Die Lehren des Papstes

Das Osterfest Jesu, erfüllt von Hoffnung

Im Rahmen der Katechese, die im Jubiläumsjahr 2025 stattfindet und deren Titel lautet Jesus Christus, unsere Hoffnung, Leo XIV. hat die letzten Wochen dem Osterfest Jesu gewidmet, also den Ereignissen rund um sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung.

Ramiro Pellitero-1. Oktober 2025-Lesezeit: 7 Minuten
Ostern

©OSV News

Welchen Stellenwert hat Jesu Opfer für uns in unserem Leben? Betrachten wir es als ein vergangenes Ereignis, das keinen Bezug zu unserer Gegenwart und Zukunft hat? Der christliche Glaube versichert uns, dass es von zentraler Bedeutung ist und weitreichende Auswirkungen auf unser persönliches, soziales und kirchliches Leben hat. 

Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott und mit anderen

Der erste dieser Mittwoche (vgl.. Allgemeines Publikum, 6. August 2025) Der Papst konzentrierte sich auf das Wort vorbereiten. "Wo sollen wir Ihr Osteressen zubereiten?”(Markus 14,12). In Wirklichkeit war alles von Jesus im Voraus vorbereitet worden:“Das Passahfest, das die Jünger vorbereiten müssen, ist in Wirklichkeit bereits im Herzen Jesu vorbereitet.". 

Gleichzeitig fordert er seine Freunde auf, ihren Beitrag zu leisten:“Die Gnade nimmt uns nicht unsere Freiheit, sondern erweckt sie. Gottes Gabe hebt unsere Verantwortung nicht auf, sondern macht sie fruchtbar.".

Deshalb müssen auch wir dieses Abendmahl vorbereiten. Es geht dabei nicht nur, warnt der Nachfolger Petri, um die Liturgie oder die Eucharistie (was “Danksagung” bedeutet), sondern auch um …“unsere Bereitschaft, eine Geste zu vollbringen, die uns übersteigt". 

"Die Eucharistie -beobachtet Leo XIV- Sie wird nicht nur am Altar gefeiert, sondern auch im Alltag, wo es möglich ist, alles als Opfergabe und Danksagung zu erfahren.". 

Daher die Anrufung: “Wir können uns dann fragen: Welche Bereiche meines Lebens muss ich umgestalten, damit sie bereit sind, den Herrn willkommen zu heißen? Was bedeutet ‘vorbereiten’ für mich heute?’?".

Einige Vorschläge:“Vielleicht geht es darum, Erwartungen loszulassen, nicht länger darauf zu warten, dass sich der andere ändert, und den ersten Schritt zu wagen. Vielleicht geht es darum, mehr zuzuhören, weniger zu handeln oder zu lernen, dem zu vertrauen, was bereits bereit ist.".

Unsere Verletzlichkeit erkennen

Mitten in Jesu intimstem Abendessen mit seinen Anhängern wird auch der größte Verrat enthüllt:“Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten – einer, der mit mir isst.”(Markus 14,18)“Das sind gewichtige Worte. Jesus spricht sie nicht, um zu verurteilen, sondern um zu zeigen, dass wahre Liebe ohne Wahrheit nicht existieren kann.". 

Überraschenderweise erhebt Jesus weder seine Stimme noch zeigt er mit dem Finger auf den Verräter, um ihn anzuklagen. Er überlässt es jedem Einzelnen, sich selbst zu fragen:“Sie wurden traurig und fragten ihn einer nach dem anderen: ‘Könnte es an mir liegen?’” (Mk 14,19). Am Mittwoch, dem 13. August, ging der Papst ausführlich auf diese Frage ein, denn, wie er betonte: “Es ist vielleicht eine der aufrichtigsten Fragen.was wir uns selbst antun können”Und das ist der Grund:“Das Evangelium lehrt uns nicht, das Böse zu leugnen, sondern es als schmerzhafte Gelegenheit zur Wiedergeburt zu erkennen.".

