Familie

Von der Abtreibungsbefürworterin zur «Dienerin Gottes»: Die Geschichte von Ruth Pakaluk

Michael Pakaluk, Ruths Ehemann, berichtet über das heilige Leben seiner Frau, während ihr Seligsprechungsprozess voranschreitet und das Nihil obstat sie als Dienerin Gottes anerkennt – der erste Schritt auf dem Weg zu ihrer möglichen Heiligsprechung.

Teresa Aguado Peña-3. Dezember 2025-Lesezeit: 5 Minuten
Ruth Pakaluk

Ruth mit einem ihrer Söhne ©OSV News

Ruth Pakaluk, geboren 1957 in einer presbyterianischen Familie, betrachtete sich selbst als Atheistin und war eine brillante Harvard-Studentin und Abtreibungsbefürworterin. Später wurde sie an der Seite ihres Partners Michael, mit dem sie ihre existenziellen Zweifel diskutierte, zu einer aufrichtigen Wahrheitssuchenden.

Ihre Bekehrung begann, als sie die Gewissheit von Gottes Existenz wiedererlangte und verstand, dass die Erkenntnis Gottes im Mittelpunkt ihres Lebens stehen sollte. Dies führte sie zum katholischen Glauben. 1980 kehrte Michael, der in eine katholische Familie hineingeboren worden war, zur Kirche zurück, und Ruth wurde am Heiligabend aufgenommen und gefirmt. Mit der Zeit fanden beide im Opus Dei einen Wegweiser für ihr spirituelles Leben. Ruth, verheiratet und Mutter von sieben Kindern, wurde in Massachusetts zu einer einflussreichen Lebensschützerin. Ihr Engagement zeugte von ihrer Mutterschaft und ihrem einfachen, großzügigen Leben in ihrer Gemeinde: «Sie war wie die ‘Mutter der Nachbarschaft'», erinnert sich ihr Mann.

Heute ist der Name Ruth V. K. Pakaluk in der Kirche wieder allgegenwärtig. Im Herbst dieses Jahres verlieh der Vatikan ihr die Priesterweihe. nihil obstat um ihren Selig- und Heiligsprechungsprozess zu eröffnen und sie als Diener Gottes, der erste Schritt hin zu einem Prozess, der eines Tages in ihrer Heiligsprechung gipfeln könnte.

Im Gespräch mit ihrem Ehemann Michael Pakaluk und ihrer engen Freundin Mary Beth Burke wird deutlich, welch vorbildliches Leben Ruth führte. Michael erkennt die Heiligkeit seiner Frau Ruth besonders in «ihrer lebendigen und echten Liebe zum Himmel; ihrer Sehnsucht, das Angesicht Gottes zu sehen; ihrem brennenden Wunsch, mit Christus gemeinsam zu erlösen; ihrer Frömmigkeit gegenüber ihren Lehrern und ihrer Treue zu ihren Freunden; und ihrer Beharrlichkeit im Gebet».

Ruth Pakaluk und ihr Ehemann Michael ©OSV News

Die Bekehrung von Ruth

Schon in jungen Jahren lebte Ruth im Streben nach Wahrheit. Mary Beth erinnert sich, dass diese Haltung sie unwiderstehlich machte: “Sie war unglaublich intelligent, aber nie arrogant.” Sie sprach mit ansteckender Begeisterung über alles – Glauben, Familie, die Pro-Life-Bewegung. Michael bestätigt, dass es eben dieser innere Antrieb war, der ihr spirituelles Leben veränderte: Wenn Ruth eine Wahrheit erfasste, ließ sie sie nicht an sich vorbeiziehen; sie handelte sofort. «Ich kenne niemanden, der so unmittelbar auf eine einmal erkannte Wahrheit reagiert hat», sagt Michael.

Ihr Weg zur Bekehrung war jedoch nicht einfach. Michael erklärt, dass er mit dem Erkennen ihrer eigenen Selbstsucht und Sünden begann, verbunden mit der tiefen Erkenntnis, dass nur Gottes Gnade sie davon befreien konnte. So begann sie inbrünstig zu beten. Mary Beth erinnert sich, dass dieses Gebetsleben sie stets trug, selbst als die Krankheit sie bereits befallen hatte: Der Rosenkranz war bei Spaziergängen, Reisen und sogar bei Besuchen bei Freunden stets in ihrer Hand. Sie selbst bekennt, dass sie dank Ruth die Liebe zum Gebet entdeckte.

«Die Mutter der Nachbarschaft»

Die Mutterschaft war für Ruth die große Bühne, auf der sie ihre Berufung lebte. Michael beschreibt sie als eine Mutter, die jedes ihrer Kinder innig liebte und die Einzigartigkeit jedes einzelnen zu schätzen wusste. Obwohl ihr Leben oft turbulent war – sieben Kinder, Katechismusunterricht in der Gemeinde und Veranstaltungen und Vorträge der Lebensrechtsbewegung in ganz Neuengland –, fand sie Ordnung, indem sie ihren Tag mit einem Gebet begann. Und wenn danach alles schiefging, war sie fest davon überzeugt: Wenn sie zur Messe gegangen war, “hatte sie den bestmöglichen Tag erlebt”.

