Leseverständnis

Wie wird sich diese Pandemie mangelnden Leseverständnisses auf die Art und Weise auswirken, wie Gottes Wort heute in den Herzen der Menschen widerhallt?

15. September 2026-Lesezeit: 3 Minuten
Leseverständnis

Das Leseverständnis unserer Kinder und Jugendlichen hat im PISA-Bericht ein Rekordergebnis erreicht. Ich will nicht behaupten, sie seien schlechter als wir, denn seien wir ehrlich: Das ist längst nicht mehr nur ein Problem der Jugend; es betrifft uns alle.

Die digitale Kultur hat eine neue Art des Umgangs mit Texten hervorgebracht. Nicht, dass wir nicht mehr lesen würden – vielleicht verbringen wir sogar viel mehr Zeit mit Chatten, Nachrichtenlesen auf unseren Smartphones, Kommentaren in sozialen Medien usw. –, sondern vielmehr tun wir es oberflächlich, wodurch die Informationen nicht wirklich in uns wirken. Damit Lesen wirklich gewinnbringend ist, braucht es Zeit, Raum und Kontext. 

Während wir in der U-Bahn sitzen und versuchen, auf unseren Handys ein Selbsthilfebuch mit Entspannungstechniken zu lesen, werden wir von einer Benachrichtigung mit den neuesten Nachrichten unserer Lieblingszeitung unterbrochen: ein Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus. Zwischen den Absätzen prangen Werbeanzeigen für das neue Sandwichbrot, und im Eltern-Chat fragt jemand, ob ein Mitschüler versehentlich das Geschichtsbuch seines Kindes genommen hat. So kommt es, dass wir abends vergeblich versuchen, mit der Hormus-Methode einzuschlafen, und uns einfällt, dass wir den Rucksack unseres Kindes nicht kontrolliert haben, falls es versehentlich das Sandwich des Mitschülers genommen hat. Gleichzeitig schießt uns die schöne Illustration von Seeschlachten aus unserem Geschichtsbuch aus der Oberstufe in den Kopf. Ein echtes mentales Chaos, kann ich euch sagen.

Hastiges, zwanghaftes Lesen, getrieben allein von Neugier, Sensationsgier und dem Wunsch, über alles informiert zu bleiben – sei es im eigenen Umfeld oder in der Welt –, lässt uns nichts wirklich begreifen. Stundenlanges Lesen verpufft wirkungslos. Unser Geist, unsere Seele, gleichen ausgedörrter, verdorrter Erde. Ein digitaler Datenstrom strömt auf uns ein, zieht an uns vorbei und versiegt schnell wieder. Damit diese Ideen fruchtbar werden und Früchte tragen können, müssen sie wie Tau fallen, wie ein sanfter Nieselregen auf dem Gras, wie ein feiner Nebel auf dem Rasen. 

Und nachdem ich nun die Psalmen zitiert habe, wie wird sich diese weit verbreitete Leseschwäche darauf auswirken, wie Gottes Wort heute in den Herzen der Menschen widerhallt? Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Gläubige dem Herrn begegneten und durch geistliche Lesungen, die sie selbstverständlich verstanden und die sie ihr Leben tiefgreifend berühren ließen, eine Bekehrung erlebten. 

Zu den berühmtesten gehörte der heilige Ignatius von Loyola, der sich während einer langen Genesungszeit von einer Kriegsverletzung Ritterromane wünschte, um sich die Zeit zu vertreiben. Es stellte sich heraus, dass es in diesem Haus nur einen einzigen gab. Vita Christi und ein Buch mit Heiligenlegenden in der Volkssprache», wie er selbst erzählt. Er fand Gefallen an diesen Lektüren und «nach und nach hielt Gott Einzug in meine Seele, und aus einem tapferen Ritter eines irdischen Herrn wurde ich zu einem heldenhaften Ritter des Ewigen Königs Jesus Christus«.

Und was ist mit dem heiligen Augustinus, der, nachdem er die geheimnisvolle Stimme eines Kindes vernommen hatte, die ihm sagte: «Nimm und lies!”, die heiligen Schriften wahllos aufschlug und, insbesondere in einem Brief des heiligen Paulus, das fand, wonach er sein Leben lang gesucht hatte, ohne es zu wissen: niemand anderen als Christus? So erzählte er es in seinem Buch „Die Bibel“. Bekenntnisse, Dieses Werk, das Jahrhunderte später in den Besitz der heiligen Teresa von Ávila gelangte, war der Schlüssel zu ihrer Bekehrung und Lebensveränderung. Ihr Leben wiederum wurde in einer Autobiografie festgehalten, die Edith Stein, eine Professorin für jüdische Philosophie, nach der Lektüre zu dem Ausruf veranlasste: “Das ist die Wahrheit!” So konvertierte sie zum Christentum und wurde später als heilige Teresa Benedicta vom Kreuz verehrt. Die Kette der Bekehrungen, die durch die (wohlverstandene) Lektüre des Wortes Gottes und der Lebensgeschichten der Heiligen bewirkt wurde und weiterhin wird, ist unerschöpflich.

Ich will Apps zum Beten der Psalmen oder zum Lesen des Evangeliums auf dem Handy nicht verteufeln, da ich sie selbst täglich nutze und sie ein sehr hilfreiches Werkzeug sein können. Es wäre aber gut, wenn wir uns fragen würden, ob dies der beste Weg ist, sich diesen Texten zu nähern, und in welchem Kontext wir das tun. Wir müssen uns Zeit nehmen, wir müssen Freiräume schaffen, damit das Wort Gottes, das «lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert» ist, und geistliche Lesungen nicht einfach an uns abprallen wie die x-te Geburtstagsnachricht aus einer WhatsApp-Gruppe, sondern wirklich in unseren Herzen Wurzeln schlagen, denn unser Leben hängt davon ab. Verstehst du?

Der AutorAntonio Moreno

Journalist. Hochschulabschluss in Kommunikationswissenschaften und Bachelor in Religionswissenschaften. Er arbeitet in der Diözesandelegation für die Medien in Málaga. Seine zahlreichen "Threads" auf Twitter über den Glauben und das tägliche Leben sind sehr beliebt.

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