Abel de Jesús, in seinem dritten Beitrag im Laufe des Jahres Artologie Er wollte den Ursprung der Kirche in den Mittelpunkt stellen. «Die Kirchenväter betrachteten die Kirche Christi aus der Perspektive des Kreuzes», erklärte Abel. «Aus Christi geöffneter Seite fließen Blut und Wasser, die Zeichen der Taufe und der Eucharistie. Dort wird die Kirche geboren.» Nicht als menschliche Organisation, sondern als Leib, getragen von der Liebe: der unsichtbare Mörtel, der den Tempel stützt, dessen Auftrag es ist, das Evangelium zu verkünden und Christi Heilsgeschehen weiterzugeben.
Dieses ursprüngliche Verständnis hilft uns zu begreifen, warum christliche Kunst, wenn sie ihrer Berufung treu bleibt, den Glauben nicht schmückt, sondern ihn vielmehr offenbart. Antoni Gaudí brachte dies meisterhaft zum Ausdruck, indem er den Tempel als Katechismus aus Stein und Licht konzipierte. In der Sagrada Familia ist der höchste Turm nicht derjenige Marias oder der Apostel, sondern der Jesu Christi, gekrönt von einem leuchtenden Kreuz. Christus erscheint somit als wahres Licht (vgl. Joh 1,9) und als der höchste Mittler zwischen Gott und den Menschen. Die gesamte Struktur läuft auf diesen Punkt hinaus: Es gibt kein Christentum ohne das Kreuz und kein christliches Licht, das nicht von ihm ausgeht.
Der Skandal um das Kreuz
Doch für die Menschen von gestern wie von heute ist das Kreuz unerträglich. Der heilige Johannes vom Kreuz warnte, dass viele die Wohltaten des Kreuzes begehren, aber nur wenige wirklich Freunde des Kreuzes sein wollen. In der dunklen Nacht der Seele sind nur wenige bereit, ein Geheimnis zu leben, das radikal unvereinbar mit menschlicher Sicherheit ist. Das Kreuz erschließt sich nicht durch Ideologien oder geschlossene Systeme, sondern durch vertrauensvolle Hingabe an den Vater und Selbsthingabe an alle.
Der wahre Gradmesser unserer Erfahrung des Evangeliums ist die Vergebung. Beobachten Sie nur, wie ein Mensch seine Feinde behandelt, wie er auf Ungerechtigkeit oder unberechtigte Kritik reagiert. Das ist der Lackmustest. Nur der Heilige ist fähig, ungerechte Kritik demütig anzunehmen; selbst berechtigte Kritik fällt uns oft schwer. Vergebung und Versöhnung stehen im Mittelpunkt dessen, was Jesus uns anbietet: eine Selbsthingabe für alle, die durch … εἰς τέλος, bis ins Extrem (vgl. Joh 13,1).
Wir versuchen oft, das Geheimnis des Kreuzes erträglicher zu machen, indem wir Abkürzungen erfinden: distanzierte Andachten, unaufhörliche Suche nach spirituellem Trost, endlose Pilgerreisen auf der Suche nach außergewöhnlichen Zeichen. Nicht die Verehrung der Heiligen an sich wird infrage gestellt, sondern die Reduzierung des Glaubens auf Phänomene, die den Skandal des Kreuzes abmildern. Der heilige Johannes vom Kreuz verurteilte die Sehnsucht nach privaten Offenbarungen als eine schwere Beleidigung Gottes, als ob die endgültige Offenbarung – Christus selbst – nicht genüge. Am Kreuz hat Gott alles gesagt.
Das Kreuz als die Fülle der Offenbarung
Nicht alle Theologien haben diese zentrale Bedeutung anerkannt. Wenn Christi Königtum weltlich oder politisch interpretiert wird, wird es verfälscht. Christus ist König, ja, aber seine Krone ist aus Dornen, sein Zepter ein Schilfrohr, mit dem er geschlagen wird, sein Gewand der Purpur seines eigenen Blutes und sein Thron das Kreuz. Vor Pilatus, wenn alle Attribute des Königtums vorhanden sind, offenbart sich das Wesen seiner Herrschaft unmissverständlich. Das messianische Geheimnis verschwindet: Dies ist der König, den Jesus zu verkünden gekommen ist.
Deshalb kann das Evangelium nicht losgelöst vom Kreuz gelesen werden. Worte wie jene in Johannes 6 – «Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben» – sind nur im Lichte von Christi vollkommener Selbsthingabe verständlich. Dasselbe gilt für schwierige Passagen wie «Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert» (Mt 10,34). Aus dem Kontext des Kreuzes gerissen, können diese Worte Gewalt rechtfertigen; aus der Perspektive des Kreuzes gelesen, zeigen sie, dass Treue zum Evangelium zwar Spaltung und Ablehnung hervorrufen kann, aber niemals einen heiligen Krieg. Das Kreuz ist der hermeneutische Schlüssel zur gesamten Heiligen Schrift.
Falsche Wertpapiere und der wahre Messias
Auch Jesu Zeitgenossen verstanden dieses Geheimnis nicht. Sie erwarteten einen politischen Erlöser. Pharisäer, Sadduzäer, Zeloten und Essener vertrauten auf religiöse, soziale oder ideologische Gewissheiten, die das Kreuz erschütterte. Jesus entsprach keiner messianischen Erwartung. Sein Tod am Kreuz – laut Deuteronomium ein Fluchzeichen – war nicht bloß menschliches Versagen, sondern ein radikaler Ausschluss aus Liebe.
Am Kreuz verraten alle Jesus: der Vater, Judas, Pilatus, die Menge, die Barabbas bevorzugt. Die Jünger fliehen, von Angst und Verzweiflung überwältigt. Sie ahnen noch nicht, dass das Passahfest bald beginnt.
Vom Scheitern zum Triumph
Das Geheimnis des Gekreuzigten findet seine Auflösung erst in der Auferstehung, die die Apostel von der Angst vor Erfolg oder Misserfolg befreit. Das Idealbild des vollendeten Jüngers ist nicht der Guerillakämpfer, sondern der Märtyrer. Nicht der, der die Titelseiten von Magazinen ziert, sondern der, der die Welt von Herz zu Herz verändert. Jesu Gleichnisse verweisen stets auf das Kleine: das Senfkorn, den Sauerteig, das sanfte Licht. Evangelisierung entsteht nicht durch Programme, sondern durch Erfahrungen, die sich in der Nähe Gottes verbreiten.
Deshalb besitzt der Turm der Apostel und Evangelisten in der Sagrada Familia keine zentrale, sondern eine dezentrale Lichtquelle, denn er symbolisiert die Mission, Licht in die Welt zu tragen. “Ihr seid das Licht der Welt” (Mt 5,14).
So entsteht die Kirche am Kreuz, im Akt der vollkommenen Liebe. Das ist ihr wahrer Ursprung und ihre tiefste Tradition. Von dort entspringt eine Gemeinschaft, die in die Welt gesandt wird, vom Heiligen Geist getragen, um Juden und Heiden zu verkünden, dass Jesus der Herr ist und die Liebe das letzte Wort hat. Wo Nächstenliebe und Liebe sind, da ist Gott.
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Journalist und Dichter.





