliche Lehramt in letzter Zeit an die Priester gerichtet hat, sticht die Warnung vor der Versuchung hervor, die Verk\u00fcndigung des Wortes und die Kriterien des pastoralen Handelns an die weltliche Mentalit\u00e4t anzupassen. Wenn diese Mentalit\u00e4t immer mehr von einer permissiven Ideologie durchdrungen ist und man bereits offen von einer \"permissiven Theologie\" spricht, sollte dann eine solche Warnung auch auf die Theologen ausgedehnt werden?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Permissivismus und seine Erscheinungsformen im theologischen Bereich sind typische Ph\u00e4nomene der westlichen Gesellschaft, die in L\u00e4ndern wie Polen vorl\u00e4ufig noch einen eher relativen Einfluss haben. Als au\u00dfenstehender Beobachter kann ich mich daher nur auf allgemeine \u00dcberlegungen beschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst einmal ist klar, dass dem Permissivismus eine ausschlie\u00dflich horizontale - und daher etwas reduzierte - Auffassung von Freiheit zugrunde liegt. Die Freiheit ist das konstitutive Element der W\u00fcrde der Person, die vom christlichen Denken ununterbrochen verk\u00fcndet und verteidigt wird. Aber es ist auch zu bedenken, dass die christliche Freiheit niemals Selbstzweck ist, sondern notwendigerweise ein Ziel in sich selbst: Sie ist das Mittel zur Erreichung des wahren Gutes. Der perspektivische Irrtum des Permissivismus besteht darin, dass er den Blickwinkel auf den Kopf stellt: Das Ziel wird zum Streben nach individueller Freiheit, ohne jeden Bezug zu der Art von Gut, dem die Freiheit verpflichtet ist. Die praktische Konsequenz ist, dass sich die Freiheit au\u00dferhalb der Vollendung des Guten in Missbrauch verwandelt und, anstatt dem Individuum den Boden f\u00fcr seine Selbstverwirklichung zu bereiten, seine Entleerung und Frustration bestimmt. Alles, was von der Freiheit bleibt, ist die <em>Slogan<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es besteht kein Zweifel, dass ein solcher Ansatz als absolut kontr\u00e4r zu den Kriterien angesehen werden muss, die eine korrekte Theologie und ein wirksames pastorales Handeln leiten sollten. Theologen und Seelsorger m\u00fcssen sich in einer solchen Situation st\u00e4ndig nach den wahren christlichen Werten fragen. Der Mensch tr\u00e4gt die Norm seiner Freiheit - nach dem paulinischen Ausdruck - in einem <em>\"Steingutgef\u00e4\u00df\".<\/em> (II. Kor. 4, 7). Die Versuchungen sind vielf\u00e4ltig, aber die M\u00f6glichkeiten zur Besserung sind ebenso gro\u00df. Was die Probleme der permissiven Gesellschaft betrifft, k\u00f6nnen viele Verwirrungen vermieden werden, wenn man sich daran erinnert, dass es die christliche Botschaft - ihre Wurzel im nat\u00fcrlichen Gewissen - und nicht die Permissivit\u00e4t ist, die die Gesetze des Kampfes um echte Freiheit diktieren muss, die immer auch eine der unverzichtbaren Komponenten der Mission der Kirche ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>-Was ist Ihrer Meinung nach, Eminenz, die Lehre, die die Priester von heute, insbesondere die polnischen Priester, aus einer Figur wie Maximilian Kolbe ziehen k\u00f6nnen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Die Tatsache, dass Maximilian Maria Kolbe w\u00e4hrend der Arbeit der Synode identifiziert wurde, verleiht seiner Gestalt - wie Kardinal Duvial, der derzeitige Pr\u00e4sident der Synodenversammlung, betonte - eine Bedeutung, die \u00fcber die nationalen Grenzen hinausgeht und ihn zu einem Beispiel f\u00fcr alle Priester macht: das Zeichen einer Zeit, die von unmenschlichen Grausamkeiten, aber auch von tr\u00f6stlichen Episoden der Heiligkeit gepr\u00e4gt war. F\u00fcr uns Polen hat seine Seligsprechung nat\u00fcrlich einen ganz besonderen Charakter: F\u00fcr die \u00e4ltesten unter uns Priestern erinnert sie an die Qualen, die sie mit der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung in den Vernichtungslagern erlitten haben, wo Schmerz und Solidarit\u00e4t die Kirche in Polen auf neue Pr\u00fcfungen vorbereiteten. F\u00fcr die J\u00fcngeren ist Pater Kolbe ein Hinweis darauf, wie viel der Priester im Dienst am N\u00e4chsten von sich verlangen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch andere Aspekte seiner Pers\u00f6nlichkeit k\u00f6nnen als paradigmatisch angesehen werden (man denke nur an seine Verehrung der Muttergottes und sein apostolisches Wirken in der Presse); seine ganze Gestalt, die so sehr vom Kreuz gepr\u00e4gt ist, ist ein dringender Aufruf zur apostolischen Bestimmung der christlichen Berufung und zum v\u00f6lligen Verzicht auf sich selbst, der eine konstante Dimension der priesterlichen Existenz darstellt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Al cumplir el primer aniversario del III S\u00ednodo de Obispos, para PALABRA traemos a sus p\u00e1ginas las declaraciones del cardenal Wojty\u0142a, cuya destacada actuaci\u00f3n en el mismo, como representante del episcopado polaco, es sobradamente conocida.&nbsp;&nbsp; El cardenal arzobispo de Cracovia, monse\u00f1or Karol Wojty\u0142a, ha respondido amablemente a la entrevista que le ha hecho el director [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2425,"featured_media":51845,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[549,548],"tags":[2322],"class_list":["post-51629","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-evangelizacion","category-foco","tag-60-aniversario-palabra-omnes"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - 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