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Von «Nostra aetate» zu «Ein Weg der Hoffnung»: Interreligiöser Dialog in einer Kultur der Begegnung

Sechzig Jahre nach der Verkündung der historischen Konzilserklärung über die Beziehungen der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen legt der Heilige Stuhl ein Dokument von theologischer und pädagogischer Tiefe vor, das das Erbe von «Nostra aetate» reflektiert, die Herausforderungen der Gegenwart bewertet und die zukünftigen Koordinaten des interreligiösen Dialogs skizziert.

Ramiro Pellitero-17. September 2026-Lesezeit: 5 Minuten
Nostra aetate

©CNS/Vatikanische Medien

Am 28. Oktober 1965, inmitten der hitzigen Debatten des Zweiten Vatikanischen Konzils, veröffentlichte die katholische Kirche die Erklärung. Nostra aetate «Über das Verhältnis der Kirche zu nichtchristlichen Religionen.» Dieser kurze, aber äußerst kühne Text markierte einen unumkehrbaren Wandel, indem er feststellte, dass die Kirche «nichts ablehnt, was in diesen Religionen wahr und heilig ist» (NA 2).

Sechzig Jahre später haben die Dikasterien für die Glaubenslehre, für die Förderung der christlichen Einheit und für den interreligiösen Dialog gemeinsam die Gedenkschrift «Ein Weg der Hoffnung» veröffentlicht. Das Dokument, das von Papst Leo XIV. nach seiner Audienz bei den Präfekten und Sekretären der drei Dikasterien gebilligt wurde, präsentiert sich nicht als bürokratische Bewertung, sondern als lebendiges und dringliches Manifest für einen Planeten, der von Polarisierung, Identitätspolitik und den Nachwirkungen des Krieges bedroht ist.

Jüdische Wurzeln und die essentielle Erinnerung an den Holocaust

Die Notiz erinnert mit journalistischer und historiographischer Präzision daran, dass Nostra aetate Es entstand nicht als akademische Übung, sondern als direkte Reaktion auf die grausamen Folgen des Antisemitismus und des Holocaust. Das Dokument schildert, wie der heilige Johannes XXIII., tief bewegt von seiner schicksalhaften Begegnung mit dem jüdischen Historiker Jules Isaac und dank der Vermittlung von Maria Vingiani, Kardinal Augustin Bea beauftragte, einen Text zu verfassen, der die Beziehungen zwischen Kirche und jüdischem Volk heilen sollte.

In ihrer theologischen Ausarbeitung betont die Note, dass Jesus war Jude und blieb es immer.. Unter Berufung auf die Theologie des 20. Jahrhunderts bekräftigt er, dass in der Inkarnation das Wort «jüdisches Fleisch» geworden ist. Daher ist der jüdisch-christliche Dialog keine diplomatische Option oder eine sekundäre Praxis, sondern ein intrinsisches Element. damit die Kirche ihre eigene Identität und einen wesentlichen Bestandteil ihrer Mission verstehen kann. 

Gottes Bund mit dem jüdischen Volk ist unwiderruflich (vgl. Röm 11,29). Gleichzeitig hält der Text am Bekenntnis zu Christus als dem einzigen Erlöser fest. Er stellt klar, dass dies nicht die Unterstützung zweier paralleler Wege zum Heil bedeutet, sondern vielmehr die Anerkennung, dass die heute gelebte jüdische Religiosität ein aktiver Wert bleibt, der Christen bereichert. «Was Jesus als jüdisches Erbe zum Christentum beigetragen hat, ist Teil der theologischen Struktur des Christentums selbst.»Ein Weg der Hoffnung, 11).

Das Dokument bekräftigt außerdem seine Verurteilung des Antisemitismus und verweist auf die Erinnerung an den Holocaust als ständige Mahnung gegen die Gefahr von Rassen- und Religionshass.

Eine meisterhafte Symphonie: von der «Logik von Assisi» bis zum Paradigma des Polyeders

Der Text bietet eine pädagogische Reise durch die Lehren der letzten sechs Päpste und zeigt, wie der Dialog zu einer Lebensweise für die Kirche wurde:

- Papst Paul VI.: Er begründete die institutionelle Struktur des Dialogs durch die Gründung des Sekretariats für Nichtchristen im Jahr 1964 und schlug vor in Ecclesiam suam die Methodik der konzentrischen Kreise des Dialogs mit der Welt.

- Der heilige Johannes Paul II. verlieh dieser Intuition weltweite Sichtbarkeit, indem er 1986 das historische Treffen von Assisi einberief, bei dem Vertreter verschiedener Religionen aus ihren jeweiligen Perspektiven für den Frieden beteten. Er formulierte die zwei untrennbar miteinander verbundenen Voraussetzungen der Mission: unerschütterliche Treue zu Jesus Christus und eine offene Bereitschaft zum ehrlichen Dialog. In seiner Enzyklika Redemptoris mIssio (1990) bekräftigte den bleibenden Wert des Missionsauftrags. Während seines Besuchs in der Synagoge in Rom (1986) nannte er die Juden «unsere älteren Brüder».

- Benedikt XVI.: Er verband den Dialog mit den Forderungen der Vernunft und der Wahrheit und verurteilte Fundamentalismus und Gewalt im Namen Gottes als radikale Verfälschung der Religion. Er betrachtete die Juden als «Glaubensväter».

- Franziskus: förderte die Ära der «universellen Brüderlichkeit», die sich in der Enzyklika widerspiegelt. Fratelli tutti. Er führte das Polyedermodell ein und etablierte einen ethischen Kompass zur Beurteilung der Authentizität jeder Religion: konkrete Zuwendung zum Verletzten am Straßenrand und Sorge um die Ärmsten.

