Rhonda Gruenewald ist die Gründerin und Präsidentin von Berufsministerium, eine amerikanische Non-Profit-Organisation, deren Mission es ist, Berufungen in den gesamten Vereinigten Staaten zu fördern und dabei eng mit den Diözesen zusammenzuarbeiten.
Die Arbeit dieser Institution begann im Jahr 2011, und seither hat man festgestellt, dass die Förderung von Berufungen eine Anstrengung der gesamten katholischen Gemeinschaft ist, die von Anfang an echte Früchte trägt.
Besonderes Augenmerk legen sie dabei auf priesterliche Berufungen., Berufsministerium Er möchte Katholiken dazu ermutigen, ihre Berufung zu entdecken, was auch immer diese sein mag, vom Ordensleben bis zur Ehe.
In diesem Interview spricht Rhonda Gruenewald über die Arbeit der Organisation, die Auswirkungen, die sie seit ihrer Gründung auf Priesterberufungen hatte, und die Bedeutung der Einbeziehung der gesamten Kirche in dieses Vorhaben.
Welchen konkreten Bedarf haben Sie in den Pfarreien und Diözesen festgestellt, der Sie zur Schaffung dieser Initiative veranlasst hat?
—Zuerst war mir der Bedarf nicht bewusst. Einer unserer Priester, der frisch geweihte Pater Victor Perez, bat mich um Hilfe bei der Wiederbelebung eines Berufungskomitees in der St. Cecilia-Kirche in Houston, Texas. Bei unserem ersten Treffen sagte er: “Dies ist eine der wichtigsten Aktivitäten, die wir in unserer Gemeinde durchführen könnten, und alle Gemeinden sollten dies tun.”. Als ich also nach Hause zurückkehrte, um nach Ressourcen zur Förderung von Berufungen zu suchen, fand ich kaum etwas. Woran lag das? Ich war davon ausgegangen, dass alle Pfarreien Berufungen förderten, aber das war nicht der Fall.
Es geschah später, nach dem Schreiben Hundertfach: Ein Leitfaden für die Berufungsarbeit in der Gemeinde (Hundert pro Eins: Ein Leitfaden für die Berufungsarbeit in der Pfarrei), Start VocationMinistry.com und führte Schulungsworkshops in ganz Nordamerika durch, als ich feststellte, dass nur 10 bis 20 Prozent der Pfarreien von sich aus gezielt Berufungen fördern. Das musste sich ändern.
Was sind die größten Irrtümer oder Fehler, die Gemeinden bei der Berufsförderung begehen?
Der erste Mythos besagt, dass die Förderung von Berufungen eine langfristige Investition sei, die erst nach Jahrzehnten Früchte trägt. Zwar ist der Aufbau einer echten Berufungskultur zweifellos eine langfristige Aufgabe, doch wir haben festgestellt, dass die Ergebnisse viel schneller eintreten können, als man erwartet, wenn eine Pfarrei oder Diözese gezielt für Berufungen betet, junge Menschen persönlich einlädt, ihre Berufung zu erkennen, und die gesamte Gemeinde in die Berufungsförderung einbezieht.
Gott ruft jeden Tag in jeder Gemeinde. Oft fehlte es nicht an Gottes Ruf, sondern an unserer Einladung.
Dies haben wir in unserer Zusammenarbeit mit Diözesen in ganz Nordamerika immer wieder beobachtet. Im Erzbistum Hartford traten in den drei Jahren vor Beginn der Zusammenarbeit mit [Name der Diözese einfügen] lediglich drei Seminaristen ihre Ausbildung an. Berufsministerium. In den darauffolgenden drei Jahren, nach der Umsetzung einer gezielten Berufsorientierungsstrategie und dem Angebot von Ausbildungsmaßnahmen, traten 27 Männer in das Priesterseminar ein.
Das Bistum Dallas begrüßte dieses Jahr 12 neue Seminaristen, im Vergleich zu nur zwei, als wir 2014 unsere Zusammenarbeit begannen. Im Bistum Austin traten in den vier Jahren nach der Einführung einer gezielten Berufungsstrategie 56 Männer ins Priesterseminar ein, verglichen mit 25 in den vier Jahren zuvor.
