Trotz der Häufigkeit, mit der sie zitiert werden, insbesondere unter Katholiken, haben die meisten Menschen nur ein oberflächliches Verständnis dieser sechs häufig zitierten Autoren und ihrer Werke.
C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien Sie sind bekannt für die Narnia- und Hobbit-Geschichten. Flannery O'Connor wirkt beunruhigend, G.K. Chesterton verwirrt und Graham Greene deprimierend.
Hilaire Belloc ist praktisch vergessen, bis auf ein bestimmtes Zitat: «Wo immer die katholische Sonne scheint, gibt es immer Lachen und guten Rotwein.».
Was diese renommierten Autoren des 20. Jahrhunderts verbindet, ist ihre Liebe zu Christus und ihre einzigartige Art, seine Botschaft in die Welt zu tragen. Sie schrieben, um uns zu helfen, unsere Perspektive auf eine tiefere Wahrheit auszurichten. Selbst wenn Sie ihre bekanntesten Werke bereits kennen, gibt es noch Schätze zu entdecken. Sollten Sie von ihrem Ruhm eingeschüchtert sein, haben wir genau das richtige Buch für Sie, um ihre Welt – und den Glauben – durch ihre Augen zu entdecken.
Torwart Chesterton: Steht auf dem Kopf
Es gibt niemanden, dessen Worte so oft zitiert werden wie die von G. K. Chesterton, was unter anderem daran liegt, dass er unsere Aufmerksamkeit sehr gut mit Paradoxien fesselt.
Ein Paradoxon ist ein scheinbarer Widerspruch, der dem gesunden Menschenverstand widerspricht, wie etwa Christi Aussage: «Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten.» Wir sind an die wahre Bedeutung gewöhnt, doch bei genauerer Betrachtung erscheint sie auf den ersten Blick unlogisch. Chesterton war darin so meisterhaft, dass er den Beinamen «Fürst der Paradoxien» erhielt.
Chestertons Werk beweist sein Genie, uns zum Nachdenken aus ungewohnten Perspektiven anzuregen. Sein umfangreiches Schaffen mit 80 Büchern und 200 Kurzgeschichten hat Generationen von Schriftstellern und Denkern beeinflusst, von C.S. Lewis und Mahatma Gandhi bis hin zu zeitgenössischen Autoren wie Dorothy Day und Neil Gaiman.
Chesterton (1874–1936) fand auf verschlungenen Wegen zum katholischen Glauben. Er wuchs unitarisch auf, beschäftigte sich zusammen mit seinem Bruder mit Okkultismus, doch der Einfluss seiner Frau führte ihn zum Anglikanismus. Einige Jahre später konvertierte er zum Katholizismus. Chestertons Essay «Warum ich katholisch bin« offenbart seine Liebe zur Kirche: «Die Schwierigkeit, zu erklären, warum ich katholisch bin, liegt darin, dass es zehntausend Gründe gibt, die sich auf einen einzigen reduzieren lassen: dass der Katholizismus wahr ist. … Ich würde lieber sagen, dass er nicht nur größer ist als ich selbst, sondern größer als alles andere auf der Welt; dass er ja größer ist als die Welt. Da ich aber in diesem kurzen Text nur einen Aspekt behandeln kann, werde ich ihn in seiner Funktion als Hüter der Wahrheit betrachten.‘.
Eine von Chestertons liebenswertesten Eigenschaften war seine Fähigkeit, sich mit Menschen anzufreunden, mit denen er nicht übereinstimmte. Er verteidigte das Christentum in öffentlichen Debatten mit so prominenten Persönlichkeiten wie George Bernard Shaw und H.G. Wells. Diese Debatten klangen jedoch oft mit einem gemeinsamen Abendessen aus. Sowohl Shaw als auch Wells pflegten bis zu Chestertons Tod enge Freundschaften mit ihm.
Chesterton bewies großen Witz und logisches Denkvermögen. Selbst seine ernstesten Bücher enthielten humorvolle Momente, und viele waren ausgesprochen komisch, während sie gleichzeitig dazu beitrugen, die Welt und spirituelle Fragen zu erklären.
Die Kriminalromane um Pater Brown erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Darin gelingt es einem Priester und Detektiv dank seines tiefen Verständnisses der menschlichen Natur, Übeltäter zu überführen. Pater Browns Perspektive ist theologisch geprägt, obwohl er bei der Aufklärung der Fälle auch die Vernunft einsetzt.