Mary Beth erlebte diese Mischung aus Freude und Effizienz hautnah mit. Im Sommer organisierte Ruth Ausflüge zum See, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt: Sie packte belegte Brote, Eistee in einem riesigen Krug und quetschte alle Kinder ins Auto, auch die, deren Eltern sie nicht mitnehmen konnten. Mary Beth gibt zu, dass sich Mütter manchmal überfordert fühlen und nicht einmal einen einfachen Ausflug organisieren können, aber Ruth ließ es mühelos aussehen. Während die Kinder spielten, beteten sie den Rosenkranz und pflegten ihre Freundschaft. Für Mary Beth waren diese Tage eine Glaubensschule, getarnt als Picknick.

Ruth gegen Abtreibung

Diese Liebe zum Familienleben beflügelte auch Ruths Leidenschaft für den Schutz des ungeborenen Lebens. Michael erinnert sich, dass sie zunächst versuchte, politischen Einfluss zu nehmen und diejenigen unterstützte, die Richter für den Obersten Gerichtshof fördern konnten, die bereit waren, das Urteil aufzuheben. Roe vs. Wade. Als dieser Ansatz zunächst zu scheitern schien (obwohl er letztendlich doch zum Erfolg führte), konzentrierte sie sich auf die Jugenderziehung: «In ihren letzten Lebensjahren sprach sie wohl in jeder Pfarrei ihrer Diözese und in den meisten Gymnasialklassen und nahm außerdem an zahlreichen Universitätsdebatten teil. Sie war überzeugt, dass Debatten unerlässlich seien, da sich nur wenige Menschen eine Meinung bilden würden, ohne beide Seiten gehört zu haben», erinnert sich Michael. Mary Beth beschreibt sie als eine “unerschrockene Kämpferin”: bestimmt, aber nie negativ oder herablassend, stets überzeugt davon, dass die Wahrheit sich durchsetzen würde.

Ruths Argumente waren einfach, aber tiefgründig. Sie erklärte, dass, wenn das grundlegendste Menschenrecht – das Recht auf Leben – verweigert wird, alle anderen Rechte verweigert werden. Wie Michael berichtet, argumentierte sie auch: «Der Körper einer Frau schützt vom Moment der Empfängnis an das ungeborene Wesen. Alles verändert sich, um diesem Wesen zu dienen. Der Zustand ihres Körpers offenbart etwas über den Zustand ihrer Seele. Daher widerspricht Abtreibung zutiefst ihren wahren Interessen als Frau. Sie schadet ihr, anstatt ihr zu helfen.» Mary Beth hörte sich ihre Vorträge und Reden viele Male an und bekennt, dass sie dank ihnen gelernt hat, die Lehre der Kirche zu Lebensschutz und Familienfragen ihren eigenen Kindern und Freunden besser zu vermitteln.

Leiden und Heiligkeit

Auch Ruth erfuhr Leid. Sie verlor ein Kind, und Michael erinnert sich, dass sie diesem Schmerz mit der evangelischen Überzeugung begegnete, dass “selig die Trauernden” seien, denn Gott selbst tröste sie. Derselbe vertrauensvolle Blick begleitete sie bis zum Ende. Mary Beth, die sie nur kannte, als sie bereits krank war, sagt, dass sie manchmal den Ernst ihrer Lage vergaß: Ruth blieb aufgeschlossen, fröhlich und aktiv. Als ihr Tod kam, war der Schock für alle groß, denn es schien unvorstellbar, dass solch eine Lebenskraft erlöschen konnte.

Während die Kirche nun ihr Leben würdigt, hofft Michael, dass zwei wesentliche Eigenschaften erhalten bleiben: ihre praktische Herangehensweise an geistliche Fragen – “Verschwendet die Gnade nicht” und «Erkenne Gottes Willen, tue Gottes Willen», pflegte sie zu wiederholen – und die jugendliche Frische, mit der sie ihren Glauben lebte, die sie als grundlegendes Merkmal christlicher Nachfolge heute ansah. Mary Beth ihrerseits ist ihr zutiefst dankbar: «Wie sie ihrem Tod begegnete, niemals aufgab und bis zum Schluss treu ihrer Berufung als Tochter Gottes, Ehefrau, Mutter und Freundin folgte, lehrte uns alle, die sie kannten, wie man als Christ stirbt. Dafür werde ich ihr immer dankbar sein.»

Mehr lesen
Newsletter La Brújula Hinterlassen Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und erhalten Sie jede Woche die neuesten Nachrichten, die aus katholischer Sicht kuratiert sind.