Spanien

José Manuel Almuzara: «Gaudí nutzte seine Architektur als Werkzeug für das Gebet»

José Manuel Almuzara, Gaudís Biograf, erklärt die Heiligkeit des berühmten Architekten, dessen Seligsprechung jederzeit verkündet werden könnte.

Javier García Herrería-18. März 2026-Lesezeit: 4 Minuten
Antoni Gaudí

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist José Manuel Almuzara eine der Schlüsselfiguren bei der Verbreitung der spirituellen Figur von Antoni Gaudí. Der studierte Architekt ist seit dem 10. Juni 1992 Präsident der Vereinigung zur Seligsprechung des katalanischen Architekten. Er hat soeben das Buch veröffentlicht. Gaudí, der Architekt der Seele, Dort werden Zeugnisse und Erfahrungen von Menschen gesammelt, die durch das Werk Gaudís eine tiefgreifende innere Wandlung erfahren haben.

Die Sache machte einen entscheidenden Schritt, als Papst Franziskus am 14. April 2025 das Dekret unterzeichnete, mit dem die heroischen Tugenden von Gaudi, was ihn “ehrwürdig” macht. Almuzara, der sich jahrzehntelang für die Verehrung Almuzaras und den künstlerischen Wert seines Werkes eingesetzt hat, spricht über die konkretsten Episoden seines spirituellen Lebens und seiner täglichen religiösen Praxis.

Er setzt sich seit über 30 Jahren für Gaudís Seligsprechung ein. Wie hat alles angefangen?

—Vor etwa fünfzig Jahren studierte ich Architektur in Barcelona und lernte zwei direkte Schüler Gaudís kennen, die an der Basilika arbeiteten. Heilige Familie. Sie waren um die 85 Jahre alt und leiteten die Bauarbeiten. Sie luden mich in ihre Werkstatt ein, und dort nahm alles seinen Lauf.

Zuerst faszinierte mich die Architektur, dann der Mann und schließlich das Christentum. Mit der Zeit erkannten wir, dass Gaudí nicht nur durch sein Werk Eindruck hinterließ, sondern die Menschen auch innerlich bewegte und sogar zur Bekehrung führte.

Fünf Laien – zwei Architekten, ein Ingenieur, ein Bildhauer und ein Rentner – gründeten 1992 den Verein, um seine Seligsprechung zu fördern. Anfangs hielten uns viele für Wahnsinn, aber nun sind wir hier.

Die Kirche strebt nach einem Ruf der Heiligkeit und universellen Hingabe an eine Sache. Welche konkreten Beispiele haben Sie gesehen?

So viele! Wir erhielten Briefe aus aller Welt. Ich erinnere mich an einen ganz besonderen von einem leitenden Angestellten der Handelskammer von Busan in Südkorea. Er war praktizierender Buddhist. Die Regierung gab ihm eine Woche Zeit, nach Barcelona zu reisen und eine Ausstellung über Gaudí vorzubereiten. Nach dieser Woche schrieb er einen wunderschönen Brief. Darin stand: “Gaudís Architektur lässt die Menschen den göttlichen Atem entdecken, der in ihr pulsiert.” Und er fügte noch etwas Überraschendes hinzu: Er sei mit dem Wunsch nach Korea zurückgekehrt, katholisch zu werden. Und so geschah es: Er ließ sich schließlich taufen.

Ein weiterer Fall betraf den italienischen Architekten Sandro Rondena. Er litt an einer als unheilbar geltenden Krebserkrankung. Seine Familie betete am Grab Gaudís in der Sagrada Familia. Einige Zeit später war er geheilt und kehrte mit fünfzig Freunden nach Barcelona zurück, um zu danken. Die Ärzte untersuchten den Fall und hielten ihn für außergewöhnlich, obwohl er fünf Jahre warten musste. Schließlich kehrte die Krankheit zurück, und er starb Jahre später. Doch diese Episode hinterließ tiefe Spuren.

Gaudi
José Manuel Almuzara, Biograph von Gaudí

In seinem Buch spricht er viel über Gaudís spirituelles Leben. Wie sah es in der Praxis aus?