Im Bereich der Sachliteratur ist «Orthodoxie» mit Abstand sein bekanntestes Buch. «Der ewige Mensch» ist Chestertons Antwort auf H. G. Wells« »Abriss der Geschichte«, der den Menschen lediglich als intelligentes Tier und Jesus Christus als charismatische Figur darstellte. Chestertons spirituelle Reise durch die westliche Zivilisation in »Der ewige Mensch“ ist nach wie vor hochaktuell, da sie einige der gleichen Fragen aufwirft, mit denen wir uns auch heute noch auseinandersetzen.
Hilaire Belloc: Komische Poesie und Geschichte
Hilaire Belloc trifft den Nagel auf den Kopf. Als erstklassiger Historiker erweckte er mit seinen Schriften nicht nur Ereignisse zum Leben, sondern regte seine Leser auch zu tiefergehenden Reflexionen an. Seine Vielseitigkeit als Autor und sein scharfer Humor machen seine Werke zu einem wahren Lesegenuss. Wie sein guter Freund G.K. Chesterton war er ein äußerst produktiver Schriftsteller mit über 150 veröffentlichten Büchern. Er war zudem Redner, politischer Aktivist, Essayist und Dichter.
Belloc wurde 1870 als Sohn eines französischen Vaters und einer englischen Mutter geboren und wuchs nach dem Tod seines Vaters, als er fünf Jahre alt war, in England auf. Sein tiefer katholischer Glaube prägte praktisch alles, was er schrieb, und auch seine Lebensweise in England, wo Katholiken mit tiefem Misstrauen betrachtet wurden. Als er für das Parlament kandidierte, antwortete er auf den Slogan seines Gegners «Wählt keinen französischen Katholiken»: «Meine Herren, ich bin Katholik. Soweit es mir möglich ist, besuche ich täglich die Messe. Dies hier», sagte er und zog einen Rosenkranz aus der Tasche, «ist ein Rosenkranz. Soweit es mir möglich ist, knie ich jeden Tag nieder und bete mit diesen Perlen. Sollte ich aufgrund meiner Religion abgelehnt werden, werde ich Gott danken, dass er mir die Schmach erspart hat, Ihr Abgeordneter zu sein.».
Er wurde gewählt.
Bellocs Schriften waren äußerst einflussreich, sind heute aber nicht allgemein bekannt. Am berühmtesten ist er für «Der Weg nach Rom», seinen Reisebericht über seine Wanderung von Frankreich nach Rom, mit der er seinen Glauben bekräftigen wollte. Es ist eine faszinierende Mischung aus Anekdoten, Philosophie und Reflexionen, gewürzt mit Humor.
Seine humorvollen Gedichte für Kinder sind nach wie vor beliebt, insbesondere «Das Buch der Tiere und die Fabeln des unartigen Jungen», das die viktorianische Neigung parodiert, selbst die trivialsten Dinge zu moralisieren. Probieren Sie sie aus, wenn Sie etwas im Stil von Roald Dahl oder Lemony Snicket suchen.
C.S. Lewis: Die Gabe der Klarheit
Was C.S. Lewis betrifft, so haben Sie wahrscheinlich schon etwas von ihm gelesen oder kennen zumindest einige seiner Werke. Mit «Die Chroniken von Narnia», «Christentum schlechthin» und «Dienstanweisung für einen Unterteufel» hat er wohl wie kein anderer moderner Autor zur Erklärung des christlichen Glaubens beigetragen.
Lewis, 1898 in Irland geboren, war lange Zeit Atheist. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war, und er wurde in ein Internat geschickt, was den Beginn seiner Abkehr von Gott markierte. Seine Leidenschaft für Mythologie und Literatur führte ihn jedoch zur Freundschaft mit J.R.R. Tolkien, einem Oxford-Professor und gläubigen Katholiken, der sich für die Existenz Gottes einsetzte. Diese Gespräche gipfelten darin, dass Lewis in dieser Nacht kniend betete, «vielleicht der niedergeschlagenste und widerwilligste Konvertit in ganz England».
Diese Ehrlichkeit spiegelt sich in seinen Büchern wider. Lewis versteht die menschliche Natur. Ungeachtet seines Publikums findet er stets das passende Beispiel, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, was ihm oft zusätzliche Tiefe verleiht. In «Die vier Arten der Liebe» beispielsweise beschreibt er die Herausforderung der Liebe: «Lieben heißt verletzlich sein. Liebe etwas, und dein Herz wird ausgepresst und womöglich gebrochen. Willst du es unbedingt unversehrt bewahren, darfst du es niemandem geben, nicht einmal einem Tier. Hüte es sorgsam mit Hobbys und kleinen Freuden; meide jegliche Verpflichtungen. Bewahre es sicher verwahrt in der Truhe oder dem Sarg deines Egoismus. Doch in dieser sicheren, dunklen, regungslosen, luftleeren Truhe wird es sich verändern. Es wird nicht zerbrechen; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unrettbar werden. Lieben heißt verletzlich sein.».
