Der jüngste Besuch von Papst Leo XIV. in Spanien war für Tausende Katholiken ein wahres Fest. Lange Schlangen, überfüllte Plätze und Menschen, die Hunderte von Kilometern zurücklegten, um einen Blick auf ihn zu erhaschen, prägten das Bild. Die Begeisterung war spürbar. Doch all diese Freude hat einen Widerspruch offenbart, der zum Nachdenken anregt.
Der Komiker Nachter veranschaulichte dies perfekt in einem seiner Sketche. Mit seinem unbeschwerten Stil zeigte er, dass die Christen, die stundenlang anstehen, um dem Papst nahe zu sein, dieselben sind, die bei der Messe die hinteren Bänke besetzen.
Ich sehe es jeden Sonntag in meiner Gemeinde. Der Priester beginnt den Gottesdienst erst, wenn die ersten paar Kirchenbänke besetzt sind. Doch selten drängt sich eine Menschenmenge um diese begehrten Plätze. Ganz im Gegenteil: Oft muss der Priester selbst auf jemanden zeigen, um die letzte freie Bank zu besetzen. Es ist merkwürdig: Wir sind da, um Gott zu begegnen, aber scheinbar haben wir kein besonderes Interesse daran, ihm näherzukommen.
Fans sein, wie die Fans von Bad Bunny
Vielleicht könnten wir Christen in diesem Sinne etwas von Bad Bunnys Fans lernen. Sie drängen sich in das berühmte «kleine Haus» und bilden endlose Schlangen, um einen besseren Blick auf den Künstler zu erhaschen oder ihn gar zu berühren. Sie genießen das Event in vollen Zügen und prahlen beim Gehen damit, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben: «Ich habe Bad Bunny aus nächster Nähe gesehen!».
Der Vergleich mag provokant erscheinen, doch welches Bild vermitteln wir von unserem Glauben, wenn wir Christus mit weniger Begeisterung folgen als einem Künstler? Selbst der heilige Carlo Acutis beschäftigte sich mit genau dieser Frage. Seine Mutter erzählte, er habe nicht verstanden, warum die Menschen nicht Schlange standen, um den König des Universums zu besuchen, der im Tabernakel lebendig und real sei: «Das ewige Leben ist im Tabernakel, und doch sind die Kirchen leer», bekräftigte er.
Wie Matthäus sagte: «Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz seine Kraft verliert, womit soll man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten wird.” Wer würde sich schon dazu verleiten lassen, ein Anhänger Gottes zu werden, wenn diejenigen, die behaupten, ihm zu folgen, nicht Schlange stehen, um ihn zu sehen?
Bleib weiterhin salzig
Doch das Problem reicht weit über unser Zeugnis für andere hinaus. Es betrifft auch unser eigenes geistliches Leben. Die größte Gefahr für jeden Gläubigen ist meist nicht die offene Ablehnung Gottes, sondern die Gewohnheit. Die Routine. Deshalb sollten wir uns darum bemühen, unseren Glauben zu bewahren und Ehrfurcht vor Gottes Größe zu pflegen.
Welch ein gesegnetes Staunen! Der heilige Johannes Paul II. sprach von zwei geistlichen Haltungen, um Gott zu entdecken, der uns begegnet. «Die zweite – nach aufmerksamem und wachsamem Warten – ist Bewunderung, Staunen. Es ist notwendig, unsere Augen zu öffnen, um Gott zu bewundern, der sich verbirgt und sich zugleich in den Dingen offenbart» (Generalaudienz, 26. Juli 2000).
Der Teufel sehnt sich also danach, uns dieses Staunen zu rauben. Er will, dass wir Gottes Wunder als normal ansehen und so unsere Leidenschaft und unsere Sehnsucht nach ihm erlöschen lassen. Wie können wir es als normal ansehen, dass Gott in jeder Liturgie des Wortes wie ein Geliebter zu uns spricht? Wie können wir es als selbstverständlich betrachten, dass er für uns stirbt und unsere Sünden trägt? Wie können wir uns an einen Gott gewöhnen, der sich danach sehnt, uns zu sehen und alles dafür tut, bei uns zu sein?
Der Papst, ein Vorstoß in die erste Reihe
Vielleicht war der Papstbesuch deshalb auch eine Gelegenheit. Eine Gelegenheit, uns zu fragen, ob wir unseren Glauben eher beiläufig oder vordergründig leben. Uns zu fragen, ob wir Christus mit dem ihm gebührenden Interesse suchen.
Denn wenn die Menschenmassen verschwinden und die großen Veranstaltungen vorbei sind, wird Jesus immer noch im Tabernakel auf uns warten. Ohne Scheinwerfer. Ohne Applaus. Ohne Warteschlangen. Und vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, wie sehr uns der Anblick des Papstes bewegt hat, sondern wie sehr wir uns danach sehnen, Christus jeden Tag näherzukommen.
Ich hoffe, wir lernen, einen Glauben zu leben, der in der ersten Reihe steht.