Was folgt, mag wie eine Drohung klingen:“Wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre besser für ihn gewesen, wenn er nie geboren worden wäre!” (Mk 14,21). Es ist vielmehr ein Schrei der Schmerzen, ein Ausdruck aufrichtigen und tiefen Mitgefühls. Denn Gott weiß, dass wir, wenn wir seine Liebe verleugnen, uns selbst untreu werden, den Sinn unseres Lebens verlieren und uns vom Heil ausschließen. Stattdessen gilt: “Wenn wir unsere Grenzen anerkennen, wenn wir uns vom Leiden Christi berühren lassen, dann können wir schließlich wiedergeboren werden.". 

Liebe, die nicht aufgibt und vergibt

Beim letzten Abendmahl bietet Jesus demjenigen, der ihn verraten will, den Bissen an.“Es ist nicht nur eine Geste des Teilens, es ist viel mehr: es ist der letzte Versuch der Liebe, nicht aufzugeben.”(vgl. Generalaudienz 20. August 2025) Jesus liebt weiterhin: Er wäscht Füße, taucht Brot ein und bietet es sogar demjenigen an, der ihn verraten wird.“.

Die Vergebung, die Jesus anbietet – so betont der Bischof von Rom – offenbart sich hier in ihrer ganzen Kraft und zeigt das Antlitz der Hoffnung:“Es ist weder Vergesslichkeit noch Schwäche. Es ist die Fähigkeit, den anderen frei zu lassen und ihn bis zum Ende zu lieben. Die Liebe Jesu leugnet nicht die Wahrheit des Leidens, aber sie lässt das Böse nicht das letzte Wort haben.". 

Der Papst beharrt: “Vergebung bedeutet nicht, Fehlverhalten zu leugnen, sondern weiteren Schaden zu verhindern. Sie bedeutet nicht, so zu tun, als sei nichts geschehen, sondern alles dafür zu tun, dass Groll nicht die Zukunft bestimmt.".

Und er wendet sich wieder uns zu: “Auch wir erleben schmerzhafte und erschöpfende Nächte. Nächte der Seele, Nächte der Enttäuschung, Nächte, in denen uns jemand verletzt oder verraten hat. In solchen Momenten ist die Versuchung groß, uns zu verschließen, uns zu schützen, Vergeltung zu üben. Doch der Herr zeigt uns, dass es Hoffnung gibt, dass es immer einen anderen Weg gibt. (…) Heute bitten wir um die Gnade, vergeben zu können, selbst wenn wir uns nicht verstanden fühlen, selbst wenn wir uns verlassen fühlen.”So öffnen wir uns einer größeren Liebe.“. 

Das Opfer der Liebe

Dann stellt sich Jesus frei und mutig seiner Verhaftung im Garten Gethsemane: “Wen suchen Sie?” (Joh 18,4). Seine Liebe ist voll und reif; er fürchtet keine Ablehnung, sondern lässt sich gefangen nehmen.“Er ist nicht das Opfer einer Verhaftung, sondern der Geber eines Geschenks. In dieser Geste verkörpert sich die Hoffnung auf Erlösung für unsere Menschheit: das Wissen, dass man selbst in der dunkelsten Stunde frei bleiben kann, bis zum Ende zu lieben.”(Allgemeines Publikum, 27. August 2025).

Jesu Opfer ist ein wahrer Akt der Liebe:“Jesus lässt sich von den Wachen gefangen nehmen und einsperren, um seine Jünger zu befreien.”Er weiß genau, dass der Verlust des Lebens aus Liebe kein Versagen ist, sondern vielmehr eine geheimnisvolle Fruchtbarkeit mit sich bringt (vgl. Joh 12,24).“.

So lehrt er uns.“Das ist es, was wahre Hoffnung ausmacht: nicht der Versuch, Schmerz zu vermeiden, sondern der Glaube, dass selbst im Herzen des ungerechtesten Leidens der Keim eines neuen Lebens verborgen liegt.".

Lernen zu empfangen

Die Katechese des Papstes über die Worte Jesu bei seiner Kreuzigung hatte besondere Bedeutung: “Ich habe Durst.” (Joh 19,28), unmittelbar vor diesen anderen: “Es ist vollbracht” (19,30).