Im Falle von Lewis spricht nichts dagegen, mit den Klassikern anzufangen, besonders wenn man sie noch nie oder schon lange nicht mehr gelesen hat. Wer mit den «Chroniken von Narnia» aufgewachsen ist, sollte sie einmal einem Kind vorlesen. Es wird einem wieder bewusst, welche Wirkung diese Geschichten auf unschuldige Herzen haben. Seine weniger bekannte Science-Fiction-Trilogie für Erwachsene, beginnend mit «Jenseits des schweigenden Planeten», verwebt christliche Theologie mit fesselnden Erzählungen.
Im Bereich der Sachbücher bekehrt «Christentum schlechthin» noch heute Menschen. «Dienstanweisung für einen Unterteufel», geschrieben, als würde ein Dämonenhelfer einen gewöhnlichen Christen verführen, regt uns noch immer zum Nachdenken über unser eigenes Leben an. Weniger bekannt ist vielleicht «Die große Scheidung», das eine Busreise von der Hölle in den Himmel schildert. Es zeigt die Realität und unsere eigenen Leidenschaften, ob gut oder schlecht, in einem neuen, inspirierenden und erhellenden Licht.
J.R.R. Tolkien: Geschichten als Wahrheit
J.R.R. Tolkien schrieb diese Passage an seinen Sohn Christopher, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte. Er griff diesen Gedanken in der «Herr der Ringe»-Trilogie wieder auf, als Sam fragt: «Enden große Geschichten denn nie?» Frodo antwortet: «Nein, als Geschichten enden sie nie. Aber die Figuren darin kommen und gehen, wenn ihre Rolle beendet ist. Unsere Geschichte wird später enden, oder vielleicht auch früher.».
Für Tolkien war die große Geschichte, die er seinem Sohn schrieb – die Geschichte, in der wir uns wiederfinden –, die Heilsgeschichte, wie sie in der Heiligen Schrift und der Tradition der katholischen Kirche überliefert wird, mit Gott als ihrem Urheber. Er wird oft als «Vater» der modernen Fantasy bezeichnet, doch seine Weltanschauung wurzelte tief in seinem katholischen Glauben.
John Ronald Reuel Tolkien wurde 1892 in Südafrika geboren und war vier Jahre alt, als seine Familie nach dem plötzlichen Tod seines Vaters nach England zog. Im Alter von acht Jahren konvertierte seine Mutter zum Katholizismus, woraufhin ihre Familie sie verstieß und sie in ein Leben voller Entbehrungen stürzte. Vier Jahre später, nach ihrem Tod, hinterließ sie Tolkien und seinen Bruder unter der Vormundschaft eines Priesters.
Seine angeborene Leidenschaft für Sprache und Geschichten führte ihn zu einer Karriere als Professor für englische Sprache und Literatur in Oxford. Dort schuf er das Werk, auf das er am meisten stolz war: einen wegweisenden kritischen Essay über «Beowulf» sowie eine moderne Übersetzung von «Sir Gawain und der Grüne Ritter» und «Ein Vokabular des Mittelenglischen».
Seine Vorliebe für das Erfinden von Sprachen und Mythen führte ihn schließlich dazu, seine berühmtesten Bücher zu schreiben. «Der Hobbit» schrieb er für seine Kinder und erzählt die Geschichte von Bilbo, der sein Zuhause verlässt, um einen Drachenschatz zu bergen. Die Abenteuer und Strapazen, die er dabei erlebt, ermöglichen es Bilbo, einen verborgenen Schatz in sich selbst zu entdecken.
«Der Herr der Ringe» ist die Fortsetzung von «Der Hobbit», obwohl er für Erwachsene geschrieben wurde. Leser werden von der Fantasie und den epischen Abenteuern in den Bann gezogen. Sie bleiben wegen der Geschichte, die damit beginnt, dass ein gewöhnlicher Mensch sich auf die scheinbar unmögliche Reise begibt, den allmächtigen Ring eines bösen Herrschers zu zerstören. Dank der Fülle von Tolkiens fantasievoller Welt und der Komplexität seiner Charaktere ist «Der Herr der Ringe» eine packende Geschichte, die tiefe Einblicke in die menschliche Seele gewährt. Hier ein Beispiel:
«"Wie schade, dass Bilbo dieses abscheuliche Wesen nicht erstochen hat, als er die Gelegenheit dazu hatte!" (sagte Frodo).
