Vor vielen Jahren, im Jahr 1979, unterschied Kardinal Luciani von Venedig in einem Artikel über den heiligen Josemaría Escrivá de Balaguer zwischen einer Spiritualität für Laien und einer Laienspiritualität. Erstere sei die des heiligen Franz von Sales, letztere die des heiligen Josemaría.
Logisch betrachtet macht es keinen Sinn, Spiritualitäten als gut oder besser einzustufen, aber es ist ratsam, sicherzustellen, dass Sie dem Publikum vor Ihnen die angemessene Spiritualität vermitteln, wenn Sie ein Mittel zur spirituellen Bildung anbieten, eine Predigt halten oder einen Katechismusunterricht geben.
Demut, das Zentrum des christlichen Lebens
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf ein interessantes Werk von Joan D. Chittister über die Tugend der Demut und insbesondere über die Grade der Demut, wie sie der heilige Benedikt in seiner berühmten Regel beschreibt, verweisen.
Es ist klar, dass die Autorin, eine Nonne aus der Benediktinerabtei Eric in Pennsylvania, die für ihre zahlreichen Werke über Spiritualität bekannt ist, einfach die Werke des heiligen Benedikt aus dem 6. Jahrhundert auf die Vereinigten Staaten des 21. Jahrhunderts anwenden will, ohne weitere Verzögerungen oder Anpassungen.
Natürlich möchte unsere Autorin ihre Mitbürger auf die Tugend der Demut aufmerksam machen, die der Schlüssel zur persönlichen Heiligkeit ist. Wie schon unsere Klassiker des 16. Jahrhunderts bekräftigten: “In der Demut liegt die Wahrheit.”.
Tatsächlich ist im Kanonisierungsprozess das erste und wichtigste, die Bibel einzulesen. Position Sein Leben, seine Tugenden und sein Ruf der Heiligkeit, wie dieser Diener Gottes Nächstenliebe in heroischem Maße lebte – das heißt, Liebe zu Gott, Liebe zur Kirche und Liebe zu allen Seelen. Nicht umsonst war das Gebot Jesu Christi das Gebot der Nächstenliebe.
Doch gleich zu Beginn muss man festhalten, dass man das Kapitel über die Tugend der Demut lesen muss, und zwar nicht nur über die theoretische Demut: ihre Konzeption, Bedeutung und ihren Umfang. Vielmehr geht es im Kern darum, wie der Diener Gottes die Schläge und Demütigungen des Lebens ertrug; also nicht um die theoretische Demut, die man in Büchern und Handbüchern zur spirituellen Theologie findet, sondern um echte, konkrete Demut.
In diesem Sinne beschreibt der Autor kurz das chaotische Leben, das wir im Westen führen, die vielfältigen und abwechslungsreichen Berufe, Krisen und Momente intensiver Höhen und Tiefen, bevor er die erste genaue Analyse dieses Werkes vornimmt: “Was wir wirklich verloren haben, ist das Bewusstsein dafür, wer wir sind und welchen Platz wir im Universum einnehmen und was das für alles bedeutet, was wir tun” (13).
Die Tugend der Demut in dieser Arbeit wird von Anfang an klar herausgestellt: Wir müssen fest auf die Liebe zu Gott und zu den Seelen ausgerichtet sein. Mit der festen Überzeugung: Wir reifen in dem Maße, wie wir lieben.
Als Nächstes wird er mit uns über den praktischen Aspekt der Demut sprechen, sei es durch die Notwendigkeit einer genauen und definierten Gewissensprüfung oder einfach durch die Kartierung unserer Existenz.
Um demütig zu sein, muss man wissen, wo der Stolz auf der existentiellen Landkarte zu finden ist: wo Selbstliebe, mangelnde Integrität der Absichten oder die verborgenen Wünsche nach Egoismus und Oberflächlichkeit ihren Ursprung haben.
Zu diesem Zweck wird sich die Autorin auf die zwölf Stufen der Tugend der Demut nach Benedikt stützen. Zunächst wird sie diese in einer für Nordamerikaner verständlicheren Form darstellen und anschließend im Originaltext wiederholen. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden diese zwölf Fragen bzw. Stufen der heutigen amerikanischen Gesellschaft vorgelegt.
Sicherlich wäre es praktischer gewesen, alles mit der Frage zusammenzufassen, die der heilige Augustinus für die tägliche Gewissensprüfung vorschlug: “Was suche ich, Herr, wenn ich dich suche? Suche ich mich selbst oder suche ich dich?” (Bekenntnisse, X, 6, 9).
Die Grade der Demut nach dem heiligen Benedikt
Kehren wir nun zur Regel des heiligen Benedikt zurück, die im Jahr 520 verfasst wurde, und zu ihren Stufen der Demut, um einige dieser Stufen zu finden, die die Gewissenserforschung des heiligen Augustinus ergänzen und uns helfen können, uns auf Gott und unsere Mitmenschen zu konzentrieren, damit die Gnade in unseren Seelen wirken kann und wir in der Demut wachsen.
Zunächst einmal ist es notwendig, die Seele für die Gnade zu öffnen, um zu entdecken, dass Gott in uns ist (15) und aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen den Wunsch verspürt, in uns stärker und tiefer zu werden.
Wir müssen sofort die tiefere Bedeutung des Buchtitels erfassen: Innere Freiheit besteht darin, aus Liebe zu handeln. So sind wir frei zu lieben, weil uns die Demut von der Knechtschaft unseres Egos befreit und uns für das Geben geöffnet hat.
Wir dürfen Meister Eckharts Aussage nicht unerwähnt lassen: Demut und Liebe sind “die Frucht des Nichts”. Das heißt, wenn wir uns selbst entleeren, können wir unsere Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen stärken.
Die Aussage des heiligen Benedikt in seinem fünften Schritt ist wichtig: “Demut macht uns mutig. Sobald wir wissen, wer wir sind, sterben alle falschen Illusionen von Größe und aller Pharisäismus” (47).
Anschließend wird er in den Schritten sieben und acht die Wirksamkeit der Demut hervorheben, die aus der bedingungslosen Selbsthingabe an Gott und andere erwächst. Dies ist logisch: Wer sich selbst entäußert, kann mit Liebe erfüllt werden (59). Abschließend wird er auf das Erwachen der Seele zur Liebe eingehen: das Wachsen in der Liebe (73).
Zwölf Schritte zur inneren Freiheit