"Der Durst der Gekreuzigten – Leo XIV. bemerkt– Es ist nicht nur das physiologische Bedürfnis eines geschwächten Körpers. Es ist auch und vor allem Ausdruck einer tiefen Sehnsucht: der Sehnsucht nach Liebe, nach Verbundenheit, nach Gemeinschaft.” (Allgemeine Anhörung, 3.9.2025).

Daraus ergibt sich eine überraschende Lektion:“Wahre Liebe muss nicht nur geben, sondern auch bitten lernen. ‘Mich dürstet’, sagt Jesus, und damit offenbart er seine und unsere Menschlichkeit. Niemand von uns kann für sich selbst sorgen. Niemand kann sich selbst retten. Das Leben ist nicht dann erfüllt, wenn wir stark sind, sondern wenn wir lernen zu empfangen.”Und genau dann, wenn Alle Wünsche sind erfüllt.. "Die Liebe ist notwendig geworden, und genau deshalb hat sie ihre Arbeit verrichtet.".

Dies, so betont der Bischof von Rom, sei das christliche Paradoxon:“Gott rettet nicht durch eigenes Handeln, sondern indem er sich selbst geschehen lässt. Nicht indem er das Böse mit Gewalt besiegt, sondern indem er die Schwäche der Liebe vollkommen annimmt.". 

Vom Kreuz aus lehrt uns Jesus, dass jeder von uns Erfüllung nicht in der Macht findet, sondern darin, anderen vertrauensvoll und offen zu begegnen, selbst wenn sie Feinde sind.“Das Heil liegt nicht in der Autonomie, sondern darin, die eigenen Bedürfnisse demütig anzuerkennen und zu wissen, wie man sie frei ausdrücken kann.".

„Passt auf“, scheint Leo XIV. auch den Erziehern und Ausbildern zu sagen, „denn das …“ “unser Bedürfnis zu spüren und zu erkennen” Es kann nicht erzwungen, sondern muss entdeckt werden. frei Jeder Mensch (man kann ihm sanft dabei helfen, dies zu entdecken) sieht darin einen Weg der Befreiung von sich selbst hin zu Gott und anderen.“Wir sind Geschöpfe, die dazu geschaffen sind, Liebe zu geben und zu empfangen.".

Der Schrei der Hoffnung 

Besorgniserregend ist die Tatsache, dass Jesus stirbt nicht im Stillen. "Es verblasst nicht langsam wie ein Licht, das verzehrt wird, sondern es hinterlässt ein Schrei im Leben: ‘Jesus, mit lautem Schrei, ist gestorben.’ (Mk 15, 37). Dieser Schrei umfasst alles: Schmerz, Verlassenheit, Glauben, Opferbereitschaft. Er ist nicht nur die Stimme eines Körpers, der aufgibt, sondern das letzte Zeichen eines hingegebenen Lebens." (Allgemeine Anhörung, 10.09.2025).

Seinem Schrei gehen folgende Worte voraus: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", die Psalm 22 entsprechen und die Stille, Abwesenheit und den Abgrund offenbaren, die der Herr erfährt.“Es geht nicht um –Leo XIV. legt fest– Es ist keine Glaubenskrise, sondern die letzte Stufe einer Liebe, die sich vollkommen hingibt. Jesu Ruf ist keine Verzweiflung, sondern Aufrichtigkeit, Wahrheit bis zum Äußersten, Vertrauen, das selbst in der Stille Bestand hat.".

In diesem Jubiläumsjahr spricht Jesu Ruf zu uns von Hoffnung, nicht von Resignation.“Wir schreien, wenn wir glauben, dass uns noch jemand hören kann. Wir schreien nicht aus Verzweiflung, sondern aus Sehnsucht.”Speziell:“Jesus schrie nicht gegen den Vater, sondern zu ihm. Selbst in der Stille war er überzeugt, dass der Vater da war. Und so zeigte er uns, dass unsere Hoffnung aufschreien kann, selbst wenn alles verloren scheint.".

