Es gibt eine Art von Vergnügen, die sich durch ihre eigentümliche Reinheit von allen anderen abhebt: das Vergnügen, Schönheit zu betrachten. Es verspricht nichts, fordert nichts und hinterlässt keinen Nachgeschmack. Anders als das Vergnügen des Besitzens oder Konsumierens erschöpft sich ästhetischer Genuss im reinen Akt des Sehens, Hörens oder Betrachtens, ohne jegliches Verlangen nach Aneignung. Man könnte sagen, es ist ein «gesundes» Vergnügen, sogar im wörtlichen Sinne: Wer einen Sonnenuntergang, eine Symphonie oder ein geliebtes Gesicht betrachtet, wird durch diese Erfahrung nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr gelassen, wacher und dankbarer. Doch gerade diese Unentgeltlichkeit wirft eine Frage auf, die nicht nur ästhetischer, sondern existenzieller Natur ist: Endet Schönheit im Augenblick der Ekstase, oder ist dieser Augenblick das Tor zu einem neuen Weg, den es zu erkunden gilt?
Ein Vergnügen ohne ersichtlichen Grund.
Kant nannte diese Erfahrung «interesseloses Vergnügen»: ein Vergnügen, das nicht von der Nützlichkeit des Gegenstandes oder seinem Besitz abhängt, sondern von der reinen Betrachtung seiner Form.
Dieses Merkmal – die Abwesenheit von Eigennutz, Gier oder praktischem Zweck – unterscheidet ästhetischen Genuss qualitativ von sinnlichem Genuss oder materiellem Wohlstand. Wir erwarten nichts von dem Sonnenuntergang, den wir betrachten; es genügt uns, dass er einfach da ist. Und doch ist diese «Genügsamkeit» trügerisch, denn jeder, der die Intensität eines wunderschönen Augenblicks wirklich gespürt hat, weiß, dass sie paradoxerweise nie ganz ausreicht: Man wünscht sich, er möge andauern, man sehnt sich danach, in die Musik einzutauchen, für immer vor dem Gemälde, vor dem skulpturalen Ensemble zu verweilen, das so intensive Freudentränen hervorruft, dass sie sich jeder rationalen Erklärung entzieht.
Im vollsten Erleben von Schönheit mischt sich mit dieser Fülle ein seltsames Unbehagen.
Weg oder Endpunkt? Von Platon zu Augustinus
Die Intuition, dass wahrnehmbare Schönheit kein Endpunkt, sondern der erste Schritt eines Aufstiegs ist, hat bereits eine klassische Formulierung in Platon. In der Bankett, In der Rede, die Sokrates der Priesterin Diotima von Mantineia zuschreibt, wird die berühmte «Liebesleiter» beschrieben: Die liebende Seele beginnt mit der Liebe zu einem schönen Körper, doch ist ihre Liebe rechtgerichtet, steigt sie zur Schönheit aller Körper empor, dann zur Schönheit der Seelen und gerechten Handlungen, später zur Schönheit der Gesetze und des Wissens, bis sie schließlich die Betrachtung der Schönheit selbst erreicht: etwas, das weder geboren wird noch vergeht, das nicht im einen Augenblick schön und im anderen hässlich ist, sondern immer und in sich selbst schön, an dem alle schönen Dinge Anteil haben, ohne dass diese Anteilnahme sie vermehrt oder mindert. Diotima geht sogar so weit, sie als «von Natur aus wunderbar schön» zu beschreiben. So dient die sinnliche Schönheit bei Platon als Sprungbrett, nicht als Ziel: Jeder schöne Körper oder jede schöne Seele ist eine notwendige Stufe, doch darauf zu verharren, hieße, die Bewegung zu unterbrechen, die die Schönheit selbst in Gang setzt.
Dieselbe Struktur – endliche Schönheit als Weg, nicht als Ziel – taucht Jahrhunderte später in ganz anderer Form wieder auf, in Augustinus von Hippo. Ganz am Anfang ihrer Bekenntnisse, Augustinus formulierte einen der wohl meistzitierten Sätze der gesamten westlichen spirituellen Literatur: «Du hast uns für dich geschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.» Diese Unruhe ist kein Mangel der Seele, sondern liegt in ihrer Natur: Wir sind mit einem Verlangen geschaffen, das kein endliches Gut – so schön es auch sein mag – vollständig stillen kann.
