Vom 22. Februar bis zum 22. März 2026 werden die Gebeine des heiligen Franz von Assisi aus seinem Grab in der Krypta der Franziskanerbasilika an den Fuß des Papstaltars in der Unterkirche überführt. Diese öffentliche Zurschaustellung der Reliquien des “armen Mannes von Assisi” ermöglicht es Menschen aus aller Welt, ihn zu verehren.
Die Fastenzeit 2026 wird in Assisi eine besondere Bedeutung haben. Dort wird die Basilika, die die Gebeine eines der wichtigsten Heiligen in der Geschichte der Kirche, des heiligen Franz von Assisi, beherbergt, historische Tage erleben, an denen die Gebeine des Heiligen öffentlich zur Verehrung ausgestellt werden.
Es wird das erste Mal seit acht Jahrhunderten sein, dass die Gläubigen die sterblichen Überreste des armen Mannes von Assisi sehen können, denn obwohl sie von Spezialisten untersucht und begutachtet wurden, wurden seine Gebeine noch nie auf diese Weise ausgestellt.
Aus diesem Grund konnte Omnes mit dem Leiter des Kommunikationsbüros des Heiligen Klosters San Francisco, Bruder Giulio Cesareo, OFMConv, sprechen, der die Bedeutung des Heiligen von Assisi hervorhebt und seinen Wunsch äußert, dass Leo XIV. zu denjenigen gehören möge, die kommen, um vor den Gebeinen des Heiligen Franziskus zu beten.
In den kommenden Wochen werden wir Zeugen eines historischen Moments: der öffentlichen Ausstellung und Verehrung der Gebeine des Heiligen Franz von Assisi. Warum hat man sich für diese öffentliche Verehrung entschieden?
Es gibt zwei wesentliche Gründe: Die Verehrung von Reliquien Heiliger ist ein fester Bestandteil der christlichen Geschichte, zumindest im römischen Katholizismus und in der Orthodoxie. Tatsächlich ist das Leben eines Heiligen in der christlichen Theologie nicht das Ergebnis außergewöhnlichen Engagements eines spirituellen Helden, sondern die Frucht der Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist, der, wie der Apostel Paulus im Römerbrief (Röm 5,5) schreibt, die Liebe des Vaters über uns ausgießt und uns so zu seinen Kindern in Würde und Lebensführung macht.
In diesem Sinne ist die Verehrung von Reliquien Heiliger eine Verehrung des Heiligen Geistes, der das Leben des jeweiligen Gottesmannes oder der jeweiligen Gottesfrau mit seiner Gnade und seinem Wirken erfüllt hat. Das heißt, der Heilige ist ein Wunder Gottes, nicht das Ergebnis menschlichen Schaffens. Diese Reliquien zu verehren, so schlicht und abgenutzt sie auch sein mögen, bedeutet zu erkennen, dass wahres Leben das ist, das wir von Gott selbst empfangen und das sich in unserem Leben durch die empfangene und weitergegebene Liebe manifestiert.
Zweitens glauben wir, dass diese Logik der Reliquienverehrung, richtig verstanden, sowohl für Gläubige als auch für Nichtgläubige einen bedeutenden kulturellen Beitrag leisten kann. Das, was vom Körper des heiligen Franziskus übrig ist – einige wenige Knochen –, zeugt vom Leben eines Mannes, der sich ganz hingab und nichts zurückhielt, getreu der bereits erwähnten Logik: indem er Gottes Liebe annahm., “Wir ahmten seine Güte nach.” (So heißt es im alten patristischen Text des Briefes an Diognet). Jesus bringt diese Logik der Selbsthingabe im Evangelium im Gleichnis vom Samen zum Ausdruck: “Wenn der Same, der in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt er allein; wenn er aber stirbt, bringt er viel Frucht.”(Joh 12,24).