Diese Beispiele erinnern uns daran, dass Gott die Bemühungen der Kirche, einen fruchtbaren Boden für Berufungen zu schaffen, oft auf außergewöhnliche Weise segnet.
Der zweite Mythos ist, dass jeder bereits wisse, was eine Berufung sei. In Wirklichkeit denken viele Katholiken beim Wort “Berufung” nur an das Priestertum oder das Ordensleben. Die Kirche lehrt jedoch etwas viel Umfassenderes. Jeder Mensch empfängt zunächst den allgemeinen Ruf zur Heiligkeit, den Ruf, Gott zu erkennen, zu lieben und ihm zu dienen. Von dort aus lädt Gott jeden von uns ein, diesen Ruf durch unsere primäre Berufung zu leben, sei es die sakramentale Ehe, das Priestertum oder das geweihte Leben.
Eine der größten Chancen für die Kirche besteht darin, den Katholiken zu helfen zu verstehen, dass die Suche nach Gottes Berufung nicht nur einigen wenigen Auserwählten vorbehalten ist; sie ist der Weg jedes Getauften.
Wie ist im Allgemeinen der aktuelle Stand der priesterlichen Nachfolge in den Vereinigten Staaten?
—Die Frage der priesterlichen Nachfolge in den Vereinigten Staaten bleibt eine der größten pastoralen Herausforderungen der Kirche, aber es gibt Hoffnung.
Unsere Forschung zeigt, dass die Gesamtzahl der aktiven Priester, Seminaristen und Priesterweihen seit Jahren rückläufig ist. Zwischen 2015 und 2024 sank die Zahl der aktiven Diözesanpriester um 12 %, die der Seminaristen um 22 % und die der Priesterweihen um 29 %.
Die größte Sorge gilt der Erneuerung des Priesteramtes. Im Zeitraum von 2014 bis 2023 hat keine einzige Diözese der Stufe 1 (mit mehr als 750.000 Katholiken) genügend Priester geweiht, um die bestehende Priesterzahl zu halten. Lediglich 16 Diözesen bundesweit, alle der Stufen 2 bis 4, haben im letzten Jahrzehnt kontinuierlich genügend Priester geweiht, um ihre Priesterzahl zu sichern oder sogar zu erhöhen.
Die Geschichte ist jedoch nicht einfach eine Geschichte des Niedergangs. Gott beruft weiterhin Männer zum Priestertum. Es gibt eindeutige Belege dafür, dass einige Diözesen Berufungen besonders gut fördern. Orte wie Wichita, Lincoln, Nashville, Bismarck, Springfield und andere zeigen, dass eine gesunde Priesterberufung auch in der heutigen Zeit möglich ist.
Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob Priesterberufungen möglich sind. Die Frage ist vielmehr: Was machen diese Diözesen anders, und wie kann der Rest der Kirche von ihnen lernen?
Es zeigt sich, dass kleinere, ländliche Diözesen (wie Wichita, Lincoln, Nashville und Bismarck) höhere Priesterweihen verzeichnen als ihre Nachfolgerate. Was unterscheidet diese Diözesen von großen Metropolregionen wie New York oder Los Angeles?
—Unsere Forschung ergab, dass der Hauptunterschied nicht in der Geografie liegt, sondern in der Zugänglichkeit.
Kleinere Diözesen ermöglichen es Priestern in der Regel, ihre Gemeindemitglieder persönlich kennenzulernen. Ein junger Mann, der über das Priesteramt nachdenkt, hat viel eher die Möglichkeit, sich mit seinem Pfarrer auszutauschen, gemeinsam mit ihm am Altar zu dienen oder persönlich eingeladen zu werden, eine Berufung in Betracht zu ziehen.
In unserer Aktualisierung von 2025 haben wir den Priesterverfügbarkeitsindex in unseren Bericht zu diesem Thema aufgenommen. Dieser Index misst die Erreichbarkeit von Priestern anhand der Anzahl der Gemeindemitglieder und der von ihnen betreuten Pfarreien. Diözesen der Stufe 1 weisen einen durchschnittlichen Priesterverfügbarkeitsindex von nur 29 auf, während Diözesen der Stufe 4 im Durchschnitt 62 erreichen – mehr als das Doppelte. Dieser Unterschied ist von Bedeutung.