Augustinus, der jahrelang in Kunst, Rhetorik und den Freuden der Sinne nach Schönheit gesucht hatte, beschreibt diese Reise mit einem berühmten Bild, das er an Gott als die Schönheit selbst richtet: «Spät habe ich dich geliebt, Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt.» Er fügt hinzu, dass er die Schönheit im Außen, in den geschaffenen Dingen, suchte, ohne zu erkennen, dass die wahre Schönheit in ihm und über ihm war: «Du warst in mir, und ich war außerhalb, und dort suchte ich dich.».
Für Augustinus ist jede einzelne Schönheit – ein Gesicht, eine Melodie, eine Landschaft – schön, weil sie an einer ursprünglichen Schönheit teilhat, sie widerspiegelt, von der alle andere Schönheit ihre Fähigkeit zu gefallen ableitet. Daher kann keine endliche Schönheit den Betrachter vollkommen befriedigen: nicht weil sie mangelhaft wäre, sondern weil ihre Funktion nicht darin besteht, das Begehren zu unterdrücken, sondern es zu entfachen und zu lenken.
Zwischen Platon und Augustinus besteht jedoch ein Unterschied: Platonische Schönheit ist eine unpersönliche Form, ein Gegenstand intellektueller Betrachtung; augustinische Schönheit hingegen ist ein Du, ein persönlicher Gott, der geliebt wird und der Seele begegnet, die ihn sucht. Der platonische Aufstieg gipfelt in einer Vision ohne andere; der augustinische in einer Begegnung.
Vom Kunstwerk zur Schönheit, die jemand ist
Wenn wir einem Kunstwerk begegnen, geschieht – wie erhaben das Erlebnis auch sein mag – im Kern immer eine Form des Genusses: Wir betrachten es, lassen es auf uns wirken, es hinterlässt Spuren, doch das Gemälde blickt uns nicht an, die Symphonie reagiert nicht auf unser Staunen, das Gedicht weiß nicht, dass wir es lesen. Es ist eine passive Schönheit, gerade weil ihre Wirkung auf uns nicht aus Willen oder Freiheit entspringt: Es ist Form, Ordnung, Harmonie, die unsere Sinne aufnehmen und genießen, die aber die Liebe, die sie in uns weckt, nicht erwidern kann. Deshalb hat ästhetisches Vergnügen in all seiner Tiefe eine natürliche Grenze: Es kann uns bewegen, erheben, ja sogar verzaubern, aber es kann unsere Liebe nicht erwidern.
Wenn wir von Gott als Weg und Ziel der Schönheit sprechen, müssen wir über diese künstlerische Analogie hinausgehen, denn in Gott ist Schönheit keine von außen betrachtete Eigenschaft, sondern eine Schönheit, die in höchstem Maße wirkt, und zwar gerade ohne Worte: Gott muss nichts «sagen», denn seine bloße Wirklichkeit, die wir durch die Schöpfung auch nur flüchtig und unvollkommen erahnen, erzeugt dieselbe bedingungslose Freude wie ein Kunstwerk – und noch mehr, denn das hier Betrachtete ist kein lebloses Objekt, sondern jemand, der uns ansieht, begehrt und uns entgegenkommt. Der Unterschied liegt also nicht in der Intensität des ästhetischen Genusses (der vergleichbar sein oder ihn sogar übertreffen kann mit dem vor einem großen menschlichen Werk), sondern in dem, was dieser Genuss im Nachhinein ermöglicht: Vor dem Gemälde ist der Genuss in sich erschöpft, so tiefgründig er auch sein mag, denn es gibt niemanden, dem man antworten muss. Vor Gott ist dieselbe Art von Genuss – uneigennütziges, unverdientes, «gesundes» Vergnügen – auch das Tor zu einer persönlichen Beziehung, denn derjenige, der diese Freude hervorbringt, ist nicht eine schöne Gestalt, sondern Jemand, der ohne Grenzen schön ist – die Schönheit selbst –, der liebt und wartet.
Dies erlaubt uns, die oben erwähnte augustinische Intuition genauer zu formulieren. Wenn Augustinus schreibt: «Spät habe ich dich geliebt, Schönheit, so alt und doch so neu», beschreibt er nicht die Betrachtung eines erhabenen Objekts, sondern die Erkenntnis einer Person, die er, ohne es zu wissen, lange in aller geschaffenen Schönheit gesucht hatte. Die ästhetische Reise – die Freude an der Schönheit in der Kunst, in der Natur, im menschlichen Antlitz – wäre demnach die erste Hälfte des Weges, der jedem empfindsamen Menschen gemeinsam ist; doch führt dieser Weg, wenn er bis zu seinem Ende beschritten wird, nicht zu einer vollkommeneren Form, die es zu betrachten gilt, sondern zu einem Du, mit dem man in Dialog treten kann. Und diese Beziehung, anders als jedes Kunstwerk, ist von ihm selbst gewünscht: eine Beziehung, die bleibt, bereits jenseits von Zeit und Raum etabliert.
