Ohne außerschulische Aktivitäten ist dies der beste Weg, um zu lesen und die eigene Fantasie zu entwickeln.

Angesichts der Hegemonie ständiger Aktivität und der Besessenheit, jede Stunde mit außerschulischen Aktivitäten zu füllen, wage ich es, den häuslichen Bereich zu verteidigen, das Zuhause, in dem man ohne festen Zeitplan lebt. Kinder und Jugendliche müssen nicht ständig Energie abbauen; dieses Bedürfnis ist größtenteils eine Erfindung von uns Erwachsenen.

14. Januar 2026-Lesezeit: 2 Minuten
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@Stephen Andrews

Ich liebe Argumente für das Lesen, die uns angesichts der Vorherrschaft audiovisueller Medien dazu ermutigen, mehr zu lesen. Ich möchte dieses Argument jedoch erweitern und eine weitere Perspektive hinzufügen, da Lesen oft so dargestellt wird, als sei es etwas Unmittelbares und fast Automatisches: Man schlägt ein Buch auf, blättert die Seiten um, und schon liest man.

Wir alle wissen, dass es nicht so einfach ist. Oft lesen wir, ohne wirklich zu lesen. Unsere Augen wandern vorwärts, doch unsere Gedanken schweifen ab. Wir blättern zurück, wiederholen eine Passage, versuchen, unsere Fantasie zu zügeln, um die Bedeutung der Worte zu erfassen. Erst wenn es dem Geist gelingt, sich dem Rhythmus des Textes anzupassen, entfaltet sich die Magie der Literatur: Eine neue Welt tut sich vor uns auf. Eine englische Stadt des 19. Jahrhunderts mit ihrer eleganten Sprache und Kleidung; ein ländliches Spanien, wo die Kindheit arm und einfach war; das Leben anderer Menschen, das auf geheimnisvolle Weise zu unserem eigenen wird.

Damit dies gelingt – wirklich zu lesen und, noch wichtiger, ein gutes Buch zu genießen – braucht ein Teenager mehr als nur Bücher: Er braucht einen Kontext. Einen Kontext der Stille, der Passivität, ja sogar der Langeweile. Er muss zu Hause bleiben.

Angesichts der allgegenwärtigen Aktivität und der Besessenheit, jede freie Minute mit außerschulischen Aktivitäten zu füllen, wage ich es, den häuslichen Bereich zu verteidigen, das Zuhause, in dem man ohne festen Plan lebt. Kinder und Jugendliche müssen nicht ständig Energie abbauen; dieses Bedürfnis ist größtenteils eine Erfindung von uns Erwachsenen. Wir haben panische Angst davor, sie gelangweilt zu sehen. Wir fürchten Konflikte, Lärm, Streitereien, Unordnung. Und um das zu vermeiden, nehmen wir sie mit aus dem Haus, verausgaben sie, halten sie beschäftigt. Wir wollen, dass sie sich bewegen, müde werden, früh ins Bett gehen und so leise wie möglich sind. Ohne es zu merken, berauben wir sie etwas Wesentliches: den Rahmen eines Zuhauses, in dem sie den ganzen Nachmittag ohne ein bestimmtes Ziel verbringen können.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Buch, das mir wirklich gefallen hat: eines aus der Sammlung Kika Superhexe, in der 5. Klasse. Ich erinnere mich auch an die Comics, die mir zu Hause Gesellschaft leisteten.Die Familie Trapisonda, Carpanta, der zuckersüße Hotelpage, RompetechosIch lebte ihr Leben. Meine Fantasie erweiterte sich. Meine intellektuelle Aktivität war immens. Ich lebte viele Leben, ohne das Sofa zu verlassen.

Jetzt, mit meinen eigenen Kindern, verstehe ich etwas, das ich schon immer geahnt hatte, noch deutlicher: Lesen braucht Bücher, ja, aber es braucht noch mehr. Es braucht einen Kontext. Wenn ich selbst ein Buch lese – und nicht nur eine SMS auf meinem Handy –, schaffe ich zu Hause eine Atmosphäre, die andere Aktivitäten fördert: Lernen, Malen, Schreiben, aus dem Fenster schauen, Lesen, Erfinden, Beten, Nachdenken. So kann Lesen, ohne es immer als akademische oder moralische Pflicht zu sehen, wieder zum Abenteuer werden.

Wie gesagt, dieser Kontext entsteht nicht von selbst. Bücher erschaffen ihn nicht von allein. Jemand, der liest, erschafft ihn. Was wäre eine Bibliothek ohne Leser? Ein einfacher Abstellraum. Dasselbe kann auch zu Hause geschehen. Unsere Bücherregale, in denen wir unsere Bücher aufbewahren, können genau das sein: Möbel. Oder sie können auch das Tor zu einem anderen Universum sein, bewohnt von allerlei Wesen, voller Geschichten und Abenteuer, die uns von Kriegen und Liebe erzählen und die die Grenzen unseres Zuhauses erweitern und uns an unmögliche Orte und in unmögliche Zeiten entführen. 

Der AutorAlmudena Rivadulla Durán

Verheiratet, Mutter von drei Kindern und Doktorin der Philosophie.

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