Ein durchschnittlicher Priester in einer großen Diözese in einer Metropole betreut fast 7.000 Gemeindemitglieder, während Priester in kleineren Diözesen etwa 1.200 Gemeindemitglieder betreuen.
Wenn ein Priester für Tausende von Gemeindemitgliedern, zahlreiche Dienste, große Arbeitsteams, Schulen und umfangreiche Verwaltungsaufgaben verantwortlich ist, wird es viel schwieriger, die persönlichen Beziehungen aufzubauen, die oft zu einer Berufung führen.
Wie beeinflusst das Verhältnis von Gemeindemitgliedern zu Priester die Fähigkeit, junge Menschen bei der Suche nach ihrer Berufung zu begleiten und zu führen?
—Dies ist möglicherweise das bedeutendste Ergebnis unserer gesamten Untersuchung.
In beiden veröffentlichten Berichten sticht eine Korrelation besonders hervor: Je weniger Gemeindemitglieder ein Priester betreut, desto besser schneidet eine Diözese in der Regel bei der Förderung von Priesterberufungen ab.
In der Beziehung findet Unterscheidungsvermögen statt.
Junge Männer entscheiden sich selten für den Eintritt ins Priesterseminar, weil sie in der Ferne einen Priester bei der Messe gesehen haben. Viel häufiger reagieren sie darauf, weil ein Priester sie kannte, sie ermutigte, sie zum Dienst einlud, schwierige Fragen beantwortete oder einfach Zeit mit ihnen verbrachte.
Wenn Priester mit Tausenden von Gemeindemitgliedern oder mehreren Pfarreien überlastet sind, bleibt ihnen naturgemäß weniger Zeit für diese Art der persönlichen Begleitung. Unser ursprünglicher Bericht ergab sogar, dass Diözesen, in denen Priester mehr als 4.000 oder 4.500 Gemeindemitglieder betreuen, regelmäßig Schwierigkeiten haben, hohe Priesterweihenquoten zu erreichen.
Deshalb ist der Priesterverfügbarkeitsindex so wichtig. Er hilft Bischöfen zu verstehen, dass die Förderung von Priesterberufungen nicht nur die Einrichtung eines Berufungsbüros oder die Durchführung von Veranstaltungen umfasst. Es geht auch darum, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Priester Zeit und Freiraum haben, junge Männer persönlich zu begleiten.
In vielen Fällen inspirieren Priester angehende Priester. Wenn ein junger Mann regelmäßig Zugang zu einem fröhlichen und frommen Priester hat, der ihn persönlich kennt, rückt die Möglichkeit einer Priesterberufung in greifbare Nähe. Es bedarf mehr Gelegenheiten, authentische Beziehungen zwischen Priester und Jünger aufzubauen, denn dort nehmen Berufungen ihren Anfang.
Welche Bedeutung haben Praktiken wie die kontinuierliche eucharistische Anbetung oder speziell auf Berufungen ausgerichtete Heilige Stunden in Diözesen mit den größten Erfolgen im Bereich der Berufungen?
—Obwohl es keine landesweiten Daten gibt, die erfassen, wie viele Pfarreien die Ewige Eucharistische Anbetung oder spezielle Heilige Stunden für Berufungen anbieten, hat sich durch meine Arbeit mit Diözesen in ganz Nordamerika ein klares Muster herauskristallisiert.
Im vergangenen Jahrzehnt habe ich mit Tausenden von Priestern in über 80 Diözesen Nordamerikas gesprochen. In diesen Workshops bitte ich die Priester oft, die Hand zu heben, wenn ihre Gemeinde die eucharistische Anbetung anbietet – sei es die ewige, die wöchentliche oder die monatliche. In manchen Diözesen hebt nur ein einziger Priester die Hand, wenn ich nach der ewigen Anbetung frage. Auch wenn dies nur eine Einzelfallstudie und keine wissenschaftliche Grundlage ist, offenbart es doch oft etwas Wichtiges: Wenn wir es ernst meinen mit dem Gebet um mehr Berufungen, müssen wir auch gezielt Gelegenheiten für dieses Gebet schaffen.