Der Einwand der Absurdität
Als Reaktion auf diese Interpretation erhebt sich der existentialistische Einwand mit voller Wucht. Für Sartre ist der Mensch eine «nutzlose Leidenschaft»: ein Verlangen nach Erfüllung und Sinn, das niemals gestillt wird, weil es schlichtweg nichts gibt, was es stillen könnte. Camus wiederum definiert das Absurde als den Konflikt zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und dem gleichgültigen Schweigen des Universums. Aus dieser Perspektive verweist die Freude an der Schönheit auf nichts Jenseits von sich selbst: Sie ist eine rohe, schöne, aber stumme Tatsache, die nichts verspricht und auf nichts verweist. Sich vor einem Kunstwerk zu verlieben, wäre in dieser Interpretation ein Akt der Begierde im radikalsten Sinne: schön, ja, aber ohne Empfänger oder Versprechen.
Dies ist ein gewichtiger Einwand. Doch lässt sich eine Frage stellen, die einer ganz anderen Methode als der philosophischen entlehnt ist: der mathematischen. Wenn ein Beweis zu einem absurden Ergebnis führt – einem Widerspruch, einer unlösbaren Unendlichkeit –, schließt der Mathematiker nicht daraus, dass die Mathematik selbst absurd sei, sondern revidiert die Ausgangshypothesen: Er kann das absurde Ergebnis nicht als gültig akzeptieren, sondern schließt daraus, dass ein Fehler in einer schlecht formulierten Prämisse vorliegen muss. Dasselbe Verfahren ließe sich hier anwenden. Wenn die Ausgangshypothese – dass es keine letztendliche Grundlage gibt, dass das menschliche Bedürfnis nach Sinn lediglich ein evolutionärer Zufall ohne jegliche reale Entsprechung ist – zu etwas so Schockierendem führt, wie dass die intensivste, sinnloseste und «schönste» Erfahrung, die ein Mensch machen kann, absolut nichts bedeutet, dann liegt das Problem vielleicht nicht in der ästhetischen Erfahrung selbst, sondern in der Hypothese, die ihr zugrunde liegt. Dies ist kein Beweis – das Argument erzwingt logisch nicht die gegenteilige Schlussfolgerung –, aber es ist eine legitime Aufforderung, «mit anderen Hypothesen von vorn zu beginnen», wie es in der Mathematik üblich ist, anstatt die Erfahrung in ein Schema zu pressen, das sie ihrer Bedeutung beraubt. Anders gesagt: Ich argumentiere logisch, gelange zu einer Absurdität, akzeptiere sie und schlage sie als fundamentales Prinzip vor. Respektabel, aber es scheint nicht leicht zu sein, diese Ansicht zu teilen, obwohl es einige getan haben.
Schönheit als Schwelle
Die Frage, mit der wir begannen – endet Schönheit im Augenblick der Ekstase? – lässt sich nicht außerhalb der Erfahrung selbst beantworten. Was man sagen kann, ist, dass die Struktur dieser Erfahrung – ihre Unentgeltlichkeit, ihr «gesunder» und uneigennütziger Charakter und vor allem jene Unruhe, die selbst den Moment größter Erfüllung überdauert – eher mit der Lektüre Platons und Augustins übereinstimmt als mit Sartres Schlussfolgerung – logisch einwandfrei innerhalb seines eigenen Systems, die aber der gesunde Menschenverstand als absurd und unannehmbar erachtet –, dass der Mensch eine nutzlose Leidenschaft sei. Ein Herz, das nach dem erfüllendsten Augenblick «unruhig» bleibt, passt nicht zu der Vorstellung, dass dieser Augenblick bereits das Ende des Weges war. Es passt besser zu der beiden gemeinsamen Intuition: dass alle endliche Schönheit – selbst die des vollendetsten Kunstwerks – ein Weg und kein Ziel ist, ein Genuss, der zu einer Begegnung werden kann. Und dass es bei der Durchquerung dieses Weges bis zum Ende nicht darum geht, eine perfektere Form zu erreichen, als sie von außen zu bewundern, sondern darum, von der Betrachtung der Schönheit zur Liebe durch die Schönheit selbst zu gelangen, ist eine Reise, die ich wärmstens empfehlen kann.





