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Ist Religion überholt?

Im Lichte der soziologischen Analyse von Christian Smith hinterfragt dieser Artikel den vermeintlichen Niedergang des Christentums und verteidigt dessen anhaltende Relevanz als persönliche Beziehung zu Gott.

José Carlos Martín de la Hoz-29. Dezember 2025-Lesezeit: 4 Minuten
Ist Religion überholt?

©Peter Herrmann

Christian Smith (1960), Professor für Religionssoziologie an der Universität “Notre Dame” in Indiana, USA, ist Spezialist für die Weitergabe des Glaubens an neue Generationen und den Einfluss des christlichen Glaubens auf soziale Beziehungen.

In dieser Arbeit wird er die Religionssoziologie umfassend quantifizieren, um uns präzise Daten zu liefern, damit wir seinen interessanten Schlussfolgerungen zustimmen oder ihnen widersprechen können (29). 

Die erste Schlussfolgerung dieser Arbeit, die sich aus der Darstellung, den Tabellen und Analysen sowie den zitierten Autoren ergibt, ist, dass die Religionssoziologen in den Vereinigten Staaten der Realität näher stehen als die spanischen Religionssoziologen, die, wie wir bereits bei anderen Gelegenheiten erläutert haben, stark von den politischen Ideologien des spanischen Übergangs und der Gegenwart beeinflusst sind.

Der kritische Realismus dieses Soziologieprofessors an der University of Notre Dame in den USA ist nicht perfekt und entspricht auch nicht exakt der Realität, da nur Gott die vollständige Sicht der Wirklichkeit besitzt, weil er die inneren Vorgänge unseres Gewissens durchschaut und unsere tiefsten Gedanken sowie die Wahrheit unserer Absichten kennt. Doch gerade diese realistische Sichtweise und die minimalistische Ideologie, mit der er Probleme angeht, machen ihn umso geeigneter, Leitlinien für eine persönliche und familiäre Wiederentdeckung Gottes aufzuzeigen (41).

Das Christentum ist nicht überholt: Glaube als persönliche Beziehung

Das Christentum ist gewiss nicht überholt und wird es auch nie sein, denn auch wenn der Mensch heute vielleicht weniger gläubig oder praktizierend ist oder eine schwächere dogmatische und liturgische Bildung besitzt als in anderen Zeiten, wird er doch immer die Kraft zum Gehorsam besitzen, um von Jesus Christus, unserem Erlöser, gefunden und geliebt zu werden, wie der heilige Paulus gegenüber Timotheus bekräftigte: “Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen” (1 Tim 2,3-4).

Darüber hinaus gibt es und wird immer eine unfehlbare Brücke geben, durch die Jesus Christus mit jedem einzelnen Mann und jeder einzelnen Frau in Verbindung tritt, die er geschaffen hat – mit all jenen, denen er eine unsterbliche Seele eingehaucht hat. Diese jederzeit zugängliche Brücke besteht darin, dass wir “nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen” sind (1. Mose 1,36). Deshalb begegnet uns Jesus Christus jeden Tag durch unseren Verstand und unser Herz und lädt uns zu einer persönlichen Beziehung mit ihm ein – zum Himmel auf Erden und zum Himmel im Himmel, wie wir es in unserem persönlichen Leben erfahren können.

Christliche Anthropologie

Da wir nun das 500-jährige Jubiläum der Gründung der Schule von Salamanca feiern, seit 1526 die Lehrtätigkeit von Francisco de Vitoria OP an der Theologischen Fakultät der Universität von Salamanca begann, müssen wir uns ansehen, wie der Meister von Salamanca den Begriff der Würde des Menschen und insbesondere den grundlegenden Begriff der Freiheit in seinen Vorlesungen, Meinungen und Vorträgen entwickelt hat. 

Überholt ist daher ein Menschenbild und eine Anthropologie, die zu anderen Zeiten der Geschichte vielleicht interessant waren und das Zusammenleben sowie den Aufbau einer sozialen Ordnung erleichtert haben, aber anthropologischen Modellen weichen müssen, die besser zum Denken unserer Zeit passen.

Für Victoria ist der Mensch im Wesentlichen Beziehung, genau wie Gott in seinem inneren Leben: drei voneinander abhängige Beziehungen: die Beziehung der Vaterschaft, die Beziehung der Sohnschaft und die Beziehung der Liebe. Daher ist der Mensch, geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes, auch im Wesentlichen Beziehung zu Gott und zu anderen. 

Tatsächlich reift der Mensch in der wichtigsten aller Beziehungen, nämlich der Liebe. Vergessen wir nicht: “Gott ist Liebe” (1. Johannes 4,8). Deshalb geben wir in unseren Beziehungen Liebe weiter – als Frucht der Liebe, die wir in unserer Beziehung zu Gott empfangen.

Säkularisierung, Glaubensbildung und die Zukunft des Glaubens

Kehren wir nun zu Professor Christian Smiths Analyse zurück, um einige seiner interessanten Beobachtungen zur Bedeutung der Förderung dieses anthropologischen Konzepts, das wir soeben besprochen haben, zu betrachten. 

Tatsächlich geht unser Autor immer wieder auf die Art des Gebets ein und darauf, was Jung und Alt im Gebet mit Gott besprechen. Logischerweise stützt er sich auf die spanische Tradition des Goldenen Zeitalters der kastilischen Mystik und den universalen Aufruf zur Heiligkeit für alle Christen des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konstitution “Lumen Gentium”, Nr. 11) und schlägt ein erneuertes Christentum vor, das auf einer persönlichen und realen Beziehung zwischen Christen und Gott basiert. Denn wenn eine solche persönliche Beziehung besteht, ist das Christentum lebendig; andernfalls ist es tot und verschwindet schnell vom Horizont des Lebens (49).

Christian Smith wird uns sicherlich bestätigen, dass das intellektuelle und Bildungsniveau der Gläubigen im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts enorm gestiegen ist. Gewiss ist die Bildung, die wir Christen in der westlichen Zivilisation vermitteln können, heute wesentlich höher und tiefgründiger als in anderen Epochen der Geschichte. In diesem Sinne ist anzunehmen, dass die von Priestern und Seelsorgern vermittelte Lehre in den kommenden Jahren ansprechender und tiefgründiger sein wird als gegenwärtig, was sich wiederum auf die Attraktivität Jesu Christi auswirken wird: Denn um Jesus Christus zu lieben, ist es notwendig, ihn besser kennenzulernen. (99).

Die Kapitelüberschriften des Buches sind interessant: “Die 1990er Jahre, der Anfang vom Ende”. Darin wird die technologische Revolution, insbesondere das Internet, als Beschleuniger der Entfremdung zwischen Neoliberalismus und Katholizismus genannt (137). Gewiss, in Europa war der Säkularisierungsprozess schon länger im Gange, und er hat vor allem gezeigt, dass das Christentum als persönliche Beziehung nicht bloß eine Ansammlung von Ideen oder ein Glaubenssystem bleiben kann.

Wir schließen mit Jesu eigener Frage: “Wenn der Menschensohn kommt, wird er dann Glauben auf Erden finden?” (Lk 18,8). In der Tat finden die Menschen im liturgischen und sakramentalen Leben immer den Anfang oder die Nahrung für ein Leben in der Erkenntnis und Liebe zu Jesus Christus und für die gemeinschaftliche Glaubenserfahrung, die auch den starken Individualismus unserer Zeit überwindet.

Warum die Religion überflüssig wurde

AutorChristian Smith
LeitartikelOUP USA
Jahr der Veröffentlichung: 2025
Seiten: 440
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