Gaudí führte ein sehr intensives religiöses Leben. Er betete den Rosenkranz, besuchte täglich die Messe, empfing häufig die Kommunion, las das Evangelium und nahm an Prozessionen teil. Doch es gibt auch weniger bekannte Aspekte. So beteiligte er sich beispielsweise an den Sühnetagen der Sagrada Familia, um Gott um Vergebung für die Blasphemien zu bitten, die er in der Gesellschaft wahrnahm. Dies war keine symbolische Geste: Er nahm persönlich an diesen Gebetstagen teil.

Er verehrte die Jungfrau Maria sehr. Ja, das ist wirklich interessant. Im Park Güell entwarf er Viadukte mit Steinkugeln. Zählt man sie, sind es genau 150. Warum? Weil sie die 150 Geheimnisse des Rosenkranzes symbolisieren. Gaudí ging oft durch den Park und betete den Rosenkranz, während er die Kugeln zählte. Seine Architektur war also auch ein Mittel zum Gebet.

Wie sah ein typischer Tag im spirituellen Leben Gaudís aus?

Als ich im Park Güell wohnte, ging ich regelmäßig zur Messe in die Kirche Sant Joan de Gràcia. Danach frühstückte ich und besuchte die Krypta der Sagrada Familia. Dort betete ich kniend vor dem Tabernakel. Und etwas Merkwürdiges: Ich benutzte nie einen Kniehocker. Ich legte ein Taschentuch auf den Boden und kniete darauf zum Beten. Nachmittags besuchte ich die Vesper im Oratorium Sant Felip Neri, wo ich auch geistliche Begleitung vom Oratorianerpater Agustí Mas erhielt.

Eine der überraschendsten Episoden seines Lebens war ein extremes Fasten. Es ereignete sich während der Fastenzeit 1894. Gaudí war tief beeindruckt von Christi Beispiel in der Wüste und beschloss, ihm nachzueifern. Er wollte vierzig Tage fasten und Buße tun. Einer seiner Schüler, der Zeichner Ricard Opisso, geriet in Sorge, da Gaudís Zustand gefährlich war. Daraufhin wandte er sich an den Bischof von Vic, Josep Torras i Bages, um ihn zum Eingreifen zu bewegen. Der Bischof musste ihn überzeugen, seine Buße zu mäßigen.

Benedikt XVI. sagte, Gaudí habe “durch seine Architektur gepredigt”. Teilen Sie diese Ansicht?

Absolut. Gaudí predigte nicht mit Worten oder Reden, sondern mit Steinen, Linien und Symbolen. Seine gesamte Architektur zeugt von Gott. In der Krypta der Sagrada Familia beispielsweise platzierte er Marias “Ja” am Schlussstein des Gewölbes. Zieht man von diesem Punkt eine vertikale Linie, gelangt man zum Stern, der den Turm der Jungfrau Maria krönt. Es ist wie eine Botschaft: Wer Maria im Herzen trägt, kann der Welt Licht bringen.

Was bedeutet Ihnen der bevorstehende Besuch von Leo XIV. in der Sagrada Familia?

„Es wird ein sehr bewegendes Ereignis werden. Als der heilige Johannes Paul II. und Benedikt XVI. die Sagrada Familia besuchten, betete keiner von beiden am Grab Gaudís. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der jetzige Papst, Leo XIV., dies tun könnte. Den Papst am Grab des ehrwürdigen Gaudí beten zu sehen, wäre für mich das Beeindruckendste und Bewegendste.“.

In einigen Kapellen der Sagrada Familia sind noch umfangreiche Bildhauerarbeiten zu erledigen. Wann glauben Sie, werden sie abgeschlossen sein?

(Almuzara lächelt und erinnert sich an die Antwort, die Gaudí selbst immer gab.) – “Mein Auftraggeber hat es nicht eilig.” Ein Satz, der die Spiritualität eines Architekten zusammenfasst, der sein Werk nicht nur als künstlerisches Projekt, sondern als einen wahren Katechismus in Stein verstand.


Gaudí, der Architekt der Seele

AutorJosé Manuel Almuzara
Leitartikel: Felsen
Anzahl der Seiten: 224
Jahr: 2026
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