Kino

Carles Prats: «In Montserrat lernte ich eine andere Art kennen, Zeit zu verstehen.»

Nach vier Jahren, in denen er bei den Mönchen von Montserrat lebte, beleuchtet Carles Prats deren besondere Art, Zeit zu erleben, in einem Dokumentarfilm, der die Realität der Gemeinschaft ungefiltert und ohne Werturteile zeigen will: "El temps de Montserrat".

Teresa Aguado Peña-10. September 2026-Lesezeit: 6 Minuten
Carles Prats

Carles Prats, director de "El temps de Montserrat" ©A Contracorriente Films

Vier Jahre lang drehte Regisseur Carles Prats, um dem Alltag der Mönche von Montserrat näherzukommen. So lange verbrachte er damit, das Kloster zu betreten und zu verlassen, um seine Vision zu formen. Die Zeit von Montserrat Der Dokumentarfilm «Die Zeit von Montserrat» möchte anlässlich des tausendjährigen Bestehens des Klosters den Alltag der Benediktinergemeinschaft ohne Wertung oder Kommentar zeigen. Das Projekt begann vor der Pandemie und ermöglichte es dem Team, ein ungewöhnliches, fast menschenleeres Montserrat zu erleben und Orte und Momente zu entdecken, die normalerweise den Touristen verborgen bleiben.

Prats, der es gewohnt ist, an Dokumentarfilmen über Kultur, Film und Musik zu arbeiten («Peret und der Ursprung der katalanischen Rumba», «"Dracula Barcelona"» ), bestätigt, dass diese Erfahrung besonders bereichernd war. Das Ergebnis ist ein nachdenklicher Blick auf eine Gemeinschaft, deren Alltag von Gebet, Arbeit und einem besonderen Zeitverständnis geprägt ist. Der Film wird auf dem BCN Film Festival präsentiert und feiert am 10. September im Rahmen einer Sondervorführung Premiere. A Contracorriente Filme.

Hinter dem Projekt verbirgt sich eine persönliche Geschichte. Nuria Casaldáliga, Prats' Schulfreundin und Nichte von Bischof Pere Casaldáliga, war es, die gemeinsam mit ihm die Initiative ergriff und den Dokumentarfilm realisierte. Ihr Tod im vergangenen Januar verleiht dem Ganzen eine noch tiefere Bedeutung. Die Zeit von Montserrat in einem Projekt, dem der Regisseur besonderen Dank ausspricht.

In diesem Interview spricht der Regisseur über seine Erfahrungen mit den Mönchen und darüber, was er über das klösterliche Leben, die Wiederholung und eine andere Art, die Zeit zu verstehen, herausgefunden hat.

Warum einen Dokumentarfilm über die Mönche von Montserrat drehen?

Montserrat war für mich schon immer ein sehr interessanter und inspirierender Ort. Vor einigen Jahren las ich einen Essay von Neil Postman, in dem er beschrieb, wie Benediktinergemeinschaften mit der Zeit umgingen. Er ging sogar so weit zu sagen, es scheine, als hätten die Benediktiner die Uhr erfunden.

Andererseits ist es äußerst kompliziert, einen Dokumentarfilm über den Klosteralltag zu drehen, da man dafür die Klosterbewohner dazu bringen muss, ihre Türen zu öffnen. Angesichts der Faszination für das Kloster, den dortigen Umgang mit Zeit und die Möglichkeit, Einblicke in den Alltag zu gewähren, machten Nuria Casaldáliga, die die Produktion leitete, und ich uns an die Umsetzung.

Der Dokumentarfilm legt besonderen Wert auf das Thema Zeit. Was kann man daraus lernen, wie diese Mönche mit ihrer Zeit umgehen?

–Es gibt einen Punkt im Leben, an dem man, zumindest in meinem Fall, immer wiederholender wird. Das sagte auch Jorge Luis Borges: “Es gibt einen Moment im Leben, in dem man aufhört zu lesen und stattdessen wieder und wieder liest.”

In der Dokumentation sagt der Abt, dass Wiederholung zu einem besseren Verständnis von sich selbst und der Welt führt. Ich glaube, ich befinde mich gerade auch in so einer Phase der Wiederholung, in einem Moment der Besinnung. Für mich war es eine bereichernde Erfahrung.