Jesus selbst gab uns die erste Strategie für die berufliche Laufbahn: “Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter für seine Ernte aussende.” (Lk 10,2). Das Gebet ist nicht einfach eine Strategie unter vielen: Es ist das Fundament jedes erfolgreichen beruflichen Unterfangens.
Unter Berufsministerium, Wir ermutigen jede Gemeinde, damit zu beginnen. Eucharistische Anbetung, Gebetsstunden für geistliche Berufungen und regelmäßige Fürbittgebete laden die Gemeindemitglieder ein, gemeinsam mit Christus für zukünftige Priester und Ordensleute zu beten. Wir können hervorragende Programme, Veranstaltungen und Initiativen umsetzen, doch wenn sie nicht im Gebet verwurzelt sind, werden sie kaum dauerhafte Frucht bringen.
In Gemeinden mit soliden katholischen Schulen und Hausunterricht ist eine starke Präsenz von Berufungen zu beobachten.Homeschooling) und gut vorbereiteten Liturgien. Welche Rolle spielt das kulturelle und pädagogische Umfeld bei der Schaffung eines “fruchtbaren Bodens”?
—Gesunde Berufungen entstehen selten zufällig. Sie gedeihen dort, wo der katholische Glaube gelebt, gefeiert und bewusst von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.
Starke katholische Schulen, Homeschooling-Gemeinschaften, kirchliche Glaubensbildungsprogramme und ehrfürchtige Gottesdienste schaffen ein fruchtbares Umfeld, indem sie junge Menschen in eine authentische katholische Kultur einbinden. Sie helfen Kindern und Familien zu verstehen, dass jeder Getaufte eine Berufung hat und dass die Entdeckung des Rufes Gottes ein natürlicher Bestandteil des christlichen Lebens ist.
Diese Elemente entfalten ihre volle Wirkung jedoch noch stärker, wenn sie durch eine gezielte Berufungsarbeit in der Gemeinde miteinander verbunden werden. Eine solche Berufungsarbeit trägt dazu bei, die Bemühungen der Gemeinde zu bündeln, indem sie das Gebet für Berufungen fördert, Familien befähigt, zu Hause über Gottes Ruf zu sprechen, Priester dabei unterstützt, junge Menschen zur Berufungsfindung einzuladen, katholische Schulen und Katecheten einbezieht und dafür sorgt, dass das Bewusstsein für Berufungen ein fester Bestandteil des Gemeindelebens wird und nicht nur einmal im Jahr thematisiert wird.
Auch die Qualität der Liturgie spielt eine wichtige Rolle. Eine andächtige und ehrfürchtige Feier der Messe führt die Menschen in eine Begegnung mit Christus, und oft sind die Herzen in solchen Momenten am empfänglichsten für seinen Ruf. Ebenso können katholische Schulen und Hausunterrichtsgemeinschaften jungen Menschen mehr Möglichkeiten bieten, freudige Priester, Nonnen, Mönche und gläubige Ehepaare kennenzulernen, deren Zeugnis jede Berufung sichtbar und erreichbar macht.
Den größten Einfluss hat jedoch wohl die Familie. Eltern sind die ersten Wegweiser ihrer Kinder in Bezug auf ihre berufliche Laufbahn. Wenn Familien die Bereitschaft fördern, Gottes Willen zu folgen, wenn Gemeinden gezielt eine Kultur der Berufungen pflegen und wenn Schulen und Glaubensbildungsprogramme diese Botschaft bestärken, wird die gesamte Gemeinschaft zu einem fruchtbaren Boden, auf dem Berufungen gedeihen können.
Der Bericht befasst sich mit der Dynamik innerhalb hispanischer und Einwanderergemeinschaften. Was sind die wichtigsten Hindernisse oder besonderen Herausforderungen bei der Förderung von Berufen in diesen zunehmend bedeutenden Gemeinschaften?
Eine der größten Chancen für die Zukunft der Kirche in den Vereinigten Staaten liegt in unseren hispanischen und Einwanderergemeinschaften. Diese Familien zeichnen sich oft durch eine tiefe Liebe zum katholischen Glauben, starke familiäre Bindungen und eine große Hilfsbereitschaft aus – allesamt Eigenschaften, die einen fruchtbaren Boden für Berufungen bieten.
