Welt

Lebensfragen regen in England und Deutschland zum Nachdenken an.

Nach dem „March for Life“, der am 5. Juli Tausende Menschen nach London brachte, lehnte das britische Parlament am 11. Juli den Gesetzentwurf zur Sterbehilfe mit 270 zu 286 Stimmen ab – eine Mehrheit von nur 16 Stimmen. England berät nun über das Thema, und Köln und Berlin werden am 19. Juli nachziehen.

Francisco Otamendi-16. September 2026-Lesezeit: 6 Minuten
Manifestantes contra el suicidio asistido.

Manifestantes contra el proyecto de ley de suicidio asistido en Inglaterra, que finalmente fue rechazado en el Parlamento (@Conferencia episcopal de Inglaterra y Gales).

Der „March for Life“ in England am 5. September, die heftigen Gegendemonstrationen von Abtreibungsbefürwortern und die wenige Tage später erfolgte Ablehnung des Gesetzesentwurfs zur Sterbehilfe durch das Parlament – formal gesehen für Erwachsene mit unheilbaren Krankheiten (Sterbebegleitung) – haben gezeigt, dass lebensbezogene Fragen zu einem wichtigen, ja sogar zentralen Thema im britischen öffentlichen Leben werden.

Diese Ansicht äußerten die Teilnehmer des alljährlichen March For Life UK, der von der Lebensrechtsbewegung organisiert wird und die eine ermutigende Botschaft und einen Segen von Papst Leo XIV. erhielten.

Darüber hinaus schlossen sich fünfzehn Bischöfe den Protestierenden aus Solidarität an. Unterstützung für ungeborenes Leben, Unterdessen störte eine Gruppe von Gegendemonstranten die Eröffnungsmesse und musste entfernt werden, wie berichtet wurde. Edward Pentinvon Nationales katholisches Register.

Maskierte und lärmende Demonstranten 

Die Co-Direktorin des Marsches, Isabel Vaughan-Spruce, bemerkte “mehr Widerstand” als bei früheren Märschen, darunter die Störung der Eröffnungsmesse in der Westminster Cathedral.

Die Demonstranten, die meisten von ihnen maskiert, begleiteten einen Großteil der Kundgebung und machten absichtlich Lärm, um die Stimmen der Pro-Life-Redner zu übertönen, berichtete dasselbe Medienunternehmen. 

Die Londoner Metropolitan Police wurde dafür kritisiert, dass sie den Demonstranten erlaubte, so nah an der Bühne des March for the Living zu protestieren und sich direkt gegenüber auf dem Parliament Square zu positionieren, wo sie weitere Störungen verursachten.

Isabel Vaughan-Spruce, Co-Direktorin des March for the Living 2026 in London (OSV News Foto/Simon Caldwell).

Die Proteste seien “nicht unbedingt etwas Schlechtes”, so Vaughan-Spruce.

Laut dem Register betrachtete Vaughan-Spruce die Proteste nicht als “unbedingt etwas Schlechtes». Ihrer Ansicht nach seien sie “ein Indiz dafür, dass Abtreibung ein zunehmend relevantes öffentliches Thema wird”.

“Viel zu lange herrschte in Großbritannien eine außerordentliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Abtreibung”, sagte sie. “Sie wurde als etwas betrachtet, das man einfach hinnehmen musste. Aber das scheint sich zu ändern.”.

Was die hohe Teilnehmerzahl betrifft, Vaughan-Spruce, Sie, die seit Jahren vor Abtreibungskliniken betet und sich derzeit einem Gerichtsverfahren gegenübersieht, erklärte, der Marsch zeige, dass die Menschen “kulturell akzeptieren”, sich für das Lebensrecht einzusetzen, und «den Mut finden, die Kultur des Schweigens herauszufordern, die das Thema Abtreibung so lange umgeben hat”.

Tausende von Abtreibungsgegnern demonstrierten am 5. September 2026 in den Straßen Londons. (Foto: @Edward Pentin, National Catholic Register).

Parlament lehnt Gesetzentwurf zur Sterbehilfe ab

Wenige Tage später, am 11. September, lehnte das Parlament den Gesetzentwurf zur Sterbehilfe in zweiter Lesung mit 270 Ja-Stimmen und 286 Nein-Stimmen ab, was einer Mehrheit von 16 Stimmen entspricht, wie berichtet wurde.

Erklärungen des Erzbischofs von Liverpool

Der Erzbischof von Liverpool, John Sherrington, der für Lebensfragen zuständige Bischof der Bischofskonferenz von England und Wales, hat zum Ausdruck gebracht Sein Dank gilt all jenen, die an ihre Abgeordneten geschrieben haben, um zu verhindern, dass der Gesetzentwurf zur Versorgung von Erwachsenen mit unheilbaren Krankheiten (Sterbebegleitung) im Parlament vorankommt.

Erzbischof Sherrington dankte außerdem Behindertenrechtsorganisationen sowie Rechts- und Gesundheitsexperten dafür, dass sie gemeinsam ihre Stimme erhoben hatten, um “die Würde und Unantastbarkeit allen Lebens” zu verteidigen.

Eine mitfühlende Gesellschaft: Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen

„Während der gesamten Debatte haben wir argumentiert, dass unsere Reaktion auf diejenigen, die mit schwerer Krankheit, Behinderung oder den Herausforderungen des Alters konfrontiert sind, auf Solidarität, Fürsorge und Respekt beruhen muss“, sagte Erzbischof Sherrington.