Die Gemeinschaft von Montserrat ist etwas ganz Besonderes. Es gibt etwa 50 Mönche, und die meisten von ihnen haben eine höhere Bildung, sodass man sich in einer Gemeinschaft wiederfindet, die in vielerlei Hinsicht kultiviert ist.

Wenn man die Mönche in der Basilika singen sieht, entsteht ein Bild, das wenig mit ihrem Alltag zu tun hat. Jeder hat seine eigenen Aufgaben: Einige sind für die Bibliothek zuständig, andere leiten die Herberge und wieder andere heißen die Pilger willkommen.

Darüber hinaus hat sich die Gemeinschaft stark verändert. Sie wird zwar von der Benediktinerregel, einem Text aus dem 6. Jahrhundert, geleitet, doch der Abt passt sie den heutigen Gegebenheiten an. So tragen heute beispielsweise alle Mönche Handys und schreiben sich gegenseitig Nachrichten. WhatsApp, etwas, das vor 200 Jahren nicht der Fall gewesen wäre.

Man könnte meinen, dass das Leben von Mönchen aufgrund ihrer Zeiteinteilung eintönig sei. Wie würden Sie auf dieses Vorurteil reagieren?

Das Leben hängt davon ab, was man mag und was nicht. Sie erklärten beispielsweise, dass der Philosoph Kant jeden Tag genau dasselbe tat. Vielleicht haben Freizeit, Urlaub, Reisen, Kinobesuche oder Videospiele in den letzten Jahrzehnten einen hohen Stellenwert erlangt. Daher rührt diese Idee.

Ich finde Wiederholung aber nicht schlecht; im Gegenteil. Aus der Perspektive der Meditation und Selbstfindung kann sie positive Auswirkungen haben.

Manche Menschen sind sehr unruhig und können dort nicht aushalten. Andere hingegen empfinden es als erfüllend. Ich habe beobachtet, dass die Mönche es genießen. Dieser strukturierte Tagesablauf ermöglicht ihnen ein erfülltes Leben.

Nachdem Sie jahrelang in dieser Gemeinschaft gelebt haben, was glauben Sie, kann das Klosterleben heute einer Gesellschaft bieten, die in einem immer schnelleren Tempo lebt?

–Ich glaube, wir leben in einer Gesellschaft, die in mancher Hinsicht oberflächlich ist. Alles bewegt sich sehr schnell, und wir haben uns an kurze Botschaften und stark fragmentierte Inhalte gewöhnt.

Dieses Zeitmanagement und der Zweck, für den man seine Zeit nutzt, bringen meiner Ansicht nach positive Dinge mit sich. Tatsächlich gab es historisch gesehen immer Menschen, die in Gemeinschaften an abgelegenen Orten leben wollten. 

Die Gemeinschaft von Montserrat ist keine abgeschlossene Gemeinschaft. Sie ist sehr eng mit der Welt verbunden: Es gibt Mönche, die außerhalb des Klosters unterrichten und an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, obwohl sie weiterhin dem benediktinischen Zeitplan folgen. 

Gleichzeitig gibt es aber auch dieses eher introspektive und meditative klösterliche Lebensstilmodell, das ich für sehr positiv halte, insbesondere in einer zunehmend oberflächlichen Welt.

An einer Stelle des Dokumentarfilms sagt einer der Mönche, das Bild eines lesenden Mönchs im Garten sei verzerrt. Glauben Sie, dass die Menschen ein Bild vom Klosterleben haben, das nicht der Realität entspricht?

– Ja. In vielerlei Hinsicht ist die Realität dieser Mönche überraschend. Dieser Mönch leitet die Bibliothek und ist sehr diskret (er trat nur auf eigenen Wunsch in der Dokumentation auf, da er das Rampenlicht meidet). Ich fand seine Reflexion über das idealisierte Bild des lesenden Mönchs unter einem Baum sehr amüsant.

Auch die Lebensläufe der einzelnen Mönche sind überraschend. Der heutige Museumsdirektor war zuvor Leiter der IT-Sicherheit in einem amerikanischen Unternehmen. Der Leiter des Klosters war Filialleiter bei Burger King. Ein anderer war Gärtner, und ein weiterer lehrte an der Universität.

Es ist eine sehr vielfältige Welt, die man sich vor der Ankunft nicht vorstellen kann. Und ja, diese Stereotypen existieren tatsächlich.