Die 800-jährige Geschichte des Franziskanerordens seit dem Tod des heiligen Franziskus ist unserer Ansicht nach ein beredtes Zeichen dafür, dass sich in ihm dieses Gleichnis Christi wahrhaftig erfüllt hat: Gerade weil Franziskus aus Liebe starb, sich ganz hingab und sich ganz verausgabte, lebt er und bringt Frucht. Er ist in der Tat unter uns allen lebendig, die wir ihn als Lehrer, Freund, Bruder und Vater erkennen. Darin liegt der kulturelle Beitrag, den ich bereits erwähnte: Angesichts der Tatsache, dass wir uns in einem kulturellen Kontext befinden – zumindest im westlichen –, in dem wir uns und anderen auf vielfältige Weise einreden, wir müssten konservativ sein, wir dürften nicht zu viel lieben, um nicht verzehrt zu werden, bezeugt der heilige Franziskus genau das Gegenteil: dass Liebe zwar zum Tod führt, dieser Tod aber die Wiege des wahren Lebens ist, die Gemeinschaft derer, die wahrhaft Frucht bringen.
Was können wir heute lernen von poverello von Assisi?
Für uns Brüder von Assisi liegt der Kern und die tiefste Essenz des franziskanischen Lebens in diesem Leben, das ganz in der Erfahrung der Güte Gottes verwurzelt ist. Diese Güte zeigt sich nicht abstrakt, sondern in den konkreten Beziehungen zu den Menschen, denen er täglich begegnete, und führte ihn dazu, nach demselben Prinzip zu leben: der Selbsthingabe. So zu leben bedeutet, sich selbst aufzuopfern, sich ganz hinzugeben, sich selbst hinzugeben.
Das Leben des heiligen Franziskus fasst Giotto in vier Bildern zusammen, die sich direkt über dem Altar der Unterkirche und somit auch über seinem Grab befinden: Franziskus lebt in Armut (er teilt mit den Bedürftigen), im Gehorsam (er hört anderen aufmerksam zu) und in Keuschheit (er ist seinen Beziehungen treu, er betrügt niemanden). Wer so lebt, erscheint uns heute als Verlierer, jemand, der sich der Lebensfreude beraubt, ein wenig verblendet; doch in Gottes Augen, wie Giotto es uns zeigt, sitzt derjenige, der so lebt, auf dem Thron, herrscht. Zu lieben, das heißt, sich selbst hinzugeben, ist keine Niederlage, sondern unsere wahre Größe. Und ich glaube, dass dieses Zeugnis des heiligen Franziskus für alle Menschen gut ist, ausnahmslos für alle, Gläubige und Nichtgläubige, Mönche und Nichtmönche, Franziskaner und Nicht-Franziskaner.
Die Liebe zu den Armen, die Bewahrung der Schöpfung … dies sind in den letzten Jahren zu zentralen Themen der kirchlichen Verkündigung geworden. Ist der heilige Franz von Assisi auch heute noch relevant? Wie bewahren die Franziskanerbrüder diese Botschaft?
Franziskus verkörpert dies – die Liebe zu den Armen, die Sorge um die Schöpfung – aber noch viel mehr: Ich bezeichne ihn gern als eine Art «positive» Büchse der Pandora. Was ich damit meine, ist, dass Franziskus nicht allein ist und nicht nur das vermittelt, was uns heute dringlich und/oder aktuell erscheint.
Franziskus ist ein Mystiker, ein Mann des Gebets, ein Mensch voller Barmherzigkeit und Geduld mit denen, die Fehler machen, er ist ein Wanderprediger, ein Förderer und Vermittler des Friedens, ein Mann des Dialogs mit jedem, ein Künstler, ein Dichter, aber auch ein großer Erzieher usw.
Wir, die Brüder, versuchen, ohne in irgendeiner Weise auf seinem Niveau zu sein, sein Zeugnis weiterzugeben (das meiner Meinung nach weit mehr ist als eine einfache Botschaft), indem wir vor allem die Wurzel seiner menschlichen und spirituellen Tiefe vermitteln, die für uns die Verbindung mit Christus, der menschgewordenen Liebe, ist.
