Neulich war ich im Park und bin auf eine Situation gestoßen, die mir viel zu denken gab.
Zwei Kinder spielten mit einer leeren Plastikflasche und füllten sie mit Sand. Sie waren so vertieft in ihr Spiel, dass ihre Eltern sich ungestört unterhalten konnten, ohne dass sie ständig etwas sagten wie: „Ich möchte Wasser“, „Der/Die lässt mich nicht mit dem Ball spielen“, „Pepito hat mich beleidigt…“
Es wurde dunkel und Zeit, nach Hause zu gehen. Die Kinder wollten nicht gehen, weil sie so viel Spaß hatten. Nach ihrer Weigerung spielte einer der Eltern seine Geheimwaffe aus: „Komm, wir gehen nach oben und schauen einen Film.“ Überraschenderweise verneinte sein Sohn.
Wie kann eine Plastikflasche den Bildschirm schlagen?
Wir sind es gewohnt zu denken, dass ein Bildschirm immer gewinnt. Er bietet Farben, Töne, Geschichten, Figuren, Spiele … Er kann uns alles sofort bieten. Und doch spielte dieses Kind lieber weiter mit einer einfachen Plastikflasche.
Vielleicht, weil diese Flasche nicht einfach nur eine Flasche war. Sie war die Möglichkeit, eine Beziehung zur Realität einzugehen.
Der Junge berührte den Sand, sah ihm zu, wie er in die Flasche rieselte, entdeckte, wie viel er hineinfüllen konnte, leerte sie und füllte sie wieder auf. Er erfand ein Spiel aus etwas, das direkt vor ihm lag. Und vor allem machte er eine Erfahrung.
Das erinnert mich stark an Don Luigi Giussanis These, dass die Realität der Ausgangspunkt allen Wissens ist. Für Giussani besteht der erste Schritt zum Erkennen darin, Realismus zu praktizieren: nicht unsere Vorstellungen der Realität aufzuzwingen, sondern die Realität sich selbst offenbaren zu lassen. Die Methode, etwas zu erkennen, hängt vom jeweiligen Erkenntnisgegenstand ab.
Und das hat viel mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich der digitalen Technologien zu tun. Ich will damit keinesfalls sagen, dass neue Technologien schlecht sind. Im Gegenteil: Sie sind Werkzeuge, die uns im Alltag enorm helfen. Sie ermöglichen uns zu kommunizieren, zu lernen, zu arbeiten, neue Orte zu entdecken und auf eine riesige Menge an Informationen zuzugreifen.
Das Problem entsteht, wenn der Bildschirm aufhört, ein Werkzeug zur Wahrnehmung der Realität zu sein, und schließlich selbst zur Realität wird. Denn dann kann etwas Merkwürdiges geschehen: Wir sehen viele Dinge, aber wir hören auf, das wahrzunehmen, was direkt vor uns liegt.
Uns stehen tausende Erfahrungen offen, doch wir können aufhören, unser eigenes Leben zu erleben. Und so können wir uns nach und nach in dem verfangen, worauf wir selbst unseren Fokus gerichtet haben. Die Realität funktioniert jedoch nicht so.
Die Realität holt uns ein. Wir können nicht vollständig bestimmen, was geschieht. Wir begegnen Menschen, die wir nicht erwartet haben, Ereignissen, die wir nicht vorhergesehen haben, etwas so Einfachem wie einem Park, Freunden, einer Flasche voller Sand oder der Tatsache, dass die Nacht hereinbricht und es Zeit ist, nach Hause zu gehen.
Und genau dort können wir etwas über uns selbst entdecken. Vielleicht war das auch bei diesen Kindern der Fall. Sie taten nichts Außergewöhnliches. Sie spielten einfach. Aber sie waren völlig in ihre Erlebnisse vertieft.
Und deshalb hat die Flasche gewonnen. Nicht weil sie unterhaltsamer war als ein Film, sondern weil die Flasche sie mit etwas Realem in Kontakt brachte.
Vielleicht liegt das Problem nicht darin, dass uns Bildschirme zu viel bieten, sondern dass sie uns manchmal so viel bieten, dass wir Gefahr laufen zu vergessen, dass es etwas gibt, das auf keinem Bildschirm erscheinen kann: die Realität selbst.
Ein Bildschirm kann uns eine Landschaft zeigen, aber er kann nicht ersetzen, selbst dort zu sein. Er kann uns einen Menschen zeigen, aber er kann nicht die Begegnung mit ihm ersetzen. Er kann uns eine Geschichte erzählen, aber er kann sie nicht für uns erleben. Er kann uns vieles lehren, aber er kann uns nicht die Frage beantworten, was das Leben lebenswert macht. Deshalb habe ich diesen Nachmittag über diese Plastikflasche nachgedacht. Vielleicht hat nicht die Flasche gewonnen. Die Realität hat gesiegt.
Padre de 6 hijas. Maestro de Audición y Lenguaje e hijo de padres sordos (CODA). Mi historia personal y profesional se entrelazan en una única vocación: romper barreras de comunicación