Wenn man dann mit ihnen zusammenlebt, entdeckt man eine ganz andere Art von Beziehung. Am Ende des Tages treffen sie sich vielleicht, um Zeitung zu lesen, über ein Fußballspiel zu diskutieren oder Mensch ärgere Dich nicht zu spielen. Die Mönche sind lustig. Wie bei allen Menschen gibt es auch hier geselligere und zurückhaltendere Menschen, aber für mich war es eine sehr interessante und bereichernde Erfahrung.

Hat es Sie gestört, die Mönche dazu zu bringen, sich auf diese Weise zu entblößen?

–Es dauerte eine Weile, bis sie uns ihre Türen öffneten. Einer der maßgeblichen Dokumentarfilme über Klöster., Die große Stille, Er musste 18 Jahre warten, bevor man ihm die Dreharbeiten erlaubte. Wir mussten acht Monate warten.

Das versteht man erst, wenn man im Kloster ist, denn für die Mönche ist ihr Alltag, ihre Gebets- und Gottesdienstroutine, wichtiger als die Betreuung von jemandem, der kommt, um einen Dokumentarfilm zu drehen.

Ich war auch überrascht, dass alle Mönche Uhren tragen. Sie erklärten mir, dass der Abt bei ihrem Eintritt in die Gemeinschaft ihre Uhren einsammelt und sie nach dem Zufallsprinzip verteilt, sodass jeder Mönch am Ende wahrscheinlich eine andere Uhr hat als die, die er bei seiner Ankunft trug.

Die Mönche erzählen, warum sie ihr früheres Leben aufgaben, um ins Kloster einzutreten. Gab es dabei ein Zeugnis oder eine persönliche Geschichte, die Sie besonders berührt hat?

–Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte eines Mönchs, der als junger Mann im Rahmen einer Exkursion Montserrat besuchte. Er sah die Mönche und beschloss, Teil der Gemeinschaft zu werden.

Um sicherzugehen, dass seine Berufung tatsächlich das Klosterleben war, bat er darum, ein Jahr außerhalb des Klosters leben zu dürfen. Man gab ihm ein Haus in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen.

Die Dorfbewohner misstrauten ihm, weil er lange Haare hatte und sie ihn für einen Hippie hielten. Als sie erfuhren, dass er ein Mönch aus Montserrat war, änderte sich ihr Verhältnis zu ihm. Er blieb schließlich 19 Jahre in dem Dorf und arbeitete auf den Feldern.

Danach pflegte sie ihre kranke Mutter und später ihren Vater. Weitere zwölf Jahre vergingen. Mit anderen Worten: Sie hatte geplant, ein Jahr fort zu sein, verbrachte aber schließlich 31 Jahre dort, bevor sie sich zur Rückkehr ins Kloster entschloss.

Er kam zurück, klopfte an die Tür und sagte: «Sehen Sie, ich bin vor 31 Jahren fortgegangen.» Und er wurde wieder Mönch. Die Geschichte hat mich sehr fasziniert.

Was ist das Bewundernswerteste am Leben dieser Mönche?

Ich bewundere, dass sie zu dem Schluss gekommen sind, Mönche werden zu wollen. Viele versuchen es eine Zeitlang, und manche geben auf, weil sie merken, dass das Klosterleben nichts für sie ist.

Mich beeindruckt auch, wie anders das Leben in einer Gemeinschaft ist. Wir denken viel über Besitz nach: «Ich habe das gekauft, ich will das, ich will das.» Dort herrscht eine ganz andere Mentalität. Es ist wie eine geistige Befreiung von den Verpflichtungen, die der Konsumismus mit sich bringt.

Ich glaube, wenn man es richtig angeht, bereichert es einen. Montserrat hat fantastische Intellektuelle hervorgebracht, und die Veröffentlichungen der Abtei Montserrat sind wunderbar. Man sieht, dass Menschen, die dort im Kloster gelebt haben, absolut bewundernswerte Werke geschaffen haben.

Ein Mönch erzählte mir, dass sie eine Vierteljahreszeitschrift herausgeben. Er meinte aber: “Wenn sie nur alle sechs Monate erscheint, ist das nichts Besonderes”, denn für sie sei es wichtig, den Tagesablauf einzuhalten. Ich finde, das ist eine wertvolle Lektion: Prioritäten zu setzen und die wirklich wichtigen Dinge zu priorisieren. Alles andere kommt später.

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