Wir weinen bei unserer Geburt (wir kommen weinend zur Welt), wenn wir leiden, und auch wenn wir lieben, wenn wir rufen und anflehen:“Schreien bedeutet zu sagen, dass wir existieren, dass wir nicht in Stille verschwinden wollen, dass wir noch etwas zu bieten haben.".

Und das ist die Lehre aus Jesu Aufruf für die Reise des Lebens: Anstatt alles in uns hineinzufressen und uns langsam selbst zu verzehren (oder in Skepsis oder Zynismus zu verfallen).

Die Weisheit des Wartens 

Dann beginnt das Schweigen Jesu im Grab (vgl. Joh 19,40-41): “Eine Stille voller Bedeutung, wie der Schoß einer Mutter, der das noch ungeborene, aber bereits lebendige Kind behütet.”(Allgemeines Publikum, 17.09.2025). 

Er wurde in einem Garten, in einem neuen Grab, beigesetzt. Wie es am Anfang der Welt im Paradies geschah: Gott hatte einen Garten angelegt, und nun ist das Tor dieses neuen Gartens das versiegelte Grab Jesu. 

Gott hatte “ausgeruht”, “Gott starb”, heißt es im Buch Genesis (2,2), nach der Schöpfung. Nicht weil er müde war, sondern weil er sein Werk vollendet hatte. Nun hat sich Gottes Liebe aufs Neue gezeigt, erfüllt „bis zum Ende“. 

Jesus ruht endlich.

Es fällt uns schwer, uns auszuruhen. Aber“Zu wissen, wann man aufhören muss, ist ein Zeichen des Vertrauens, das wir erst lernen müssen zu erfüllen.”Wir müssen herausfinden, dass“Das Leben hängt nicht immer nur davon ab, was wir tun, sondern auch davon, wann wir aufgeben sollten, was wir hätten tun können.".

Jesus schweigt im Grab, wie der Same, der auf seinen Sonnenaufgang wartet.“Jede ungenutzte Zeit kann zur Zeit der Gnade werden, wenn wir sie Gott darbringen.".

Jesus, in der Erde begraben: “Es ist die Gott, der die Dinge geschehen lässt, der wartet, der sich zurückzieht, um uns Freiheit zu schenken. Er ist der Gott, der vertraut, selbst wenn alles verloren scheint.". 

Wir müssen lernen, uns von der Grenze umarmen zu lassen:“Manchmal suchen wir nach schnellen Antworten, nach sofortigen Lösungen. Doch Gott wirkt in der Tiefe, in der Zeit des Vertrauens.". 

Und all das spricht in diesem Jubiläum der Hoffnung erneut zu uns:“Wahre Freude entspringt dem Leben in Erwartung, dem geduldigen Glauben, der Hoffnung, dass alles, was in Liebe gelebt hat, gewiss zum ewigen Leben auferstehen wird.".

Er steigt herab, um das Licht und das Leben zu verkünden.

Am Mittwoch, dem 24. September, reflektierte der Papst auch über den Karsamstag. Christus starb nicht nur für uns, sondern stieg auch in die Unterwelt hinab, um allen, die dem Tod unterworfen sind, die Botschaft der Auferstehung zu verkünden. Diese Unterwelt bezieht sich nicht nur auf die Toten, sondern auch auf jene, die in Dunkelheit (Schmerz, Einsamkeit, Schuld) und vor allem in Sünde leben.“Christus – wie der Papst betont – Er dringt in all diese finsteren Realitäten ein, um von der Liebe des Vaters Zeugnis abzulegen. (...) Er tut dies leise, auf Zehenspitzen, wie jemand, der ein Krankenzimmer betritt, um Trost und Hilfe zu spenden.".

Die Kirchenväter beschreiben es als eine Begegnung zwischen Christus und Adam, die ihn mit Autorität, aber auch mit Sanftmut ins Licht zurückführt. Nicht einmal unsere dunkelsten Nächte oder unsere tiefsten Sünden sind Hindernisse für Christus. Zu Gott hinabzusteigen ist kein Scheitern, sondern der Weg zum Sieg. Kein Grab ist zu verschlossen für seine Liebe. Gott kann durch Vergebung stets eine neue Schöpfung bewirken. 

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