Daraus ergibt sich in jedem Kontext, in jeder Bruderschaft, im Handeln jedes einzelnen Ordensbruders das Ziel, seine Person und seine Erkenntnisse weiterzugeben, damit sie jenen, die mit uns in Kontakt kommen, Inspiration spenden. Ich beispielsweise bin von der Bruderschaft vorwiegend mit kulturellen Aktivitäten betraut: Auf diese Weise versuche ich, die kulturellen Implikationen des Charismas von Papst Franziskus aufzuzeigen.
Es überrascht nicht, dass das Kulturfestival, das wir jedes Jahr in Assisi veranstalten, das Innenhof von Francesco, Es versteht sich als kultureller Ausdruck der Brüderlichkeit, des Vermächtnisses von Franziskus: Die Veranstaltung ist als Erlebnis gegenseitiger Bereicherung rund um die angesprochenen oder gefeierten Themen konzipiert und ausgerichtet, denn es gibt niemanden, der nicht etwas zu anderen beitragen oder von anderen lernen kann, unabhängig davon, ob er Experte oder Laie ist. mutatis mutandis, Ähnliche Dynamiken gibt es in den verschiedenen Kontexten, in denen die Brüder tätig sind: Solidarität mit denjenigen zu zeigen, die in Not geraten sind; die Rechte derjenigen zu fördern, die sehen, wie sie mit Füßen getreten und verweigert werden; den Frieden zu fördern; andere einzuladen, mit uns die Schöpfung zu bewahren usw.
Wie wurde diese Ausstellung und die Verehrung des Leichnams des Heiligen Franziskus vorbereitet? Wie können Besucher in Assisi ihn verehren und vor ihm beten?
Die Verehrung der Gebeine des heiligen Franziskus wurde unter intensiver Vorbereitung, nach eingehendem Austausch von Meinungen und unter Einbeziehung der Erfahrung und Expertise zahlreicher Geistlicher und Laien vorbereitet, da wir uns bewusst sind, dass es sich um ein wahrhaft besonderes, einzigartiges Ereignis handeln wird. Wir haben auch über die Bedeutung des Vermächtnisses des heiligen Franziskus und die Erkenntnisse seiner Weggefährten aus dem ersten Jahrhundert des Franziskanertums von Anfang an nachgedacht. Einige haben inständig dafür gebetet, und wir haben mit den örtlichen Kirchenbehörden – dem Bischof von Assisi – und mit den anderen Franziskanern der Stadt, mit unseren Oberen sowie mit dem Heiligen Vater, zunächst Franziskus und dann Leo XIV., gesprochen.
Um an der Verehrung teilnehmen zu können, ist eine Anmeldung über die Website erforderlich. www.sanfrancescovive.org oder, für Spanischsprachige, in www.sanfranciscovive.org, Obwohl die Texte auf der Website nur auf Italienisch oder Englisch verfügbar sind, ist eine kostenlose Reservierung aus Sicherheitsgründen und für Ihr Wohlbefinden erforderlich. Es werden zwei Routen angeboten: Option A für kleine Gruppen in Begleitung eines Mönchs und Option B für individuelle Erkundungen.
Alle Informationen und Erläuterungen finden Sie auf der Website. Sie können den Kundenservice auch per E-Mail über die Website kontaktieren, entweder nach einer Reservierung oder um Unterstützung beim Buchungsvorgang zu erhalten.
Der Papst unterzeichnete sein erstes Apostolisches Schreiben am Fest des heiligen Franz von Assisi. Wird Papst Leo XIV. an diesem historischen Moment teilnehmen?
—Wir wünschen es uns von ganzem Herzen. Aber abgesehen von diesem Wunsch kann ich Ihnen im Moment nichts weiter sagen.





