Schönheit ist nicht nur Künstlern vorbehalten, aber es stimmt, dass es ihnen leichter fällt, sie zu betrachten, zu entdecken, zu erschaffen … und zu lieben. Und in gewisser Weise sind wir alle ein bisschen Künstler.
Einer der Schlüssel zur Erschließung des Universums der Schönheit ist Inspiration. Um Schönheit zu erschaffen, muss man inspiriert sein, sich erheben, aufsteigen. Inspiration ist wie der Blick aus einem Fenster, das etwas Wunderbares offenbart. Und dieses Wunderbare ist etwas, das nicht wir selbst sind. Wenn die Moderne das Selbst entdeckt, verliebt sie sich in sich und lässt sich fortan nicht mehr davon lösen. Jahrhundertelang haben wir vom Selbst geträumt. Wir entkommen ihm nie. Und warum? Weil der moderne Geist Fenster mit Spiegeln verwechselt hat.
Das Fenster macht das Unsichtbare sichtbar, sein Medium ist Kunst und Symbol. Der Spiegel reflektiert nur; er kann nicht erschaffen, und sein Medium ist das Selbst, das zugleich zum Zweck wird. Wer also keine Fenster entdeckt, kann nur in Narzissmus oder Individualismus verfallen. Das Fenster führt uns von der Wirklichkeit zur Wirklichkeit. Der Spiegel kann uns nicht führen, denn es gibt keinen Raum, keine Reise.
Wenn wir durch Inspiration in eine neue Welt reisen, beginnen die Kräfte der Seele viel aktiver zu wirken, denn der Mensch ist dazu bestimmt, zu staunen, und das Wunderbare "berührt" den Erfindungsgeist.
Das Wunderbare ist mit der Wahrheit verbunden. Wenn die Wahrheit transzendent ist, also außerhalb von mir liegt, dann kann der Spiegel sie nicht erfassen. Der Narzisst kann nicht in der Wahrheit verweilen, weil er in Selbstbezogenheit gefangen ist, er ertrinkt darin, er kann sich nicht entfalten, weil es kein Fenster gibt, aus dem er sich selbst entkommen könnte. Der Spiegel ist Mythos, Narziss, Subjektivität, Solipsismus, Selbstbetrachtung, das reine Selbst und nur das Selbst.
Wenn man mit der Kultur des Spiegels, des Spektakels bricht (Spiegel und Spektakel haben die gleiche etymologische Wurzel), dann wird die Fähigkeit zum Staunen geboren, weil man nicht mehr sich selbst betrachtet, sondern die Kraft des Anderen in das Selbst eindringt, das aufhört, das Selbst zu sein, und zu einer Person wird.
Wenn wir uns in der Fensterkultur eingewöhnen, ist die Person immer capax Dei, Fähig, das zu bestaunen, was man nicht ist, die Wahrheit anderer und des Anderen. Und genau deshalb kann man sich so verhalten und Beziehungen knüpfen, wie man ist: ein Mensch … eine Beziehung. Fenster laden zu Beziehungen ein, der Spiegel zur Einsamkeit.
Bethlehem ist ein zentrales Fenster zum christlichen Leben. Es ist ein Portal, durch das wir einen Blick auf die Transzendenz erhaschen. Bethlehem ist die Tür, das Portal, das uns in das Geheimnis des Lebens führt. Und dieses Geheimnis offenbart sich in einer Familie in Not. Im Fenster von Bethlehem gibt es keine Spiegel. Alles dort ist eine Offenbarung, ein Fenster zur Wahrheit, Schönheit und Güte.





