Papst Leo XIV. beantwortete am Dienstag in Castel Gandolfo Fragen von Journalisten zu einem der meistdiskutierten Momente seiner jüngsten Türkeireise: seinem Schweigen in der Blauen Moschee in Istanbul. Diese Geste sorgte für zahlreiche Schlagzeilen, da der Muezzin der Moschee, Askin Musa Tunca, den Medien erklärte, dass der Papst auf seine Frage während des Besuchs, ob er einen «Moment des Lobes» wünsche, geantwortet habe: «Nein, ich wollte die Moschee nur besuchen.».
Da Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bei ihren Besuchen an diesem Ort jeweils einen Moment dem Gebet gewidmet hatten, löste die Entscheidung Leos XIV. vielfältige Kommentare aus. Das Presseamt des Heiligen Stuhls erklärte, der Papst habe «eine Stille eingelegt, in der er in Besinnung und Zuhören verweilte, mit tiefem Respekt vor dem Ort und dem Glauben der dort Betenden». Dennoch entbrannte eine öffentliche Diskussion darüber, warum der Papst nicht «zumindest sichtbar» gebetet hatte, wie es seine Vorgänger als wichtige interreligiöse Geste getan hatten.
Vor dem Allerheiligsten Sakrament, der beste Ort zum Beten
Auf die direkte Frage von Journalisten, warum er nicht «zumindest sichtbar» gebetet habe wie seine Vorgänger, antwortete Leo XIV. unmissverständlich: «Wer behauptet denn, ich hätte nicht gebetet? Man hat zwar behauptet, ich hätte nicht gebetet, aber ich habe bereits im Flugzeug eine Antwort gegeben; ich erwähnte ein Buch.» Es war ein Buch … Die Praxis der Gegenwart Gottes, Aus dem Werk des Karmeliterbruders Lorenzo de la Resurrección. Mit diesem Zitat wollte der Papst betonen, dass das Gebet innerlich und beständig sein kann und nicht unbedingt von äußeren Gesten begleitet werden muss. «Vielleicht bete ich sogar gerade jetzt», fügte er gegenüber Reportern hinzu.
Der Papst fügte jedoch hinzu, dass er persönlich das Gebet vor dem Allerheiligsten Sakrament bevorzuge:
«Ich ziehe es vor, in einer katholischen Kirche in Gegenwart des Allerheiligsten Sakraments zu beten», erklärte er, spielte die Kontroverse herunter und nannte die Aufregung, die durch einige Interpretationen seines Moscheebesuchs entstanden war, «merkwürdig».
Leo XIV.s Geste in Istanbul, die er in Stille und Kontemplation erlebte, reiht sich somit in eine lange Tradition interreligiöser Begegnungen ein, die jeder Papst auf seine Weise zum Ausdruck gebracht hat. Mit seinen Worten wollte der Papst die Debatte abschließen und bekräftigte, dass das Gebet nicht immer sichtbar ist, aber dennoch tiefgreifend präsent sein kann.
Worum geht es in dem Buch, das der Papst empfohlen hat?
Die Praxis der Gegenwart Gottes Es ist ein kleines Meisterwerk christlicher Spiritualität, verfasst aus den Gesprächen und Briefen von Bruder Lorenz von der Auferstehung, einem Unbeschuhten Karmeliten des 17. Jahrhunderts. Trotz seiner Kürze lehrt das Buch einen sehr einfachen, aber anspruchsvollen Weg: in ständiger Gegenwart Gottes zu leben, in jedem Augenblick und in jeder Situation, nicht nur während der Gebetszeiten. Für Bruder Lorenz ist Gott nicht nur in der Kirche oder in Momenten der Kontemplation gegenwärtig, sondern in allem, was wir tun: beim Kochen, Putzen, Spazierengehen oder im Umgang mit anderen.
Das Werk ist bekannt dafür, eine Spiritualität zu präsentieren, die für alle zugänglich ist, nicht nur für Mönche oder Kontemplative. Sein Stil ist direkt und schmucklos und zeigt, dass Heiligkeit keine großen Taten erfordert, sondern vielmehr ein Herz, das im Alltag mit Gott verbunden ist.