Die Herausforderungen sind kein Mangel an Glauben oder Großzügigkeit. Vielmehr sind sie oft kultureller, zwischenmenschlicher und praktischer Natur.
Es ist verständlich, dass viele Einwandererfamilien nach den großen Opfern, die sie für ein besseres Leben ihrer Kinder gebracht haben, finanzielle Stabilität und Bildung priorisieren. Obwohl sie die Kirche sehr schätzen, ist das Priestertum oder das geweihte Leben vielleicht nicht der Weg, den sie sich zunächst für ihren Sohn oder ihre Tochter vorgestellt haben. Ein wichtiger Teil der Berufungsseelsorge besteht darin, Familien zu begleiten, die erkennen, dass ihre größte Hoffnung nicht nur darin liegt, dass ihre Kinder ihre eigenen Träume verwirklichen, sondern dass sie Gottes Willen für ihr Leben freudig annehmen. Eltern dabei zu helfen, die Schönheit, den Sinn und die Freude einer Berufung zum Priestertum oder zum geweihten Leben zu entdecken, kann die Art und Weise, wie sie ihre Kinder ermutigen und unterstützen, grundlegend verändern.
Auch die Repräsentation spielt eine wichtige Rolle. Wenn junge Menschen Priester, Seminaristen und Ordensleute sehen, die ihre Sprache, Kultur und Lebenserfahrung teilen, können sie sich eher vorstellen, Gottes Ruf zu folgen. Investitionen in kulturell angemessene Berufungsarbeit und die Unterstützung von Familien in ihrer Muttersprache können einen entscheidenden Unterschied machen.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, eine persönliche Einladung auszusprechen. Viele hispanische und Einwanderergemeinden sind dynamisch und wachsen, aber sie sind oft auch sehr groß. Priester und Gemeindeleiter fühlen sich dadurch mitunter überfordert, was es schwierig macht, die persönlichen Beziehungen aufzubauen, die junge Menschen häufig dazu bewegen, über eine Berufung nachzudenken.
Eine Botschaft der Hoffnung: Angesichts der Statistiken und des Rückgangs in vielen Regionen, warum sind Sie überzeugt, dass die Berufungskrise nicht auf einen Mangel an Gottes Ruf zurückzuführen ist, sondern auf die Reaktion des kirchlichen Ökosystems?
Denn Gott hat nie aufgehört zu rufen. Die Kirche darf nie aufhören einzuladen.
Diese Überzeugung wurde durch die Zusammenarbeit mit über 80 Diözesen in Nordamerika weiter bestärkt. Wir haben erlebt, wie Diözesen, die jahrelang einen Rückgang der Berufungen verzeichneten, wieder neue Seminaristen aufnahmen, nachdem sie gezielt eine Kultur gefördert hatten, in der das Gebet um Berufungen, die persönliche Einladung, freudige Zeugnisse und die Berufungsarbeit in den Gemeinden Priorität hatten. Gott rief bereits. Die Kirche bemühte sich nun noch bewusster darum, Menschen zu helfen, seine Stimme zu hören und ihr zu folgen.
Papst Benedikt XVI. brachte dies in seiner Ansprache an die Bischöfe der Vereinigten Staaten im Jahr 2008 wunderbar zum Ausdruck. Er erinnerte sie daran, dass “Die Fähigkeit, Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben zu fördern, ist ein sicheres Zeichen für die Gesundheit einer Ortskirche.”und dass “Es liegt an uns allen, auf diesen Aufruf großzügig und unentgeltlich zu reagieren.”.
Deshalb bleibe ich hoffnungsvoll. Die Statistiken zeigen uns zwar die Herausforderungen auf, aber sie belegen auch, dass einige Diözesen ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnen. Diese Diözesen erinnern uns daran, dass die Berufungskrise nicht unausweichlich ist. Wenn die Kirche bewusst einen fruchtbaren Boden schafft, auf dem Gottes Ruf gehört werden kann, folgen ihm mehr Menschen großzügig.
Unser Vertrauen ruht nicht auf demografischen Daten oder Trends. Es ruht auf Gottes Treue, der uns immer wieder beruft, und auf der Verantwortung der Kirche, die Bedingungen zu schaffen, unter denen dieser Ruf gehört, genährt und freudig angenommen wird.