“Das wahre Maß einer mitfühlenden Gesellschaft liegt in ihrer Bereitschaft, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, anstatt sie zum Selbstmord zu ermutigen.”. 

Sherrington lobte außerdem Familienmitglieder, Freunde, Pflegekräfte und Angehörige der Gesundheitsberufe, die jeden Tag “außergewöhnliche Großzügigkeit bei der Begleitung und Unterstützung der Leidenden” beweisen.

Ihr Engagement erinnert uns an den Wert menschlicher Beziehungen und unsere gemeinsame Verantwortung, füreinander da zu sein, insbesondere in den verletzlichsten Momenten des Lebens, betonte sie.

Der neue britische Premierminister Andy Burnham begrüßt die Mitarbeiter während der offiziellen Eröffnung von 10 Heron House North in Manchester am 24. Juli 2026. (Foto: OSV News/James Speakman, Pool via Reuters).

Besserer Zugang zur Palliativversorgung

Seiner Meinung nach – und er vertritt diese Position seit Jahren – “sind wir weiterhin davon überzeugt, dass der wirksamste Weg, Leiden am Lebensende zu lindern, ein besserer Zugang zu … ist.“ Palliativpflege und am Lebensende mit höchster Sorgfalt. Sicherzustellen, dass diese Art der Pflege allen Bedürftigen zur Verfügung steht, kann dazu beitragen, dass Menschen in ihren letzten Tagen Trost, Würde und Unterstützung erfahren.”.

Mögen alle Kranken und Schwachen Trost in der Unterstützung ihrer Angehörigen und in der Liebe Gottes finden, die alles Leid übersteigt. “Ich bitte die katholische Gemeinde”, schloss der Erzbischof, „weiterhin für unsere Gesetzgeber zu beten, damit sie dafür sorgen, dass unsere Gesetze stets die Würde des menschlichen Lebens schützen.“.

Märsche in Köln und Berlin (Deutschland)

In Deutschland finden am 19. September gleichzeitig zwei Veranstaltungen in Berlin und Köln statt. Märsche für das Leben, der die Pro-Life-Bewegung ihre Unterstützung angeboten hat.

Die vom Bundesverband „Recht auf Leben“ organisierten Märsche genießen breite Unterstützung aus den Kirchen. Von katholischer Seite reisen Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Regensburg), Weihbischof Dr. Josef Graf (Regensburg) und Bischof em. Gregor Maria Hanke OSB (Eichstätt), der gemeinsam mit Pfarrer Albrecht Weißbach den Segen für die Reise spenden wird, nach Berlin. 

Andere Kardinäle, wie etwa Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, haben den Demonstrationen in den beiden Städten ihre Unterstützung zugesichert, um die Würde des menschlichen Lebens von der Empfängnis an zu verteidigen und Themen wie Abtreibung, Sterbehilfe, Leihmutterschaft und nicht-invasive Pränataldiagnostik (NIPT) anzusprechen.

Kardinal Rainer Maria Woelki (©CNS/Paul Haring).

Kardinal Woelki von Köln: Kultur des Lebens

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, schrieb: 

“Der Bundesverband für das Recht auf Leben verteidigt eine Kultur des Lebens, der Fürsorge und der konkreten Hilfe. Sein Ziel ist es nicht, Frauen und Familien in Not zu verurteilen, sondern ihnen Perspektiven und Unterstützung zu bieten. Sein Ziel ist es auch nicht, Menschen am Ende ihres Lebens auszugrenzen oder ihnen das Gefühl zu geben, eine Last zu sein, sondern ihnen bis zum letzten Atemzug Würde, Nähe und Fürsorge zu schenken.”.

“An alle, die heute am Marsch für das Leben 2026 teilnehmen”, fuhr er fort. Kardinal Woelki, “Sie geben dieser Sache ein Gesicht. Ihre Anwesenheit ist ein öffentliches Zeichen gegen Gleichgültigkeit und für eine Gesellschaft, in der alle Menschen willkommen sind. Möge dieser Marsch eine starke Botschaft an unsere Städte, an Politik und Gesellschaft, an unsere Gemeinden und vor allem an unsere Herzen senden: Ich danke dem Bundesverband für das Recht auf Leben für seine unermüdliche Arbeit und Ihnen allen für Ihren mutigen Einsatz. Gott segne Sie und Ihren Dienst für das Leben.”.

Verschiedene Körperhaltungen

Inzwischen haben auch einige Führer anderer christlicher Kirchen und verschiedener Gruppen zu den Märschen Stellung bezogen.

So hat beispielsweise Metropolit Augustus von Deutschland, ein orthodoxer Christ, die Unterstützung der deutschen orthodoxen Christen für die beiden Märsche zum Ausdruck gebracht. Auch Friedhelm Holthuis, Präsident des Bundes Freier Pfingstkirchen, hat seine Grüße übermittelt.

Das Kollektiv Pro-Choice-Bündnis Köln hat jedoch zu einer Demonstration am 19. September gegen den Marsch für das Leben aufgerufen und bezeichnet ihn als Bewegung gegen das Recht auf Abtreibung und reproduktive Selbstbestimmung.

In Berlin hat die LAG Säkulare Grüne (der säkulare Flügel der Grünen) ebenfalls zur Teilnahme an der Demonstration für “sexuelle Selbstbestimmung” aufgerufen, die parallel zum Pro-Life-Marsch stattfindet.

Der AutorFrancisco Otamendi

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