(Gandalf sagte:) «Mitleid? Es war Mitleid, das ihn zurückhielt. Mitleid und Barmherzigkeit: nicht ohne Grund zuzuschlagen. Und er wurde reichlich belohnt, Frodo. Sei versichert, dass er so wenig Schaden durch das Böse erlitt und am Ende entkam, denn so begann er, den Ring zu besitzen. Aus Mitleid.» «Es tut mir leid», sagte Frodo. «Aber ich fürchte mich; und ich empfinde kein Mitleid für Gollum … Er verdient den Tod.» «Das tut er! Ich wage es zu sagen. Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihm geben? Dann sprich nicht vorschnell das Todesurteil. Denn nicht einmal die Weisesten können alles vorhersehen.»
All dies wurzelte in Tolkiens katholischer Weltanschauung. Tolkien selbst wurde sich dieser zugrundeliegenden Einflüsse erst beim erneuten Lesen seines ersten Entwurfs bewusst. Er nutzte die Gelegenheit, sie subtil zu verstärken. Themen wie erlösendes Leiden, freier Wille, Mitgefühl, Versuchung und andere werden mit tiefgründiger psychologischer Intensität erforscht.
Für eine kurze Einführung in Tolkiens Werk empfiehlt sich sein Essay «Über Märchen», der einen hervorragenden Einblick in seine Fantasy-Philosophie bietet. «Das Blatt des Knirschers» ist eine Erzählung, die Christen als Allegorie über Leben und Erlösung erkennen werden. Sie ist zugleich eine tiefgründige Reflexion über die künstlerische Verbindung zwischen Künstler und Gott.
Graham Greene: Von Gott verfolgt
Graham Greene rang sein Leben lang mit seinem Glauben. Um seiner katholischen Verlobten zu gefallen, beschäftigte er sich mit dem Katholizismus und fand einen Priester, der all seine atheistischen Argumente entkräftete. Nach und nach wuchs Greenes Glaube, und er trat der Kirche bei. Gegen Ende seines Lebens schwand sein Glaube, und er bezeichnete sich selbst als »katholischen Agnostiker«.
Diese Spannung zwischen Glaube, Zweifel und der Suche nach Gott bildet den Kern seiner katholischen Romane. Ein katholischer Roman ist, wie Flannery O’Connor sagte, ein Roman, in dem «die Wahrheit, wie Christen sie kennen, als Licht dient, um die Welt zu sehen». Vier von Greenes Romanen gelten als Höhepunkte der katholischen Literatur: «Brighton Rock», «Die Macht und die Herrlichkeit», «Das Herz der Angelegenheit» und «Das Ende einer Affäre».
Diese Bücher präsentieren unsympathische Protagonisten, die Gott oft vehement ablehnen. Doch sie zeigen auch, dass Gott bis zum Schluss geduldig und liebevoll nach ihnen gesucht hat. Greene schildert eindrücklich den Kampf und die Sehnsucht der menschlichen Seele. Dies wird in diesem Auszug aus «Das Ende einer Affäre» deutlich, in dem der verschmähte Liebhaber in Wut ausbricht:
Ich saß auf meinem Bett und sagte zu Gott: «Du hast sie mir genommen, aber mich noch nicht. Ich kenne deine List. Du bist es, der uns emporhebt und uns das ganze Universum anbietet. Du bist ein Dämon, Gott, der uns zum Sprung verführt. Aber ich will weder deinen Frieden noch deine Liebe. Ich wollte etwas ganz Einfaches: Ich wollte Sara für immer, und du hast sie mir genommen. Mit deinen großen Plänen zerstörst du unser Glück wie der Tod ein Mäusenest: Ich hasse dich, Gott, ich hasse dich, als ob es dich gäbe.».
«Das Ende der Romanze» wird aus der Perspektive eines wütenden und eifersüchtigen Mannes erzählt, nachdem seine Geliebte zu ihrem Mann zurückgekehrt ist. Dieses Buch, das sich auf einzigartige Weise mit dem Thema Ehebruch auseinandersetzt, behandelt unter anderem die Frage nach der Existenz Gottes und den inneren Kampf mit dem, woran wir glauben und worauf wir unser Leben gründen.