- Leo XIV. bekräftigt: «Wer den Namen Gottes missbraucht, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu legitimieren, verrät sein Gesicht.» Er schlägt drei Schlüsselwörter für jeden Dialog vor: Frieden, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Licht, Schatten und die vier Ebenen des interreligiösen Dialogs

Mit bemerkenswertem Realismus scheut die Note nicht davor zurück, bestehenden Widerstand anzusprechen. Sie prangert das Fortbestehen von Vorurteilen, die wachsende Gleichgültigkeit vieler Länder gegenüber jeglicher Form von Spiritualität, die Angst vor doktrinärem Relativismus, das Wiederaufleben des Fundamentalismus, die politische Instrumentalisierung der Religion und die schwere Verfolgung vieler christlicher Gemeinschaften weltweit an.

In erster Linie bekräftigt es die Lehre des Konzils in Nostra aetate: «Wir können Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir uns weigern, uns gegenüber einigen Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, brüderlich zu verhalten. […] Die Kirche verurteilt daher jede Diskriminierung oder Misshandlung aufgrund von Rasse oder Hautfarbe, Stand oder Religion als dem Geist Christi widersprechend» (NA, 5).

Diese Note stellt ihrerseits fest: «Der Dialog setzt ein klares Bewusstsein der eigenen religiösen und kulturellen Identität sowie eine echte Offenheit gegenüber dem Anderssein voraus – eine unerlässliche Bedingung für das Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften. Er muss frei von Zweideutigkeiten sein, Relativismus und Synkretismus vermeiden, die höchste Identität respektieren und sich zu einem möglichst umfassenden Dialog verpflichten.»Ein Weg der Hoffnung, 22).

Angesichts der Schwierigkeiten hebt das Dokument die alltäglichen und stillen Früchte hervor, die sich aus den vier im Dokument definierten Modalitäten ergeben. Dialog und Ankündigung (1991): 1) der Dialog des Lebens: friedliches Zusammenleben von Nachbarn unterschiedlichen Glaubens in Städten und Gemeinden; 2) der Dialog des Handelns: Zusammenarbeit in Projekten der Gerechtigkeit, Solidarität und Ökologie; 3) theologischer Dialog: ein intensiver doktrinärer Austausch zwischen Experten; 4) der Dialog religiöser Erfahrung: die kontemplative und spirituelle Gemeinschaft, die in diesem interreligiösen Bereich, insbesondere von einigen Gruppen von Mönchen und Nonnen, gefördert wird.

Das Dokument betont, dass die Verkündigung Christi das Herzstück der christlichen Mission ist und der interreligiöse Dialog daher nicht nur mit dieser Verkündigung vereinbar ist, sondern als Kanal für das christliche Zeugnis eine wesentliche und ergänzende Dimension derselben darstellt.

Zusätzlich zu diesen vier Ebenen wurden in jüngster Zeit Errungenschaften wie die Frauennetzwerk für interreligiösen Dialog und Offenheit für brüderliche Unterscheidungskraft gegenüber den Anhängern neuer religiöser Erfahrungen.

Warum Sie diese Notiz heute lesen sollten? Eine «Pädagogik der Hoffnung»

Die Lektüre von «Ein Weg der Hoffnung» ist unerlässlich für Theologen, Pädagogen, Seelsorger und alle, die die zentralen Aspekte der gegenwärtigen soziokulturellen Landschaft verstehen möchten. Das Dokument lehnt die Idee einer synkretistischen Weltreligion, die Unterschiede verwischt, entschieden ab. Im Gegenteil, es lädt uns ein, unsere Haltung zu hinterfragen, um von einer Logik der Isolation zu einer Kultur der Begegnung zu gelangen.

Dieser Text beweist, dass zum Dialog Es geht nicht darum, die Wahrheit zu verleugnen oder die eigene Identität zu verhandeln. Vielmehr ist es die Kunst, mit Geduld und Mut zu kommunizieren und im anderen Menschen sowohl einen Gesprächspartner als auch einen Weggefährten zu erkennen. 

«Der Dialog, der sich im Anschluss daran eröffnet Nostra aetate – so heißt es in der Note – es handele sich nicht bloß um eine theoretische Übung, sondern um eine gemeinsame ethische und spirituelle Verpflichtung, die auf Frieden, Gerechtigkeit und die Sorge um unser gemeinsames Haus ausgerichtet sei.Ein Weg der Hoffnung, 35). Darin heißt es, dass Gläubige – in irgendeiner Weise vereint – Zeugen der Liebe Gottes sind und dass sie auch mit jedem in Dialog treten können. 

In Bezug auf die Pädagogik des Dialogs, Es setzt vor allem eine «tiefe Ausbildung in Seminaren, theologischen Instituten und pastoralen Programmen voraus. Es genügt nicht mehr, die Bedeutung des Dialogs zu verkünden: Er muss nun gelebt werden, indem den Gläubigen die Mittel an die Hand gegeben werden, um sich informiert, kritisch und gelassen daran zu beteiligen.» Zu den Faktoren, die die interreligiöse Begegnung und den Dialog begünstigen und aufrechterhalten, zählen «Kenntnisse der Religionen, die Geschichte der interreligiösen Beziehungen, die Entwicklung von Leitlinien für den Dialog und die Förderung der religiösen Bildung (religiöse Bildung» genauso wie es notwendig ist, ein Verständnis für zeitgenössische kulturelle und geopolitische Fragen in die christliche Bildung zu integrieren (Ibid., 48).

Beim Durchblättern der Seiten findet der Leser in diesem Dokument ein Gegenmittel gegen die Ernüchterung und einen Aufruf, in einer von Gewalt verwüsteten Welt zum «Brückenbauer und Friedensstifter» zu werden.

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