Greene war bipolar und litt unter Depressionen. Er war Agnostiker, bis er einen Priester kennenlernte, der ihm den Glauben näherbrachte. Zeit seines Lebens bereiste er exotische Orte auf der ganzen Welt, was schließlich zu seiner Anwerbung als Spion durch den MI6 führte. Interessanterweise war sein wichtigster Spion und Freund beim Geheimdienst der berüchtigte Maulwurf Kim Philby. Ihre Freundschaft hielt auch nach Philbys Übertritt nach Moskau aufrecht. Er hatte zudem zahlreiche Liebesaffären, die zu einer Krise in seiner Ehe führten. In mancher Hinsicht ähnelte er den Figuren in seinen Büchern.
Greenes Romane zählten zu den beliebtesten seiner Zeit. Sein Stil ist rasant, spannend und oft urkomisch. Selbst in einem Politthriller verstand er es, moralische oder philosophische Dilemmata zu verweben. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass seine Bücher keine theologischen Abhandlungen sind. Sie versuchen, eine tiefere Wahrheit zu vermitteln.
Für einen heiteren und unterhaltsamen Einstieg in Greens Romane empfiehlt sich «Monsignore Quijote». Nachdem der spanische Priester Pater Quijote zum Monsignore befördert wurde, unternimmt er mit seinem Freund Sancho, dem kürzlich abgesetzten kommunistischen Bürgermeister der Stadt, eine Reise in seinem alten Auto Rocinante. Die Fahrt, gespickt mit Abschweifungen und Gesprächen über Glauben und Überzeugung, erweist sich als unterhaltsam, regt zum Nachdenken an und inspiriert.
Flannery O'Connor: Die Sünde erkennen
Flannery O'Connor hatte ein Talent für schockierende Gewalt, das Groteske und sarkastischen Humor. Vielleicht löst die Erwähnung ihrer Werke deshalb oft Panik aus. Es fällt schwer, sich für unsympathische und moralisch verwerfliche Charaktere und die verstörenden Situationen, in denen sie sich befinden, zu begeistern. Zugegeben, es handelt sich um ein etabliertes Genre, die Südstaaten-Gothic, die mit Makabrem und Ironie soziale Probleme beleuchtet. Aber auch hier gilt: Es ist nicht jedermanns Sache.
Das kann es erschweren, zu erfassen, was O'Connor hinter der Oberfläche zeigen will. Die Gewalt wirkt als Katalysator und zwingt die Figuren, sich der Wahrheit über sich selbst zu stellen. Wie sie einer Freundin schrieb: «Was die Leute nicht verstehen, ist der hohe Preis der Religion. Sie denken, Glaube sei wie eine riesige Heizdecke, dabei ist er in Wirklichkeit das Kreuz. Es ist viel schwerer zu glauben als nicht zu glauben. Wenn du feststellst, dass du nicht glauben kannst, dann tu wenigstens dies: Bleib offen. Bleib offen für den Glauben, wünsche ihn dir weiterhin, bitte ihn weiterhin darum und überlass den Rest Gott.».
Sein gesamtes Werk basiert auf diesem Konzept. Seine Figuren klammern sich an trügerischen Trost, und ihre Sünde verblendet sie für das Kreuz. O'Connor versucht, ihnen die Türen zur Gnade und zur Wandlung zu öffnen.
O’Connor wurde 1925 geboren und wuchs in der ländlichen Stadt Milledgeville, Georgia, auf. Ihr tiefer katholischer Glaube machte sie in der überwiegend protestantischen Gesellschaft oft zur Außenseiterin. Nach ihrem College-Abschluss, während ihres Studiums des Kreativen Schreibens, erkrankte O’Connor an Lupus, woraufhin sie ein zurückgezogenes Leben mit ihrer Mutter führte. Sie pflegte eine tägliche Schreibroutine, was ihr jedoch viel Zeit ließ, Pfauen zu halten, die bald zu einem wiederkehrenden Thema in der Nachbarschaft wurden. O’Connor lebte nach ihrer Diagnose noch vierzehn Jahre und schrieb zwei Romane und zweiunddreißig Kurzgeschichten.
O’Connors vergleichsweise kleines Werk hat bis heute eine starke Wirkung. Ihre Geschichten sind zwar komplex, aber die Lektüre lohnt sich. Besonders empfehlenswert ist Margaret Earley Whitts «Understanding Flannery O’Connor», das die Bedeutung jeder Kurzgeschichte und beider Romane erschließt und so ein tieferes Verständnis ermöglicht.





